Endlich: “Argumente” gegen die AfD

Da hat sich doch tatsächlich von mir unbemerkt in – ratet mal – Berlin so ein obskurer “Verein” gegründet, der aus irgendwelchen obskuren Quellen und ganzen 3.000 Euro an privaten Spenden drei Vollzeitmitarbeiter unterhält, die sich dem Kampf gegen die AfD mit Argumenten widmen.

Argumente! Darauf habe ich über ein Jahr gewartet!

Also, los geht’s:

RECHTSPOPULISTISCHE PAROLEN ENTKRÄFTEN

Netter Anfang. Gleich mal alles, was die AfD sagt, als “Parolen” zu bezeichnen ist allerdings kein Argument, sondern Sophismus.

Die AfD behauptet in ihrem Grundsatzprogramm: „Die ideologisch motivierte Inklusion ‚um jeden Preis‘ verursacht erhebliche Kosten und hemmt behinderte wie nicht behinderte Schüler in ihrem Lernerfolg“ (S.54).

Doch seit 2009 ist in Deutschland die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen in Kraft. Dabei handelt es sich nicht um Ideologie, sondern eine wichtige Maßnahme,

Moment mal… was unterscheidet denn eine Ideologie von einer Maßnahme? Dass sie “wichtig” ist wohl eher nicht – oder?

um Gerechtigkeit im Bildungswesen zu ermöglichen. Denn die UN-Konvention fordert ein integratives Bildungssystem,

Ja – aber damit ist das doch immer noch eine Ideologie? Nur, weil ihr da “denn” hinschreibt, ist das kein kausallogischer Schluss, den ihr da bringt. Aber egal, die AfD sagt ja vor allem, dass das (a) sackteuer ist und (b) scheiße ist.

Um diese Inklusion zu erreichen, sind Umstrukturierungen im Schulsystem nötig. Mehr als zwei Prozent des aktuellen Bundeshaushaltes (2017) würde das jedoch nicht kosten.

Zwei Prozent des fucking Bundeshaushalts sind fast so viel, wie wir für die fucking Bundeswehr ausgeben. Das ist nicht “nicht viel”, das ist sackteuer. Guter Anfang, Kinder… ehrlich, wolltet ihr nicht Argumente gegen die AfD bringen, statt ihnen Recht zu geben?

Gleichzeitig belegen Studien, dass sich ein inklusives Lernumfeld positiv auf die Leistungen der Kinder auswirkt. Dies trifft nicht nur auf die Leistungen von Kindern mit Behinderung, sondern auf alle Kinder zu.

Verlinkt ist eine Studie. Die, wenn sie denn so positiv ist, nicht der Realität in Deutschland entspricht, da man sonst ja nicht noch zwei fucking Prozent des Bundeshaushalts extra bräuchte. Kommt, Leute… das war schlecht. Geht das vielleicht auch besser?

Die Aussage der AfD verstößt somit nicht nur gegen die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, sondern verkennt auch die Realität hinsichtlich Kosten und Lernerfolg innerhalb des deutschen Bildungs- und Schulsystems.

Okay, dass die AfD-Position auf die UN-Konvention scheißt, ist klar, aber kein Argument. Die UN-Konvention ist nicht automatisch gut. Das mit den Kosten ist eine glatte Lüge, und über eventuelle Erfolge können wir bestenfalls streiten.

Nächstes Thema:

Die AfD fordert in ihrem Wahl-Programm, die „schleichende Abschaffung“ des dreigliedrigen Schulsystems zu verhindern und ein “differenziertes Schulsystem“ zu erhalten (S. 43).

Doch das dreigliedrige Schulsystem gibt es noch fast überall in Deutschland.

Merkt ihr selber, oder? Noch. Fast überall. Deswegen schreiben die von ‘schleichender Abschaffung’. Pro-Tipp für’s Argumentieren: Nicht dem Gegner Recht geben!

Nächstes Thema:

Die AfD fordert in ihrem Wahl-Programm eine Einstellung „staatlich geförderte[r] Umerziehungsprogramme in Kindergärten und Schulen“ sowie der „Gender-Forschung“ an Universitäten. So möchte sie das „bewährte, traditionelle Familienbild“ erhalten (S. 41).

Im Kommentar des Sozialpaktausschusses der Vereinten Nationen (1999) sind die Grundelemente des Menschenrechts auf Bildung bestimmt

Und im fucking Parteiprogramm der NSDAP stand da sicher auch was dazu. Ad autoritatem ist kein Argument, sondern reine Dialektik.

Viel wichtiger ist, dass sich das Familienbild in Deutschland wandelt: Neben der als “traditionell” verstandenen Familie von Vater, Mutter, Kind(ern), sind ungefähr 19 Prozent alleinerziehend. Hinzu kommen Patchwork-Familien, Familien mit zwei Vätern oder Müttern sowie andere Konstellationen. Die jüngste Entscheidung für die „Ehe für Alle“ ist ein wichtiger Schritt zur Anerkennung der veränderten Lebensrealitäten.

Ja – und das findet die AfD scheiße, dass sich das wandelt. Ihr findet das gut und macht hier den naturalistischen Fehlschluss, dass es gut sei, “weil” es halt so sei. Das ist Politik, da kann man vorausschauend denken. Wenn irgendwer z.B. keine Juden im Land haben will, hilft das Argument “die sind aber da” nur insofern, als dass dann vielleicht jemand auf die Idee kommt – naja, wisst ihr selber, hatten wir schon. Das ist so wirklich kein Argument.

Darüber hinaus verpflichtet uns das Grundgesetz (Art. 3, Abs. 2) auch dazu, Geschlechtergerechtigkeit umzusetzen.

Das Grundgesetz verpflichtet den Staat, nicht seine Bürger. Wirklich, ehrlich und ganz genau gar keinen seiner Bürger. Es verpflichtet nichtmal irgendwelche drogendealenden Neger zu irgendwas.

Dafür leistet die Gender-Forschung an den Universitäten also einen wichtigen Beitrag.

“Also”. Das ist so billig, dass man schreien will. Kausalitäten rhetorisch vortäuschen, wo keine sind. Und den Bullshit in Art. 3 GG hat man da ja erst jüngst reingeschrieben, kann man also genausogut wieder rausstreichen. Merkt euch das mal: Man kann einer politischen Partei nicht mit “aber, Gesetze” kommen. DIE MACHEN GESETZE.

Nächstes Thema:

RechtspopulistInnen behaupten, dass es in Deutschland eine Gleichschaltung der Medien gäbe. Das machen sie daran fest, dass viele Medien ihre Argumentationen und Forderungen nicht unterstützen bzw. kritisieren.

Eine “Gleichschaltung” der Medien würde jedoch bedeuten, dass es einen zentralen Akteur gäbe, der bestimmt, was in den Medien abgebildet wird. Dies ist in Deutschland aber nicht der Fall. Es gibt hier also keine Gleichschaltung der Medien.

Ich wäre mit sowas sehr vorsichtig. Erstens mal ist es eine völlig freie Behauptung, dass es für eine Gleichschaltung einen zentralen Akteur bräuchte; in einer arbeitsteiligen Gesellschaft braucht es nicht zwingend eine Hierarchie, um zusammenzuarbeiten (das ist für Linke natürlich undenkbar; da braucht es einen obersten Sowjet – sonst würden die Leute ja am Ende noch alleine denken). Zweitens ist der mit Abstand größte Akteur am deutschen Medienmarkt der öffentlich-rechtliche Rundfunk, und bei dem gibt es solche Gremien sehr wohl.

Das ist also kein Gegenargument, sondern bestenfalls dumm, wahrscheinlich aber eine glatte Lüge.

Next.

Immer wieder formulieren RechtspopulistInnen, dass Deutschland durch eine Islamisierung bedroht werde. Das machen sie daran fest, dass Menschen mit muslimischem Glauben diesen häufig auch öffentlich leben, zum Beispiel indem sie Moscheen besuchen oder Kopftücher und Schleier tragen.

In rechtspopulistischen Argumentationen wird oft gefordert, Muslimen und Muslimas zu verbieten, ihren Glauben zu praktizieren. Doch einen Gebetsraum aufzusuchen oder privat religiöse Symbolik zu tragen, gehört zur im Grundgesetz garantierten Religionsfreiheit.

Ich habe ernsthaft von der AfD noch nie auch nur etwas in der Nähe der Forderung gehört, Leuten das Beten zu verbieten. Mit einem Sack über dem Kopf rumzulaufen aber ist in Deutschland eigentlich sowieso verboten – Vermummungsverbot bei Demos, bei Autofahrten; man muss solche Leute auch nicht in sein Restaurant oder Supermärkte lassen.

Aber schon wieder kommt hier gar kein Argument, sondern “Grundgesetz”. Und das garantiert ganz genau nicht, dass man Religion überall und wie man will praktizieren kann, sonst dürften Satanisten ja auch Säuglinge opfern. Bildet euch doch erstmal selber, bevor ihr so einen Stuss schreibt, der sowieso nur Strohmänner abfackelt. Es richtet sich zudem alles überhaupt nicht gegen den Punkt der “Islaminisierung”. Null. Gar nicht. Themaverfehlung, setzen, sechs.

In ihrem Grundsatzprogramm schreibt die AfD: „Nicht therapierbare alkohol- und drogenabhängige sowie psychisch kranke Täter […] sind […] in der Sicherungsverwahrung unterzubringen“ (S. 26).

Bisher werden psychisch kranke Straftäter nicht zu Haftstrafen verurteilt, sondern in Kliniken eingewiesen, in denen sie therapiert werden und keine Gefahr mehr von ihnen ausgeht. Die AfD fordert dagegen Strafe statt Behandlung.

Das ist eine Lüge. Die AfD schreibt – in dem von euch zitierten Teil – “nicht therapierbare“. Nicht behandelbare kann man nicht behandeln, das ist also Unsinn, dass ihr so tut, als würde die AfD ihnen die Behandlung verweigern. Ob es eine Strafe ist, gefährliche, kranke Leute wegzusprerren oder zum Schutz des fucking Rests der Gesellschaft notwendig und sinnvoll ist, das ist hier das zentrale Thema. Geht ihr darauf wenigstens ein?

Psychisch kranke, alkohol- oder drogenabhängige Täter einzusperren und ihnen gleichzeitig Therapien vorzuenthalten, wie es die AfD fordert, verstößt daher gegen den Grundsatz der Menschenwürde.

Uuuuh Menschenwürde. Abgesehen davon, dass ihr nur die Lüge von oben wiederholt: Fickt Euch.

Die AfD sieht „den Fortbestand der Nation als kulturelle Einheit“ bedroht und will deshalb die deutsche Leitkultur „selbstbewusst verteidigen“ (Grundsatzprogramm S. 55).

  • Die AfD will allen Menschen in Deutschland die „deutsche Kultur“ als Leitkultur aufdrücken.

Jaaaaa…. ja, also, denen, die noch nicht so lange hier leben, gell? Der Rest hat sie ja schon?!

  • Doch in Deutschland gibt es sehr viele verschiedene Kulturen und Traditionen, die friedlich miteinander leben, gemeinsame Werte entwickeln und sich an unsere Verfassung und Gesetze halten.

Wie mich dieses “Bürger, die sich an die Verfassung halten” nervt. Ich kann mich nicht nicht an die Verfassung halten; das kann muss nur der Gesetzgeber, die Exekutive und Judikative. Nicht Bürger. Immer noch nicht. Wie mich dieses “Demokratie” und “Verfassung” und “Menschenrechte” – Geschwurbel ankotzt, was fast ausschließlich Leute verwenden, die bei jedweder Gelegenheit Menschenrechte mit Füßen treten.

Warum soll die AfD definieren dürfen, was zur “Leitkultur” gehört und was nicht?

Will die AfD das denn? Wollen wir vielleicht einfach mal demokratisch drüber abstimmen, was denn nun eine “deutsche Leitkultur” sei?

Oh, und dann kommt ihr “ist doch alles nicht so schlimm” – Hashtag #wasverlierstdu:

Das Recht auf eine freie Entfaltung der Persönlichkeit und deine Privatsphäre. Das Grundgesetz garantiert dir in Artikel 2 den Schutz der allgemeinen Handlungsfreiheit. Das bedeutet, dass niemand bestimmen kann nach welcher Kultur du lebst oder welche Gewohnheiten du hast – auch nicht die AfD.

Ich onaniere gerne in öffentlichen Verkehrsmitteln und spritze das dann 14jährigen, rothaarigen Mädchen in die Augen. Gut, dass man das in Deutschland darf und niemand meine freie Entfaltung der Persönlichkeit verhindert.

Oh.

Idioten.

In ihrem Grundsatzprogramm schreibt die Afd: „Die Wertschätzung für die traditionelle Familie geht in Deutschland zunehmend verloren“ (S.41).

Die AfD möchte das traditionelle Familienbild mitsamt seiner altbackenen Rollenunterschiede zum Leitbild machen.

Ich habe von der AfD zu keinem Zeitpunkt gehört, dass Frauen in die Küche gehören. Frau Petry von der AfD, mutter von x Kindern, sitzt zum Beispiel bald im Bundestag, so altbacken sind die. Wollt ihr euch absichtlich lächerlich machen? Das ist nichtmal ein Strohmann, dass ist ein Haufen Kuhmist.

Deshalb bekennt sie sich offen gegen „Gender-Mainstreaming“ und damit gegen die Gleichberechtigung von Mann und Frau.

Kausalitäten, wie wir wissen, entstehen dadurch, dass man Kausalwörter verwendet. Deswegen. Nur deswegen.

