Alte, weiße, cis-het Männer

Es gibt seltene Momente, in denen ich einsehen muss, dass ich mich geirrt habe. Ich habe gestern gelernt, dass das Referendum auf der Krim in etwa so war, als würde man Mallorca über einen Anschluss ans deutsche Reich abstimmen lassen, und den von den Einheimischen bislang nett und zuvorkommend tolerierten Gästen das Wahlrecht geben. Komischerweise erfährt man sowas aber erst bei einer Flasche Горілка, nicht aus der Lügenpresse. Deswegen nennt man die ja auch so. Горілка sieht übrigens aus wie Vodka, schmeckt besser als Vodka und man vergisst den sehr wichtigen Unterschied zu Vodka leider nach einer halben Flasche.

Naja, ein anderer Punkt ist der, dass alte, weiße, heterosexuelle Männer offenbar wirklich so schlimm sind, wie die Feministen tun. Luisman hat sich mit einem Beitrag von unserem (in irgendeinem Kaffdorf gewählten) Bundesinnenminister auseinandergesetzt, und auch auf die Gefahr hin, dass sich das doppelt, hier meine Meinung dazu:

Leit­kul­tur für Deutsch­land – Was ist das ei­gent­lich?
BILD am Sonntag vom 30.04.2017

Man könnte an dieser Stelle eigentlich aufhören, sich mit dem Thema zu befassen und die deutsche Leitkultur für tot erklären – heute im Programm: Tittenmäuschen, und nebenbei: Deutsche Leitkultur. Fein. Es wird aber leider noch schlechter, als es eh schon ist, wenn man den Unsinn liest:

Ein Diskussionsbeitrag von Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière zur Frage, “was uns im Innersten zusammenhält”
Oh Gott, wir sind noch nichtmal im Text und schon vergewaltigen wir Goethe in einem Gangbang mit Hundert Negern. Freilich klaut sich Maizere seine Leitkultur dann auch von Goethe zusammen, aber das ist Fausts Verständnis der Welt. Faust, wissenschon, der Pädophile mit dem Pakt mit dem Teufel.
Wobei das natürlich verständlich ist; ohne seine Seele zu verkaufen wird man in der Politik ja nun sicher nichts. Aber zum Inhalt:
Einige Dinge sind klar. Sie sind auch unstreitig: Wir achten die Grundrechte und das Grundgesetz.
So: Erster Satz, erste Lüge. De Maizere scheißt auf Grundrechte wie Eigentum oder freie Meinungsäußerung, er achtet die also nicht. “Wir” können die nicht achten, weil wir von “wirs” wie Maizere dazu gezwungen werden, sie aufzugeben. Widerlicher, verlogener Pisser.
Nun mag Maizere in seinem Berliner SafeSpace das ja durchaus als Realität ansehen, aber dadurch hat er mit dem gemeinen Deutschen nichts am Hut. Was deutsche Leitkultur wäre – und was Deutschland in der Welt groß gemacht hat – ist die Grundidee, dass man (a) Arbeit (b) ordentlich und (c) genau wie abgesprochen (d) erledigt und (e) das vollkommen selbstverständlich ist. Ende. Das ist aber nicht deutsche Kultur, das war es mal. Heute ist es – siehe de Maizere – verlogenes Geblubber ohne Wert und Inhalt. Was auch daran liegen mag, dass Herrn de Maizere die Punkte (a) bis (e) vollkommen fremd sein dürften.
Über allem steht die Wahrung der Menschenwürde.
Ach, fick dich doch.
[blabla] Für all das haben wir ein Wort: Verfassungspatriotismus.
Nein, das Wort haben wir nicht. Wir haben insbesondere nicht einmal eine Verfassung. Eine Verfassung ist etwas, was (sich) freie Bürger in freier Wahl beschließen. Steht auch im Grundgesetz, ganz hinten. Wenn das noch nicht gestrichen wurde.
Über Sprache, Verfassung und Achtung der Grundrechte hinaus gibt es etwas, was uns im Innersten zusammenhält, was uns ausmacht und was uns von anderen unterscheidet.
Joah – Deutsche sind im Allgemeinen arrogant, unfreundlich und überheblich, was wir uns auch leisten konnten, weil wir halt die Arbeit besser gemacht haben als der fucking Rest der Welt.
Früher.
Jetzt sind “wir” nur noch arrogant, unfreundlich und überheblich, und das einzige, was uns nicht vollkommen unbeliebt macht überall, ist, das die Russen noch schlimmer sind.
Aber gut, was sagt denn Maizere dazu?
[Schwafel]
Boooaahhh – okay, eine Seite weiter…
Ich will mit einigen Thesen zu einer Diskussion einladen über eine Leitkultur für Deutschland.
Ja du fuck Dreck, wenn Du die deutsche Leitkultur als Deutscher nicht benennen kannst, sondern blöd rumdiskutieren musst, dann ist “blöd rumdiskutieren” deutsche Leitkultur, nicht deine Inhalte.
Was, übrigens, ziemlich treffend ist.
Aber gehen wir die zehn Punkte trotzdem durch:
1. Wir sind eine offene Gesellschaft. Wir zeigen unser Gesicht. Wir sind nicht Burka.
Nein, das sind wir nicht, und das waren wir nie. Wir sind waren eine tolerante Gesellschaft, weil wir wussten, dass wir besser waren als alle anderen. Das sind wir aber nicht mehr, von daher werden wir jetzt werterelativierend und genießen unseren Untergang. Wir bloggen anonym. Wir haben auch nichts gegen Burkas.
2. Wir sehen Bildung und Erziehung als Wert und nicht allein als Instrument.
Ja, und ich bedanke mich bei den Autoren von Meyers Enzyklopädischem Lexikon dafür. Das deutsche Schulsystem hat das schon vor 30 Jahren nur (noch?) gepredigt, nicht vermittelt. Allgemeinbildung ist etwas, was Politikern vollkommen zu fehlen scheint, was dann natürlich auch Lehrpläne reflektieren. Baaaaaaaah.
3. Wir sehen Leistung als etwas an, auf das jeder Einzelne stolz sein kann.
Das ist mal ganz, ganz sicher das un-deutscheste, was es gibt. Leistung ist, das hatte ich oben geschrieben, etwas vollkommen selbstverständliches. Fleißsternchen sind Montessori-Bullshit, und Stolz auf Selbstverständlichkeiten ist was für dumme Amerikaner. Sammal. Aber das geht dann vollkommen realitätsfremd weiter – Maizere behauptet,
Wir fordern Leistung. Leistung und Qualität bringen Wohlstand.
Das tun wir nämlich nicht mehr. Und wenn keiner mehr Leistung bringt und Mercedes weniger Qualität bietet als Hyundai, dann geht auch der Wohlstand nach Asien. Ich verstehe Leute wie Luisman, die dem Wohlstand da hin folgen.
4. Wir sind Erben unserer Geschichte, mit all ihren Höhen und Tiefen. Unsere Vergangenheit prägt unsere Gegenwart und unsere Kultur.
Nein, wir sind Meister der Ignoranz bezüglich unserer Geschichte. Wir tun erst seit Hitler so, als wäre das anders, weil wir uns wegen des NS-Traumas kollektiv belügen mussten. Vor hundert Jahren hätten wir auch noch Psychotherapeuten gehabt, die das hätten erklären können.
[4b] Dazu gehört auch ein besonderes Verhältnis zum Existenzrecht Israels.
Ich kenne absolut niemanden, dem allein das Thema Israel nicht derart auf den Sack geht, dass er nicht wenigstens mal überlegt hat, ob man da nicht besser eine Atombombe draufwirft oder die alle vergast oder so. Und das, obwohl ich niemanden kenne, der Atombomben oder Leute vergasen befürworten würde.
5. Wir sind Kulturnation.
Sehen wir am Christopher Street Day, Slutwalks und der Fuckparade. Und sowas sagt ein Mann, der in Berlin lebt. Deutsche Kultur ist, dass man nach vier, fünf Maß Bier am Kotzhügel kotzt. Ja, der heißt Kotzhügel. Das ist deutsche Leitkultur. Also, war, heute vögelt man da. Früher machte man das, wie das halt anständige Leute machen, in der U-Bahn. Also, vögeln, nicht kotzen. Geht aber nicht mehr, da kotzen jetzt ja alle rein.
6. In unserem Land ist Religion Kitt und nicht Keil der Gesellschaft.
7. Wir haben in unserem Land eine Zivilkultur bei der Regelung von Konflikten.
Nein, deutsche Kultur ist die Vermeidung von Konflikten. Deutsche sind nicht sonderlich gut in Konflikten, wir haben da immer das sehr aufbrausende Bedürfnis, in Polen einzumarschieren und Juden zu vergasen. Das haben wir aus der NS-Zeit gelernt: Konflikte vermeiden. Das war aber mal. Jetzt hingegen gibt es zunehmend mehr Konflikte, und wie die in Deutschland nicht gelöst werden, lässt Somalia wie ein strahlendes Beispiel wirken.
8. Wir sind aufgeklärte Patrioten.
Nazi. Ne, ehrlich – wo lebt der Mann? Mein Opa war aufgeklärter Patriot, der war bei der Waffen-SS an der Ostfront. Deutsche sind Weltbürger. Fahrt halt mal irgendwo hin; man findet immer Deutsche.
9. Wir sind Teil des Westens. Kulturell, geistig und politisch.
Als ich diese West-Ost-Geschichte erklärt bekam, war der Westen kapitalistisch und der Osten kommunistisch. Das ist heute nicht mehr so. Das stimmt also einfach nicht. Wir sind Teil der alten Welt, die halt untergeht, wenn Maizere das meint.
Die NATO schützt unsere Freiheit.
Vor – den bösen Kommunisten? ISIS und sonstige Terroristen ja nun mal nicht, die laden wir ja nun ein und zahlen ihnen auch noch Geld dafür, dass sie da sind und unsere Weihnachtsmärkte mit Scania-LKWs bereichern.
10. Wir haben ein gemeinsames kollektives Gedächtnis für Orte und Erinnerungen. Das Brandenburger Tor und der 9. November sind zum Beispiel ein Teil solcher kollektiven Erinnerungen.
Was zum Teufel ist denn am 9. November? Ich meine, das ist 9/11, aber halt nicht 11/9? Shit, und Wikipedia ist in der Türkei gesperrt, das war echt schwer rauszufinden. Reichskristallnacht. Fein. Das ist also der Tag, wo sich die Nazis so benommen haben wie die Antifa jährlich am 1. Mai. Danke, deutsche Leitkultur.
Wenn wir beim Thema Kultur sind: Die Türkei wird wieder konservativ-religiöser – also genau das, was Atatürk relativ unblutig abgeschafft hat. Es tragen deutlich mehr junge Frauen wieder Kopftuch. Und das sind interessanterweise die, die schlank und gutaussehend sind. Ich finde das jetzt nicht wirklich schlecht.

