Tag Archives: Zeit

Wie man sich die Eier abschneidet

Als Fortsetzung zu meinem letzten Post hat Till noch ein paar tolle Tipps, wie man schnell und ohne Hirn zu einem eierlosen Pudel werden kann, wenn man denn gar keinen Selbstrespekt hat.

Stellen wir uns diese patriarchalen Denkgefüge in unseren Köpfen mal wie eine mittelalterliche Burg mit meterdicken Steinmauern vor.

So kommt mir das mit dem Feminismus vor. Bist du sicher, Till, dass du da nicht deine aktuelle Gefühlslage beschreibst statt meiner?

Es braucht starke, mächtige Geschütze, um da durchzudringen.

Deswegen sind ja die Feministen auch für unkontrollierte Masseneinwanderung von Moslems. Hat schon 1453 mit Konstantinopel funktioniert, mit den Kanonen des Urban und so. Der Film Fetih 1453 ist übrigens besser als sein Ruf.

Und wenig ist wirkmächtiger als die aufrichtige Selbstreflexion.

Also, vorausgesetzt, “Selbstreflexion” beinhaltet nicht “Realität”, sondern mehr das Drehen eines Hamsters im Laufrad – Stillstand.

Genau da kommen wir Männer beim Feminismus ins Spiel. Da müssen wir ansetzen, da beginnt die echte Unterstützung.

Mit “aufhören zu denken”? Ja, klar, das hilft, wenn man Feminist werden will, aber das ist doch keine gute Sache, oder?

Ich musste bei der Lektüre feministischer Theorie regelmäßig auflachen, mir an den Kopf fassen

Ja – letzteres geht mit genauso.

Das Patriarchat in seiner heutigen Form basiert auf Eroberung, Macht und Erniedrigung.

Das ist keine sinnvolle Mengenbildung. Eroberung und Macht mag sein, aber das braucht dann auch zwei Antipoden, und Erniedrigung ist kein Antonym zu Eroberung, das klingt nur ähnlich.

Das sind Attribute, die ich für mein Leben nicht brauche.

Habe, Till, habe. Wobei – mit Erniedrigung solltest du eigentlich genug Erfahrung haben. Aber kommen wir endlich zu den Tipps, wie man ein guter kastrierter Pudel werden kann:

Werdet sensibler für das Thema Sexismus und Feminismus, hinterfragt eure Denk- und Verhaltensweisen. […] Lest etwas darüber, hört nächstes Mal genauer hin, wenn jemand das F-Wort verwendet.

Fotze? Verwende ich nicht, das ist prollig. Und ich lese sehr viel über Feminismus, und ich ändere dadurch auch meine Denk- und Verhaltensweisen. Früher fand ich Hexenverbrennungen grausam. Heute verstehe ich die Notwendigkeit.

Und wenn Frauen künftig sagen, etwas sei sexistisch, glaubt ihnen.

Und wenn Frauen sagen, dass zwei plus zwei fünf ist, dann glaubt das auch. Wir haben ansonsten einen schönen Käfig mit Ratten in Zimmer 101.

Macht nicht den Fehler, körperliche Unterschiede von Frauen und Männern mit kulturell bedingten Unterschieden zu verwechseln.

Wieso sollten wir das machen? Wir sind ja nun keine Feministen.

Und falls jemand künftig sagt, Feministinnen seien alles unzufriedene Unbeglückte, dann erklärt ihnen ruhig und sachlich, dass sie Blödsinn erzählen.

Die sind aber doch unzufrieden, sonst würden sie ja nichts ändern wollen?! Und “unbeglückt” – mei, irgendwer poppt auch das letzte Wrack, aber kontinuierlich durchgevögelt werden ist für Frauen genauso schlecht wie gar nicht. Thousand-Cock-Stare, nennt man das. Nicht nur Feministen können Wörter erfinden; mit dem Unterschied aber, dass Männer Wörter für Sachverhalte erfinden, nicht für Einbildungen.

Unterstützt die Frauen in eurer Umgebung – emotional und körperlich. In der Beziehung kann das bedeuten, dass ihr euch mit eurer Partnerin darüber austauscht, wie Gleichberechtigung für euch beide aussehen kann.

Habe ich versucht. Meine Frau sieht es aber überhaupt nicht ein, sich extra zum Putzen Strapse und ein Hausmädchenkostüm anzuziehen.

Vielleicht übernehmt ihr künftig 50 Prozent der emotionalen Arbeit in der Beziehung

Da bin ich sehr dafür, aber wer macht denn dann die 50%, die ich dann nicht mehr machen würde?