Sachlich: Könnte es sein, dass “Gender Mainstreaming” absolut nichts mit Gleichberechtigung und vielmehr mit Gleichstellung zu tun hat und ihr hier einfach nur unverschämt lügt? Nachzulesen bei im Protokoll der radikalen Kampflesbensitzung in Beijing 1995?

Die AfD widerspricht mit ihren Aussagen demnach dem Gleichheitssatz im Grundgesetz.

Dem ganz, ganz neu dazugetanen, der Gleichberechtigung mit Gleichstellung ersetzt und damit mal gegen echte, grundlegende Menschenrechte verstößt? Den? Hey – das ist kein Argument gegen die AfD.

Die AfD behauptet zwar, dass sie sich „uneingeschränkt“ zur „Glaubens-, Gewissens- und Bekenntnissfreiheit“ bekennt. Gleichzeitig fordert sie jedoch der Religionsfreiheit “Schranken” zu setzen (Grundsatzprogramm S. 48f.).

Ja – hatten wir doch schon? Ihr habt dann behauptet, die AfD will den Leuten verbieten, an irgendeinen anderen Gott als ihren eigenen zu glauben, wie das – äh – jede Religionsgemeinschaft macht?

Die AfD schießt sich insbesondere auf den Islam ein. Sie fordert zum Beispiel das Verbot von Minaretten und den Muezzinruf.

Ich bin mir recht sicher, dass es in Deutschland sowieso schon verboten ist, wie ein blöder mitten in der Nacht rumzubrüllen; ganz besonders mit Lautsprechern. Wenn ich jetzt möchte, dass da so bleibt – muss ich nur deswegen die AfD wählen? Falls ja, ist es dann OK, die AfD zu wählen?

Der nächste Punkt ist etwas wirr, da:

Die AfD macht einen Unterschied zwischen politisch Verfolgten und anderen Schutzsuchenden.

… das übrigens auch das Gundgesetz in Artikel 16a macht und…

#wasverlierstdu: Das Recht auf Asyl. In Deutschland ist das Recht auf Asyl in Artikel 16a im Grundgesetz festgelegt. Der hohe Rang dieses Gesetzes ist eine direkte Reaktion auf die politische Verfolgung während der Zeit des Nationalsozialismus. Mit diesem Grundrecht bekennt sich die Bundesrepublik zu ihrer historischen Verantwortung, …

Dazu: Ich habe sowieso kein Recht auf Asyl in Deutschland (und sonstwo auch eher nicht), aber die AfD erkennt mit dieser Differenzierung genau diese historische Verantwortung für politisch Verfolgte an. Neben der CSU ist die AfD die einzige (relevante) Partei, die zwischen Leuten, die in Saudi-Arabien mit von Thyssen-Krupp gelieferten Steinen hingerichtet werden würden, weil sie gerne eine Demokratie hätten, und irgendwelchen Zigeunerfrauen, die vom deutschen Staat Unterhalt für ihre 12 unehelichen Bälger will.

Das Grundgesetz, mit dem hier argumentiert wird, kennt keine Kriegsflüchtlinge – das ergibt sich aber – jaja – von alleine aus der Menschenwürde. Das Problem ist, dass ebendiese Menschenwürde es uns komischerweise verbietet, IS-Massenvergewaltiger und -mörder nach Syrien abzuschieben, weil sie dort für ihre dort begangegen Verbrechen nach den dortigen Gesetzen gehängt werden würden. Vielleicht sollten wir das mit der Menschenwürde mal auf Menschen konkretisieren, die irgendwie Würde haben.

die AFD zieht einen Austritt aus der Europäischen Union in Erwägung. Das hätte sehr weitreichende Konsequenzen, wie uns der Brexit zeigt:

Ohne die EU wären die Zeiten vorbei, in der du dich einfach in das Auto oder den Zug setzen und spontan nach Italien, Polen oder Frankreich fahren kannst. Lange Schlangen vor den Grenzkontrollen und mühsame Visumsanträge würden das Reisen in Europa dann viel komplizierter machen.

Wie entsetzlich. Wenn man jetzt die unendliche Zeit als Maßstab nimmt, die man an den größten Flughäfen der Welt auf seine Einreise warten muss – also, so zehn Minuten in JFK, fünf in Beijing Capital oder auch mal fünfzehn in Istanbul, ist das schon fast die Zeit, die der fucking Zug Verspätung hatte.

Mit einem deutschen Pass bekommt man übrigens für 184 der 200(nochwas) Länder dieser Erde vollkommen problemlos ein Visum – oder braucht keines. Die EU hingegen hat es aber zum Beispiel nicht geschafft, da was Einheitliches auch nur mit den Türken auszuhandeln – Österreicher brauchen ein Visum (gibt’s im Internet, 5 Minuten), Deutsche nur einen gültigen Pass. Die deutsche Regierung ist in der Hinsicht also mal grundsätzlich besser als die EU – danke, EU, für nichts. Ich brauche euch nicht.

Abgesehen davon war mein Papa auch schon in den 60ern in Italien – und sogar in Marokko und Tunesien und Libyen und so, wo wir dank der modernen “Demokratisierungen” dieser Länder ja nicht mehr hinkönnen. Danke, EU. Danke.

die EU hat dafür gesorgt, dass seit 70 Jahren Frieden auf dem europäischen Kontinent herrscht – solange wie noch nie.

Erzählt das bitte, bitte, bitte Leuten aus Jugoslawien – ah – ne – Bosnien, Serbien, dem Kosovo und wie der Rest jetzt heißt.

Widerliche Lügner.

da die AfD den Euro abschaffen will.

Der Euro ist ein wichtiger Garant für die starke deutsche Wirtschaft.

Wohingegen wir mit der DM auf dem Entwicklungsstand Japans stehengeblieben waren, also auf Platz 2 der wirtschaftlich erfolgreichsten Länder der Welt?

Ein Austritt aus dem Euro wäre daher eine Katastrophe für die deutsche Wirtschaft – und unsere Gesellschaft.

*Daher*.

Denn die Wiedereinführung der D-Mark würde deutsche Produkte im Ausland viel teuer machen und dem deutschen Exportgeschäften deshalb massiv schaden. Das hätte auch weniger Steuereinnahmen und letztlich weniger Geld in der deutschen Staatskasse zur Folge, das für Bildung, Kultur und Infrastruktur ausgegeben werden kann.

Na, dann ist es doch praktisch, wenn wir den unendlich teuren Unsinn mit der Behinderteninklusion und den Gender Studies lassen, gell? Hach, wird hier schön aufgezeigt, wie stringent das Parteiprogramm der AfD ist. Bei der Linken weiß man nie, wo das Geld herkommen soll.

Ohne den Euro müsstest du bei Reisen innerhalb Europas außerdem auch wieder für teure Gebühren Geld tauschen. Wie lästig und undurchsichtig das ist, wissen deine Eltern. Frag sie einfach.

Hmmmm… ich habe in Wirtschaftswissenschaften promoviert. Aber gut, vielleicht ist das für weniger fachlich gebildete tatsächlich schwierig, von daher: Bei der DKB gibt es eine kostenlose VISA-Karte, die dieses Problem vollumfänglich löst.

Komischerweise zahle ich meine Zigaretten übrigens trotz EU noch in tschechischen Kronen.

Die EU hat uns außerdem viele wichtige Verbraucherrechte beschert: So können wir dank der EU im Internet geschlossene Verträge ohne Grund widerrufen, bei verspäteten oder ausgefallenen Flügen unsere Rechte beanspruchen oder in ganz Europa ohne Roaming-Gebühren telefonieren.

Was die unfähige, deutsche Regierung nicht geschafft hätte. Natürlich nicht, waren ja vollkommen andere Parteien – ach, nicht? Oh – tatsächlich nicht; das verdanken wir offenbar Martin Sonneborn von der PARTEI, die ja im Europaparlament sitzt. Wie auch… die AfD?

Oh. 

die AfD ist gegen eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik in der EU.

In einer globalisierten Welt können wir als EuropäerInnen nur gemeinsam stark sein. Denn Deutschland allein ist keine Weltmacht …Seit 2009 gibt es in der EU eine Art AußenministerIn, die diese gemeinsame europäische Stimme international artikuliert. Offiziell heißt dieses Amt „Hoher Vertreter der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik“. Zur Zeit wird es von der Italienerin Federica Mogherini ausgeübt.

Toll. Wenn es die nicht gäbe, hätte ich auch noch nie von ihr gehört. Ist sicher total wichtig, das Amt.

Wenn die AfD dieses Amt abschaffen möchte, dann gefährdet sie damit auch, dass unsere Stimme von den Trumps, Putins und Erdogans dieser Welt übertönt wird.

Die Erdogans, die ein Land mit weniger Leuten und weniger als einem Drittel des BIP haben? Oder die Putins mit ein paar mehr Leuten, die es aber tatsächlich schaffen, noch weniger zu erarbeiten als die Türken? Die Leute, die so laute Stimmen haben? Die? Die sich mit ihren Ländchen hinstellen und die EU-Minister als Knalltüten bezeichnen und ihnen dann zum Mitschreiben die Konditionen für so ziemlich alles diktieren? Die?

Das wäre ja entsetzlich, wenn wir die EU-Leute nicht mehr hätten. Dann wären wir auch so ein kleines Land – also, außer, dass wir mehr Geld haben als beide zusammen, natürlich – und könnten auch mal rumblöken. Das wäre gar nicht gut. Pfui.

Die AfD will die Erbschaftsteuer abschaffen und spricht sich gegen die Vermögenssteuer aus. Beide Steuern werden nicht von den „kleinen Leuten“ bezahlt

Ja, wie auch? Es werden ja alle furchtbar besteuert in Deutschland?!

Diese Steuereinnahmen fehlen dann im Staatshaushalt, aus dem auch die Leistungen für die „kleinen Leute“ finanziert werden.

Kleine Leute wie übrigens die Kinder von irgendeiner Zigeunerfrau oder IS-Terroristen, denen wir eine “menschenwürdige” Sicherungsverwahrung bieten müssen; nicht dass da jetzt jemand an Opa Egon denkt, der sich gerade mit dem Staatsanwalt rumärgern muss, weil er bei Liederabend im Seniorenheim das Horst-Wessel-Lied gesungen hat.

Eine Vermögenssteuer verstieße übrigens gegen das Grundgesetz, weil es eine doppelte Besteuerung des Gleichen wäre, aber hey, scheiß doch auf das Grundgesetz, gell?

Die AfD will Regulierungen und Bürokratie abbauen. Gleichzeitig spricht sich die Partei im Wahlkampf für den Mindestlohn aus und will gegen prekäre Beschäftigungsverhältnisse vorgehen.

Dabei sind der Mindestlohn und Maßnahmen zur Eindämmung prekärer Arbeit genau solche Instrumente, die den Arbeitsmarkt regulieren.

Der Mindestlohn ist keine bürokratische oder sonstige Hürde, die den Wettbewerb im Inland verzerren würde. Gleichwohl ist er blöd und schwächt Deutschland im internationalen Wettbewerb. Aber gut, jetzt haben wir endlich mal ein Argument gegen die AfD: Die wollen den Mindestlohn beibehalten. 

Fuck, ganz ehrlich – ich hätte ja nicht gedacht, dass da tatsächlich ein Argument kommt, was wirklich gegen die AfD spricht.

Blöd, dass ich schon gewählt habe.

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Die eingeschränkt demokratische Grundordnung

Nachdem mein schöner, bedachter Beitrag zu Strohmännern, die einem liberalen, marktwirtschaftlichen Kapitalismus entgegengesetzt werden, wohl recht unbeliebt war, statt einer Fortsetzung heute ein kleiner Rant.

Da sind nämlich ein paar Sachen zusammengekommen, die sehr schön den Zustand der “demokratischen Grundordnung” in Deutschland beschreiben. Angefangen hat das mit Fefe, der diesen Hirnfurz einer Britt-Marie Lakämper veröffentlicht hat. Highlight:

Satire ist die Droge der Kleinintellektuellen.

Wohingegen echte Intellektuelle wie Britt-Marie natürlich mit Witzen amüsieren, die nur versteht, wer “Game of Thrones” schaut (ja, klickt ruhig, das kann man sich nicht ausdenken, dass sich so jemand sowas zu schreiben traut).

Mariechens eigentlicher Punkt ist aber, dass Die Partei – ihr wisst schon, Sonneborn und Konsorten – keine Wahlalternative sein sollten, weil Realpolitik blablablubbs.

Freilich aber kann man die Partei aber durchaus auch deswegen wählen, weil die Tatsache, auch nur einen Clown ins Europaparlament zu bringen eigentlich die ganze Veranstaltung als die lächerliche Farce entlarvt, die sie ist – und Herr Sonneborn hat, muss ich sagen, diese Meinung auch in ebendiesem Parlament kundgetan. Ich bin mir nun recht sicher, damit nicht Maries politische Meinung zu treffen (die CDU-Mitglied ist), aber ich fand meine Wählerstimme bei Herrn Sonneborn wirklich gut aufgehoben. Übrigens im Gegensatz zu allen anderen Parteien.

Nun hat den idiotischen Post aber auch Herr Nebgen aufgegriffen, seines Zeichens Strafverteidiger. Herr Nebgen verteidigt – als korrekter Jurist einerseits und als tatsächlicher Demokrat andererseits selbstverständlich die Zulässigkeit einer reinen Satire-Partei. Herr Nebgen mag aber zugleich die AfD nicht, findet aber, dass man ihr demokratisch entgegentreten sollte (im Gegensatz zu übrigens den meisten Politikern, aber egal) – er schreibt:

Satire ist vor allem dort wichtig, wo ein sachlicher Diskurs – aus welchen Gründen auch immer – nicht mehr möglich ist.