Communist Fiction

Ich lese ja gerne, wenn ich dafür Zeit habe. Leider schreibt ja kaum noch jemand gute Bücher, von daher ist man schon dankbar, wenn Daniel Suarez endlich mal wieder die Zeit gefunden hat, was neues zu schreiben. Das war auch – wie immer – gut; es fällt nur irgendwie bei Suarez auf, wie er sich förmlich dazu zwingen muss, in seinen Büchern auch ein paar Frauen in auch nur in der Nähe von relevanten Rollen unterzubringen. Fairerweise hatte Influx, wenn ich mich nicht falsch erinnere, eine weibliche Protagonistin; das war aber mehr unglaubwürdig, als es wirklich störte – also, man hatte nie den Eindruck, dass der Protagonist eine Frau wäre, weil sie sich nie wie eine Frau verhielt.

Frauen als Protagonisten glaubwürdig zu schreiben ist schwierig; Jeffrey Archer hat da mit Anna in False Impression einen Maßstab gesetzt, einen weiblichen Protagonisten zu schreiben, der gleichzeitig als stereotypisch weiblich zu erkennen ist und gleichzeitig die sinnvollen Sachen, die man als Protagonist halt so machen muss, nicht vollkommen widersprüchlich zu ihrem Charakter erscheinen zu lassen.

Naja, denken wir uns, wenn schon Archer nur noch Mist schreibt und Crichton (der auch glaubwürdige Frauen schreiben konnte) tot ist, muss man ja ab und zu mal den “andere Kunden kauften auch” – Empfehlungen vertrauen und was neues ausprobieren – Hugh Howey beschreibt das Problem in Beacon 23 mit “but for every book I like, there are like a billion I don’t, and there is no way to differentiate in advance”.

Nun stellt sich also kurz vor dem Abflug raus, dass Cory Doctorow ein Buch geschrieben hat. Es nennt sich Walkaway, und ist nicht sein erstes Buch. Den Namen kannte ich aus Fefes Blog und dem Free-Speech-EFF-Umfeld, also beschloss ich, dem mal eine Chance zu geben.

Und fairerweise muss man sagen, dass Doctorow gut schreibt, ein wirklich cooles, realistisch-dystopisches Zukunftsszenario schafft, und man das Buch nur zum Schlafen weglegt, wenn es einem aus der Hand fällt.

Wenn man aber vorher Suarez gelesen hat, der ein wirklich cooles, realistisch-dystopisches Zukunfsszenario schafft und man nicht schläft, bevor das Buch zuende ist, fällt Doctorow ein paar Ligen tiefer.

Was mehrere Gründe hat – ich identifiziere da mal zentral den, dass Doctorow ein überzeugter SJW sein muss. Da ich dem interessierten Leser Suarez Change Agent (und den Rest seiner Bücher) ans Herz legen würde, spoilere ich mal wie Hölle Doctorows Walkaway – auch wenn die Prämissen ähnlich sind:

Nach dem nächsten Kondratieff-Zyklus sind grundlegende Ressourcenprobleme eigentlich gelöst, aber finanzielle Interessen wie Beharrungstendenzen staatlicher politischer Macht stehen echtem menschlichen Fortschritt im Weg – und die Tatsache, dass niemand Verwendung für Milliarden weitestgehend nutzloser Menschen hat. Suarez löst letzteres Problem realistisch-düster und als Nebenplot, während Doctorow feministische Safe-Spaces als Hauptplot hat, die nur von allen angefeindet werden.

Dass die Safe-Spaces in sich inkohärent und widersprüchlich sind, stört den Leser mehr als die Charaktere, die sämtlich ganz besondere (und weibliche, mit einer Transe und einem Neger als Ausnahme) Frauen sind und natürlich ganz besondere Schneeflocken sind, die aus der Erkenntnis heraus, dass alle Menschen ganz besondere Schneeflocken und damit wieder alle gleich sind, eigentlich nur ungezügelt mit allem vögeln, was sie treffen. Doctorow schreibt, was man als seriöser Autor nicht macht, übrigens explizite Sexszenen, die – neben einer etwas pervers wirkenden pornografischen Komponente – in etwa so spannend sind wie ein feministischer Consent-Leitfaden. Der Protagonist des ersten Teils des Buches stirbt dann übrigens im zweiten, wohlgemerkt völlig ohne jeglichen Grund, und man liest dann halt in der Hoffnung weiter, dass wenigstens der Rest auch stirbt.

Man wird leider auch in diesem Punkt derbst enttäuscht – wie in jedem anderen Punkt auch.

Die Storyline der lieben, kuschelnden (und vögelnden), kooperativen, toleranten LMNOP-Menschen, die den aktuellen Microaggressions-Bullshit zu einem “huh, wie interpretiere ich Microausdrücke” – Bullshit hochstilisiert haben, leben (dank exzessiv vieler Drogen) in völliger Ignoranz gegenüber der (natürlich nur durch die bösen Systemkapitalisten als Gerüchte gestreuten) ständigen Plünderungen und Vergewaltigungen in ihrem SafeSpace-Paradies, an dem jeder teilnehmen kann, der seinen Beitrag leistet – oder auch nicht, aber um Leute, die nichts beitragen können, muss man sich ja auch kümmern. Oder sie bitten, zu gehen, das kommt ganz auf die Laune der ganz besonderen Schneeflocke an.

Ich glaube ja nun schon, dass die durchschnittliche Feministin davon feucht wird – zumindest, wenn man sie beim Lesen auf einen Symbian setzt, aber die Idee, dass man einfach friedlich weggehen kann, wenn jemand das, was man sich als Gemeinschaft geschaffen hat, um sich dann was besseres zu schaffen, ist ja grundsätzlich ganz nett, und ich sage jetzt auch nicht, dass Zigeunerleben etwas grundsätzlich negatives ist, aber das ist halt schlicht kein gesamtgesellschaftliches Modell, weil es keinen inhärenten Mechanismus besitzt, mit Arschlöchern umzugehen.

Es ist, wenn man sich traditionelle Kulturen so anschaut, ein gangbares Modell, friedlich trotz begrenzter Ressourcen zu koexistieren (wie arabische Nomaden) – aber halt nur, bis die Menschen zu viele werden. Analog sind bei (scheinbar) unbegrenzten Ressourcen kommunistische Gesellschaften möglich – siehe afrikanische Stämme – bis die Gesellschaften zu groß werden. Beides zu kombinieren scheitert zwangsweise irgendwann an beidem, wenn es keinen forcierten Arschloch-Coping-Mechanismus gibt – das wissen nicht-linke Intellektuelle übrigens spätestens seit Thomas Hobbes. Selbst linke Intellektuelle wie Marx wussten das, weil grundsätzlich jede noch so idiotische und menschenverachtende Ideologie irgendwie funktioniert, wenn man denn irgendeine Form von Gulag, Konzentrations- oder Arbeitlager schafft.

Wenn man nun aus der Perspektive darüber nachdenkt, sind die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen durch vollkommen urteilsfreie Kooperation und die Möglichkeit des Ausschlusses nach wahllosen Mehrheitsprinzipien genau solche Arbeitslager, die Doctorow als überzeugter, profeministischer SJW als utopische Lösung des Gesellschaftsproblems skizziert. Von daher sind die feindseligen Reaktionen der etablierten Gesellschaft in seinem Buch auch vollkommen unrealistisch; niemand hat Probleme damit, wenn die Probleme von alleine weggehen.

Freilich spielt da auch Doctorows trotzkyistischer Hintergrund und sein kanadisch-hirntotes Umfeld mit rein, die stark von US-linker (und berechtigter) Kritik an den Amerika-als-Heilsbringer-Gedanken beeinflusst ist. “Jedem das Seine” stand nicht ohne Grund auf einem KZ-Tor – das ist nämlich die dahinterstehende Ideologie aller Sozialisten, die ja nicht grundsätzlich verkehrt ist – das ist ein Arschloch-Coping-Mechanismus. Nur dass die Linken halt keinen Staat als notwendiges Übel wollen, “nur” die Vernichtungslager, und den Staat braucht man dann halt trotzdem, um die zu betreiben…

Wenn die Allahu-Akhbar-Schreier 500km östlich von hier finden, dass Jesiden Teufelsanbeter sind und umgebracht gehören, ist das ja nun eigentlich kein amerikanisches Problem, sondern mehr ein jesidisches. Da eine Partei zu ergreifen ist genau das, was Linke so besonders verachten: Kulturimperialismus. Machen sie aber natürlich sofort. Weil – hey, auch ganz besondere Schneeflocken schmelzen in der Sonne, wie alle anderen auch. Und Gefrierschränke sind nur eine widerliche, patriarchalische, frauenunterdrückende, konservative bis regressive, umweltzerstörende Technologie. Oder so.

Das Problem ist, dass Menschen Ordnung brauchen, während aber die angemessene Form der Ordnung ebenso wie Technologie und Lebensstandards einem Schumperter’schen Wandel unterliegen, gegen den immer Beharrungskräfte bestehen werden. Viele Leute verlinken in letzter Zeit diesen Comic, den Danisch recht kurz erklärt – es gibt gewisse Urinstinkte in Menschen, die nur die wenigsten zu überwinden vermögen; vor allem den, dass man das, was man zu wissen glaubt, höher bewertet als neue Informationen.