Übernehmt mindestens 50 Prozent der Hausarbeit, wenn ihr zusammen wohnt.

Warum? Weil Feminismus? Frauen können den Müll auch selber rausbringen, so emanzipiert bin ich.

Gebt Frauen Raum – emotional und körperlich. Achtet darauf, wie viel Raum ihr in eurem Alltag einnehmt und tretet dort kürzer, wo ihr merkt, dass die Frauen in eurer Umgebung zu kurz kommen.

Was interessieren mich andere Frauen? Und was soll der “Raum einnehmen” – Blödsinn? Leute, die keine Ahnung haben. Fahrt mal zur Hauptverkehrszeit in Istanbul Trambahn, das ist nicht lustig. Erstens stinkt es schlimmer als ein anatolischer Ziegenmarkt (ja, ich weiß, wie ein anatolischer Ziegenmarkt riecht), und zweitens sind das anständige Moslems, da berührt man Frauen nicht. Das ist fuck anstrengend in einer 200% überfüllten Straßenbahn. Geht aber. Ich bin aber auch sehr dankbar, dass wir so einen Mist hier nicht machen, denn wenn man quasi mit einem Mann kuschelt, der 12 Stunden bei 38° gearbeitet hat, riecht man danach genauso.

Schreitet ein, wenn ihr Sexismus bemerkt, vor allem im eigenen Umfeld. Wenn ein Kumpel einen sexistischen Spruch ablässt, dann schweigt nicht länger, sondern macht ihn darauf aufmerksam.

Ich lache da normalerweise. Zählt das?

Eine echte Freundschaft wird das aushalten. Prangert Sexismus künftig laut und offen an.

Ich behaupte weiterhin, dass Till keine Freunde hat. Klar, das könnte er in meinem Freundeskreis schon machen, aber wir würden uns auch nach zehn Jahren noch drüber lustig machen. Bei jeder gottverdammten Gelegenheit.

Behaltet Kommentare über Frauen künftig für euch. Wenn euch eine Frau gefällt, ist das schön und gut, aber es ist keine Einladung, sie das mit einem platten Spruch wissen zu lassen.

Normalerweise ziehe ich sie mit einem starren Blick in Gedanken aus, bis sie fluchtartig wegrennt. Gut? Nein?

Beurteilt Frauen nicht von oben herab nach ihren Äußerlichkeiten, auch nicht mit Freunden.

Ich kenne einige Frauen, die es sicher schlimmer fänden, wenn ich sie nach ihren inneren Werten beurteilen würde. Sehr viel schlimmer. Wieso muss ich gerade an muss gerade an Miriams* hübsche Brüste denken?

Sucht euch weibliche Vorbilder. […] Sucht gezielt nach Schauspielerinnen, Musikerinnen und Künstlerinnen, deren Arbeit euch gefällt.

Ich sehe vor meinem geistigen Auge so einen Büschel Gras, der vom Wind über eine trockene Wüstenlandschaft getragen wird… Ah, ne, Leni Riefenstahl. Ich fände es aber irgendwie illusorisch, Dokumentarfilmer werden zu wollen, und irgendwie falsch, Nazi zu werden. Muss das sein?

Erzählt in Gesprächen öfter von den Frauen in eurer Umgebung.

Ja, fuck, tu ich doch! Siehe Miriam mit den hübschen Brüsten, die sich von Peter hat anbumsen lassen. Was wollt ihr denn noch?


Es kommt ein Nachwort. Gott, der Typ schreibt viel Stuss:

Ich bin weiß, männlich und in einem der reichsten Ländern des Westens aufgewachsen.

Also, männlich jetzt im biologischen Sinn, natürlich, nicht im sozialen. Hab ich von Feministen gehört, dass es wichtig ist, das zu trennen.

Ich genieße damit ein riesiges Privileg, das unfassbar viele Menschen so nicht haben.

Mit einem Link zu einer Erklärung von “Male Privilege”. Ne, Till, keine Sorge, das hast du nicht. Ich halte dich für genauso doof wie alle weiblichen Feministen, und das sehen alle anderen Männer genauso. Du bist nur nichtmal fickbar, also vollkommen wertlos.

Ich habe nie mit systematischer Ausgrenzung zu kämpfen gehabt.

Sagt jemand, der keine Freunde hat.

Ich habe nie die Ohnmacht gespürt, die viele Frauen verspüren müssen, wenn ihnen ungefragt an den Po gegrapscht wird.