Da unterstütze ich Herrn Nebgen vollends. Ich teile nur nicht seine (kommt noch) Annahme, dass das in Parlamenten der Fall wäre. Eine parlamentarische “Debatte” sieht in der Regel so aus, dass jeder eine vorbereitete Rede hält, woraufhin dann alle so abstimmen, wie sie das ebenso bereits vorher (in kleinen Gremien; diese greife ich hier explizit nicht [aus diesem Grund] an) beschlossen haben. Ganz toll, sehr wichtige Veranstaltung, so ein Bundestags-Plenum.

Wenn man nun aber – wie Herr Nebgen – davon ausgeht, dass im Bundestag tatsächlich Debatten stattfinden, bei denen – außer “pöbelnden” und “unzulässigen” Zwischenrufen niemals zwei Parteien miteinander reden, dann, so Herr Nebgen, sei es ein Problem,

wenn eine Partei dort einziehen sollte, deren Mitglieder nicht nur Meinungen haben, sondern diese gerne mit falschen Tatsachenbehauptungen unterfüttern.

Er meint damit gezielt Alice Weidel von der AfD, mit Verweis auf zwei andere Artikel, von sich selbst und von den über jeden Zweifel erhabenen Staatsmedien der ARD.

Herr Nebgen schreibt dann weiter, dass man Satire bräuchte, weil:

Man behauptet irgendetwas möglichst Konkretes, dessen Wahrheitsgehalt auf die Schnelle niemand überprüfen kann und drischt damit auf die anderen ein. […] Ich habe Zweifel, ob die – im großen und ganzen immer noch seriösen – Altparteien mit diesem Stil klar kommen werden. Viele werden sich noch gar nicht vorstellen können, auf welches Niveau die Debatte herunter gezogen werden wird, wenn es erst einmal soweit ist. Und dann braucht es auch im Bundestag jemanden, der sich auf diesem Niveau auskennt.

Das “Niveau” des Gender Pay Gaps? Aber egal, ich habe mit dieser Interpretation Nebgens zwei andere Probleme: Erstens wäre jedwede Form des verbalen (!) “Aufeinandereindreschens” ein wahnsinniger Gewinn in der aktuellen politischen Diskussionskultur, die diesen Namen nicht mehr verdient hat, da es keine Diskussion ist, wenn die andere Seite schlicht ignoriert, was die eine sagt. Und zweitens tut Herr Nebgen der AfD Unrecht, aber lassen wir ihn das selbst illustrieren:

In dem Film “Jäger des verlorenen Schatzes” (Raiders of the lost arc) gibt es eine Szene, in der der Protagonist (Harrison Ford) von einem gefährlich anmutenden Kämpfer bedroht wird, der mehrere Säbel schwingt, dabei Furcht einflößende Laute von sich gibt, und so einen kurzen Moment den Eindruck vollständiger Überlegenheit vermittelt. Der Protagonist zieht seinen Revolver und erschießt diesen Gegner auf vergleichsweise unspektakuläre Weise.

Wenn die Altparteien nicht aufpassen, wird es ihnen ergehen wie diesem ehrlichen, naiven Kämpfer: Sie werden regelwidrig aber effektiv einfach über den Haufen geschossen werden.

Was Nebgen hier macht, nennt Schopenhauer ein simuliertes Argument. Wenn der Leser nämlich auch nur eine Sekunde nachdenkt, wird er feststellen, dass (a) Indiana Jones der Gute ist und (b) es gegenüber einem willkürlichen Aggressor, der nach eines Lebens trachtet, in keiner Gesellschaft ever “regelwidrig” ist, ihn einfach zu erschießen.

Aber gut, es geht heutzutage offensichtlich nichts über billiges AfD-Bashing, und so komme ich in die blöde Situation, was positives über die AfD-Quotenlesbe schreiben zu müssen. Ganz fein. Nebgen formuliert das so schön:

dass die dort von Dr. Alice Weidel aufgestellten Behauptungen auch inhaltlich schlicht falsch sind; man schaue mal hier

Hier, übrigens. Bei der ARD, der vom Staat unabhängigsten Medieninstutution der Welt, noch vor CCTV, Russia Today, Al Jazeera und der Pyongyang Times. Es geht hierum:

Mehrmals hat die AfD bereits behauptet, in Büros gelten viel höhere Grenzwerte für Stickstoffdioxid als auf der Straße. […] Richtiger wird sie dadurch aber nicht.

Kristin Becker vom SWR erklärt uns das dann ausführlich, wieso diese falschen Tatsachenbehauptungen einfach nur sachlich falsch seien:

Der Grenzwert für Stickstoffdioxid liegt im Außenbereich bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Viel höher – bei 950 Mikrogramm pro Kubikmeter – hingegen ist der Wert für bestimmte Arbeitsplätze.

Oh. Wir müssen den Artikel also nicht weiter lesen. Frau Weidel und jeder andere von der AfD, der gesagt hat, dass am Arbeitsplatz höhere Grenzen gelten als auf der Straße, hat Recht. Punkt, Ende. Aber Kristin vom SWR hat auch den Schopenhauer gelesen, wie alle Linken, aber offenbar – wie die meisten Linken – schon bei Strategem #1 aufgehört, denn es erfolgt schlicht eine Erweiterung – weil man schon “Arbeitsplätze” schreiben musste, für Büros gelten (lest den ARD-Artikel plus deren Quelle) überhaupt keine Grenzwerte, es gibt da nur ein rechtlich schwaches “sollte wie draußen sein”. Gut auch, dass sich die Faktenfinder gleich mal auf Stickoxide beschränken – Schopenhauer empfiehlt bei einer Erweiterung auch zeitgleich, den Gegner möglichst stark einzuschränken – da muss man dann nämlich nicht über unangenehme Feinstaub-oder Ozonwerte in jedwedem Büro mit einem Laserdrucker reden. Von Kopierern fangen wir gar nicht erst an.

Kristin scheint sich aber der Schwäche ihrer Argumentation zumindest unterschwellig bewusst zu sein, denn es endet mit einem “denk doch mal einer an die Kinder”:

Während also die Luft draußen und in den meisten Innenräumen “gesundheitlich zuträglich” sein soll, geht es [anderswo] darum, dass die Luftbelastung einem gesunden, erwachsenen Menschen im Allgemeinen nicht schaden darf.

Was bei dieser Diskussion völlig unter den Tisch fällt, ist Alice Weidels eigentlicher Punkt: Wenn die Autos so viele Abgase produzieren, dass sie die Grenzwerte überschreiten – was spricht denn dagegen, einfach die Grenzwerte hochzusetzen?

Man sieht, man kann auch als klassischer Politiker sehr schön die Argumente der Gegenseite ignorieren, da braucht es keine Satire. Da braucht es nur ein bisschen Sophistik, als wären Grenzwerte per se in fucking Stein gemeißelt – und nicht etwa von Politikern beschlossen.

Und wie sinnvoll sind die Grenzwerte denn? Nun, nicht belastbaren Quellen zufolge, die ich keine Lust habe nochmal nachzuschauen, werden die so festgelegt, dass man Ratten so lange Schadstoff X aussetzt, bis die Hälfte stirbt. Das ergibt dann die “LD50”, und von der aus dosiert man runter, bis man die Ratten mit – in diesem Fall NOx – vergasen kann, ohne dass ihnen auch nur das geringste passiert. Dieser Wert ist aber dann noch nicht “nicht gesundheitsschädlich”, sondern man nimmt den noch durch 100. Wenn Ihr Euch fragt, wieso die Werte früher nie ein Problem waren: Da waren die Messgeräte noch nicht gut genug.

Weiterer Vergleich gefällig? Okay: Die höchsten Überschreitungen der Grenzwerte in “Problemgebieten” wie dem Stuttgarter Kessel im Sommer führen in Extremzeiten zu einer täglichen Schadstoffbelastung, die in etwa dem Rauchen einer halben Zigarette entspricht. Der Grenzwert für die (wahrscheinlich) schädlichen Schadstoffe darf an nicht mehr als 35 Tagen im Jahr überschritten werden, das wäre dann weniger als eine Schachtel Zigaretten. Im Jahr. Für irgendeinen (auch nur diskutabel) nachweislichen, gesundheitlichen Effekt müsste man da aber nicht nur das ganze Jahr über der aktuellen Grenzwertbelastung leben, sondern auch noch wenigstens zwei oder drei Kippen rauchen. Täglich, nicht im Jahr.

Aber ist doch schön, dass wir so toll über Grenzwerte diskutieren konnten, nicht wahr? Vielen Dank, ARD-Faktenfinder, ihr habt uns da echt geholfen.

Aber zurück zu Alice Weidel und dem von ihr verursachten Untergang der freiheitlichen demokratischen Grundordnung, weil man mit solchen Leuten ja nicht reden kann – weil sie einfach gehen. Da sich alle Berichte etwa gleich mit dem verlinkten lesen und ich keine große Lust habe, mir langweilige “Diskussionssendungen” im Fernsehen anzuschauen, bei denen Politiker ihre bereits bekannten Punkte wiederholen, habe ich mir – nur für Euch – aber dennoch die 5 Minuten, bevor sie ging, angeschaut.

Passiert ist da folgendes:

[0:57]: Weidel erklärt, dass die, die noch nicht so lange hier leben, durchaus überdurchschnittlich kriminell sind

[0:58:31] Wie es sich bei einer ordentlichen, politischen Diskussion gehört, nimmt die “unabhängige” “Moderatorin” den bedrübbelt guckenden Politikern der anderen Parteien die Peinlichkeit ab, darauf antworten zu müssen, indem (ernsthaft!) erklärt wird, dass die ja nur untereinander kriminell sind (schaut den fucking Clip, ehrlich – DAS ist deren Gegenargument. DAS! Ist ja nicht so schlimm, wenn fucking Kriegsflüchtlinge von irgendwelchen sozialschmarotzenden Negern vergewaltigt werden, gell? Danke, ZDF, Danke. Fickt euch) und nur 4,6% der geschädigten Deutschen von “Zuwanderern” beklaut, vergewaltigt oder umgebracht wurden. Toll, Danke auch dafür, ZDF, eine relative Zahl zur Relativierung zu verwenden – diese kriminellen Zuwanderer sind halt komischerweise – wie Frau Weidel sagte – im Vergleich zur schon länger hier lebenden Bevölkerung (inklusive 60er Türken 80er Iranern, 90er Afghanen etc. pp.)  fucking überdurchschnittlich kriminell – wie Frau Weidel sagte – richtig? Ah, ne, sind ja nur 4,6%, wen interessieren die schon? 

[01:01] Maas whataboutismt, dass diejenigen, die am wenigsten Interesse an kriminellen Illegalen (er nennt sie trotzdem “Flüchtlinge”) haben, andere [echte] Flüchtlinge sind, nicht die AfD.

Dazu: Ach nee, Heiko? Leute, die hier wirklich deswegen herkommen, weil sie vor politischer Verfolgung durch autoritäre Regimes (wie dem, was du mit deinem Orwell-Gesetz zu etablieren versuchst) oder vor echten Kriegen oder Genoziden fliehen, benehmen sich hier auch ordentlich? Und derweil erdreistest du dich, es als ganz toll hinzustellen, dass man sie jetzt (eventuell, theoretisch, aber wohl praktisch eher doch wieder nicht) ausweisen könnte, nachdem sie ihre ersten vier Opfer vergewaltigt haben? Für Ladendiebstahl gibt es ja nun kein Jahr Knast, gell? Das ist DEINE Partei, Heiko. Deine. Und die noch linksgrüneren.

Und die echten Flüchtlinge per se würden dann wohl eher die AfD wählen, gell? Ich meine, die haben ja die gleichen Interessen? Ja? Wolltest du uns das sagen, Heiko? Das ist der Unterschied zwischen Gutmenschen und guten Menschen, übrigens.

[01:02] Trittin mault irgendwie Scheuer von der CSU an [idiotisch, aus dem Kontext gerissen und unberechtigt, wie Scheuer später erläutert], leitet dann fließend zu Gauland über, der entsetzlich sei: “Verrohung fängt damit an, dass man Bürger[Innen] dieses Landes willkürlich ausbürgert, und genau das hat Herr Gauland gesagt, getan, als er Frau Özuguz, als er gesagt hat, er wolle sie in Anatolien entsorgen”.

Dazu eine kurze Anmerkung: Herr Gauland hat gesagt, man (!1) solle (!2) Frau Özoguz in Anatolien entsorgen. Ich hatte dazu bereits spontan getwittert, dass das keinesfalls einen realpolitischen Bezug haben kann, da ich zumindest Erdogan die Eier zutraue, die Dame nicht ins Land zu lassen, ohne sicher zu sein, dass sie wieder geht (ansonsten ist sie ziemlich auf seiner Parteilinie, aber das ist ein anderes Thema).

[01:03] Trittin schließt mit “da beginnt die Verrohung der Sprache”, so, als wäre das irgendwie vergleichbar mit dem von Frau Weidel angesprochenen und durch die Moderatorin (!) sofort relativiertem Thema der Verrohung derer, die hier jetzt halt leben. Das Wort bekommt Herr Scheuer.

[01:04] Weidel unterbricht Scheuer bei seinen (recht vernünftig klingenden) Ausführungen über intergrationswillige vs. solche Ausländer, die man rauswerfen sollte mit dem Anwurf, er wolle illegale Einwanderung legalisieren.

[01:05] Scheuer hält Weidel vor, dass sie sich erstmal von “für mich ist das ein Rechtsradikaler” Gauland distanzieren soll. Frau Weidel geht.

