Das Experten-Paradox

Es gibt eine ganze Reihe von Leuten, die von Medien und Politik wie die Sau durchs Dorf getrieben werden. Diese werden in der Regel als “Experten” dargestellt, ob sie jetzt was sinnvolles (selten) oder absoluten Quatsch (oft) reden.

Ein Beispiel ist der zunächst gehypte Virologe Christian Drosten, der aktuell nur noch durch Rumjammern über angebliche Morddrohungen auf sich aufmerksam machen kann.

Das ist das absolut identische “Argumentationsschema”, was wir von Feministen kennen: “Die Bösen hassen mich für das, was ich sage, also muss ich Recht haben”. So “argumentiert” aber niemand, der echte Argumente hat.

Herr Drosten hat offenbar keine. Neben Gejammer über angebliche Morddrohungen und ungefragte Selbstexkulpierung (“Es ist nicht meine Schuld [dass wir Millionen Arbeitslose haben”) zu Vorwürfen, die korrekterweise an die regierende Junta gehen sollten, kommt noch ein toll klingendes Wort:

Die derzeitige Situation in Deutschland beschrieb Drosten als “Präventionsparadox”: Mit frühzeitigen Maßnahmen und umfangreichen Corona-Tests habe man die Ausbreitung des Virus hierzulande erfolgreich eingedämmt. Aber jetzt werde der im internationalen Vergleich milde Pandemie-Verlauf irrtümlich als Argument dafür genutzt, die Maßnahmen rückblickend als übertrieben zu bewerten. “Die Menschen behaupten, wir hätten überreagiert”

Das hat relativ viele Probleme: Erstens mal ist es eine reine, unbelegte Behauptung, dass der epidemiologische Verlauf irgendwie ursächlich auf die getroffenen Maßnahmen zurückzuführen ist. Wissenschaftler, die nicht nur von der Presse so bezeichnet werden – kennen wir von “Gender-Forschern” und “Klimawissenschaftlern” schon –  machen Aussagen wie “meine Theorie ist X, und die Statistik unterstützt X”. Schauen wir uns die Statistik nochmal an?

(Grafik zeigt Neuinfektionen in einem 4-Tages-Zeitraum / ~ im vorangegangen 4-Tages-Zeitraum; Datenquelle).

Seht Ihr auch, wie der “Experte”, die tolle “Wirkung” der einzig glückseligmachenden deutschen Maßnahmen, im Vergleich zu Schweden, die nichtmal die Grenzen dicht, sondern weitestgehend lediglich Großveranstaltungen verboten haben? Seht Ihr, wie enorm viel besser es in Tschechien läuft, die 10 Tage vor D mit sowjetischem Bevölkerungsmanagement angefangen haben?

Nein?

Aber wir haben ja noch das “Präventionsparadox”, was die dummen, morddrohenden Nazis absolut berechtigte Kritik üben Hatespeech verbreiten lässt – oder haben wir?

Der Begriff kommt von einem Geoffrey Rose (1981), Artikel hier.

Why is so large a part of our research devoted to the “mechanics of dying,” and so little to the scientific, social, and economic basis of prevention? The answers to these questions are satisfactorily complex. We do not know why the Australians and the Americans have done well in their control of coronary heart disease, or whether (if we did know) we could have shared their good fortune.

Ah – äh – Moment, da geht es gar nicht um Viren? Aber Leute, die sagen, dass sie etwas nicht wissen, sind mir schonmal deutlich sympathischer als “Experten”, die die alleinige Weisheit vom Himmel verkünden, selbst wenn die Tatsachen ihre Aussage nicht stützen.

Das Paradoxon lautet laut Rose wie folgt:

We arrive at what we might call the prevention paradox- “a measure that brings large benefits to the community offers little to each participating individual.”

Es geht Rose hierbei darum, dass bei vielen “vermeidbaren” Krankheiten (Krebs durch Rauchen, Herzinfarkt durch Adipositas, Down-Syndrom durch Komasaufen in der Schwangerschaft) das relative Auftreten der Krankheit innerhalb einer identifizierbaren Hochrisikogruppe deutlich über dem Auftreten in der Gesamtbevölkerung ist – die absoluten Zahlen des Auftretens allerdings – bedingt durch ihre mengenmäßige Mehrheit – in der Gesamtbevölkerung überwiegen (dh, fette Leute bekommen doppelt so viele Herzinfarkte, aber nur 20% der Leute mit Herzinfarkt sind fett, zum Beispiel).

Daraus (!) leitet Rose ab, dass – sofern politisch und sozial vertretbar, und unter der Bedingung, dass es mehr nützt als schadet – man durchaus eine Massen-Intervention “rechtfertigen” kann. Was dann allerdings auch nicht per Dekret, und auch nicht per guten Ratschlägen geht: “To influence mass behaviour we must look to its mass determinants, which are largely economic and social.”

Das ist ein interessantes Thema, bei dem ich strikt dagegen bin – es ist nicht Aufgabe Dritter, mir mein Leben vorzuschreiben, und ich habe auch keine Lust, vom Staat zu einem “gewünschten” Verhalten “genudgt” zu werden, aber das ist hier gar nicht das Thema:

Es ist eine Grundbedingung für das Auftreten des Präventionsparadoxons, dass die absolute Mehrheit der Fälle in der Allgemeinbevölkerung und eben nicht in der Risikogruppe auftreten. Das ist die auch nur ansatzweise “ethische” Basis für die Rechtfertigung einer Massen-Intervention.

Das ist aber bei Covid-19 nicht der Fall. Die absolut überwiegende Mehrheit der Schwerkranken wie auch Toten sind Geriatriepatieten. Oder – die Tests sind ja ganz hervorragend, natürlich Papayas.

2 Replies to “Das Experten-Paradox”

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