Mir wurde schonmal ungefragt an den Po gegrapscht. Ich würde das damit assoziierte Gefühl aber eher “Geilheit” nennen. Wo ist das Problem?

Ich wurde auch nie wegen meiner Hautfarbe, Herkunft oder Sexualität diskriminiert.

Till war noch nie im Ausland.

Gerade weil ich all das nie durchmachen musste, fühle ich mich als Mensch in der Verantwortung, dass meine Mitmenschen das nie wieder durchmachen müssen.

Warum? Wenn man sich wie ein anständiger Mensch benimmt, wird man auch von Negern oder Chinesen wie einer behandelt. Sogar von Arabern. Das geht Negern, Arabern und Chinesen hier übrigens auch so, von ein paar Arschlöchern mal abgesehen. Aber Arbeitslager mag ja niemand.

Der moderne Feminismus steht genau dafür ein.

Für Arbeitslager? Ne, eher für die grund- und hirnlose Vernichtung aller Männer. Ist irgendwie moralisch schlechter.

Schreiben wir bei ze.tt über diese Missstände, oder überhaupt über Feminismus, wird das als Genderwahnsinn betitelt, meine Kolleginnen werden mit Hass zugekotzt, als Feminazis beschimpft.

Du hast keine Misstände genannt, du hast die vollkommen idiotische Forderung gestellt, Frauen nach ihren inneren Werten zu beurteilen. Das mache ich gerne – mit allen Feministen, die wollen das so, und du willst das auch. Menschenmüll, nannte Marx solche Leute. Und für die gibt es dieses Blog.

Das ist kein Hass, das ist eine Beurteilung der gesellschaftlichen Nützlichkeit. Und Feminazis werden nur diejenigen genannt, die sich wie Nazis benehmen. Weil sie sich wie Nazis benehmen. Du, Till, bist nur ein Pudel.

Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: Frauen sprechen an, dass Frauen in der Gesellschaft degradiert werden und werden dafür degradiert.

Weil Frauen, die in der Gesellschaft degradiert werden, mit Recht degradiert werden. Das ist übrigens dem Wort degradieren inhärent und eines der Probleme, wenn man einen Thesaurus benutzt, um intelligenter zu klingen, aber keine Ahnung von der deutschen Sprache hat.

Viele Männer fühlen sich tatsächlich dadurch angegriffen, dass Frauen Ungerechtigkeiten nicht länger akzeptieren wollen.

Viele Männer fühlen sich dadurch angegriffen, dass Frauen Ungerechtigkeiten schaffen. Weil sie Gleichberechtigung mit Gleichstellung verwechseln und Gerechtigkeit mit Ungerechtigkeit.

Das neue Lebensumfeld war der Auslöser, es ließ einen Knoten platzen und immense Denkfehler auflösen.

Ja – Berlin halt, wo die Durchgeknallten in ihren Filterbubbles unter sich bleiben und ihren Wahn als normal deklarieren können. Guckt nur mal in den Bundestag.

Es weckte ein Feuer in mir: Der Feminismus ist für mich keine Idee, er ist für mich auch keine Bewegung. Der Feminismus ist für mich eine Geisteshaltung.

Amen.

 

Warum man sich die Eier abschneiden sollte

Die Zeit, eine Tageszeitung für Linke, die sich für intellektuell halten, hat mit ze.tt ein Projekt für Leute ohne IQ gestartet, damit die sich auch für links-intellektuell halten können. Für die dort erscheinenden Artikel braucht man dann auch keine Journalisten, man kann einfach irgendwen irgendeinen Stuss schreiben lassen. Heute war das dann ein Till Eckert.

Ich bin ein Mann und hatte keine Ahnung vom modernen Feminismus.

Ja, das war noch eine schöne Zeit, als man die Welt noch in Ordnung glaubte.

Erst als ich verstanden habe, dass er alternativlos ist, stellte ich die richtigen Fragen.

Es gibt immer eine Alternative. Arbeitslager, zum Beispiel. Oder Hexen verbrennen. Und ich versichere jetzt schon, dass Till nicht die richtigen Fragen stellt. Dafür aber unendlich lange salbadert, ich entschuldige mich also mal im vorab, dass das länger wird.

Feministinnen, das sind doch die nackten Frauen in den Kirchen, Femen mit schwarzer Farbe über die Brüste geschmiert, die, die erst rumschreien und dann abgeführt werden.

Erstens mal sind nicht alle Feministinnen bei Femen, und zweitens sind die Femen-Aktivistinnen nicht nackt. Die tragen Höschen.

So dachte ich noch vor etwas über einem Jahr.