Freilich könnte man nun Frau Weidel vorwerfen, dass ihr Vorwurf gegenüber Scheuer “böse” war, aber er hatte ja nun auch die Gelegenheit, darauf zu antworten. Stattdessen kommt ein Argumentum ad auditores – bilderbuchmäßig, “machen Sie erstmal den Zuschauern klar” – statt irgendwas inhaltliches.

Nun bin ich da natürlich als Bayer enorm gebiast und auch – respektive deswegen – kein fanatischer Nationalist – die CSU hat nichts gegen Einwanderer, die hier was anständiges leisten, und das hat Herr Scheuer auch – zumindest für mich – klargestellt. Dass das nach aktueller Rechtslage eine Legalisierung illegaler Einwanderung ist, hat Frau Weidel (korrekt) konkretisiert. Das würde ich aber viel lieber unterstützen, wenn Herr Scheuer und die CSU die Eier hätten, dazu zu stehen.

Von den Extrema haben wir hier also – gehen wir mal davon aus, dass das Gedankengut tatsächlich da ist – die AfD, die auch Deutsche rauswerfen will, wenn die einfach nur gesellschaftsschädlich sind (am Beispiel Özoguz, aber da kann man sicher noch eine Menge rechts- wie linksradikales Pack dazutun), und die CSU, die auch Ausländer hierbehalten will, wenn sie hier was produktives machen.

Ehrlich gesagt finde ich beides eine gute Idee – aber leider hat keine der beiden Parteien die Eier in der Hose, dazu zu stehen. Und das, meine Damen und Herren, ist der aktuelle Stand der Demokratie in Deutschland und damit die Flatline auf dem EKG der ach so freiheitlichen demokratischen Grundordnung dieses Landes.

Ich bin so froh, dass ich bereits gewählt habe. Und kommende Woche in die Türkei fliege, da ist wenigstens das Wetter schön. Der Zustand der Demokratie ist in etwa der Gleiche.


Zwei Anmerkungen noch: Irgendwo wurde sich beschwert, dass (AfD-) Leute Frau Özoguz Namen falsch aussprechen. Ich habe eine Freundin namens Pinar, und mir fiel erst in der Türkei (und nachdem ich sie viele Jahre kannte) auf, dass sie eigentlich nicht Pinar heißen kann, sondern Pınar. Das spricht man so aus, wie es sich liest – man muss nur vorher an einer Zigarette ziehen, 30 Sekunden die Luft anhalten, einen Schluck Whisky trinken und derweil sprechen.

Zweitens muss ich anmerken, dass meine durchaus positiven Erwähnungen von Herrn Erdogan anders ausfielen, wenn ich in dem Land leben müsste. Ich finde nur einerseits, dass es mir nicht zusteht, die Türkei für die Verfolgung von Journalisten oder der Opposition zu kritisieren, wenn das bei uns auch passiert (siehe Links). Auch dass Erdogan nach dem lauten Geschrei aller deutschen Gutmenschen die Demokratie und grundlegende Menschenrechte (praktisch) abschaffen will und zum Beispiel das Internet zensiert sind Punkte, bei denen man vielleicht erstmal an den Balken im eigenen Auge denken sollte. Ich halte Erdogan nur deswegen für einen besseren Politiker als (nahezu, siehe Sonneborn) alle deutschen, weil er ehrlich ist. Andererseits – wenn ich ein albanischer Sozialschmarotzer wäre, fände ich Merkel auch toll.

Schwarzweißdenken mit der BPB

Die Bundeszentrale für politisch korrekte Bildung hat ihren Wahl-O-Maten dann netterweise doch noch vor der Wahl ins Internet gestellt – für ein Berliner Projekt ja nun keine Selbstverständlichkeit.

Und so sehr ich mich bei RTL über skalierte Antworten geärgert habe, so sehr würde ich mir hier etwas differenziertere Antwortmöglichkeiten freuen, aber sei’s drum, mit 38 Themen wird das lang genug (tl;dr: Es ist fast rein politisch, und nichtmal sonderlich lustig geworden, aber wenn Euch sehr langweilig ist…):

Bei der Terrorismusbekämpfung soll die Bundeswehr im Inland eingesetzt werden dürfen.

Die interessantere Frage wäre: Nützt das was? Die haben nichtmal fliegende Hubschrauber… vor allem ist aber die Frage blöd; die Bundeswehr darf zur Terrorismusgefährdung bereits jetzt im Inneren eingesetzt werden, das steht in Artikel 87 des Grundgesetzes. Für Grundgesetzänderungen bin ich nicht. Dafür, Terrosisten zu erschießen, schon, also nehmen wir mal “Ja”.

Dieselkraftstoff für Pkw soll höher besteuert werden

Nein. Es sollte aber überhaupt nichts höher besteuert werden – fairerweise würde ich aber bei “Nebeneinkommen” von Politikern eine Ausnahme machen, mit einem speziell dafür geltenden Steuersatz von 110%.

Für die Aufnahme von neuen Asylsuchenden soll eine jährliche Obergrenze gelten.

Ja – von Null. Asylsuchende muss man nicht aufnehmen. Die Leute, die wirklich Asyl brauchen, sind ja eh allen egal, offensichtlich.

Der Ausbau erneuerbarer Energien soll vom Bund dauerhaft finanziell gefördert werden.

Staatliche Eingriffe in die Wirtschaft haben höchstens dann eine Berechtigung, wenn es um eine Anschubfinanzierung geht. Verstaatlichung der Wirtschaft ist ein absolutes no-no.

Der Bund soll mehr Mittel für den sozialen Wohnungsbau bereitstellen.

Der soziale Wohungsbau ist seit langem schon nur eine bequeme Bereichungsmasche. Zudem hilft es nicht viel. Was helfen würde, wäre, wenn der Staat Möglichkeiten für den sozialen Wohungsbau bereitstellen würde; es muss nicht jeder Scheiß KfW-70 feuchtschimmelnd sein. Aber auf solche Ideen kommt ja keiner. Ok, fairerweise Luisman neulich, aber es geht ja in die deutschen Gutmenschen nicht rein, dass “Trailer Park Trash” immer noch Trash ist, wenn man ihn in eine schöne Wohnung setzt. Unsere Vorfahren wussten das noch – man kann ein Mädchen aus der Gosse holen, aber nicht die Gosse aus dem Mädchen. Erklärt übrigens auch das “geringe soziale Aufwärtsmobilität” – Mimimi.

BAföG soll generell unabhängig vom Einkommen der Eltern gezahlt werden.

Als Kredit? Mirwegen. Aber dann bitte als 100%-Kredit, das hält dann (hoffentlich) Leute von Unsinns-Studiengängen wie Gender-Bullshit oder vergleichende Kunsthistorik ab.

Die Videoüberwachung im öffentlichen Raum soll ausgeweitet werden.

Nicht.Durch.Den.Staat. Es würde reichen, wenn der Staat Privatpersonen nicht verbietet, ihr Eigentum bestmöglich zu schützen.

Deutschland soll einem Schuldenschnitt für Griechenland zustimmen.

Haben wir nicht schon für die fucking Schulden von Hinzos und Kunzos gebürgt? Ah – deswegen können “wir” Politiker ihnen ja ihre Schulden auch erlassen – die Banken, die den maroden Sozialisten das Geld geliehen haben, sind eh schon fein raus. Trotzdem Nein; wenn ich Steuern dafür zahlen muss, mit dem “Schulden” bedient werden, weil Deutschland vor 72 Jahren (und 100, aber die sind ja mittlerweile abbezahlt) mal einen Krieg verloren hat, können das die Enkel der aktuell verschwenderisch lebenden Griechen auch. Die hatten wenigstens was von dem Geld; wir bekamen ja nur Strafschulden. Übrigens auch von den Griechen.

Generelles Tempolimit auf Autobahnen!

Klar – Überschallknalls nerven total. Alles drunter ist aber widerliche Gängelei.

Die Verteidigungsausgaben Deutschlands sollen erhöht werden.

Für noch mehr Frauen in der Bundeswehr, die sich dann im Kriegsfall die Fingernägel lackieren? Neee, Kinder, macht mal erstmal was sinnvolles mit dem Geld, was ihr habt.

Betreiber von Internetseiten sollen gesetzlich dazu verpflichtet sein, Falschinformationen (“Fake News”) zu löschen, auf die sie hingewiesen wurden.

Ich finde das so einen widerlichen Dreck, dass man es überhaupt nicht aushält. Das kommt von genau den Leuten, die uns was vom Gender Pay Gap erzählen (SPD), unterstützt von der Presse, die Melania Trumps fucking Schuhe für die Meldung des Tages hält. Das sind fake news. Echte News haben nämlich einen fucking Nachrichtenwert. Räumt erstmal in Eurem eigenen Haus auf, bevor ihr normale Leute mit Zensurgesetzen gängelt.

Ökologische Landwirtschaft soll stärker gefördert werden als konventionelle Landwirtschaft.

Wenn wir mal ganz aufhören würden, die Landwirtschaft zu fördern, konnten die armen, verhungernden Neger in Afrika auf dem Weltmarkt konkurrieren. Desweiteren ist “ökologische Landwirtschaft” nur als politisch korrekter Begriff gehaltvoll; per se ist das ein Pleonasmus.

Kindergeld soll nur an deutsche Familien ausgezahlt werden.

Nein. Klar, das wäre mal ein Anfang, aber grundsätzlich sollte überhaupt niemand Kindergeld bekommen. Abgesehen davon, dass Kindergeld eine furchtbare Nazi-Geschichte ist, sind Kinder das schönste auf der Welt, was man haben kann; da braucht es nicht noch schnöden Mammon.

Arbeitsverträge sollen weiterhin ohne Angabe von Gründen befristet sein dürfen.

Jupp. Vertragsfreiheit schützt das Recht auf Eigentum; ein Recht auf einen Arbeitsplatz gibt es nicht.

Kinder sollen gegen ansteckende Krankheiten geimpft werden müssen.

Das ist dann das Resultat aus Sachen wir dem Kindergeld: Es bekommen Leute Kinder, die zu blöd sind, sich um sie zu kümmern. Ich bin aber leider sehr grundsätzlich dagegen, Eltern in die Entscheidung, was sie mit ihren Kindern machen, reinzureden – es sei denn, natürlich, es sind schlechte Eltern. Ich bin mir sicher, dass es für die ungeimpften Kinder auch nette, schwule Paare gibt, die sich gerne ordentlich um die Bälger kümmern würden und sie auch impfen lassen würden. Wir brauchen also gar kein neues Gesetz mit einer Impfpflicht. Die bestehenden Gesetze reichen völlig aus, solchen unverantwortlichen Leuten ihre Kinder wegzunehmen.

Alle Banken sollen verstaatlicht werden.

Bei dem, was Banken aktuell so machen, ist der einzige Unterschied zu verstaatlichten Banken die Privatisierung der Gewinne. Das gegen staatlichen Nepotismus einzutauschen ist aber nur die linke Pest-statt-Cholera – Lösung. Daher: Nein.

Der Völkermord an den europäischen Juden soll weiterhin zentraler Bestandteil der deutschen Erinnerungskultur sein.

Was ist denn die Alternative? Statuen abreißen? So tun, als wäre das nie passiert? Ich denke aber, dass die damit meinen, dass wir mal aufhören könnten, so zu tun, als wäre Deutschland der Quell allen Übels auf dieser Welt. Das wäre eine Idee; die Leute, die da mitgemacht haben, sind so ziemlich alle tot.

Haushaltsüberschüsse sollen überwiegend zum Abbau von Staatsschulden verwendet werden.

Ich bin mir recht sicher, dass das auch so im Grundgesetz vorgesehen ist – hier. Die Frage steht nicht zur Diskussion; lest eure fucking Gesetze, ihr Verbrecher.

Die Gesamtzahl der Nutztiere in den landwirtschaftlichen Betrieben einer Gemeinde soll begrenzt werden können.

Die Gesamtzahl der Nutztiere in einer Gemeinde ist bereits begrenzt; da haben nicht unendlich viele Platz. Ich bin sehr dafür, dass wir uns an die Gesetze der Physik halten. Weitere sind hier unnötig.

In Deutschland soll auch zukünftig Braunkohle abgebaut werden dürfen.

Sollen das lieber irgendwelche achtjährigen Arbeitssklaven in Pakistan machen? Ich meine, brauchen tun wir das Zeug ja noch…

Unternehmen sollen weiterhin Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter beschäftigen dürfen.

Türlich. Wir brauchen nicht noch mehr Hartz4-Empfänger.

In Deutschland geborene und aufgewachsene Kinder ausländischer Eltern sollen weiterhin neben der deutschen ihre zweite Staatsangehörigkeit behalten dürfen.

Wir haben in Deutschland kein ius soli. Kinder von Ausländern sind damit mal ganz grundsätzlich nicht automatisch deutschen Staatsbürger. Es sollte daher für die Kinder das gelten, was für alle anderen auch gilt – eine Staatsbürgerschaft. Ich habe aber kein grundsätzliches Problem mit doppelter (oder elffacher, wenn wir dabei sind) Staatsbürgerschaft; müsste man halt reziprok mit den anderen Ländern vereinbaren (wodurch sich die Frage praktisch erledigt hätte).

Bereits nach 40 Beitragsjahren soll der Renteneintritt abschlagsfrei möglich sein.

Das ist reiner, linker Populismus. Zudem gehen die Rentenkassen eh vor die Hunde. Das Rentensystem gehört mal (a) komplett in die Tonne getreten und dann (b) vollkommen neu gemacht; die Augenwischerei mit Bonbons für Lieschen Müller macht es nur schlimmer.