Ich bin davon auch nicht ganz frei, siehe die wirtschaftswissenschaftlichen Referenzen in diesem Text, aber – ja, auch das Verteidigen der eigenen Ansichten gehört dazu – die Wirtschaftswissenschaften haben im Gegensatz zu anderen “neuen” Wissenschaften wie z.B. Gender Studies das Rad nicht neu erfunden und sehen meist ein, wenn sie falsch liegen. In der Makroökonomie zum Beispiel mit so ziemlich allem, aber “es geht eh immer alles vor die Hunde” ist halt nicht so die geile Theorie, wenn man langfristige Politik machen will, deswegen sind ja Schumpeter und Kondratieff eher der Giftschrank des Fachbereichs, zu dem man jungen Bachelors lieber nicht mehr den Schlüssel gibt.

Ebenso sind die Tendenzen der regressiven Linken zu betrachten – selbst der vorgeblichst progressivste, genderqueere Anarchist fand Deutschland noch besser, als er nicht für sein Aussehen von einer Gruppe Kulturbereicherer verprügelt wurde und 1000€ Sozialhilfe statt 400€ Hartz4 bekam.

Das ist eine Katharsis, die Linken wie den ständig wechselnden Protagonist*innen von Doctorow dank der Doctorow selbst von seinem Hirn verwehrten Katharsis erspart bleibt – egal, wie sehr Du Recht hast, es wird irgendwo Leute geben, die völlig anders denken als Du und genauso finden, dass sie Recht haben. Davon haben sie natürlich nicht Recht und Du schon, und die sind nur doof, das steht ja jeden Tag in der linken Presse, wie doof alle Rechten sind, aber der einzige Ausweg aus diesem Dilemma ist eine Gesellschaft, die klein genug ist, dass das “zu viele Menschen” – Problem nicht auftritt.

So, ich muss jetzt einkaufen gehen, Cem aus Konya, Gunther aus Johannesburg und Yuri aus Odessa haben sich (+1) zur Pasta Carbonara eingeladen (wir schmuggeln Bacon), und dafür haben wir nicht genug Bier.

Gefühlen mit Fakten begegnen

In der Zeit ist ein etwas übertrieben langer und etwas zu viel Begeisterung anstachelnder Artikel über eine Petra Köpping erschienen, der in den Koalitionsmauscheleien ein Pöstchen als “Integrationsministerin” zugeschanz wurde.

Frau Köpping wird darin gefeiert, weil sie auf die beeindruckende Idee gekommen sein soll, ihren Wählern und v.a. den Bürgern, die sie regieren soll, auch mal zuzuhören.

Man könnte fast meinen, wir lebten in einer Demokratie und nicht in irgendeiner Bananenrepublik, in der die Politiker einfach machen könnten, was sie wollen.

Was an dem Artikel (und an Frau Köpping) ganz ungemein nervt ist, dass die tatsächlichen Probleme vollkommen ignoriert werden. Stattdessen:

Man könnte sagen, dass Köppings Antwort auf die Wut nicht lautet: Mehr Fakten. Sondern: Mehr Gefühle.

Ja zefix verdammt, haben die armen, armen Ossis Wehwehchen? Komm, Mama pustet da mal drauf, dann tuts schon nicht mehr so schlimm weh.

Naja, wenn man dem Artikel was an Gehalt entnehmen will, ist es, dass die Ostdeutschen gar nicht alles widerliche, ausländerfeindliche Nazis sind, sondern finden, dass der deutsche Staat sich erstmal um Deutsche kümmern sollte. Klar, das ist nationalistisch und gar nicht links und so, aber ein zentrales Element jedes Gesellschaftsvertrags: Ich brauche keinen Staat, wenn der nix für mich tut. Niemand sonst braucht einen Staat, der nix für einen tut. Ein Staat muss für seine Staatssubjekte einen Nutzen haben.

Der Rest ist blablabla fehlgeschlagene Integration Ost, blabla Menschenwürde, blabla Hartz4 unwürdig, blablabla.

Bringen wir doch mal die Probleme auf den Punkt:

Wenn ich behaupten will, dass Hartz4 “unwürdig” sei, dann muss es dafür einen Maßstab geben. Wenn ich den Durchschnitt der Weltbevölkerung als Maßstab nehme, ist der Satz vollkommener Unsinn – der Satz hat also einen sehr hohen Maßstab. Und damit hat er einen vollkommen idiotischen Maßstab, da die Hälfte der Weltbevölkerung nicht “unwürdig” lebt, wenn dem Wort “Würde” irgendeine auf alle Menschen anwendbare Definition zugrunde liegen soll. Ansonsten ist es wertlos und der Punkt inhaltsleeres Geschwafel.

Aber es wird hierzu ein Beispiel gebracht, was man so interpretieren kann, dass es Sinn ergibt: Ehemalige DDR-Arbeiter wurden vom bösen kapitalistischen System aus ihrer jahrelang ausgeübten (aber unproduktiven) Berufstätigkeit geworfen und sind jetzt Jahre vor und sicher während dem Rentenalter auf Hartz4 angewiesen (um ihre Renten hat sie der böse Kapitalismus auch “betrogen”).

Das ist insofern unfair, als dass jeder Hartz4 bekommt, auch die, die nie gearbeitet haben. Wenn man Leute, die einen Beitrag geleistet haben (und fairerweise müssen wir hier den Staat, der ihnen gesagt hat, dass das ein Beitrag wäre, als Maßstab nehmen), dann ist das unfair, die Nichtstuer und die Nichts-nützliches-tuer gleich zu behandeln, weil sie verschieden sind. Das hat nichtmal was mit Würde zu tun, sondern schlicht mit Gerechtigkeit. Und das ist ein Problem, was viele Leute in nicht mehr gefragten oder konkurrenzfähigen Industrien haben – natürlich viele im Osten, aber auch zunehmend mehr im Westen.

Es wäre eine grundlegende Aufgabe der Politik, da “was zu tun”, dafür ist die Politik da. Der Markt und die Natur regeln das natürlich auch von alleine, aber dem Markt und der Natur ist es halt egal, wenn Leute verhungern. Das sieht man sehr schön an Ländern, die fanden, sie könnten sich gegen die Natur stellen und Atomkraftwerke in Erdbebengebiete bauen oder kommunistischen Planwirtschafts-Ackerbau betreiben. Im ersteren Fall schafft sich die Natur halt eine natürlich 50-Kilometer-Bannmeile, und im zweiten Fall regelt der Markt das von der Natur bedingte Verhungern von Millionen.

Es wäre eine grundlegende Aufgabe der Politik, aus solchen Fehlern zu lernen, und sie nicht zu wiederholen – in dem Fall eben Kommunismus.

Denn Hartz4 ist gelebtes “Jedem nach seinen Bedürfnissen”, und die Bedürfnisse von “jedem” können halt nicht allzu groß sein, wenn man das noch irgendwie bezahlen können soll. Kann man übrigens jetzt schon nicht – seit Jahrzehnten ist der Lebensstil in Westeuropa deutlich höher, als sich Westeuropa das eigentlich leisten kann. Aber unabhängig davon führt das – egal wie hoch oder wie niedrig man das ansetzt – zu Unzufriedenheit, weil es ungerecht ist.

Durch religiöse Heilsversprechen lassen sich Menschen natürlich zu vielem bringen, was ihnen eigentlich selbst schadet, sei es, sich auf dem Feld totzuackern, um dem König seine Sexpartys zu finanzieren oder die SPD zu wählen, aber die Natur des Menschen holt einen immer ein, wie das auch die echte Natur tut.

Was ich damit meine ist, dass die “soziale Frage” einer sozialen Antwort bedarf.  Und die soziale Antwort ist – auch das wissen wir aus der Geschichte – nicht “dann sollen sie halt Kuchen essen“, wenn die Leute verhungern. Und es ist auch nicht “man muss mehr auf die Gefühle von Leuten hören”, wenn sie Ungerechtigkeiten gegenüber stehen. Die finden nicht nur, dass da was falsch läuft, da gibt es einen Konsens, und damit wird selbst im Poststrukturalismus aus den subjektiven Wirklichkeiten eine geteilte Realität.

Freilich ist es halt leider auch eine Realität, dass eben nicht alle Menschen gleich sind, und Ungleichverteilungen deswegen inhärent gerecht sind – solange diese Ungleichheiten proportional zueinander sind.

Und ein Hartz4-Empfänger, der arbeiten will, ist etwas anderes als ein Hartz4-Empfänger, der nicht arbeiten will, und der wiederum etwa anderes als einer, der nicht arbeiten kann. Diese drei Gruppen werden aber gleich behandelt, weil unsere Parteien großteils denken, dass die Leute mit Kuchen zufrieden sein sollten. Auch wenn es nicht genug Kuchen für alle gibt und die meisten auch mit Brot glücklich wären. Aber nein, das Gros der Menschen will halt Kuchen haben, und wenn man ihnen erklärt, dass das nicht geht, wird man nicht gewählt.

Das ist eines der Probleme an der Diktatur des Proletariats, was selbst Marx schnell verstanden hat und niemals vorgesehen hatte, jeden Vollhorst bei politischen Entscheidungen mitreden zu lassen.

Die bekommt man aber in Deutschland nicht mehr weg, das steht so im Grundgesetz. Und man bekommt dafür auch keine Mehrheit, wenn man den Leuten nicht mit irgendwelchen Heilsversprechen wie Hitler ankommt, die dann auch erfüllt werden müssen, und das verursacht nahezu zwangsweise neue Probleme – weil Menschen halt unterschiedlich sind.

Ich habe – wie die meisten Studenten – zu Studentenzeiten ziemlich genau Hartz4 bekommen, und das reicht eigentlich. Noch eigentlicher wollte ich aber mehr, deswegen habe ich halt neben dem Studium gearbeitet – wo der Staat einen völlig beliebigen Deckel draufsetzt, über dem sonst überproportional Leistungen gekürzt werden, weil man es sich ja leisten könne.