Und erst dann fiel dir Alice Schwarzer und die geisteskranke junge Berliner Aufschrei-Meute auf? Bist du einer von denen, die “noch nicht so lange hier leben”?

Es war mir einfach, mich über diese Frauen zu lustig zu machen

An der These scheint was dran zu sein, wie ordentliches Deutsch tut mir das nicht wirken. Die Frage ist aber, was dem armen Till passiert ist, dass er sich jetzt nicht mehr über geisteskranke hysterische Schnepfen lustig machen kann?

In meinem Fall war das mein Umzug aus dem schwäbischen Dorf nach Berlin, der neue Job, die neuen Kolleg*innen.

Berlin.

Hier wurde ich erstmals ziemlich frontal mit politischem Feminismus konfrontiert.

Ich wurde in Berlin mit einer eines zivilisierten Landes unwürdigen Menge Müll, materiellem und menschlichen, konfrontiert. Deswegen bin ich da auch so schnell es ging wieder weg. Ich bin nicht Wall-E und muss den ganzen verdammten Planeten aufräumen; man kann da auch einfach eine Mauer rumbauen. Die Pläne sind schon seit den 60ern zur Hälfte fertig.

Durch den Feminismusbegriff wird ein riesiges Spektrum abgedeckt, das man unmöglich durchblicken kann.

Es ist aber weitestgehend deckungsgleich mit dem Spektrum des ebenso breiten Begriffs “geisteskranke Spinner”. Das hilft auch beim Verständnis der “Inhalte”.

Himmel, das Thema ist verdammt komplex. […] Feministische Theorie und der Hass der Männer

Naja, soooo komplex ist das eigentlich nicht – es heißt aber “Hass auf Männer”. Was eine erschöpfende Erklärung feministischer Theorie ist, btw.

Der moderne Feminismus zielt in allererster Linie darauf ab, dass alle Menschen gleichberechtigt auf diesem Planeten leben können. Alle. Das will ich, und das sollte man wollen, wenn man ein moralischer Mensch ist.

Ein moralischer Mensch zu sein bedeutet nicht automatisch, dass man Tills Vorstellungen von Moral teilt. Was übrigens ein grundlegender Grundsatz philosophischer Moralvorstellungen ist, aber Till versteht ja schon Feminismus nicht wirklich.

Während ich meine Stimme als Antirassist dagegen erhebe, dass Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe diskriminiert werden, kann ich auf der anderen Seite nicht die Augen davor verschließen, dass 50 Prozent der Weltbevölkerung systematisch kleingehalten wird.

Das Problem an erklärten Antirassisten ist in der Regel, dass sie nicht wissen, was Rassismus ist. Und dass Frauen kleingehalten werden ist weitestgehend Unsinn. Da aber die gesamte feministische Theorie mit diesem Hirngespinst steht oder vielmehr fällt, muss der Till da natürlich ganz fest dran glauben, und das seinen Lesern natürlich als Tatsache unterjubeln.

Es fängt mit vermeintlichen Kleinigkeiten an, nennen wir es beim Namen: Alltags-Sexismus.

Ist “Alltags-Sexismus” sowas wie “einfache Sprache” für Leute, die an Analphabetismus schrammen? Ich meine, das Problem ist ja nun, dass “Alltagssexismus” halt ein Phantasiewort für ein Phantasiephänomen ist und man es daher auch mit Bindestrich schreiben kann, aber trotzdem…

Damit, dass wir Frauen grundsätzlich mit anderen Augen sehen als Männer

Man beachte: jetzt biegt Till völlig falsch ab. Natürlich hat Till als gesellschaftlicher Versager (seine Lebensleistung sind ein Umzug nach Berlin und ein präkerer Gesinnungsjob bei einem viertklassigen Online-Schmierblatt) keine sonderlich realistische Vorstellung davon, wie ihn erfolgreiche Männer beurteilen, also, nehmen wir halt mal irgendeinen Mann mit einem angesehenen Beruf, Müllmann oder so – aber wenn man nicht aus einer Position des Versagens heraus argumentiert, dann ist es eine richtig, richtig blöde Forderung, Frauen nicht anders zu beurteilen als Männer.