Deutschland soll zu einer nationalen Währung zurückkehren.

Jetzt plötzlich tut ihr Politiker so, als interessiert euch da die Meinung des Volkes? Habt ihr denn bei der Einführung des Euros irgendwen gefragt?
Zum Thema aber klares “Ja”, ein eigenständiges Land hat auch seine eigene Währung. Es ist sogar ein typisches Anzeichen für einen failed state, wenn man mit einer anderen als der einheimischen Währung bezahlt. Zudem verzerrt es den internationalen Markt zugunsten der deutschen Wirtschaft als Ganzes, aber zu Lasten der deutschen Arbeiter.

Die Frauenquote für die Aufsichtsräte börsennotierter Unternehmen soll abgeschafft werden.

Immer schön erstmal beschließen, dann fragen. Tolle Demokratie haben wir da. Aber ne, macht ruhig weiter mit dem Gender-Gleichstellungs-Mist, ich fand Geldscheine mit ganz vielen Nullen drauf schon immer cool. Alternativ möchte ich standrechtliche Hinrichtungen aller, die jetzt den Schwanz einziehen. Mindestens.

Hohe Vermögen sollen besteuert werden.

Das ist so ein Dauerbrenner – man hat fast den Eindruck, Politik wiederholt sich nur alle vier Jahre, es wird nichts, aber auch gar nichts irgendwie besser, aber wir müssen unbedingt so tun, als wäre das Demokratitheater ganz toll und alternativlos. In den letzten 20 Jahren hätte es niemandem geschadet, wenn es überhaupt keine politischen Entscheidungen gegeben hätte. Zum Thema: Hohe Vermögen wurden bereits hoch besteuert, das nochmal zu besteuern ist Diebstahl an bereits Bestohlenen. Schämt euch.

Für begangene Straftaten sollen auch Kinder unter 14 Jahren verurteilt werden können.

Nein, nicht alle Kinder sind mit 14 dazu reif genug. Wobei wir über 12 reden könnten; es wäre aber besser, hier ein “Eltern haften für ihre Kinder” einzuführen.

Alle Bürgerinnen und Bürger sollen bei gesetzlichen Krankenkassen versichert sein müssen.

Nein, es sollten alle machen dürfen, was sie wollen. Aber den gesamten Staatsapparat könnte man durchaus in die GKV schieben; das System, dass (nahezu) alle Beamten nicht in die staatliche Versicherung zwängt erinnert doch sehr an Orwells Schweine, die besser als andere sind.

Der Bund soll weiterhin Projekte gegen Rechtsextremismus fördern.

In Anbetracht der Tatsache, dass diese Projekte (a) sämtlich keinerlei Erfolg bei der Bekämpfung von Rechtsextremismus haben und, wenn sie denn überhaupt was bewirken, (b) allerhöchstens Rechtsextremisten durch einen immer stärker werdenden Linksextremismus eine perverse Art der Legitimation geben, ganz sicher nicht.

Der Erwerb von selbstgenutztem Wohneigentum soll bis zu einer bestimmten Höhe steuerfrei sein.

Steuern abzuschaffen bin ich immer dabei.

Rüstungsexporte aus Deutschland sollen ausnahmslos verboten werden.

Das ist so eine linke Gutmenschen-Geschichte, als würden die anderen Länder zu blöd sein, selber Waffen herzustellen, wenn sie sich denn unbedingt erschießen sollen. Irgendwelche Zigenficker machen das zum Beispiel auch recht gut. Zudem: Was wollen wir denn selber mit den ganzen Waffen, die wir herstellen? Frauen und Kinder an der deutschen Grenze erschießen?

Der kontrollierte Verkauf von Cannabis soll generell erlaubt sein.

Was für eine widerliche Fangfrage. “Sie haben aber doch zugestimmt, dass der Verkauf kontrolliert wird, also beschweren Sie sich jetzt nicht, dass wir jetzt auch ihren Alkohol- und Zigarettenkonsum kontrollieren. Ah, und den von Zucker, Engergy-Drinks, Fetten und was uns als nächstes einfällt”. Freilich.

Der Solidaritätszuschlag soll Ende 2019 vollständig abgeschafft werden.

Immer noch bei Steuerfragen: Klaro. Und der Länderfinanzausgleich. Und überhaupt alle Steuern außer der Umsatzsteuern, 19% sollten einem Staat als Budget reichen.

Anerkannten Flüchtlingen, die sich Integrationsmaßnahmen verweigern, sollen die Leistungen gekürzt werden können.

Das machen die noch nicht? Sammal?! Aber ja, klar – abschieben können wir sie ja nun wirklich schlecht.

Eltern sollen für ihre Kinder bis zum Ende der Grundschulzeit einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung erhalten.

Und auf ein emissionsfreies Auto, aus dem rosa Zuckerwatte kommt, ohne dass man Rohstoffe nachfüllen muss.

Der Gottesbezug im Grundgesetz soll bestehen bleiben.

Welcher? Der im verdammten Vorwort? Wen interessiert das Vorwort? Ihr interessier euch doch nichtmal für den restlichen Text – Gaaaaaah!

In Deutschland soll es ein bedingungsloses Grundeinkommen geben.

Das ist doch wieder die gleiche Frage wie schon bei RTL und vorhin mit der Kinderbetreuung: Natürlich sollte es das geben. Und ein fliegendes Auto und eine jedidische Sexsklavin für jeden dazu.

Die Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten in der Europäischen Union soll verstärkt werden.

Wozu nochmal war die EU denn eigentlich gut, wenn nicht zur Förderung der Zusammenarbeit? Ah – ich vergaß, als Pöstchenbeschaffung für inkompetente Alkoholiker.


Ne, mal ganz ehrlich: Wenn das die relevanten Themen sind, dann behaupte ich mal, dass sich das in vier Jahren in etwa 95% Übereinstimmung wiederholt. Ich stelle auch mal ganz enorm in Frage, wozu wie 600+ Politclowns brauchen, die eh alle abstimmen wie ihre Partei ihnen das vorgibt, meist zu Themen, die außer laut kreischenden Minderheiten eh keinen interessieren. Wir haben in Deutschland fast mehr Gesetze als der Rest der Welt zusammen, ich bin daher recht sicher, dass wir ganz sicher nicht noch mehr davon brauchen. Außenpolitik ist auch kein Argument, das ist doch aktuell nur primitivster Schwanzvergleich mit Erdogan und Trump, und mit Merkel braucht man da nichtmal mitzuspielen – die hat ja keinen. Und nicht, dass der Alkoholiker eine Chance hätte, aber ich bezweifle stark, dass das bei dem besser aussieht.

Wählen spielen mit RTL

Wenn ich Lust habe, wird das eine Serie. Es gibt ja dieses Jahr mehr als nur den Wahl-o-Maten des Zentrums für politisch korrekte Bildung, d.h., wir können ein bisschen Spaß mit den Fragen haben. Fangen wir mit RTL an, die Bundespolitik ist wohl der Meinung, dass wir nach dem jüngsten Terroranschlag noch etwas Zeit vergehen lassen sollten, bis Leute ohne eigene Meinung sich ihre Wahlentscheidung von einem Computer vorgeben lassen. Heute daher: Das Wahl-Navi, von Politikwissenschaftlern entwickelt und von RTL2-Redakteuren benannt.

Es sollte eine Volksabstimmung über einen deutschen EU-Austritt geben.

Mir wäre ja eine Volksabstimmung über den Eintritt in die EU lieber gewesen, oder aber eine Volksabstimmung über jede verdammte Regelung, die die EU macht. Das hätte dann auch Chancen, abgelehnt zu werden. So hingegen ist die für’n Arsch, die wollen eh alle in der EU bleiben, um ihr Hartz4 ohne Passkontrolle in Malle versaufen zu können.

Die Skala der RTL-Fuzzis sieht übrigens so aus:

“Ist mir schnuppe” wäre aber wichtig.

Deutschland zahlt zu viel an die Europäische Union.

Wir zahlen jedes Jahr 24,3 Milliarden Euro an die EU. 14,3 Milliarden bekommen wir davon nicht wieder, weil das Geld entweder in der Bürokratie versumpft oder an maroden Straßen in Griechenland nette Schilder aufgestellt werden, dass deren Renovierung von der EU finanziert wird (davon wird die Straße übrigens nicht besser). Dem Rest der Welt geben wir knapp 23,3 Milliarden Euro. Teuer ist die EU aber soweit nicht, und man hat von beidem was – abgehalfterte Politiker finden jetzt schön Pöstchen in Brüssel oder bei russischen Ölkonzernen.

Als Steuerzahler hingegen… mei, Erschießen wäre natürlich deutlich billiger, von daher kann man da schon eine Meinung haben.

Wie viel sollte Deutschland für Entwicklungshilfe ausgeben?

Schaut, deswegen habe ich nachgeschaut und das oben hingeschrieben. Es weiß doch kein Mensch, wieviel wir für Entwicklunghilfe ausgeben. Und selbst wenn weiß keiner, ob das jetzt viel oder wenig ist. Hinweis: Es ist mehr, als alle anderen geben. Zudem bringt es herzlich wenig, weil es in der aktuellen Form den Geldempfängern in der Regel nichts nützt – oder ist es in Schwarzafrika in den letzten Jahren irgendwie schöner geworden? Nein? OK, dann ist meine Antwort: gar nichts. Die gibt es aber natürlich nicht.

Kontrollen an den deutschen Grenzen sollten wieder dauerhaft eingeführt werden.

Interessanterweise gibt es Kontrollen an den deutschen Grenzen – da, wo anständige Leute ankommen, die legal mit dem Flugzeug einreisen. Die könnte man sich jetzt mal eine Runde sparen… an den grüneren Grenzen hingegen hatte ich in meiner Kindheit sehr nette Erinnerungen an die Grenze, das ging schnell, problemlos und man bekam viele interessante Stempel in den Pass – wenn man lieb fragte, eigentlich wurde man weitergewunken. Von daher: Klar, wäre von Anfang an eine gute Idee gewesen, das nicht einfach wegzumachen. Tut nicht weh und kostet auch wenig – also, jetzt im Vergleich zu über 200.000 Leuten, die hier absolut nichts verloren haben.

Deutsche Autohersteller sollten nur noch emissionsfreie Fahrzeuge herstellen.

Unbedingt! Und die sollen hinten Zuckerwatte rauspusten und mit Luft und Liebe fahren!

Hier war mal das Land der Dichter und Denker, nicht das der Träumer und Spinner. Früher.

Wie viel sollte die Bundesregierung unternehmen, um die Treibhausgas-Emissionen zu senken?

Entwickelt die Bundesregierung jetzt technische Lösungen? Nein? Dann gaukelt die Frage den Teilnehmern vor, dass die Bundesregierung etwas tun könnte – abseits davon, uns ins Mittelalter zurückzukatpultieren. Ich habe das Gefühl, Miguel de Cervantes hat die heutige Zeit prophezeit, als er seinen Protagonisten gegen Windmühlen kämpfen ließ, und ihn dann als verrückt hinstellt…

Alle Braunkohle-Kraftwerke in Deutschland sollten stillgelegt werden.

Unbedingt! Strom kommt nämlich schon immer aus der Steckdose. Wobei es sicher eine gute Idee ist, alles auf Gas umzustellen, dann wird man schön abhängig von fiesen Schurkenstaaten wie Russland oder freundlichen Ländern wie dem Islamischen Staat. Top-Idee.

Es sollte einfacher sein, Ausländer mit kriminellem Hintergrund abzuschieben.

Hintergrund? Wen interessiert das? Widerliche Nazi-Frage. Natürlich kann hier jeder bleiben, der sich benimmt. Abschiebung ist nur was für tatsächliche Kriminelle – ich meine, denkt mal drüber nach, was in anderen Ländern als kriminell gilt. In Kanada z.B. dass man sagt, dass LMNOP-Menschen nicht alle an der Waffel haben. Nenene, kriminelle Ausländer nach deutschem Recht gehören weg. Nach dem ersten fucking Lolli.

Die Behörden sollten mehr Videoüberwachungskameras im öffentlichen Raum installieren.

Um dann aus “Datenschutzgründen” drei Monate zu warten, bevor sie Fahndungsfotos veröffentlichen, und das auch nur bei politisch korrekten Tätern? Ne, danke. Eine Liberalisierung der privaten Überwachung ist da vollkommen ausreichend. “Recht am eigenen Bild” ist esoterischer Unsinn, Recht auf Eigentum ist ein Menschenrecht (ja, schon wieder, und ja, immer noch). Zudem vertraue ich dem Staat nicht – wir haben ja alle mal Orwell gelesen.

Wie stark sollten Banken in Deutschland reguliert werden?

Das lenkt vom Thema ab. Es ist vollkommen schnuppe, wie stark man irgendwas reguliert, wenn man ihnen Geld in den Arsch bläst, wenn sie scheiße bauen. Regulierung ist übrigens nur seltenst eine Lösung, das kostet nur Geld.

Wie stark sollten Mieterhöhungen in deutschen Großstädten reguliert werden?

Gar nicht ist mal wieder keine Antwortmöglichkeit. Danke, RTL. Euer politischer Dingens ist so niveauvoll wie euer Nachmittagsprogramm.

Die Bundesregierung sollte dafür sorgen, dass Bildung in Deutschland kostenlos wird – von der Kita bis zur Universität.

Kindergärten sind keine fucking Bildungsinstitution. Sonst: klar. Aber nach Leistung. Wie soll ich die Frage beantworten? Nein? Ja? Teils/teils ist in beiden Extremen falsch.

