Warum ein rassistischer Sexist die Wahl gewinnt

Ich bin gerade total krank und war daher um sechs Uhr wach, um mir die Seele aus dem Leib zu husten. Als ich mich dann wieder hinlegen wollte, sagten die Leute auf N24 erstaunlich oft “Trump”. Ich stand also auf, machte mir eine Tasse Hühnersuppe, und schaute mir die Wahlergebnisse an. Um 6:30 war dann klar, dass Trump gewinnt; die Medien brauchten leider noch bis kurz vor neun, um zu der Einsicht zu gelangen.

Mit TV und Tablet auf den Nachrichtensendern und Twitter auf dem Handy wartete ich also gespannt auf die Ausschreitungen vor dem Times Square – Hilton. Die offenbar übermüdeten Heulsusen waren aber wohl gerade noch in der Lage, selbstmitleidigen Unsinn auf Twitter zu posten und sich auf den Untergang der Welt einzustimmen.

Die Medien überschlagen sich derweil, Gründe zu finden – obwohl das den Leuten auf Twitter schon lange klar ist: Es liegt natürlich an den dummen Hassern, den Homophoben, den Sexisten, den Rassisten, den Eigennützigen, den Abgehängten, den Ängstlichen, den Ungebildeten.

Wie immer. Gute, intelligente Menschen würden niemals Trump wählen. Natürlich ist es für den in die USA gesandten ARD-Reporter nicht zu erklären, wieso die Latino-Community in [irgendwo] Trumps Sieg so ausgiebig feiert, aber wir können ja auch Politiker befragen. Die – natürlich – auch erstmal entsetzt sind. Entsetzt.

Wie konnte das passieren, wird uns also noch die nächsten zwei Wochen von allen Medien vor den Latz gereihert werden. Ich nehme aber an, dass da auch nicht mehr stehen wird als auf Twitter: Hate, Fear, Ignorance und ggf. ein passender *ismus.

Nun können wir von den Medien aber keine großen Antworten erwarten, die sind zu sehr damit beschäftigt, Politiker irgendwelcher irrelevanter Randparteien und Minderheitengruppen zu pämpern, um auch nur auf Trumps Wahlparty zu gehen (klick für Video).

trumprally

Fangen wir also beim Populismus an. Populismus ist von Opportunismus geprägte, volksnahe, oft demagogische Politik, die das Ziel hat, durch Dramatisierung der politischen Lage die Gunst der Massen zu gewinnen

Im Falle von Hillary Clinton wäre die Dramatisierung der Lage “Schwarze, Latinos, Frauen und LMNOP-Menschen haben keinerlei Rechte, verdienen nur 10 cent pro Dollar, die der böse, weiße Mann verdient, und werden auf offener Straße von NRA-Mitgliedern erschossen”

Im Falle von Trump ist die Dramatisierung der Lage “die politische Elite kümmert sich einen Dreck um den Bürger, Amerika lässt sich von allen Ländern ficken und illegale Einwanderer sind überhaupt entsetzlich”

Halten wir an der Stelle also mal fest: In der Politik ist immer Populismus vorhanden, die auf Angst bauen. Angst ist eine der stärksten Emotionen, es wäre dumm, die nicht zu nutzen.

Kommen wir also zu Wut und Hass: Klar, wir brauchen einen Sündenbock, um die dummen Massen zu überzeugen. Bei Hillary sind das die Reichen, die den armen Leuten das viele Geld vorenthalten, bei Trump die illegalen Einwanderer, die ihnen die Jobs wegnehmen. Das ist jetzt eine völlig beliebig füllbare Position, und das muss auch nicht eindeutig sein; man kann z.B. auch gleichzeitig gegen Eliten und gegen Ausländer sein.

So, an der Stelle stimmt das mit Hate und Fear;, aber es hätte eben auch gestimmt, wenn Hillary gewonnen hätte, weil es immer stimmt; für ein anderes Wahlresultat müssten Menschen intelligenter sein (oder unter einer gewissen Schwelle nicht wählen dürfen), das sind sie aber nicht.

Die interessantere Frage ist von daher Ignorance – da unterscheiden sich nämlich rechte und linke ganz grundsätzlich: Hillary zum Beispiel verspricht, dass alles besser wird, wenn man nur genug Geld ausgibt – und ignoriert dabei, dass Geld nicht vom Himmel fällt. Trump ignoriert, dass man zwar illegale Arbeiter rauswerfen kann, aber für das Geld, was die verdienen, sonst keiner den Job machen würde und es daher trotzdem keine (bis kaum) Jobs gibt.

Auch hier wieder zwei Seiten der gleichen Medaille, das ist halt Politik. Den *ismus – Unsinn lassen wir mal weg; das kümmert nur SJWs, und das sind offenbar glücklicherweise noch zu wenige, als dass ihre Meinung relevant wäre. Vielmehr spricht Trump durch solches Anti-PC-Verhalten all diejenigen an, die von den SJWs auch aungekotzt sind, und das sind offenbar nicht weniger.

Warum Trump wirklich gewonnen hat? Tja, die Auswahl war bescheiden, ein Sack Kartoffeln hätte sicher gegen beide gewonnen – mit absoluter Mehrheit. So hingegen gibt es offenbar noch 1% mehr Amerikaner, die auf Life, Liberty and the pursuit of Happiness Wert legen als solche, die wollen, dass Omi Hillary sie am Bauch kitzelt, damit sie happy sind.

1% könnten nun grundsätzlich eine statistische Verzerrung sein – das glaube ich aber nicht. Trump hat nahezu alle ländlichen Regionen geholt, Hillary fast ausschließlich Städte und “College-Educated” People, also Menschen, die ihre Safespaces und politisch korrekte Umgebung gewohnt sind und PTSD bekommen, wenn der Wagen nicht anspringt. Das ist halt nicht sonderlich amerikanisch, wie das vor 60 Jahren auch ein demokratischer Präsident noch ausdrückte:

And so, my fellow Americans: ask not what your country can do for you — ask what you can do for your country

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