Freilich, auch mit gleichen Maßstäben hat selbst die Miriam* noch mehr erreicht als Till, weil sie sich von meinem Freund Peter* hat anbumsen und heiraten lassen, aber so ganz grundsätzlich ist das jetzt keine respektable Leistung.

das Äußere zählt bei ihnen immer etwas mehr als das Innere

Das ist das gleiche Problem wie mit Leuten, die “gesunder in einem gesunden Körper” predigen und Juvenal nicht verstanden haben. Das liegt auch daran, dass Juvenal Satiriker war und Kinder unter 14 wie auch Frauen im Allgemeinen in der Regel Satire nicht verstehen. Was Juvenal sagen will ist, dass es für eine Gesellschaft schlecht ist, wenn Schönlinge gegenseitig für ihr Aussehen gegenseitig beweihräuchern, aber nichts in der Birne haben.

Es ist auch insgesamt schlecht für eine Gesellschaft, auf Leute zu hören, die nichts in der Birne haben; das ist aber vom Geschlecht weitestgehend unabhängig, da ist Wizorek kein nennenswert schlechterer Ratgeber als Heiko Maas.

Das Feminismus-Problem mit den Äußerlichkeiten ist aber mehr, dass Frauen, die nichts in der Birne haben, allein durch ihr Äußeres noch einen gesellschaftlichen Nutzen haben – Fickbarkeit, siehe Miriam* oben.

Feministen haben diesen Nutzen aber in der Regel nicht, und sind auch zu hohl, um das zu verstehen. Aber das kann Till natürlich auch nicht erfassen – weil hohl, halt. Man merkt das an seinen “Beispielen”:

Es geht damit weiter, dass Frauen[…] sich in manchen Büros Sprüche über ihr Äußeres drücken lassen müssen: „Hach Süße, lass mal die Erwachsenen ran.“

Das ist eben nämlich kein Spruch über das Äußere der Frau, das ist eine Aussage über ihre offensichtliche Inkompetenz. Nett verpackt, weil Titten. Für Männer wäre das ein Kündigungsgrund.

Dieses Gedankengut gipfelt mitunter in sexueller Nötigung, Ausbeutung und Gewalt – und das häufiger, als vielen Männern bewusst sein dürfte.

Und so schnell kommen wir von inkompetenten Frauen in Jobs, in denen sie nichts verloren haben, zur rape culture. Wegen dem Gedankengut, dem Patriarchat und den Einhörnern. Oder so.

Darin, dass Männer nicht akzeptieren können oder wollen, was ein Nein ist.

Ja verreck, wir sind uns ja nun wirklich alle einig, dass man die wegsperren und den schlüssel wegwerfen sollte, oder? Steht im fucking StgB, §177.

40 Prozent der Frauen in Deutschland haben seit ihrem 16. Lebensjahr körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt. […] Diese Probleme werden von vielen Männern allzu oft abgetan und belächelt.

Ich nehme an, dass die (a) die Methodik dieser Umfrage kennen und (b) so ziemlich 100% aller Männer irgendwann seit ihrem 16. Lebensjahr von körperlicher Gewalt betroffen waren – womit man halt leben muss. Eva musste ja vom Baum der Erkenntnis essen und wir wurden aufgrund der grenzenlosen Habgier der Frauen aus dem Paradies vertrieben.

Das alles entschieden abzulehnen ist für mich alternativlos.

Was? Hirngespinste?

Weil ich ein wirklich großes Verständnis für Männer habe, die noch nicht verstanden haben, wie relevant der Feminismus ist – ich hab‘ ja selbst ewig gebraucht –, will ich nachfolgend zeigen, warum es vielen Männern so schwer fällt, die feministische Botschaft zu begreifen und sie diese falsch interpretieren.

Ich weiß ja nicht, wer Till die Eier abgeschnitten hat, aber so funktioniert Diskurs nicht. Wenn man die Relevanz von etwas belegen will, muss man ebendiese Relevanz mit Argumenten belegen, nicht blöd rumreden. Aber es wird wirklich doof:

Nichts ist ein schönerer Aufreger für die Lokalpresse, als die bösen, schwarztragenden Linken, die auf der Demo wieder mit der Polizei aneinander geraten sind. Der Gedanke hinter der Demo? Der Zweck? Warum da überhaupt Menschen auf die Straße gingen?

Wenn ich da nicht falsch informiert bin, ist deren Rechtfertigung für ihre terroristischen Aktionen “Deutschland verrecke, kapitalistisches Schweinesystem”. Da sie aber keinen besseren Vorschlag haben, halte ich das für vorgeschoben, und Terrorismus ist kein legitimes Mittel der politischen Auseinandersetzung in einer auch noch so vorgeblichen Demokratie, von daher wäre es auch egal, wenn es einen sinn gäbe.

Das gilt natürlich für Feministen auch.

Den Feminismus als Bewegung kann man gut mit der antirassistischen Bewegung vergleichen.