Die Bundesregierung sollte die volle Verantwortung für Schulen und Hochschulen von den Ländern übernehmen.

Wozu haben wir eigentlich ein Grundgesetz? Machen die Parteien einen Wettbewerb, wer am meisten GG-Artikel vergewaltigen kann?

Die gesetzlichen Krankenkassen sollten, unabhängig vom Alter des Versicherten, für Verhütungsmethoden zahlen.

Wenn ich da jetzt abhängig vom Alter zustimmen würde, was kreuze ich denn dann an? Was soll denn die überspezifische Frage?

Deutschland sollte die privaten Krankenversicherungen und die Krankenkassen abschaffen und eine Bürgerversicherung einführen.

Ich finde eine grundlegende Bügerversicherung für Kinder und Notfälle sinnvoll. Wer dann mehr will, kann das auch selbst zahlen. Also, wenn er kann. Die n-te dumm formulierte Frage.

Deutschland sollte mehr Geld in die Infrastruktur investieren, selbst wenn dafür Schulden aufgenommen werden müssen.

Infrastruktur ist immer gut. Schulden haben wir aber schon genug. Klares Nein, wir sind hier nicht im Wiederaufbau nach einem Weltkrieg.

In Deutschland sollten alle Bürgerinnen und Bürger einen kostenlosen Internetanschluss erhalten.

Und Autos, die Zuckerwatte aus dem Auspuff pusten. Natürlich!

Die gesetzliche Rente sollte unabhängig von der Lohnentwicklung erhöht werden.

Geld kommt nämlich aus dem Füller von Mario Draghi. Oh – Moment, tut es wirklich. Klar, haut ruhig mehr davon raus, was soll da schon schiefgehen.

Wie viel sollte die Bundesregierung für Sozialwohnungen ausgeben?

Was kostet denn so ein Schiffsfrachtcontainer? Ok, dann 1.550 Euro. Wenn jetzt jemand maulen will: Das ist weit höher als der Lebensstandard von etwa zwei Drittel der Weltbevölkerung.

Eine bedingungslose gesetzliche Mindestrente sollte eingeführt werden.

“Rente” als Wort bedeutete mal “Geld, was man am Ende seines Arbeitslebens bekommt”. “Bediungungslose Rente” ist wie “trockenes Wasser”. Geht schon, ist aber fucking kalt. Und dumm.

Deutschland sollte den Zuzug von Fachkräften aus Nicht-EU-Ländern auf den Arbeitsmarkt fördern.

Fachkräften reicht es normalerweise, wenn man ihnen keine Steine in den Weg legt. Von daher: Nein, fördern muss man das nicht. Gebt ihnen eine Arbeitserlaubnis, einen Lolli und einen Zettel, auf dem steht “Willkommen in Deutschland. Wenn Sie binnen drei Monaten keine Steuern zahlen, fliegen Sie wieder raus”.

Jeder, der in Deutschland geboren wurde, sollte die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten.

Ich entschuldige mich für den offensichtlichen, blanken Rassismus in diesem Meme, aber es ist einfach zu gut:

Wie viel Steuern sollten die reichsten Menschen in Deutschland zahlen?

10% für die staatliche Sicherheit und 10% für das Sozialsystem. Das ist für mich keine qualitative, allgemeine Frage.

Wie sehr sollten Arbeitnehmer mit einem niedrigen Einkommen steuerlich entlastet werden?

Das ist doch die gleiche Frage? Auch 10% für die staatliche Sicherheit und 10% für das Sozialsystem?!

Wie sehr sollten Familien steuerlich entlastet werden?

Und zum Dritten. Sammal – war da nicht irgendwas von “Gleichheit” im Grundgesetz?

Der Konsum von Marihuana sollte in Deutschland legalisiert werden.

Klares Ja. Endlich wieder eine sinnvolle Frage. Wenn wir schon dabei sind, übrigens auch gleich Crack, Meth und der ganze Rest. Jeder hat das Recht, sich selbst umzubringen.

Eine Ehe sollte nur zwischen Mann und Frau möglich sein.

Das ist keine politische Frage. Das ist eine lexikalische Frage. Wollen wir mal gucken?

die zur gemeinsamen Lebensführung durch Sitte oder Gesetz geschützte und anerkannte Verbindung von Mann und Frau in der menschlichen Gesellschaft.

Es ist also auch keine “sollte” – Frage. Es ist eine politisch korrekte Frage in Dummdeutsch. Was soll ich denn jetzt beantworten? Ob ich Homo-“Ehe” gut finde? Sollen doch alle machen, was sie wollen, klar. Ob ich Sprachvergewaltigungen gut finde? Nein.

Wenn Flüchtlinge in Deutschland eine Arbeit finden, von der sie leben können, sollten sie bleiben dürfen, selbst wenn sich die Lage in ihrem Heimatland bessert.

Warum nicht? Wir könnten stattdessen ein paar Neonazis ausweisen. Oder Kommunisten. Welche Partei unterstützt das? Die Linke? Blöd für sie…

Wie viele Flüchtlinge sollte Deutschland aufnehmen?

Einen. Wer einen Menschen rettet, rettet die gesamte Menschheit. Kenne ich aus Schindlers Liste als irgendwas jüdisches, und steht ähnlich auch im Koran.

Pjo, das war gehaltlos.

So richtig gehaltlos sind aber die Parteien. Ich habe es jetzt nur “durchgeklickt”, weil Strg-C auch gleich “teils/teils” als Antwort auswählt. Das Wahl-Navi hat aber natürlich eine Wahlempfehlung für Leute, denen eigentlich alles egal ist:

Spiel des Lebens

Es ist erstaunlich wie erschreckend zu sehen, wie dumm Menschen sind. Freilich ist das ein Kernthema meines Blogs, aber es ist erstaunlich, wie sich die (politische) Dummheit vom wuchernden Krebsgeschwür des Feminismus immer mehr metastasiert… freilich aber waren die anderen Geschwüre auch immer da; sie störten nur nicht sonderlich.

Natürlich bin ich so selbstreflexiv, dass ich die Möglichkeit in Betracht ziehe, auch nur zunehmend politisch radikaler zu werden, aber mir war schon schnell nach dem ersten Kontakt mit dem Feminismus klar, dass ich eigentlich überhaupt nicht politisch sein sollte – Politik ist ein widerliches, schmutziges Geschäft, was auf lange Sicht immer (nennt mir ein Gegenbeispiel) Menschenleben kostet. Nun bin ich kein philantropischer Gutmensch, den das stören würde; ich bin mir nur zu gut, mir selbst die Hände schmutzig zu machen.

Von daher hat sich wohl auch mein Blog immer mehr in die politische Richtung verschoben, die da vor den Konsequenzen warnt – wohlwissend, dass solche Warnungen schon vor 2.000 Jahren nichts genutzt haben.

Und den Punkt kann ich nur wiederholen, wie alle intelligenten Menschen vor mir, die zunächst ignoriert, dann bekämpft wurden, um dann (als die Menschen noch Anstand hatten) den Schierlingsbecher offeriert zu bekommen – oder, in jüngerer Zeit, einfach ins Gulag gesteckt zu werden.

Denn Politik ist keine Vernunfts-, sondern eine Machtfrage, so grob haben die linken Spinner da gar nicht so Unrecht. Das Problem an Macht ist aber nicht nur, dass sie korrumpiert, wie das Luisman heute beschreibt, sondern dass Macht nicht dauerhaft haltbar ist.

Freilich, dass muss kein Naturgesetz sein, aber es ist eine die soziale Wirklichkeit. Grob gesagt bedeutet das, dass ich hier die (sicher nicht neue, siehe alte Griechen und Römer) philosophische These verfolge, dass jedwede Regierungsform von vornherein an ihrer eigenen, selbst gewählten Konstitution scheitern muss. Oligarchiebildung und Kleptokratie, Kooruption und Eigennutz sind da zentrale Punke, an denen das in der Vergangenheit oft gescheitert ist, aber das ist – meine Behauptung – nicht verhinderbar.

Luisman schreibt, man müsse “sicherstellen, dass diejenigen die Macht haben, ihre Verantwortung auch wahrnehmen”, was ein hehrer Gedanke ist, den ich durchaus unterstütze.

Die Frage ist aber: Wie macht man das? 

Was ist das ultimative Mittel, Verantwortung zu erzwingen? Verräter umbringen, möglichst grausam, Skaphismos?

Das stellt uns aber vor gleich mehrere Probleme, selbst wenn wir gutmenschliche Moral jetzt mal außen vor lassen:

(1) Egal, wer den Erfolg oder Misserfolg der Politiker zu verantworten hat, es müsste eine Instanz geben, die ebendiesen beurteilt. An diese wären die gleichen Kriterien anzulegen, und das wird ein Mandelbrot – so entstehen (nutzlose) Bürokratien. Wichtiger aber ist: Egal auf welcher Ebene, bleibt das alles korrumpierbar, und selbst wenn man Politiker nach ihren n Jahren Amtszeit grundsätzlich zu Düngemittel verarbeiten würde, wäre das kein Garant dafür, dass sie vorher etwas sinnvolles tun – freilich, es würden wenigstens (und das ist ein wichtiger und prinzipiell guter Punkt) nur Leute Politiker werden, die bereit sind, für ihre Ideale zu sterben – weil sie das ja müssten, aber mal ehrlich: Jeder durchgeknallte islamistische Terrorist würde das sofort machen. Daher:

Selbst die ultimative Abschreckung vor Machtmissbrauch ist daher kein Garant für gute Politik.

Freilich ist dieser Gedanke auch nicht neu, Hobbes’ Leviathan geht in etwa in diese Richtung – und ich bin ein großer Fan von Hobbes in zumindest dem Punkt, dass der Staat keinerlei Aufgaben haben sollte, außer ein paar grundsätzliche Menschenrechte zu garantieren.

Das Problem ist, dass man dem Staat zur Erledigung auch nur dieser Aufgaben eine gewisse Macht übertragen muss, und damit gelangt man zwangsläufig wieder in das oben beschriebene Macht-Dilemma.

Ein paar linke Spinner beschreiben das (in fucking 20 Seiten Text) hier sehr gut:

The primary recruitment tool of the fascist is the appearance of power. […] Regardless of whether or not you agree with it or consider it ethical, people punch fascists because it frequently works.

Wundert das irgendwen? Kommunismus funktioniert – sieht man an Nordkorea – hervorrangend, wenn man jeden, der sich beschwert, dass er nichts zu essen hat, in ein Gulag sperrt (mit noch weniger zu essen). Wirtschaftsorientierter (dazu gleich mehr) Nationalismus funktioniert – sieht man an den Vereinigten Staaten seit über 200 Jahren mit einer sehr liberalen (freiheitlichen) Verfassung ebenso, aber jede nationale Bewegung braucht einen externen Treiber der Einheit – und auch die USA zahlen ihren Preis in Blut (aktuell von Libyern, Syriern, Iranern, Irakern, Afghanen; früher Vietnamesen, Koreanern, Nazis, Spaniern, blabla etc. pp.).

Nun ist das zentrale Problem hier: Es funktioniert eben im Kern nicht – zumindest nicht langfristig.

An der Stelle muss man sich übrigens entscheiden, ob man Werterelativismus betreiben will, oder aber seinen freiheitlichen Grundgedanken aufgibt. Denn irgendwelche Kameltreiber umzubringen, nur weil die – wohlgemerkt woanders – Sexsklavinnen halten, ist nicht liberal, sondern stellt die eigenen Werte über die der Anderen.

Nun mag man – aus unserer, westlichen Perspektive durchaus “legitim”, wie das die Linken ausdrücken – durchaus kritisieren, dass deren Werte scheiße und unsere viel besser sind, aber für einen freiheitlichen Menschen geht sowas halt nicht – man kann deren Werte scheiße finden, klar, aber man kann Dritten seine eigenen Werte nicht aufzwingen, sonst ist man Totalitarist. Wenn Euch das nicht einleuchtet, denkt an harmlosere Themen – es ist ein relativ geringer Sprung von “Man muss alle Ungläubigen töten” über “man muss alle Schwulen töten” bis hin zu “man muss alle töten, die nicht meiner Meinung sind”.

Das Problem an einer solchen, natürlichen Divergenz der Meinungen ist sehr mannigfaltig: Zum einen werden sich Werte A als sehr viel nachhaltiger als Werte B herausstellen – siehe z.B. Deutschland West 1960 vs. Deutschland Ost 1960 – fortfolgende. Es entsteht also durch Pluralität automatisch Ungleichheit, und diese lässt sich nicht, wie das radikale Rechte tagträumen, durch Umbringen aller Neger (Juden, sonstwas) beseitigen, aber auch nicht, wie die Linken spinnen, durch vollkommenes Ignorieren ebendieser Tatsache.

Wenn die Menschheit mal akzeptieren würde, dass (I) Menschen im Kern alle unterschiedlich (nicht: gleich) sind, wäre das ein Anfang.

Aber das konfligiert damit, dass (II) Menschen im Kern doch wieder alle gleich sind – alle wollen für sich nur das Beste herausholen, ganz hedonistisch.

Wenn wir diese beiden, konfligierenden Prämissen als gegeben annehmen, wäre die einzig sinnvolle Politik eine, die beide Interessen zu einem stabilen Ausgleich bringt – was übrigens auch jedwede jemals existente politische Bewegung versucht hat, mit mehr oder weniger Ignoranz der einen oder der anderen Seite; das wäre die politische “Rechte” respektive “Linke”.

