The Unslut Project

Irgendwo in den tiefsten Abgründen des Internets, da, wo es schlimmer ist als bei 4chan oder der Encyclopedia Dramatica, gibt es Emily Lindin. Bei Emilys Vorfahren waren die “o”s alle.

Emily ist Gründerin des “Unslut Projects”. Letzteres ist nicht etwa ein Projekt, was gegen den grassierenden Sittenverfall und die Dekadenz der Gesellschaft kämpft – nein, es ist das Projekt einer Schlampe starken, tollen Frau, die die Bedeutung von Wörtern ändern möchte. Wobei – nein; eigentlich möchte sie die Gesellschaft ändern:

​Join us in creating a world where “slut” doesn’t even make sense as an insult.

Emily wird nämlich von enorm vielen eigentlich allen Leuten “Schlampe” genannt:

I don’t remember the third, fourth, or hundredth time I was called a slut. … Now, I’m called a slut nearly every day online by people who don’t know me.

Ich kenne ja nun Emily nicht, aber wenn eigentlich jeder, der sie trifft, sie als Schlampe bezeichnet, dann muss ich denen halt vertrauen, gell?

Nunja, und was macht die moderne, feministische Schlampe, wenn ihr die Welt nicht passt? Natürlich stellt sie sich ignorant:

I don’t know the definition of the word slut… It’s been about 20 years since the first time someone called me a slut, and now I’m quite sure that I’ll never define it. But I don’t want to. I don’t think we need to.

Emily lässt zum Ausdruck ihres eigenen, vollkommen fehlenden Verständnisses von Logik, Konsequenz oder Wörterbüchern T-Shirts drucken:

… okay, so schönen Brüsten helfen wir doch gerne:

Schlampe, die: Frau, deren Lebensführung als unmoralisch angesehen wird

Der Einschluss des Qualifikators “unmoralisch” macht das ganze – das lieben Feministen ja – zu einer nurture-Geschichte – Moralvorstellungen sind kulturell geprägt. Emily kämpft also für nicht weniger als eine Veränderung der moralischen Sexualstandards der Gesellschaft – wie die Grünen Pädophile, die wollen, dass sich die gesamten gesellschaftlichen Standards an ihr eigenes, unmoralisches Verhalten anpassen.

Natürlich wird solch “you go (fuck anyone you like), girl” Unsinn weltweit aufgegriffen, um zu zeigen, wie schwer es die armen Schlampen haben – und das total sexistisch sei, denn:

Es gibt keine Schlampen, ansonsten müsste man ein männliches Pendant dazu erfinden!

Denn da gibt es sogar eine ganze Menge – das übliche, abwertende Wort wäre hier wohl Schürzenjäger; noch negativer konnotiert der Lustmolch.

Nun ist Emilys Problem aber gar nicht so sehr, dass sie keine Wörterbücher lesen kann, sondern dass Schlampen beschämt werden – das ist aber wieder so ein Wörterbuchproblem: beschämen bedeutet “mit einem Gefühl der Scham erfüllen; (durch sein Verhalten) Scham empfinden lassen”, und das wird hier vollkommen auf den Beschämer geschoben, so als schämten sich die Schlampen darüber, dass der andere sie Schlampe nennt – hier so zu verstehen, dass es den Frauen peinlich ist, Schlampe genannt zu werden.

Nun ist es aber nur dann peinlich, Schlampe genannt zu werden, wenn Schlampe zu sein etwas negatives ist. Und das funktioniert halt nur, wenn es zutrifft; die Frauen schämen sich (zurecht) dafür, Schlampen zu sein. Emily weiß das natürlich selbst, sonst müsste sie nicht so um den heißen Brei rumreden und einstreuen

I am monogamous. Over the past five years, I have had sexual interactions with exactly one person.

… und das mit 30. Sie wurde aber seit ihrer Pubertät von jedem (ihre Worte) Schlampe genannt. Freilich lasse ich da die Möglichkeit offen, dass sie jetzt eine Ex-Schlampe ist, aber davon wird ihr vorheriges Schlampentum nicht weniger schambehaftet.

So – nachdem jetzt geklärt ist, worum es geht, reden wir mal darüber, warum Slut-Shaming richtig und wichtig ist:

Slut-Shaming Actually Makes Life Worse for Straight Guys, Too

Naja – gut, wir wissen ja nun, dass Frauen nicht so gut darin sind, sich klar auszurücken und “Nein” halt öfters mal eigentlich “Ja” heißt…

But the truth is, no one benefits from slut shaming. Sexist norms hurt us all.

Erstens ist Slutshaming nicht sexistisch – siehe oben, gibt’s auch für Männer; und zweitens ist es nicht das Ziel, dass jemand von einer Beschämung profitiert. Es geht um den Erhalt von Sitte, Anstand und öffentlicher Ordnung, nicht um die Gefühlchen irgendeiner Schlampe.

At its core, slut shaming polices the sexual behavior, usually of girls and women, by setting rigid restrictions on how many partners we’re supposed to have and what we’re allowed to do with those partners.

Das geht in die richtige Richtung, soll aber nur nach der Seite Unsinn, der vorher dastand (den habe ich Euch gespart), männliche Leser einfangen. Es ist nämlich (wie bereits erklärt) nicht das Slutshaming, was das Sexualverhalten von Frauen limitiert, es sind gesellschaftliche, moralische Standards. Emily tut hier also genau das, was alle Feministen tun – dagegen ankämpfen, dass Menschen Moralvorstellungen haben – und konkretisiert das auf idiotische Weise auf irgendein Verhalten, was ihnen eigentlich nur einen Spiegel vorhält.