Sag ich doch: Einfach mal dagegen sein, aber keine bessere Idee haben. Leistungslos auf Kosten Dritter leben wollen. Halt, im Gegensatz zu klassischen Linken, nur für Frauen. Wegen Erbsünde oder so.

Es gibt Feministinnen, die transfeindlich sind, und es gibt Feministinnen, die öffentlich #KillAllMen propagieren – auch wenn das das Gegenteil ist, für das sich Feminist*innen heute einsetzen.

Dieser Satz widerspricht sich selbst. Und übrigens ist Jim Beam kein true scotsman. Aber trotzdem ein fucking Whisky.

Dass der Feminismus im Grundsatz das gleichberechtigte Leben aller anstrebt, kann durch solche Entartungen leider leicht vergessen werden.

Die einzigen, die sich gerade für ein gleichberechtigtes Leben aller in Deutschland einsetzen, sind aktuell die entsorgten Väter vom Genderkonkress.

Auch wenn ich die verstehen kann, die schlichtweg genug von der Beschissenheit der Dinge haben, und ihrer Wut darüber freien Lauf lassen

Wie zum Beispiel Anders Behring Breivik?

Wegen dieser ganz simplen Logik: Immer, wenn eine Gegenbewegung vermeintlich zu extrem wird, zu bedrohlich, zu verrückt, konzentrieren wir uns oft auf eine Minderheit. So geht die eigentlich wichtige Idee der Bewegung verschütt.

Wie Silvio Gesells Freigeldtheorie. Der war ein furchtbarer Nazi.

[Patriarchat:] Es geht nicht darum, dass alle Männer über alle Frauen herrschen, sondern, dass einige wenige Männer über alle anderen Männer und Frauen herrschen.

Ja, und der Vorschlag der Feministen ist, dass einige wenige Männer und Frauen über alle anderen Männer und Frauen herrschen. Das ist jetzt inwiefern besser? Wahlen haben wir ja nun ausprobiert; nichtmal Frauen wählen Frauen, siehe die arme Marine in Frankreich. Widerliche Sexisten, allesamt.

Das wird seit dem 17. Jahrhundert so gelebt.

Öhm… echt jetzt? Und vorher war… ah, äh… Frauenherrschaft? Wo?

Da kann heute nicht einfach kurz ein Vögelchen vorbeifliegen, ihnen eine neue Wahrheit über strukturelle Diskriminierung der Frauen zwitschern

Wahrheit übrigens im Sinne von der wahrhaftigen Auferstehung unseres Erlösers Jesus Christus.

und denken, sie würden das glauben

Naja, bei Till hat es ja funktioniert, oder?

Da kann eine Femen-Aktivistin in der Glotze nicht einfach den Herbert in Beimerstetten erleuchten, der es eben nicht anders beigebracht und vorgelebt bekommen hat, als dass er arbeiten geht, seine Frau ebenfalls und trotzdem danach in der Küche allein das Schnitzel klopft

Herbert aus Beimerstetten arbeitet wahrscheinlich am Umschlagbahnhof in Dornstadt. Der muss nach der Arbeit also erstmal duschen. In der Zeit kann seine Frau offensichtlich auch schonmal kochen.

Herbert könnte aber auch mit den Jungs in die Kneipe und danach in nach Ulm in den Puff. Ich bezweifle aber, dass das seiner Frau lieber wäre als Schnitzel zu klopfen.

Echt, ich verstehe das Problem dieser Feministen nicht.

Das ist mit dem Kapitalismus dasselbe. Erst, wer mal Dreck gefressen hat, erkennt, dass ein System krankt. Apropos Kapitalismus: Wer diesen in seiner jetzigen Form kritisiert, hat etwas mit modernen Feministinnen gemeinsam.

Wie erwähnt ist Systemkritik nur sinnvoll, wenn man eine bessere Idee hat. Aber immer, wenn ich “Freigeld” sage, schreit jemand wie Till “Antisemitismus”.  Oder Feministen. Ich habe Null mit denen gemein.

Es gibt ja auch ganze Branchen, die auf der sexuellen Ausbeutung von Frauen basieren. Ich muss wohl nicht benennen, welche.

 

Doch, musst du schon. Was freiwillig und gegen Geld zu machen ist nämlich nicht “Ausbeutung”.

Als ich jünger war, vielleicht gerade in der achten Klasse, musste ich mich vor meinen männlichen Freunden dafür rechtfertigen, warum ich Destiny’s Child höre.

Musikgeschmack unter pubertierenden Jungs. Ersetze “Destiny’s Child” durch [beliebige andere Band] und erkenne: Pubertät.