Das Problem ist aber, dass die beiden Positionen grundsätzlich unvereinbar sind. Wirtschaftliche Systeme versuchen hier, einen “fairen” Ausgleich zu schaffen, aber wirtschaftliche Systeme sind (a) nur mit Macht (=Politik) vernünftig auch nur zu etablieren, (b) führen zu Machtkonzentrationen und (c) sind damit aufgrund der Prämissen (I) und (II) wiederum zum Scheitern verurteilt, da sie das Inkommensurable zu vereinen versuchen.

Wir könnten daher einfach akzeptieren, dass es keine langfristige gesellschaftliche Stabilität gibt – da gibt mir die Geschichte Recht – und auch nicht geben kann.

Was aber wiederum bedeutet, dass kurz- respektive mittelfristig die “beste” Lösung gefunden werden sollte – auf Seiten der Antifa ist es erstrebenswert, dass keine Nazis existieren, wie uns CNN erklärt:

Activists seek peace through violence

Nun mag das ein dummer Bauernspruch sein, aber: Gewalt erzeugt Gegengewalt, was auf die Prämisse (II) zurückzuführen ist. Das wird alles nur schlimmer machen; konkretes Beispiel wäre Deutschland in den 1920ern.

Freilich ist das im Interesse der aktuell “Mächtigen” – solange sich intern Gruppe A mit Gruppe B kloppt, wird das zum Machterhalt notwendige Blut von vielen ganz freiwillig vergossen.

Da aber Idioten auf beiden (Prämisse I) Seiten sich in ihrer freien Entwicklung (II) eingeschränkt sehen, wird das nur immer schlimmer werden, bis es richtig kracht.

Muss es.

Merkel, Erdogan etc. pp. hoffen nur, dass sie schon tot sind, bis das passiert. Trump ist es sicher, aber er sagt es wenigstens. Hört ihm nur keiner zu – wie mir auch.

Das ist akuell die einzige Funktion von Politikern: Den unausweichlichen Zusammenbruch möglichst weit hinauszögern.

Das war immer die Funktion von Politikern, weil es in ihrem eigenen Interesse (II) lag. Vom Pharao über König, Kaiser, Reichskanzler, hin zu Merkel.

Demokratie – der Streit der Meinungen – ist damit auch nur ein Mittel zum Zweck, das (zwangsläufige) Systemversagen hinauszuzögern – und wohlgemerkt ein sehr erfolgreiches.

Das besondere Problem heute ist, dass es in der gesamten Menscheitsgeschichte noch nie passiert ist, dass eine freiheitliche, liberale Demokratie (modern-idiotischer Prägung, in der auch noch jeder Depp wählen durfte), zusammenbrach.

Bislang konnte man dem sehr unzufriedenen, armen Pöbel nämlich noch irgendeinen Lolli anbieten, mit dem alles besser würde.

Was aber sollen die heutigen Politiker noch anbieten? Mehr Geld für Nichtstun, was dadurch nur noch weniger wert wird? Das wird sehr schmerzhaft.

Aber: Hey – liebe Menschen, liebe Politiker: Geld ist nur ein relativer Wert. Geld unterliegt aber den gleichen Beschränkungen (I) und (II), und funktioniert daher auch nicht ewig.

Das ist aber nicht so wichtig, da Geld per se nur den Sozialkontrakt einer – oder heute aller – Gesellschaften  verkörpert, miteinander zu kooperieren. Ein paar pickelige Jungs in Mamas Keller können heute Geld machen, nennt man Bitcoin, Ethereum oder so. Es geht nur darum, sich darauf zu verlassen, dass nicht plötzlich irgendwer beliebig viel davon macht, weil er kann – und jeder, der kann, wird das tun, momentan machen das die EZB, FED und viele andere, früher waren das halt Könige, Kaiser und Hitler.

Das ist aber egal.

Geld ist nur ein relativer Wert.

Macht man halt einen neuen.

Bei Regierungen ist das was anderes. Die sind (eigentlich) nur für ganz wenige, wichtige Aufgaben da. Den Rest könnte man sich sparen – dafür gibt es Geld. Wir brauchen aber dafür keine DM, keinen Euro. Aber auch kein Sozialsystem; jeder anständige Mensch wird Bedürftigen etwas geben, und jeder, der das nicht tut, wird vom Rest der Gesellschaft kein Mitleid erwarten können, wenn in seinem Garten plötzlich ein Grab ist und in seinem Haus ein ehemaliger Bedürftiger wohnt.

Der einzige Wert, über den man sich als Gesellschaft einigen muss, ist, wo hier die Grenze zu ziehen ist. Und um die durchzusetzen, braucht es einen Staat.

Leider.

Für den Rest aber nicht. Wir brauchen keine 50%ige Staatsquote. Wir brauchen keine Armeen. Wir brauchen keine Kommunisten. Wenn wir wirklich frei sein wollen, brauchen wir all das nicht.

Wir müssten aber bereit sein, für diese freiheitlichen Ideale zu sterben.

Was dann zu Problem (III) führt: Menschen wollen in den Regel nicht sterben.

Blöd.

Also, für die Menschen. Gut für die Politik, die “Kapitalisten”, die “Mächtigen”. Die können A versus B ausspielen, und die sich gegenseitig die Köpfe einschlagen lassen.

Alte, weiße, cis-het Männer

Es gibt seltene Momente, in denen ich einsehen muss, dass ich mich geirrt habe. Ich habe gestern gelernt, dass das Referendum auf der Krim in etwa so war, als würde man Mallorca über einen Anschluss ans deutsche Reich abstimmen lassen, und den von den Einheimischen bislang nett und zuvorkommend tolerierten Gästen das Wahlrecht geben. Komischerweise erfährt man sowas aber erst bei einer Flasche Горілка, nicht aus der Lügenpresse. Deswegen nennt man die ja auch so. Горілка sieht übrigens aus wie Vodka, schmeckt besser als Vodka und man vergisst den sehr wichtigen Unterschied zu Vodka leider nach einer halben Flasche.

Naja, ein anderer Punkt ist der, dass alte, weiße, heterosexuelle Männer offenbar wirklich so schlimm sind, wie die Feministen tun. Luisman hat sich mit einem Beitrag von unserem (in irgendeinem Kaffdorf gewählten) Bundesinnenminister auseinandergesetzt, und auch auf die Gefahr hin, dass sich das doppelt, hier meine Meinung dazu:

Leit­kul­tur für Deutsch­land – Was ist das ei­gent­lich?
BILD am Sonntag vom 30.04.2017

Man könnte an dieser Stelle eigentlich aufhören, sich mit dem Thema zu befassen und die deutsche Leitkultur für tot erklären – heute im Programm: Tittenmäuschen, und nebenbei: Deutsche Leitkultur. Fein. Es wird aber leider noch schlechter, als es eh schon ist, wenn man den Unsinn liest:

Ein Diskussionsbeitrag von Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière zur Frage, “was uns im Innersten zusammenhält”
Oh Gott, wir sind noch nichtmal im Text und schon vergewaltigen wir Goethe in einem Gangbang mit Hundert Negern. Freilich klaut sich Maizere seine Leitkultur dann auch von Goethe zusammen, aber das ist Fausts Verständnis der Welt. Faust, wissenschon, der Pädophile mit dem Pakt mit dem Teufel.
Wobei das natürlich verständlich ist; ohne seine Seele zu verkaufen wird man in der Politik ja nun sicher nichts. Aber zum Inhalt:
Einige Dinge sind klar. Sie sind auch unstreitig: Wir achten die Grundrechte und das Grundgesetz.
So: Erster Satz, erste Lüge. De Maizere scheißt auf Grundrechte wie Eigentum oder freie Meinungsäußerung, er achtet die also nicht. “Wir” können die nicht achten, weil wir von “wirs” wie Maizere dazu gezwungen werden, sie aufzugeben. Widerlicher, verlogener Pisser.
Nun mag Maizere in seinem Berliner SafeSpace das ja durchaus als Realität ansehen, aber dadurch hat er mit dem gemeinen Deutschen nichts am Hut. Was deutsche Leitkultur wäre – und was Deutschland in der Welt groß gemacht hat – ist die Grundidee, dass man (a) Arbeit (b) ordentlich und (c) genau wie abgesprochen (d) erledigt und (e) das vollkommen selbstverständlich ist. Ende. Das ist aber nicht deutsche Kultur, das war es mal. Heute ist es – siehe de Maizere – verlogenes Geblubber ohne Wert und Inhalt. Was auch daran liegen mag, dass Herrn de Maizere die Punkte (a) bis (e) vollkommen fremd sein dürften.
Über allem steht die Wahrung der Menschenwürde.
Ach, fick dich doch.
[blabla] Für all das haben wir ein Wort: Verfassungspatriotismus.
Nein, das Wort haben wir nicht. Wir haben insbesondere nicht einmal eine Verfassung. Eine Verfassung ist etwas, was (sich) freie Bürger in freier Wahl beschließen. Steht auch im Grundgesetz, ganz hinten. Wenn das noch nicht gestrichen wurde.
Über Sprache, Verfassung und Achtung der Grundrechte hinaus gibt es etwas, was uns im Innersten zusammenhält, was uns ausmacht und was uns von anderen unterscheidet.
Joah – Deutsche sind im Allgemeinen arrogant, unfreundlich und überheblich, was wir uns auch leisten konnten, weil wir halt die Arbeit besser gemacht haben als der fucking Rest der Welt.
Früher.
Jetzt sind “wir” nur noch arrogant, unfreundlich und überheblich, und das einzige, was uns nicht vollkommen unbeliebt macht überall, ist, das die Russen noch schlimmer sind.
Aber gut, was sagt denn Maizere dazu?
[Schwafel]
Boooaahhh – okay, eine Seite weiter…
Ich will mit einigen Thesen zu einer Diskussion einladen über eine Leitkultur für Deutschland.
Ja du fuck Dreck, wenn Du die deutsche Leitkultur als Deutscher nicht benennen kannst, sondern blöd rumdiskutieren musst, dann ist “blöd rumdiskutieren” deutsche Leitkultur, nicht deine Inhalte.
Was, übrigens, ziemlich treffend ist.
Aber gehen wir die zehn Punkte trotzdem durch:
1. Wir sind eine offene Gesellschaft. Wir zeigen unser Gesicht. Wir sind nicht Burka.
Nein, das sind wir nicht, und das waren wir nie. Wir sind waren eine tolerante Gesellschaft, weil wir wussten, dass wir besser waren als alle anderen. Das sind wir aber nicht mehr, von daher werden wir jetzt werterelativierend und genießen unseren Untergang. Wir bloggen anonym. Wir haben auch nichts gegen Burkas.
2. Wir sehen Bildung und Erziehung als Wert und nicht allein als Instrument.
Ja, und ich bedanke mich bei den Autoren von Meyers Enzyklopädischem Lexikon dafür. Das deutsche Schulsystem hat das schon vor 30 Jahren nur (noch?) gepredigt, nicht vermittelt. Allgemeinbildung ist etwas, was Politikern vollkommen zu fehlen scheint, was dann natürlich auch Lehrpläne reflektieren. Baaaaaaaah.
3. Wir sehen Leistung als etwas an, auf das jeder Einzelne stolz sein kann.
Das ist mal ganz, ganz sicher das un-deutscheste, was es gibt. Leistung ist, das hatte ich oben geschrieben, etwas vollkommen selbstverständliches. Fleißsternchen sind Montessori-Bullshit, und Stolz auf Selbstverständlichkeiten ist was für dumme Amerikaner. Sammal. Aber das geht dann vollkommen realitätsfremd weiter – Maizere behauptet,
Wir fordern Leistung. Leistung und Qualität bringen Wohlstand.
Das tun wir nämlich nicht mehr. Und wenn keiner mehr Leistung bringt und Mercedes weniger Qualität bietet als Hyundai, dann geht auch der Wohlstand nach Asien. Ich verstehe Leute wie Luisman, die dem Wohlstand da hin folgen.
4. Wir sind Erben unserer Geschichte, mit all ihren Höhen und Tiefen. Unsere Vergangenheit prägt unsere Gegenwart und unsere Kultur.
Nein, wir sind Meister der Ignoranz bezüglich unserer Geschichte. Wir tun erst seit Hitler so, als wäre das anders, weil wir uns wegen des NS-Traumas kollektiv belügen mussten. Vor hundert Jahren hätten wir auch noch Psychotherapeuten gehabt, die das hätten erklären können.
[4b] Dazu gehört auch ein besonderes Verhältnis zum Existenzrecht Israels.
Ich kenne absolut niemanden, dem allein das Thema Israel nicht derart auf den Sack geht, dass er nicht wenigstens mal überlegt hat, ob man da nicht besser eine Atombombe draufwirft oder die alle vergast oder so. Und das, obwohl ich niemanden kenne, der Atombomben oder Leute vergasen befürworten würde.
5. Wir sind Kulturnation.
Sehen wir am Christopher Street Day, Slutwalks und der Fuckparade. Und sowas sagt ein Mann, der in Berlin lebt. Deutsche Kultur ist, dass man nach vier, fünf Maß Bier am Kotzhügel kotzt. Ja, der heißt Kotzhügel. Das ist deutsche Leitkultur. Also, war, heute vögelt man da. Früher machte man das, wie das halt anständige Leute machen, in der U-Bahn. Also, vögeln, nicht kotzen. Geht aber nicht mehr, da kotzen jetzt ja alle rein.
6. In unserem Land ist Religion Kitt und nicht Keil der Gesellschaft.
7. Wir haben in unserem Land eine Zivilkultur bei der Regelung von Konflikten.
Nein, deutsche Kultur ist die Vermeidung von Konflikten. Deutsche sind nicht sonderlich gut in Konflikten, wir haben da immer das sehr aufbrausende Bedürfnis, in Polen einzumarschieren und Juden zu vergasen. Das haben wir aus der NS-Zeit gelernt: Konflikte vermeiden. Das war aber mal. Jetzt hingegen gibt es zunehmend mehr Konflikte, und wie die in Deutschland nicht gelöst werden, lässt Somalia wie ein strahlendes Beispiel wirken.
8. Wir sind aufgeklärte Patrioten.
Nazi. Ne, ehrlich – wo lebt der Mann? Mein Opa war aufgeklärter Patriot, der war bei der Waffen-SS an der Ostfront. Deutsche sind Weltbürger. Fahrt halt mal irgendwo hin; man findet immer Deutsche.
9. Wir sind Teil des Westens. Kulturell, geistig und politisch.
Als ich diese West-Ost-Geschichte erklärt bekam, war der Westen kapitalistisch und der Osten kommunistisch. Das ist heute nicht mehr so. Das stimmt also einfach nicht. Wir sind Teil der alten Welt, die halt untergeht, wenn Maizere das meint.
Die NATO schützt unsere Freiheit.
Vor – den bösen Kommunisten? ISIS und sonstige Terroristen ja nun mal nicht, die laden wir ja nun ein und zahlen ihnen auch noch Geld dafür, dass sie da sind und unsere Weihnachtsmärkte mit Scania-LKWs bereichern.
10. Wir haben ein gemeinsames kollektives Gedächtnis für Orte und Erinnerungen. Das Brandenburger Tor und der 9. November sind zum Beispiel ein Teil solcher kollektiven Erinnerungen.
Was zum Teufel ist denn am 9. November? Ich meine, das ist 9/11, aber halt nicht 11/9? Shit, und Wikipedia ist in der Türkei gesperrt, das war echt schwer rauszufinden. Reichskristallnacht. Fein. Das ist also der Tag, wo sich die Nazis so benommen haben wie die Antifa jährlich am 1. Mai. Danke, deutsche Leitkultur.
Wenn wir beim Thema Kultur sind: Die Türkei wird wieder konservativ-religiöser – also genau das, was Atatürk relativ unblutig abgeschafft hat. Es tragen deutlich mehr junge Frauen wieder Kopftuch. Und das sind interessanterweise die, die schlank und gutaussehend sind. Ich finde das jetzt nicht wirklich schlecht.