Analog funktioniert das auch bei Hartz4 – man könnte ja was dazuverdienen, aber schon bei 100 Euro im Monat nimmt sich der Staat halt gleich mal 80%. Klar, eigentlich nimmt sich der Staat gar nichts, aber wenn man was “umsonst” bekommt, wird das halt subjektiv als  Opportunitätskosten verrechnet. Und dann lohnt sich Arbeit nicht.

Es lohnt sich auch für gewisse Gruppen unqualifizierter Leiharbeiter nicht, die zwar produktive Arbeit leisten, aber trotzdem “Aufstocken” müssen. Die hätten ohne Arbeit das gleiche Geld, und das ist unfair.

Nun schlagen einige Leute, die keine Ahnung von Wirtschaftspsychologie haben und in Wolkenkuckucksheim leben ein “bedingungsloses Grundeinkommen” vor, was zwangsläufig durch Abgabenlasten weit über den heutigen – also weit mehr als “nur” der Hälfte – auf echte Arbeitseinkommen erwirtschaftet werden müsste. Natürlich ist das mit ausreichender Automatisierung denkbar, aber ein Rezept für Arbeitsverweigerung a la DDR. Es klingt gut, wenn alle mitmachen, aber es werden halt (zu) viele nicht mitmachen, weil es sich für sie nicht lohnt.

Beliebig runtersetzen kann man die sozialen Zuwendungen auch nicht – 400 Euro Hartz4 sind nicht die Welt. Es braucht aber nun auch nicht jeder Asso eine eigene Wohnung, Bundeswehrsoldaten und Studenten brauchen schließlich auch keine, sondern kommen zu zweit oder viert mit einer Gemeinschaftsküche klar. Und schwupps haben wir mindestens 200 Euro Zuverdienstmöglichkeit geschaffen, die Staat und Steuerzahler keinen Cent kostet, nebenbei den aufgeblasenen Wohnungsmarkt bereinigt und dafür sorgt, dass sich Arbeit lohnt.

Und nein, ich glaube nicht, dass da irgendwer ein sehenswertes Problem damit hätte, außer der am Staatstropf hängenden Sozialindustrie, die davon profitiert. Die Leute, die eine eigene Wohnung haben und dafür arbeiten wollten, würden das machen, und die Leute, die das nicht wollen, sind auch zu lethargisch, um zu protestieren.

Freilich würde das voraussetzen, dass es auch Arbeitsmöglichkeiten für alle gibt, die arbeiten wollen, was in einem industrialisierten Land mit einem gewissen ethischen Verständnis zur Arbeitsgesundheit nicht geht – Luisman zeigt hier sehr schön auf, dass rund 10% der Bevölkerung leider zu dumm sind, eine Arbeit zu verrichten, die netto irgendeinen Nutzen hat, es also billiger ist, sie nichts tun zu lassen. Die sollten aber auch keine eigene Wohnung haben, die zünden sie sonst nur an. Man könnte jetzt gehässig sagen, dass sie ja einen Beschwerdebrief schreiben könnten, wenn sie denn keine Analphabeten wären, aber das wäre halt ein Mindestmaß dessen, was man an “Solidarität” opfern muss, wenn man es für die restlichen 90% der Gesellschaft gerechter haben will. Und für die 10% auch, die werden das zwar anders sehen, aber die sind ja nun auch zu dumm, das Konzept von Gerechtigkeit zu verstehen. Zudem kann man denen eh alles erzählen.

Für die restlichen Arbeitssuchenden – das wären dann deutlich mehr als die heutigen Statistiken zeigen – bräuchte es nicht mehr als eine radikale Flexibilisierung des Arbeitmarktes. 50% mehr Arbeitsplätze im Einzelhandel lassen sich durch 24/7-Öffnungszeiten erreichen, natürlich aber zu Lasten der Löhne. Kann aber eh jeder Depp machen, den Job, und so solidarisch sollte man dann schon sein, oder? Man hat ja selbst dafür mehr netto vom brutto, weil man den anderen Deppen nicht mehr quersubventionieren muss.

Das geht in x-zig Branchen, auch, wenn man den deutschen Qualifikationswahn etwas zurückschrauben würde. Meine letzte Putzfrau war zum Beispiel in ihrem Heimatland Pharmazeutin, aber hey, den Wisch konnte sie hier als Putzlappen verwenden. Leider konnte sie das nicht sonderlich gut.

Analog in der Pflege – schön, dass man da fünf Jahre Ausbildung braucht – wie auch als Kindergärtnerin – weil es früher ja nicht jede verdammte Frau geschafft hat, Kinder großzuziehen. Standards runter, Löhne runter, mehr Leute im Job. Wird unterm Stich wahrscheinlich nicht schlechter – das Hauptproblem in solchen Jobs ist Stress aufgrund von Unterbesetzung.

Dafür müsste man aber natürlich das gesamte “soziale” System Deutschlands so radikal umstellen, dass alle, die aktuell eigennützig sozial tun, auf die Barrikaden gehen würden. Oh, Moment – das tun sie eh ununterbrochen. Na dann, würde ich sagen, haben wir nichts zu verlieren. Außer ein paar Wählerstimmen, natürlich, aber dafür schwört man ja einen Eid zum Wohl des deutschen Volkes, nicht zu seinem eigenen Nutzen.

Natürlich wird selbst diesen kleinen, ersten Schritt keiner machen wollen. Lieber abwarten, die Hände zu einer Raute falten, und sich auf den Bürgerkrieg vorbereiten. Dann kann man auch endlich wieder mal den Pöbel erschießen und den mißliebigen Rest in Arbeitslager stecken. Nur so als Maßstab, wenn ihr meinen Vorschlag menschenverachtend findet – das ist die Alternative.

Downfall Porn – Weitergehen, hier gibt es nichts zu sehen

Ende der Nullerjahre flog ich viel durch Europa, vor allem wegen Freiflügen zu Bewerbungsgesprächen bei Stoxx50-Unternehmen. Auf dem Rückweg nach Schiphol teilte ich mir das Taxi dann mit einer rassigen Mulattin aus den Kolonien; wir hatten schließlich beide einen PhD in Evil Studies, das Taxi pauschal bezahlt bekommen und mussten eh beide zum Flughafen. Am Bahnhof in Den Haag hatten wir dann den Flughafenzubringer knapp verpasst, was zum Erwerb eines Produktes führte, das wir beide der Bezeichnung “Sandwich” unwürdig fanden. Das wiederum führte dazu, dass sie fragte, was ich sonst von Holland halte.

Fairerweise war ich da etwas bedrübbelt; ich kannte außer dem Flughafen, dem Bahnhof, der Firmenzentrale eines der Weltmarktführer in Umweltverschmutzung und eines Haubenrestaurants nicht viel (das Hilton war halt wie jedes andere Hilton auch). “Was denn so der Unterschied zu Deutschland sei”, konkretisierte sie.

Und ich antwortete, Mangels echter Unterschiede, schlicht ehrlich: Es ist dreckig.

Nun muss man dazu sagen, dass das Mädel aus der Karibik kam, und die Karibik jetzt nicht unbedingt chinesische Maßstäbe für Reinlichkeit erfüllt, die wiederum jedem deutschen Lebensmittelkontrolleur einen sofortigen Herzinfarkt verursachen würden. Aber für deutsche Verhältnisse war es halt dreckig. Sogar die Züge waren dreckig.

Die Mulattin konnte sich überhaupt nicht vorstellen, warum Züge sauber sein sollten.

Fairerweise war ich kurz darauf in einem Mannheimer Vorort bei einem vormals in der Judenvergasung behilflichen Unternehmen und kurz darauf bei der Propagandaabteilung eines deutschen Konzerns, der findet, sein rosanes Logo hätte die Farbe “Magenta”, in Berlin. Ich fühlte mich danach mit meiner Meinung, dass Züge sauber sein sollten, irgendwie einsam – und blieb halt in Bayern, was offenbar nur aufgrund – wie die Linken das ja für Afrika predigen – willkürlicher Grenzziehungen der Kolonialmächte Alliierten  zu Deutschland gehört.

Etwas zuvor war ich in China, und China war auch nicht sauber. Nicht so schmutzig wie Berlin, natürlich, aber halt sicher nicht München. Das hatte – wie Berlin das (absurderweise) für sich behauptet – durchaus seinen Charme. Das China von heute ist aber sehr bemüht, diesen Charme zu zerstören – also, sauber zu werden. Was ihnen übrigens gelingt – Guangzhou, wenn man jetzt eine irrelevante Kleinstadt als Maßstab nimmt, ist heute sehr viel sauberer als zum Beispiel Nürnberg. Was aber nicht so sehr an den chinesischen, als vielmehr an den deutschen Bemühungen liegt – hier sieht es ja langsam aus wie in Frankfurt.

Nun sind Sauberkeitsbemühungen nicht immer zwingend sinnvoll; es ist natürlich schön, dass man in Zürich von der Straße essen kann, aber ich bin es halt als reaktionärer Deutscher gewohnt, für eine Trambahnfahrt eine Fahrkarte zu kaufen, die weniger kostet als eine ganze Straßenbahn.

Was komischerweise in München vor zwanzig Jahren noch ging. Beides.

Klar könnte man sich da über den Verfall der Sitten beschweren, aber über Sitten beschwert hat man sich vor zwanzig Jahren auch schon. Ich erinnere mich an die entsetzte und wütende Babsi, die es abscheulich fand, dass sie auf dem Herweg ein fetter, alter Mann gefragt habe, was sie denn für einen Blowjob nimmt. Einfach so. 

Nachdem dann ziemlich einstimmig beschlossen wurde, dass Babsi halt wie eine Nutte aussähe, erklärte sie auch, dass sie den Nachmittag in den Bavaria-Filmstudios verbracht hatte, als Komparse für einen Babystrich-Tatort. Fand Babsi – naja, sie hat damals zumindest keinen #Aufschrei gestartet. Heute hätten das schon irgendwelche Berufsempörten gemacht, allein weil Babsi halt 15 war (oder so). Gegen die Bavaria-Filmstudios, natürlich, weil halt.