Ich wurde von Frauen, mit denen ich ein Date hatte, belächelt, wenn ich sagte, dass ich bei emotionalen Filmen auch mal weine.

Wirkt das auf Euch, liebe Leser, auch wie eine ausgedachte Geschichte? Ich meine, kommt, der und ein Date?

Mädchen, das war eine gängige Beleidigung. Einem Mann kann man damit besonders weh tun, weil man ihm seine Männlichkeit dadurch abspricht, also alles, was er sein muss, um respektiert zu sein.

Ne, Till, pubertierenden Jungs kann man damit weg tun. Erwachsene, vor allem Männer, wissen, dass Worte nicht verletzen.

Auf Partys, da musste ich mich in meiner Jugend immer als Eroberer geben

Ist Pudeltum so eine Sammelbewegung für Jungs, die keine abbekommen haben?

Und wenn man Frauen abschleppt, dann gilt das als erfolgreich. Es ist unglaublich, wie lange ich diesen Hirnfurz nachplapperte, dass Männer und Frauen keine echte Freundschaft aufbauen können, weil sicher das Bett in die Quere kommen werde.

Da ist schon was dran – ich denke, das gilt für durchschnittlich intelligente respektive dumme Männer und ebensolche Frauen. Klar, ich habe Frauenfreundschaften, aber das erfordert eine gewisse Art intelligenter Frau, die sich dann aber eher weniger mit Leuten wie Till abgeben würde. Till verwechselt hier “Friendzone” mit “Freundschaft” und lässt sich genüsslich die verbleibenden Reste seiner Eier abschneiden.

Ich habe in der Vergangenheit schlecht über Frauen gesprochen, hinter ihrem Rücken.

Jetzt sprichst du öffentlich schlecht über Männer. Hast du den Eindruck, dass das irgendwie besser wäre oder dich beliebter macht?

Ich habe anzügliche Witze über sie gemacht und sie reduziert.

Ich habe ein tolles Rezept für eine Tomatenconsommé, die besteht nur aus Pfeffer, Lorbeer, Basilikum und einer Dose Tomaten, reduziert auf eine Espressotasse. Wie eingangs erwähnt – wenn Frauen auf ihr Aussehen reduziert werden, liegt das meist daran, dass die Dose leer ist; das ist nicht unbedingt schlecht für die Frau.

Ich habe mich über Frauen mit kurzen Haaren lustig gemacht, ihnen ihre Weiblichkeit abgesprochen.

Hmmmm…. ich hab die eher geknallt; Frauen mit kurzen Haaren haben in der Regel nicht alle Tassen im Schrank und sind leicht zu haben.

Ich dachte, es verschaffe mir irgendeinen absurden Respekt unter meinen männlichen Freunden, wenn ich über Frauen lästere, nachdem ich mit ihnen in der Kiste war.

Ich glaube, der arme Till hatte nie Freunde.

Und es war auch so, dafür bekam ich Schulterklopfer, eine Bro-Fist, ein Lachen.

Von deinen Fantasiefreunden.

In der Schulzeit war das am Schlimmsten, danach nahm es zwar ab, aber diese Art des versteckten Sexismus fand statt – teilweise tut er das immer noch. […] Es ist bemerkenswert einfach, einen sexistischen Spruch abzulassen, eine Frau in ihrer Abwesenheit kurz Schlampe zu nennen, wenn man unter seinen Jungs bierselig in der Kneipe hängt

Ja, echte Männer sagen das den Schlampen natürlich direkt. Die regen sich dann auch immer so schön auf, wie Rumpelstielzchen, fast. Probiert das mal aus, wenn ihr nichts besseres zu tun habt.

Penny schreibt in ihrem Buch Fleischmarkt, dass Frauen in jungen Jahren mitunter eine panische Angst davor entwickeln, für andere als Schlampe zu gelten. Mich wundert das nicht.

Mich auch nicht. Ich frage mich aber, was daran falsch sein soll.

Für diejenigen, auf die das [sexistisch sein] zutrifft: das sollte der beste Grund für euch sein, darüber nachzudenken, warum das so ist.

Das hat was mit den Bienchen und den Blümchen zu tun, und mit blöden Feministen und den Kindern der 68er, die unbedingt finden, dass Frauen im Rotary-Club und beim Vatertagssaufen irgendwie dabei sein müssten.

Fortsetzung hier.

Zeit, uns mit Verdummung zu beschäftigen

Danisch hat bezüglich eines grenzdebilen Artikels in der Zeit schonmal vorgelegt, aber da geht schon noch was.