Communist Fiction

Ich lese ja gerne, wenn ich dafür Zeit habe. Leider schreibt ja kaum noch jemand gute Bücher, von daher ist man schon dankbar, wenn Daniel Suarez endlich mal wieder die Zeit gefunden hat, was neues zu schreiben. Das war auch – wie immer – gut; es fällt nur irgendwie bei Suarez auf, wie er sich förmlich dazu zwingen muss, in seinen Büchern auch ein paar Frauen in auch nur in der Nähe von relevanten Rollen unterzubringen. Fairerweise hatte Influx, wenn ich mich nicht falsch erinnere, eine weibliche Protagonistin; das war aber mehr unglaubwürdig, als es wirklich störte – also, man hatte nie den Eindruck, dass der Protagonist eine Frau wäre, weil sie sich nie wie eine Frau verhielt.

Frauen als Protagonisten glaubwürdig zu schreiben ist schwierig; Jeffrey Archer hat da mit Anna in False Impression einen Maßstab gesetzt, einen weiblichen Protagonisten zu schreiben, der gleichzeitig als stereotypisch weiblich zu erkennen ist und gleichzeitig die sinnvollen Sachen, die man als Protagonist halt so machen muss, nicht vollkommen widersprüchlich zu ihrem Charakter erscheinen zu lassen.

Naja, denken wir uns, wenn schon Archer nur noch Mist schreibt und Crichton (der auch glaubwürdige Frauen schreiben konnte) tot ist, muss man ja ab und zu mal den “andere Kunden kauften auch” – Empfehlungen vertrauen und was neues ausprobieren – Hugh Howey beschreibt das Problem in Beacon 23 mit “but for every book I like, there are like a billion I don’t, and there is no way to differentiate in advance”.

Nun stellt sich also kurz vor dem Abflug raus, dass Cory Doctorow ein Buch geschrieben hat. Es nennt sich Walkaway, und ist nicht sein erstes Buch. Den Namen kannte ich aus Fefes Blog und dem Free-Speech-EFF-Umfeld, also beschloss ich, dem mal eine Chance zu geben.

Und fairerweise muss man sagen, dass Doctorow gut schreibt, ein wirklich cooles, realistisch-dystopisches Zukunftsszenario schafft, und man das Buch nur zum Schlafen weglegt, wenn es einem aus der Hand fällt.

Wenn man aber vorher Suarez gelesen hat, der ein wirklich cooles, realistisch-dystopisches Zukunfsszenario schafft und man nicht schläft, bevor das Buch zuende ist, fällt Doctorow ein paar Ligen tiefer.

Was mehrere Gründe hat – ich identifiziere da mal zentral den, dass Doctorow ein überzeugter SJW sein muss. Da ich dem interessierten Leser Suarez Change Agent (und den Rest seiner Bücher) ans Herz legen würde, spoilere ich mal wie Hölle Doctorows Walkaway – auch wenn die Prämissen ähnlich sind:

Nach dem nächsten Kondratieff-Zyklus sind grundlegende Ressourcenprobleme eigentlich gelöst, aber finanzielle Interessen wie Beharrungstendenzen staatlicher politischer Macht stehen echtem menschlichen Fortschritt im Weg – und die Tatsache, dass niemand Verwendung für Milliarden weitestgehend nutzloser Menschen hat. Suarez löst letzteres Problem realistisch-düster und als Nebenplot, während Doctorow feministische Safe-Spaces als Hauptplot hat, die nur von allen angefeindet werden.

Dass die Safe-Spaces in sich inkohärent und widersprüchlich sind, stört den Leser mehr als die Charaktere, die sämtlich ganz besondere (und weibliche, mit einer Transe und einem Neger als Ausnahme) Frauen sind und natürlich ganz besondere Schneeflocken sind, die aus der Erkenntnis heraus, dass alle Menschen ganz besondere Schneeflocken und damit wieder alle gleich sind, eigentlich nur ungezügelt mit allem vögeln, was sie treffen. Doctorow schreibt, was man als seriöser Autor nicht macht, übrigens explizite Sexszenen, die – neben einer etwas pervers wirkenden pornografischen Komponente – in etwa so spannend sind wie ein feministischer Consent-Leitfaden. Der Protagonist des ersten Teils des Buches stirbt dann übrigens im zweiten, wohlgemerkt völlig ohne jeglichen Grund, und man liest dann halt in der Hoffnung weiter, dass wenigstens der Rest auch stirbt.

Man wird leider auch in diesem Punkt derbst enttäuscht – wie in jedem anderen Punkt auch.

Die Storyline der lieben, kuschelnden (und vögelnden), kooperativen, toleranten LMNOP-Menschen, die den aktuellen Microaggressions-Bullshit zu einem “huh, wie interpretiere ich Microausdrücke” – Bullshit hochstilisiert haben, leben (dank exzessiv vieler Drogen) in völliger Ignoranz gegenüber der (natürlich nur durch die bösen Systemkapitalisten als Gerüchte gestreuten) ständigen Plünderungen und Vergewaltigungen in ihrem SafeSpace-Paradies, an dem jeder teilnehmen kann, der seinen Beitrag leistet – oder auch nicht, aber um Leute, die nichts beitragen können, muss man sich ja auch kümmern. Oder sie bitten, zu gehen, das kommt ganz auf die Laune der ganz besonderen Schneeflocke an.

Ich glaube ja nun schon, dass die durchschnittliche Feministin davon feucht wird – zumindest, wenn man sie beim Lesen auf einen Symbian setzt, aber die Idee, dass man einfach friedlich weggehen kann, wenn jemand das, was man sich als Gemeinschaft geschaffen hat, um sich dann was besseres zu schaffen, ist ja grundsätzlich ganz nett, und ich sage jetzt auch nicht, dass Zigeunerleben etwas grundsätzlich negatives ist, aber das ist halt schlicht kein gesamtgesellschaftliches Modell, weil es keinen inhärenten Mechanismus besitzt, mit Arschlöchern umzugehen.

Es ist, wenn man sich traditionelle Kulturen so anschaut, ein gangbares Modell, friedlich trotz begrenzter Ressourcen zu koexistieren (wie arabische Nomaden) – aber halt nur, bis die Menschen zu viele werden. Analog sind bei (scheinbar) unbegrenzten Ressourcen kommunistische Gesellschaften möglich – siehe afrikanische Stämme – bis die Gesellschaften zu groß werden. Beides zu kombinieren scheitert zwangsweise irgendwann an beidem, wenn es keinen forcierten Arschloch-Coping-Mechanismus gibt – das wissen nicht-linke Intellektuelle übrigens spätestens seit Thomas Hobbes. Selbst linke Intellektuelle wie Marx wussten das, weil grundsätzlich jede noch so idiotische und menschenverachtende Ideologie irgendwie funktioniert, wenn man denn irgendeine Form von Gulag, Konzentrations- oder Arbeitlager schafft.

Wenn man nun aus der Perspektive darüber nachdenkt, sind die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen durch vollkommen urteilsfreie Kooperation und die Möglichkeit des Ausschlusses nach wahllosen Mehrheitsprinzipien genau solche Arbeitslager, die Doctorow als überzeugter, profeministischer SJW als utopische Lösung des Gesellschaftsproblems skizziert. Von daher sind die feindseligen Reaktionen der etablierten Gesellschaft in seinem Buch auch vollkommen unrealistisch; niemand hat Probleme damit, wenn die Probleme von alleine weggehen.

Freilich spielt da auch Doctorows trotzkyistischer Hintergrund und sein kanadisch-hirntotes Umfeld mit rein, die stark von US-linker (und berechtigter) Kritik an den Amerika-als-Heilsbringer-Gedanken beeinflusst ist. “Jedem das Seine” stand nicht ohne Grund auf einem KZ-Tor – das ist nämlich die dahinterstehende Ideologie aller Sozialisten, die ja nicht grundsätzlich verkehrt ist – das ist ein Arschloch-Coping-Mechanismus. Nur dass die Linken halt keinen Staat als notwendiges Übel wollen, “nur” die Vernichtungslager, und den Staat braucht man dann halt trotzdem, um die zu betreiben…

Wenn die Allahu-Akhbar-Schreier 500km östlich von hier finden, dass Jesiden Teufelsanbeter sind und umgebracht gehören, ist das ja nun eigentlich kein amerikanisches Problem, sondern mehr ein jesidisches. Da eine Partei zu ergreifen ist genau das, was Linke so besonders verachten: Kulturimperialismus. Machen sie aber natürlich sofort. Weil – hey, auch ganz besondere Schneeflocken schmelzen in der Sonne, wie alle anderen auch. Und Gefrierschränke sind nur eine widerliche, patriarchalische, frauenunterdrückende, konservative bis regressive, umweltzerstörende Technologie. Oder so.

Das Problem ist, dass Menschen Ordnung brauchen, während aber die angemessene Form der Ordnung ebenso wie Technologie und Lebensstandards einem Schumperter’schen Wandel unterliegen, gegen den immer Beharrungskräfte bestehen werden. Viele Leute verlinken in letzter Zeit diesen Comic, den Danisch recht kurz erklärt – es gibt gewisse Urinstinkte in Menschen, die nur die wenigsten zu überwinden vermögen; vor allem den, dass man das, was man zu wissen glaubt, höher bewertet als neue Informationen.

Ich bin davon auch nicht ganz frei, siehe die wirtschaftswissenschaftlichen Referenzen in diesem Text, aber – ja, auch das Verteidigen der eigenen Ansichten gehört dazu – die Wirtschaftswissenschaften haben im Gegensatz zu anderen “neuen” Wissenschaften wie z.B. Gender Studies das Rad nicht neu erfunden und sehen meist ein, wenn sie falsch liegen. In der Makroökonomie zum Beispiel mit so ziemlich allem, aber “es geht eh immer alles vor die Hunde” ist halt nicht so die geile Theorie, wenn man langfristige Politik machen will, deswegen sind ja Schumpeter und Kondratieff eher der Giftschrank des Fachbereichs, zu dem man jungen Bachelors lieber nicht mehr den Schlüssel gibt.

Ebenso sind die Tendenzen der regressiven Linken zu betrachten – selbst der vorgeblichst progressivste, genderqueere Anarchist fand Deutschland noch besser, als er nicht für sein Aussehen von einer Gruppe Kulturbereicherer verprügelt wurde und 1000€ Sozialhilfe statt 400€ Hartz4 bekam.

Das ist eine Katharsis, die Linken wie den ständig wechselnden Protagonist*innen von Doctorow dank der Doctorow selbst von seinem Hirn verwehrten Katharsis erspart bleibt – egal, wie sehr Du Recht hast, es wird irgendwo Leute geben, die völlig anders denken als Du und genauso finden, dass sie Recht haben. Davon haben sie natürlich nicht Recht und Du schon, und die sind nur doof, das steht ja jeden Tag in der linken Presse, wie doof alle Rechten sind, aber der einzige Ausweg aus diesem Dilemma ist eine Gesellschaft, die klein genug ist, dass das “zu viele Menschen” – Problem nicht auftritt.

So, ich muss jetzt einkaufen gehen, Cem aus Konya, Gunther aus Johannesburg und Yuri aus Odessa haben sich (+1) zur Pasta Carbonara eingeladen (wir schmuggeln Bacon), und dafür haben wir nicht genug Bier.