Aber das sind ja nun ernsthaft die Themen der heutigen “Politik”: Nichts. Absolut überhaupt nichts. Niemand interessiert sich dafür, dass auf den Straßen mehr echter (und menschlicher) Müll rumliegt; wer kritisiert, dass der Staat Aufzüge vor radikalen Antifanten wie vor einem Hurrican schützt, ist schnell schlimmer als Hitler, und dass bei 4.000 Polizisten in Köln (das sind mehr als eine Bundeswehr-Brigade und mehr Soldaten, als für den Schutz eines US-Militärstützpunktes in fuck Afghanistan im Einsatz sind) “nur” gefährliche Körperverletzung, Brandstiftung, Vandalismus und Sprengstoffattentate verübt werden, ist laut der Staatsmedien Qualitätspresse Zeichen der friedlichen, offenen und toleranten deutschen Willkommenskultur.

Selbst die letzte “Alternative für Deutschland” hat sich von jeglicher Vernunft (Petry) verabschiedet und eine karrieristische Kampflesbe und einen nicht weniger karrieristischen Politspeichellecker als neue Führer des deutschen Vaterlandes ihrer Partei auserkoren. Fein.

In fünf Monaten ist Wahl, und ich kann mich zwischen “jetzt sind sie halt da” – Merkel, “da müssen noch mehr her” – Kipping, “Frauenquoten haben mir die Position verschafft” – Göring (nicht echt Göring, jetzt, “nur” Göring-Doppelname und ohne Penis) und zweierlei rückgratlosen Speichelleckern entscheiden , wenn ich jemanden wählen will, der Chancen auf >5% hat – oh, ich habe den Alkoholiker vergessen.

Warum soll ich denn den Bullshit eigentlich noch mitmachen und mich aufregen? Geht das nicht auch alles von ganz alleine vor die Hunde? Und vor allem – würde mich das wirklich stören? Zumindest im Vergleich dazu, wie es die Verursacher stören würde?

Sargon of Akkad, ein Youtuber, wurde dafür kritisiert, dass er Strategien gegen die Antifaterroisten aufzeigt. Vor allem aber wurde davor gewarnt, dass das ja strafbar wäre – also, Molotov-Cocktails werfende Terroristen festzuhalten, bis die Polizei kommt. Weil, Rechtsstaat und so. Und das gilt für die “freiheitlichen” USA, nicht für Deutschland, wo man für die “Beleidigung” einer Medienhure mehrere Tausend Euro zahlen und für geschmacklose Tattoos in den Knast muss – im Gegensatz natürlich zu Ladendieben, Brandstiftern oder organisierten Einbrecherbanden, denen ist ja nichts nachzuweisen. Rechtsstaat, wissenschon.

Ich habe jetzt kein Problem damit, bestimmtes gesellschaftliches Wohlverhalten vorauszusetzen und Abweichungen davon zu bestrafen, aber es ist schlicht nicht sinnvoll, die niedrig hängenden faulen Früchte eines Baumes zu entfernen, der von der Wurzel her schimmelt. Dank unseres Lackaffen von Justizminister bekommen wir aber bald ein Gesetz, das es unter Strafe stellt, darauf hinzuweisen, dass der Baum fault. Das hat Hitler ja schließlich auch so gemacht – hat er von Stalin gelernt.

Sinnvoll wäre es, den Baum zu fällen und einen neuen zu pflanzen. Aber es ist natürlich auch eine Möglichkeit, einfach zu warten, bis der Baum von alleine stirbt. Man kann dann ja auch dann noch einen neuen pflanzen, was Jefferson mit “The tree of liberty must be refreshed from time to time with the blood of patriots and tyrants” halt nicht bedacht hatte: Das wäre ja modernenachhaltige Ökologie – der Baum war ja eine Weile gut. Ist halt alt. Zudem spart das auch das Blut der “Patrioten” – respektive derer, die irgendwas tun oder tun können, zum Beispiel Bäume pflanzen. Der Baum wächst nämlich auch auf völlig beliebigem Blut; das muss nicht meines sein. Es reicht ja schon, wenn ich mal einen Joghurtbecher in den Biomüll gebe; da habe ich genug getan. Die Züge sind ja noch sauber, so schlimm ist das Problem also nicht.

Doğum günün kutlu olsun, Mr. President

Ich hatte ja nicht weiter vor, mich zu der Türkei-Geschichte zu äußern, wie ich z.B. hier geschrieben habe. Mit dem ganzen Dreck, mit dem man aber jetzt konfrontiert ist, kann ich nicht mehr anders.

Das fing heute morgen bei Fefe an:

Ein österreichischer Wahlbeobachter sagt, bis zu 2,5 Millionen Stimmen im Türkei-Referendum könnten manipuliert worden sein.

Nun geht es hier um OSZE-Wahlbeobachter, die ich ja als blonder, blauäugiger, anständiger Mensch als neutrale, um Objektivität bemühte Berichterstatter im Kopf hatte – also, bis sie sich weigerten, zu der Krim-Abstimmung auch nur hinzugehen, um danach besser (wenngleich uninformiert) lamentieren zu können.

Aber gut, soooo schlimm werden OSZE-Wahlbeobachter doch nicht sein, vor allem nicht solche, die eine “ihre Leserschaft in Medienkompetenz schulen wollende” Autorität, wie Fefe sich selbst darstellt, zitierfähig finden?

Tjo, der “österreichische Wahlbeobachter” heißt Alev Korun, und ist erstmal kein Wahlbeobachter, sondern eine Frau (aber gut, das hätte ich jetzt vom Namen auch nicht erraten, aber ich bin auch nicht Fefe und blogge jeden Dreck, ohne irgendwas dazu zu recherchieren oder die von mir angegebenen Quellen zu lesen).

Nun wäre es natürlich dumm und rein sexistisch, Wahlbeobachterinnen als grundsätzlich schlechter als Wahlbeobachter darzustellen, aber da es hier nur um Alev Korun geht, ist das ziemlich schnuppe: Alev Korun ist eine Grünen-Politikerin, und die ist bzgl. Erdogan – naja, sagen wir mal, voreingenommen:

Nun müssen wir Frau Korun fairerweise zugutehalten, dass sie die Situation in der Türkei wenigstens so zusammenfasst, wie einem das dort jeder Türke erklärt:

Erdogans Stärke ist vor allem die Schwäche der Opposition.

… aber halt mit einem vollkommen anderen Fokus – Frau Korun tut so, als wäre die türkische Opposition eine echte Alternative für die Erdogan-wählenden Türken. Was die Türken, mit denen ich geredet habe, halt nicht so sehen. Ich habe in sechs Jahren wochenlangen Türkeiaufenthalten mit keinem Türken gesprochen, der Erdogan toll fand, aber mit einer Ausnahme wählten die ihn halt trotzdem – mangels Alternativen. Die Ausnahme war Kommunist, dazu muss ich jetzt nichts sagen. Warum die übrigen Türken das so sehen, lässt sich mit Frau Korun schön erklären:

Nachdem in der Türkei seit Jahren ein wilder Raubbau an der Natur betrieben wird, auf Erdbebenplatten Atomreaktoren und an den schönsten Küsten Kohlekraftwerke geplant sind, kämpfen die türkischen Grünen gegen Umweltzerstörung und Atomkraftwerke.

Ich bin etwa 1/4 der 8.300km türkischer Küste entlanggesegelt, und was da wirklich ästhetisch stört, sind Windrädchen. Fairerweise gibt es an der türkischen Ägäisküste so zuverlässig Wind, dass der einen (eher sogar zwei) Namen bekommen hat, weswegen sich die Windrädchen da sogar auch für nicht-Grüne als “Windkraftwerke” bezeichnen lassen, aber ein Kohlekraftwerk würde da dazwischen nun nicht sonderlich auffallen. Das ist keines der Probleme, die irgendein Türke hat.

Und das ist auch das Problem, was ich als Türke mit der Opposition hätte: Da gibt es nur die AKP-Kommunisten und totale Spinner, die die (in der Türkei eh schon unbezahlbaren) Spritpreise noch unbezahlbarer machen wollen. Obwohl sowieso jeder super-arme Bauer seinen LCD-Sat-TV mit einem Solarpanel betreibt, weil es keine zuverlässige (oder auch gar keine) Stromversorgung gibt.

Aber gut, soviel zur Weltfremdheit der Frau Korun, ihre nicht-Unvoreingenommenheit ist das eigentlich wichtige Thema. Die aber natürlich für andere linksgrüne, unter Terrorverdacht stehende “Journalisten” wie Bülent Mumay kein Grund ist, das mal zu hinterfragen, sondern noch einen draufzusetzen (mit freundlicher Unterstützung der FAZ):

Präsident Erdogan hat seinen Willen bekommen, weil er noch während des Spiels die Regeln änderte und 2,5 Millionen Stimmen ohne Stempel als Ja-Stimmen zählen ließ.

Wir rekapitulieren mal: Aus bis zu 2,5 Millionen potentiell manipulierten Stimmen einer super-gebiasten Quelle werden binnen 24 Stunden 2,5 Millionen Stimmen für Erdogan – eine Situation, bei der die politisch korrekte Linke sonst sehr schnell wäre, mal die Statistik anzuzweifeln.

Sorry – an der Stelle glaube ich euch halt kein Wort mehr, liebe Presse. Ich glaube natürlich nicht, dass die Türkei so 100%ig korrekt ist, wie das ein demokratischer Rechtsstaat sein sollte, aber ich weiß auch, dass das Deutschland auch nicht ist (hey, ich kann als kleiner Selbständiger kein Double Irish Sandwich nutzen – wie die großen Parteispender das tun). Die Vor- und Nachteile muss dann halt jeder für sich abwägen, und da werde ich den Türken nicht reinreden.