Und auch inhaltlich ist das Unsinn – was ihr in eurem Schlafzimmer macht, ist nicht Gegenstand des (konservativen) öffentlichen Diskurses, das ist feministischer “das Private ist politisch” – Quark. Das mit der Anzahl stimmt aber natürlich, und das ist für Frauen einer gleichzeitig, für Männer nicht mehr, als sie glücklich machen können. Ziemlich global, fragt mal die IS-Leute.

since most straight guys enjoy sexual activity, labeling and bullying their potential female partners is pretty backward.

Ja… bis auf, dass das halt keiner macht. Schlampen verstoßen nämlich gegen die o.g. gesellschaftliche Konvention zum Sexualverhalten eines Partners – also, für Leute mit moralischen Standards sind Schlampen daher keine potentiellen Partner. Freilich spricht gleichzeitig nichts dagegen, die mal durchzuvögeln, wenn ihnen das Spaß macht. Nur behalten will man sie nicht.

Even guys who never slut shame still have to face the pressure of the expectations that are rooted in it. Since girls are shamed out of talking openly about our sexual pleasure, it falls on guys to figure that out for us.

Das scheint jetzt nicht so wahnsinnig toll zu funktionieren mit dem “shaming into not talking about”, gell? Was ein fucking Unsinn. Abgesehen davon ist “Körper kennenlernen” so mit das coolste an jugendlichem Sex; und es ist ja nun nicht so, als hätte man da Zeitdruck – oder? Boah, langsam verstehe ich den Unterschied zwischen Schlampen und Nutten: Haben’s auch eilig, zum nächsten Kunden zu kommen, nehmen nur kein Geld dafür.

Ich würde da ja jetzt normalerweise Schlampen dahinterschereiben, aber das war ja nun eh schon klar.

Slut shaming also depends upon the outdated assumption that there are two different kinds of women: “good girls” and “sluts.”

Ja – das ist, wie das bei den Geschlechtern versucht wird, mehr eine fließende Skala. Wobei das eigentlich schon immer so war, dass das eine Skala ist (so wie die Geschlechter immer dichotom waren und bleiben werden) und das auch nie jemand anders gesehen hat. Die einzige gesellschaftliche Frage ist, wo auf der Skala “good girl” aufhört und wo “slut” anfängt; und das ist jetzt z.B. in Amerika anders als in Deutschland als in Ungarn bis hin zum Islamischen Staat.

Wenn also Emily nach amerikanischen Standards eine Schlampe ist, sehen das mit Sicherheit die übrigen sieben Milliarden Menschen auch so.

Was nochmal sollte das Männer stören? Schlampen sind leicht zu haben?!

Some guys still think that they need to hook up with sluts, but to date and eventually marry good girls.

Ja – ersteres ist aber verzichtbar.

The thing is, most straight men I know actually want to be with a partner who is a real person—but they can’t see people for who they really are if they are classifying women as either sluts or good girls, they’re denying themselves that possibility.

Auch Schlampen sind Menschen? Ui, was für eine Erkenntnis. Und nochmal: Man möchte in der Regel keine Beziehung mit einer Schlampe, da eine Schlampe per Definition gegen die – wenn man sie für eine Schlampe hält – eigenen Moralvorstellungen verstößt. Bei ernsthaftem Interesse an Schlampen empfehle ich Shakespeare; das ist dann wie bei trockenen Alkoholikern: Das sind die vehementesten Prohibitionisten, aber man muss halt mit dem Rückfallrisiko leben können.

On a societal level, slut shaming does a disservice to men because it prevents them from learning from girls and women.

*lol*.

We have ideas, opinions, artistic expression, inventions, and so much more to offer, but slut shaming reminds us that there is a limit to what we can safely do or say.

Nein, das tut es nicht. Es beschränkt lediglich euer sittliches Verhalten, vornehmlich euer sexuelles. Und um ehrlich zu sein kann ich auf feministische Kunst wie “Freebleeding” gerne verzichten. Auch auf die “künstlerischen” Ausführungen von Solanas, Villa und Konsorten. Und Emilys Meinung, wenn wir dabei sind.

All it takes is for one person to decide they are going to replace our reputation with one word: Slut.

Ähm… kleiner Tipp: Das ist EURE Schuld, wenn das geht. Ihr seid die Schlampen. Ich weiß aber immer noch nicht, inwiefern das Männern schadet. Was für eine verdammte Themaverfehlung. Wäre das hier ein Porno, müsste sich Emily jetzt über das Pult bücken, ihren Rock hochziehen und bekäme 20 Rohrstockhiebe.

Think about all those women’s stories and experiences that could have been held up alongside male perspectives throughout history

Ja, es ist schon tragisch, dass Shakespeares Lieblingsprostituierte nicht schreiben konnte und uns daher die 50-Shades-Fanfiction aus der Perspektive von Ophelias kleiner Schwester verwehrt bleibt.

They have already missed out on so much wisdom because of the normalized oppression of generations before them

Sorry, ich kann nicht mehr.

Stattdessen mehr Brüste? Ich find’s ja gut, dass die hauptsächlich Brüste abbilden mit den T-Shirts, und vielleicht mögt ihr ja mehr kleinere 😉

Nachtrag: Ihr seid alles Schlampen. Ja, Ihr Leser. Damit ihr jetzt auch “survivors” von Slutshaming seid. Wollt ihr einen Lolli?

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