Auch nicht den 65%, bei denen die Integration ja – geht es nach den Linksgrünen – ach so gescheitert sei. Die, die das beklagen, sind nahezu deckungsgleich mit denen, die ebendiesen 65% zwei Pässe zugestanden haben. Und da kann – und muss ich, ich habe ja nun ein kleines bisschen Ahnung von Sozialwissenschaft und hier v.a. von Colemans Badewanne – nur individuell denken, und wenn ich in Land T für knalleharten Polizeistaat und in Land D für neokommunistisches Nichtstun stimmen könnte, und da jeweils damit durchkommen würde, würde ich das auch machen. Es kann natürlich nur eines funktionieren, aber das bessere könnte ich mir ja dann völlig frei im Nachhinein aussuchen.

Ich würde da jetzt eher auf Erdogan als auf Merkel wetten, aber ich bin da auch gebiast gegenüber türkischen Präsidenten, Herr Gül hat sehr nett Merhaba gesagt, als ich mit einem rosa Handtuch um die Hüften von der Dusche zu meinem Boot lief, währen ihm und seinem Tross von [türkisches Analogon zum Secret Service – ] Agenten die Marina in Çeşme gezeigt wurde.

Auf der anderen Seite sind ja selbst von der linken Presse gehasste Präsidenten mitunter charakterfreie Arschlöcher, die lieber ihre eigenen Vorlieben verraten, als sich wirklich mit der EU anzulegen, wenn es denn darauf ankommt – ich spreche hier vom Rauchverbot des (kettenrauchenden) tschechischen Präsidenten Zeman. Aber man sollte politische Entscheidungen grundsätzlich nicht den produktiven Leuten in den jeweiligen Ländern anlasten, die können nämlich immer am wenigsten dafür – und im Gegensatz zum Gros der Wähler noch was sinnvolles.

Blühende Landschaften in Unrechtsstaaten

Als ich jung war, gab es noch die Sowjetunion, und “Sozi” war ein Schimpfwort. Wohlgemerkt, ich war nicht alt genug, um mich dafür zu interessieren, dass / warum / weil die Mauer fiel, und einer meiner besten Freunde ist in Dresden geboren, was damals noch Karl-Marx-Stadt hieß (oder so).

Zur Feier dieser Wende – ich wurde ja langsam alt genug für Computerspiele – gab es dann, aus aktuellem Anlass hochtrabender Versprechungen “blühender Landschaften”, Computerspiele wie Aufschwung Ost, was sich zu SimCity in etwa verhält wie StudiVZ zu Facebook – war nicht so toll, kennt keiner mehr, war auch nie nötig.

Ich kannte natürlich von meinem Vater die Geschichten über die lächerlichen Schikanen der DDR-Grenzposten im Hinblick auf seine Studentengruppen etc. pp., und dementsprechende Schilderungen, wie entsetzlich es dort so aussehen müsse. Ich hatte also kein sonderliches Bedürfnis, da hinzufahren.

Ich war dann erst 2002 mit meiner (jetzigen) Frau in Berlin, und konnte (trotzdem noch) nachvollziehen, was die Leute meinten: Das war scheußlich. Positive Erinnerungen an meinen kurzen Aufenthalt sind die wirklich netten Menschen (im Vergleich zu München, aber das ist eine niedrige Messlatte) und die freien Parkplätze in der Innenstadt – versucht mal, an einem Samstag Mittag irgendwo in Bayern auf der Straße zu parken.

Aber es war unästhetisch. Freilich, die Japaner haben am Dingsda-Platz ein glasverspiegeltes Sony-Center gesponsort, aber Berlin hatte insgesamt genau das Flair, was man von den DDR-Erzählungen erwartete. “Arm, aber sexy” ist da nichtmal ein selbstironischer Marketing-Spruch wie “Wir können alles, außer Hochdeutsch” – zumindest wurde ich bei den Schwaben nämlich nicht enttäuscht, wohingegen Berlin halt die Crackhure unter den Frauen Städten ist.

Fairerweise ist man ja nun als (unfreiwilliger) Wahlmünchner recht verwöhnt und findet z.B. auch, dass Paris irgendwie unangenehm riecht (im Sommer), aber London z.B. ist doch eine sehr nette Stadt, halt nur teuer.

Naja, dachte ich mir, stürzen wir uns doch wirklich ins Abenteuer und tun uns echten Kommunismus an: vor 15 Jahren flog ich nach China, macht sich ja sicher gut im Lebenslauf. Mit schlimmsten Erwartungen. Was ich fand?

[Links im Bild: Ich]

Entsetzlich, oder?  Also, wenn man das jetzt mal mit Berlin vergleicht? Ja, fairerweise, das ist ein Park, und das schicke Gebäude nur die Orangerie, und die Berliner haben ja jetzt auch ein hübsches Nilpferdhaus in BH-Form, aber damals war das – neben der Wohnung im 13ten Stock – schon was völlig anderes. Hätte ich nicht Wirtschaft studiert, wäre ich sofort Kommunist geworden. Habe ich aber, von daher stellte ich schnell fest, dass das kommunistische China genau so wenig kommunistisch ist wie das sozialdemokratisch-marktwirtschaftliche Deutschland eine Marktwirtschaft.

China in den Nullerjahren war eine Marktwirtschaft wie – keine Ahnung – Deutschland unter Ludwig Erhard, der erstmal alle Regelungen gestrichen hat, weil – äh – die eh überflüssig waren?  Es war beeindruckend. Grausam, ja, aber auf eine gewisse Weise ehrlich, die ich nicht kannte. Was die westliche Lügenpresse als “westlichen Raubtierkapitalismus” bezeichnet, ist genau das, was in China die oben gezeigten blühenden Landschaften produziert hat – und übrigens – so meine Theorie – auch das deutsche Wirtschaftswunder nach dem Krieg.

Gute Sozialdemokratie war es zumindest mit Sicherheit nicht, die gab es (und gibt es) in China nämlich nicht.

Nun ist es so, dass das politische System in China in etwa so funktioniert wie das in der EU – man kann schon jemanden wählen, aber die haben halt nichts zu melden. Die Illusion von Demokratie funktioniert für die Massen genau wie eine (pervertierte) Demokratie für die Massen – die Massen wollen nur ein gutes Leben haben. Was nun eigentlich jeder will. Kurz: Sol lange es den Massen zunehmend besser geht, ist ihnen das Wurst.

Soviel die Chinesen unter Mao den Sowjet-Kommunismus inklusive Vernichtungsprogrammen für alle mit einem Hauch von Verstand kopiert haben, haben sie auch den Kapitalismus kopiert. Das mit dem “Kopieren” war übrigens in meiner Jugend – man schaue mal Die Hard, wo Bruce Willis noch Haare hatte – eine japanische Geschichte. Komischerweise wurden dann die Japaner besser als die Amerikaner in so ziemlich allem – Komatsu vs. Caterpillar ist (war?) eine Case Study in jedem ordentlichen MBA-Programm (bei uns hieß das noch “Grundstudium”).

Der frühe Vogel fängt den Wurm, ist das westliche Mantra unserer – im Vergleich zur asiatischen eher neuen – “Kultur”. Den Spruch gibt es in China auch, der übersetzt sich aber in etwa “Der frühe Vogel fängt den Wurm. Der frühe Wurm wird als erstes gefressen”.

Klar, in unserer westlichen Erziehung hat das ein gewisses Maß an inhärentem Sozialdarwinismus, aber im Gegensatz zum Koloss von Rhodos steht die Chinesische Mauer noch – ward ihr mal am Limes? Am Limes gibt es schöne Schilder, die darauf hinweisen, dass da der Limes verlief. In China hingegen…

Nun hat China natürlich auch Nachteile. Ich war letztes Jahr zum fünften Mal da, und musste feststellen, dass die Prepaid-SIM Google sperrt. “Great Firewall of China”, so die Lügenpresse. Die große Mauer scheint ja nun geholfen zu haben, das Land ist ja nun heute China, nicht Mongolei. Und es ist damals kein Problem gewesen, an der Mauer vorbeizukommen, wenn man keine bösen Absichten hatte  – und das ist es beim “Great Firewall” auch nicht. Mein Chinesisch ist – mittlerweile praktisch bewiesen – auf dem Niveau einer Zweijährigen – aber für Google geht nicht reicht es noch. “Google 不行, blablablablabla”, antwortete der Mann, aber ich nehme halt an, dass das an der Regierung lag. Gut, halt VPN angemacht, passte schon.

Ich habe grundsätzliche Probleme mit der Einschränkung freier Meinungsäußerung, und dazu gehört auch der freie Zugang zu Informationen.  Nun kostet es in China etwa 1€/Monat, das zu umgehen. Aber davon ist China immer noch ein Unrechtsstaat – zum Beispiel deswegen – und daran muss man mal Deutschland messen.

[Anmerkung: Ein “Unrechtsstaat” ist kein streng definierter Begriff. Ich verstehe einen Unrechtsstaat als solchen, in dem (a) Gesetze nicht für alle gelten und / oder (b) Gesetze unerträglich ungerecht für Teile der Bevölkerung sind.]

Auf 50 Jahre gerechnet sind 1€/Monat 600€. Das ist viel Geld, vor allem in China. In Deutschland hingegen haben wir ganz toll freien Zugang zu Informationen zu Monopolpreisen des ehemaligen Staatsbetriebs Telekom (schaut nur mal nach Österreich), und dazu “nur 17,50€ / Monat nutzlose Gebühren für das Staatsfernsehen. Wenn ich mich jetzt zwischen chinesischen Staatsmedien gratis plus einem Euro für alles andere oder freiem Zugang für alles plus 17,50 für’n Arsch entscheiden müsste – nun, vor allem als Chinese würde ich das günstigere nehmen.

Und so frei ist die Meinungsäußerung ja auch nicht mehr – Zensursula kennen alle noch, den Rollstuhltypen auch, und Heiko “ich habe einen schicken Anzug, aber nur Luft im Kopf” Maas will das chinesische System ja nun auch für Deutschland. Aber nicht – wie die Chinesen – für alle, sondern nur für ihm missliebige Meinungen. Das wären dann 17,50 Zwangsabgabe plus 1€ für das VPN. Aber klar, China ist böse, die Türkei ist böse, Deutschland sei ein toller Rechtsstaat.

Ein so toller Rechtsstaat, dass der Blogger Hadmut Danisch wahrscheinlich 4.000€ Kosten zu tragen hat, weil der MDR, also der Staat (ne, das ist Staat, es geht darum, wer die Kosten eintreibt) einen Blogpost von ihm nicht so toll fand und ein Gericht fand, dass die Ankläger zur Hälfte totalen Unsinn behaupten. Herr Danisch hat den totalen Unsinn nicht eingesehen, was vorher noch mehr Unsinn war, aber totalen Unsinn nicht einsehen kostet in unserem ach so tollen Rechtsstaat ja nur 4.000€. Den Rest zahlt der Zwangsgebührenzahler -also, u.a. der Herr Danisch. Fein, oder?

Es ist sooooo schön, in einem Rechtsstaat zu leben. Ich meine, gut, für missliebige Meinungen wird man in China halt evtl. mal ungerechtfertigt inhaftiert, aber die Strafe für 4.000€ Verschwendung von öffentlichen Geldern ist halt Kopfschuss. In China. In Deutschland ist das nicht strafbar. Wie erwähnt, wir leben ja in einem tollen Rechtsstaat.

So, und nun wägen wir mal ab: Ist es ein größeres Unrecht, dass der Danisch 4.000€ zahlen muss, aber der MDR gar nichts, im Vergleich zu China, wo die Verschwendung öffentlicher Gelder eines der schlimmsten Verbrechen ist?

Klar, ich höre schon die Leute schreien “aber die machen das doch nur nach Gusto” – fein. Wir in Deutschland bestrafen die Leute, die sich an die Gesetze halten und ein Impressum führen und Geld haben. Der Rest kann in Berlin Autos anzünden und in Bremen Björn beklauen, soviel er will. Feiner Rechtsstaat. Oder – äh – Unrechtsstaat. Und mit so einem muss man nur umzugehen wissen; mein Blog hat ja nun ein TMG-fragliches Impressum, einen Hoster in den USA, und mein auf Grand Bahama sitzender VPN-Anbieter, der einer russischen Briefkastenfirma gehört, die Server in acht Ländern betreibt, sind sicher total toll rückverfolgbar. Das ist mir sogar vier Euro im Monat wert – bei 4.000€ Risiko für Recht bekommen.

Das kranke am deutschen “Rechtsstaat” ist die so genannte “soziale Gerechtigkeit” – klar, Leuten, die nichts in der Tasche haben, kann man nichts wegnehmen. Aber dass dann die Anständigen mit Ausständen auf ihren Forderungen aus z.B. Diebstahl , der zudem meist unsanktioniert bleibt, sitzen bleiben (würden) und es sich von vornherein nicht lohnen würde, da zu klagen, wirkt auf mich super ungerecht (siehe Radbruch’sche Formel oben).

Auf der anderen Seite dürfen die Assos klagen, soviel sie wollen – also, die privaten Assos, wie auch der Staat – ohne irgendwelche persönlichen Nachteile davon zu haben. Das ist ein System, was Teile der Bevölkerung diskriminiert (s.o.) – und zwar den anständigen, arbeitenden Teil der Bevölkerung. Aber die sind sowieso in einer pseudo-Demokratie, wie wir sie haben, eine Minderheit. Klar, das System ist gut für alle, aber ungerecht zu den Leistungsträgern.

Das System in China ist fair zu jedem, der arbeiten will – und kann. Der ganze “Korrupt wie Hölle” – Scheiß fängt erst auf einem Niveau an, von dem die meisten (dort wie hier) nur träumen können.

Zu dem “Korrupt wie Hölle” – Scheiß gehört in China aber halt auch “Kopfschuss”, wenn das rauskommt. Hier hingegen kann man Milliarden für einen winzigen (fliegt mal nach CAN) Flughafen verballern, oder für unsinnige 19tes-Jahrhundert-Technologie in Stuttgart. Etc. pp. Ohne, das was passiert.

Ist das wirklich besser als ein ehrlicher Staat, der sagt “hey, wenn Du Scheiße baust, jagen wir Dir eine Kugel in den Kopf und berechnen dem, der die Leiche haben will, 2.50元 für die Kugel” (plus den übrigen Kosten, die 30 cent wirst Du schon abgezweigt haben)?

Das überlasse ich Euch. Wichtiger ist, dass Kommunismus, wie er in China praktiziert wird, tatsächlich funktionierten kann: indem man ihn den Leuten erzählt, aber einen feuchten Dreck irgendeines kommunistischen Ideals macht. Zentralistische, aristrokratische Regierung mit inneren Sanktionen ist  – siehe wie immer Polybios – eine gute Regierungsform.  Und im Gegensatz zu der westlichen Welt, die sich seit 2.000 Jahren “das einzige, was wir aus der Geschichte gelernt haben, ist, dass wir nichts aus der Geschichte lernen” auf ihre Wappen schreiben solle, lebt der abwartende Wurm halt länger – und wird dann vielleicht ein wunderschöner Schmetterling. Wenn, klar, ihn nicht einer der frühen Vögel fängt. Aber es muss ja nun auch Jäger geben, die Schmetterlinge mögen und Vögel erschießen. Also, in China. Und Indien. Und dem größten Teil von Südamerika. Und – ja, die Neger sind wahrscheinlich auch nicht alle dumm.

Parallelen

(quasi als Nachtrag zum letzten Artikel)

Es gibt einen guten Grund dafür, dass “Mein Kampf” auf dem Index steht. Es ist ein gefährliches Buch, da es – was die Geschichte beweist – das Rezept enthält, ein demokratisches System zu zerstören. Wie? Ganz einfach:

Wird der Sozialdemokratie eine Lehre von besserer Wahrhaftigkeit, aber gleicher Brutalität der Durchführung entgegengestellt, wird diese siegen, wenn auch nach schwerstem Kampfe.

Klar, das ist ideologiebeladenes Gedudel, aber eigentlich heißt das, dass der gewinnt, der (a) nervtötender ist und (vor allem, b) am meisten zu opfern bereit ist. Das ist keine neue Erkenntnis; ich habe in diesem Blog schon öfter auf Polybios Anakyklosis hingewiesen, die besagt, dass die Demokratie nur einer von mehreren, unausweichlichen Schritten im Verfassungskreislauf sei. Nach Polybios folgt auf die Demokratie in ihrer dekadenten, eigennützigen Form, die der aktuellen Gesellschaft zu attestieren sicher nicht zu vermessen ist, eine Diktatur. Würden wir aus der Geschichte lernen – also, von Polybios, dessen Theorie seit 2.200 Jahren unwiderlegt ist – könnten wir mal sinnvoll darüber nachdenken, welche Art der Diktatur wir haben wollen. Antje Schrupp weiß das schon. Ich allerdings auch.

Nein, ich denke nicht, dass sich das aufhalten lässt. Ich würde es mir wünschen, aber es funktioniert halt nicht. Es hilft auch nichts, das zu sagen, es hilft nicht, wenn die Presse die NSDAP AfD als dumme Nazis hinstellt. Hitler beschreibt fast 200 Seiten, was die “Judenpresse” mit der NSDAP gemacht hat, und das ist genau das, was die heutige (nicht-jüdische, dafür linksgrüne) Presse mit der AfD macht. Es hat damals nicht funktioniert, und es zeigt nur, dass das einzige, was Menschen aus der Geschichte lernen können ist, dass Menschen nicht aus der Geschichte lernen.

Selbstverständlich wurden übrigens auch die Nazis als Nazis diffamiert, “Nazi” ist keine Eigenbezeichnung, sondern ein Derogativ. Und selbstverständlich gab es auch am Ende der Weimarer Republik pöbelnde Antifa-Terroristen, die Leuten nachstellten und Sachen anzündeten, die hießen damals Rotfront.

Das einzige, was unklar ist, ist, wer sich durchsetzt: Die klassischen Marxisten (SPD), Trotzkyisten (Linke) und Neo-Marxisten (Grüne) mit ihrem Feindbild “weißer, heterosexueller Mann” oder die AfD mit dem Feindbild “kriminelle Ausländer”. Ich hoffe aber, dass wir noch mehr weiße, heterosexueller Männer in Deutschland haben als kriminelle Ausländer. Also, für mich; für die kriminellen Ausländer würde das sicher unangenehm.

Was nicht heißen soll, dass ich mir das wünschen würde; ich fände es viel schöner, wenn die Parlamentarier sich am Riemen reißen und das machen würden, wofür sie da sind: Demokratie. Machen sie aber halt nicht, sondern führen einen inneren Wettbewerb mit Martin Cemil dem Hauptschulabbrecher darüber, wer niveauloser ist. Ich bezweifle zudem, dass die AfD mit der Minderheit, die sie bekommen wird, derartige Macht erhalten kann wie die NSDAP mit ihrer damaligen Minderheit. Ich vermute vielmehr, dass wir eine Rot-Rot-Grüne, oder sog. Katastrophe³-Regierung bekommen werden, und über die nächsten zwei, drei Dekaden in die globale Bedeutungslosigkeit versinken. Was vielleicht gar nicht so schlimm ist. Es ist eh so viel schöner woanders.

Der Untergang

Ich weiß ja nicht, wie viele meiner Leser sich durch Hitlers “Mein Kampf” gequält haben, da das Buch – zurecht – den Ruf hat, langwierig und unkoordiniert zu sein. Zudem ist etwa die Hälfte dümmliches Rumjammern über die eigene Geschichte und das eigene Versagen, die Ungerechtigkeit und Unzulänglichkeiten der Gesellschaft, und viele persönliche Wertungen. Plus ein weiteres Viertel ideologiebeladenen Bullshits. Das Gros des Rests ist das Bashing des verantwortlich gemachten Sündenbocks – man kommt sich fast vor, als lese man ein modernes feministisches Traktat.

Der Unterschied ist, dass Hitler, auch wenn er sonst keine sonderliche Leuchte war, eine politische Strategie entwickelt, die auf einem erschreckenden Bild (respektive Zustand) der parlamentarischen Sozialdemokratie basiert:

Ebenso waren auf dem Gebiete der Politik für aufmerksame Augen Schäden vorhanden, die, wenn nicht in absehbarer Zeit eine Besserung oder Änderung vorgenommen wurde, als Zeichen eines kommenden Verfalls des Reiches gelten durften und mussten.

Dafür identifiziert er auch einen Grund:

Der Ausgangspunkt dieser Seuche liegt bei uns allerdings zu einem großen Teile in der parlamentarischen Institution, in der die Verantwortungslosigkeit geradezu in Reinkultur gezüchtet wird.

Was Hitler so darstellt, als sei das notwendige Konsequenz des Systems selbst:

In demselben Maße sank die Größe der jeweiligen „Staatsmänner” immer mehr zusammen, bis endlich überhaupt nur jener kleine Typ von parlamentarischen Schiebern übrigblieb, deren staatsmännischer Wert nur mehr nach ihrer Fähigkeit gemessen und anerkannt wurde, mit der es ihnen gelang, die jeweiligen Koalitionen zusammenzukleistern, also jene kleinsten politischen Handelsgeschäfte durchzuführen, die ja allein die Eignung dieser Volksvertreter für praktische Arbeit zu begründen vermögen.

Hitler hat eh keine sonderlich hohe Meinung von Politikern:

Diese frechen Lügenmäuler schreien freilich mit Stentorstimme, damit es ja die anderen Sünder hören können, ihr Glaubensbekenntnis in alle Welt hinaus, allein nicht, um dafür, wenn nötig, auch zu sterben, sondern um besser leben zu können.

An dieser Stelle muss man wissen, dass Mein Kampf als politische Kampfschrift gedacht ist, die als solche natürlich (a) die angebliche Richtigkeit und Notwendigkeit der eigenen Position illustriert. Gleichzeitig ist das Buch aber (b) nach dem (ersten) Scheitern der Nazis als politischer Bewegung entstanden. Für dieses Scheitern ist das politische System (und die Juden) der Sündenbock, weswegen (c) der Kampf auf die Straße zu tragen sei. Was, wie wir ja zumindest aus der Schule wissen, funktioniert hat.

Soviel zum Kontext. Kommen wir zum Anlass: Antje Schrupp schreibt jetzt für die FR. Und zwar einen Artikel darüber, dass die Demokratie in Zukunft feministisch sein muss, da sie sonst stirbt. Ja, stirbt. Denn die Demokratie, so, wie sie ist, ist nicht gut; allein der radikale Feminismus ist gut:

es [geht] darum [.], einen anderen Kuchen zu backen. Wir brauchen keine fünfzig Prozent Frauen in Aufsichtsräten oder auf hohen Managementposten, wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse ansonsten so ungerecht bleiben, wie sie sind.  Es wäre kein Fortschritt, wenn Männer ebenso viel Care-Arbeit leisteten wie Frauen, dafür aber genauso schlecht bezahlt und wenig wertgeschätzt würden. [….] Ungerechtigkeiten gleichmäßig auf alle zu verteilen, ist kein sinnvolles politisches Ziel. [….] [sondern es geht darum,] die Verhältnisse insgesamt zu verbessern

Oder, wie Hitler das ausgedrückt hat:

Schon währen meines Wiener Existenzkampfes war mir klar geworden, daß die soziale Tätigkeit nie und nimmer in ebenso lächerlichen wie zwecklosen Wohlfahrtsduseleien ihre Aufgabe zu erblicken hat, als vielmehr in der Beseitigung solcher grundsätzlicher Mängel in der Organisation unseres Wirtschafts- und Kulturlebens

Das wäre das hehre ideologische Ziel. Kommen wir zum politischen Scheitern (wieder Schrupp):

Was die Menschen jetzt unter dem Banner des Feminismus auf die Straße bringt, ist deshalb nicht die verpasste Chance, endlich mal eine Frau als Präsidentin von Amerika zu haben. Sondern es ist die Notwendigkeit [blabla]

Hitler hat wenigstens ein Buch darüber geschrieben, warum man den Kampf auf die Straße tragen muss. Ein paar der Ausführungen dazu klingen übrigens auch ganz vernünftig, wenn man eine totalitäre Ideologie durchsetzen will. Aber das hat man als Feministin heute ja nicht mehr nötig; man weiß ja schon, dass das mal funktioniert hat, also kann man es einfach machen. So ganz ohne Nachzudenken, dann kann man sich auch wundern, warum Feminazi in der westlichen Welt ein Begriff geworden ist. Hitler hat übrigens auch eine wunderschöne Perle zu solchen “intellektuellen Aktivisten”:

Denn dieser glaubt nun wirklich allen Ernstes, „gebildet” zu sein, vom Leben etwas zu verstehen, Kenntnisse zu besitzen, während er mit jedem neuen Zuwachs dieser Art von „Bildung” in Wahrheit der Welt sich mehr und mehr entfremdet, bis er nicht selten entweder im einem Sanatorium oder als „Politiker” in einem Parlament endet.

Der Rest von Schrupps Artikel ist Lobhudelei zu den Womens Marches in Antarktika und überhaupt der Größe der eigenen Bewegung, die man ja so toll damit zeigt und damit auch zeigt, dass die eigene Bewegung die einzig gute und richtige sein muss, weil man ja so viele Anhänger hat. Man muss Hitler an dieser Stelle zugutehalten, dass er wenigstens (seeeeehr lang und breit) erklärt, warum die Nazi-Ideologie wichtig und richtig ist und das nicht einfach voraussetzt (Untergang der deutschen Nation, der arischen Rasse und so).

Frau Schrupp hingegen nimmt die Bestätigung für die Richtigkeit des feministischen “linken, freiheitlichen, progressiven Gesellschaftsprojekts” allein dadurch, dass es viele Anhänger hat. Das aber – vor dem Hintergrund, dass Hitler wenigstens eingesehen hat, dass Menschen zu ihrem Selbstwohl handeln, wenn man sie nicht dazu zwingt, altruistisch zu sein – scheitern muss (also, laut Hitler):

Am Ende siegt ewig nur die Sucht der Selbsterhaltung. Unter ihr schmilzt die sogenannte Humanität als Ausdruck einer Mischung von Dummheit, Feigheit und eingebildetem Besserwissen, wie Schnee in der Märzensonne.

Wo – meiner Meinung nach – Hitler halt Recht hat. Nun hat sich die NSDAP auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert, wenn es darum geht, sich an ihre eigenen Maßstäbe zu halten (Hitler selbst hingegen schon; der fand, seine Ideale sind wichtig genug, um dafür zu sterben, und das ist er ja schließlich auch, weil seine Ideale blöde waren), aber das ist ein zentraler Unterschied zwischen Hitler und Frau Schrupp – letztere schließt ihren Artikel wie folgt:

Die Frauenbewegung ist nicht zu radikal, sie war es nie. Sondern ohne radikalen Feminismus kann es keine sozialen Bewegungen geben. In Zukunft wird die Demokratie feministisch sein. Oder sie wird sterben.

Hitler schloss aus seinem Scheitern, dass die paralamentarische Demokratie weg muss. Schrupp hingegen zeigt sich insofern als Anhängerin des demokratischen Systems, als dass sie ihm schlicht den Untergang prophezeit, wenn es sich nicht an der feministischen Ideologie ausrichtet – was alleine vom Grundgedanken her Unsinn ist; einer der Grundgedanken der Demokratie ist Meinungs- und damit ideologischer Pluralismus. Hitler hat das erkannt; ich wiederhole das mal:

Ebenso waren auf dem Gebiete der Politik für aufmerksame Augen Schäden vorhanden, die, wenn nicht in absehbarer Zeit eine Besserung oder Änderung vorgenommen wurde, als Zeichen eines kommenden Verfalls des Reiches gelten durften und mussten.

Da geht aber nicht die Demokratie unter, sondern das Reich. Und das ist ein ganz, ganz wichtiger Punkt an Demokratie, die ja grundsätzlich eine “ich mach mir die Welt so, wie sie mir gefällt”- Bewegung ist, die (grundsätzlich) eine eingebaute Kontrollinstanz hat – also eine oder mehrere konkurrierende Bewegungen, die sich eben einigen müssen.

Einigung und Kompromisse sind mit radikalen Ideologien allerdings nicht möglich, weil diese einen alleinigen Geltungsanspruch erheben. “Demokratie” per se ist keine Ideologie, auch wenn das Kindern mittlerweile in der Schule beigebracht wird; man nennt das “Demokratieförderung“, im Grunde ist das, was eine parlamentarische Demokratie in der Regel macht, aber in Kombination mit Massenprotesten und willfährigen Politikern, die sich nicht an ihre eigenen Regeln halten und ihr Fähnchen in den Wind hängen, wie er gerade weht, eine Diktatur des Proletariats im marxistischen Sinn. Also, fand zumindest Hitler; ich sehe da halt nur Parallelen zu heute, wenn das Parlament sich ernsthaft mit der Toilettenbenutzung von Leuten mit psychischen Störungen beschäftigt, obwohl das (a) 95% der Leute einen feuchten Dreck interessiert und (b) ebendiese Leute, wenn sie gezwungen werden, sich damit zu beschäftigen, mehrheitlich der Meinung sind, dass Toiletten nach vorhandenen Geschlechtsorganen zu trennen sind.

Das wiederum ist dann weder eine Demokratie im eigentlichen Sinne noch eine Diktatur des Proletariats, sondern die sich üblicherweise (aus marxistischen Idealen) ergebende, zentralisierte Oligarchie – klar, man kann Eigennutz als Politiker viel besser ausleben, wenn man die Massen ignoriert. Funktioniert halt nicht:

Eine gewisse Zeit kann man natürlich auch hier die Natur verhöhnen, allein die Rache bleibt nicht aus, sie tritt hier nur später in Erscheinung, oder besser: sie wird von den Menschen oft zu spät erkannt.