Autor des Unsinns ist ein gewisser Sebastian Dalkowski, der – das ist offenbar heutzutage erwähnenswert – ein Studium nicht nur besucht, sondern sogar erfolgreich abgeschlossen hat. Fuck, ich habe das in meinem Lebenslauf immer falsch gemacht – “Dr. Shitlord hat die Universitäten Harvard, Oxford und die Sorbonne besucht” heißt ja nicht zwingend, dass ich da mehr als vorbeigelaufen bin, richtig?

Aber gut, zum Text:

Ich will Verbote!

Öhm… ist das so ein Fetisch? Egal – halt die Klappe, du Wurm, und huldige mir! Und hör vor allem auf, Forderungen zu stellen.

(tl;dr: Das war’s dann auch vom Gehalt. Aber ihr seid herzlich eingeladen, mit mir in die tiefen Abgründe der Idiotie einzusteigen)

Wir leben über unsere Verhältnisse.

Ich lebe überhaupt nicht über meine Verhältnisse. Wer ist wir? Deutschland? Wollen wir Hartz4 halbieren? Hey, wenn ich nicht schon wüsste, dass das nicht das Thema ist, wäre ich jetzt total erfreut…

Deshalb brauchen wir jemanden, der uns auf die Finger haut.

Es ist so ein Fetisch-Ding.

Anders ist die Welt nicht zu retten, sagt unser Autor.

Das ist aber fein, dass ihr einen Autoren mit so bescheidenen Zielen gefunden habt, liebe Zeit. Gott, der Artikel hat noch nichtmal angefangen und man weiß, dass er dumm wird.

Es war die Gabel. Ein kurzes, weißes, vierzackiges Stück Plastik. Allen Autofahrern, Mobiltelefonbesitzern, Steakessern und Christian Lindners, die mir in den nächsten Minuten einen Vogel zeigen werden, antworte ich deshalb: Sagt, was ihr wollt, aber habt ihr mal die Gabel gesehen?

Lindner ist von der FDP, oder? OK, es scheint so, als wolle er die genannten Gruppen irgendwie antagonisieren, aber – äh – Mobiltelefonbesitzer? Wer hat denn heute kein Mobiltelefon? Fuck, in Afrika, wo die Leute verhungern, gibt’s Mobiltelefone. Wo lebt der Mann? Berlin?

Aber gut, haben wir denn die Gabel gesehen? Oder das Licht? Habt ihr das Licht gesehen?

Eigentlich hatte ich im Supermarkt nur einen Salatkopf kaufen wollen.

Ich sehe schon, das wird schwierig, da was kritisierenswertes zu finden. Ich meine, Salatköpfe zu kaufen, da tut sich sogar meine Oma schwer. Fairerweise ist meine Oma tot; vorher konnte sie das durchaus. Und Videorecorder programmieren, aber das ist hier ja hoffentlich nicht auch noch Thema.

Das Unglück war, dass ich vorher an der Kühltheke mit den in Plastik verpackten Fertigsalaten vorbeikam.

Wie entsetzlich. In der Theke gibt es bei unserem Edeka übrigens auch sehr leckere Smoothies, zum Beispiel die von True Fruits. Und das eine Cocktail-Dressing, wo ich mir den Hersteller nicht merken kann, was 1a zu Thunfisch passt. Wer kauft denn die überteuerten Fertigsalate?

Blätter, Cocktailtomaten, Mais, Putenbruststreifen, Dressing im Plastikbeutelchen. Aufreißen, zusammenkippen, durchmischen, essen. Sogar an eine Gabel hatte der Hersteller gedacht.

Convenience-Food, nennt sich das, nicht “Fertigsalate”. Fertigsalate sind, wie der Name sagt, Salate. Ein Salat mit Hühnchen ist kein Salat, sondern bestenfalls ein Hühnersalat. Aber gut, auch in einem “erfolgreichen” Studium der Skanidinavistik lernt man ja nun nicht unbedingt Deutsch.

Nichts davon hätte ich gebraucht.

Das, wie erwähnt, geht mir genauso, und ich weiß auch wirklich nicht, warum Leute das kaufen. Ich weiß aber vor allem nicht, warum Sebastian den Quark kauft, wenn er ihn nicht braucht. Er will ihn ja offenbar nichtmal, wie wir noch lernen werden. Zwangsstörung?

Einen Salatkopf kann ich selbst zerlegen.

Langsam habe ich das Bedürfnis, “das glaube ich erst, wenn ich es gesehen habe” zu rufen, denn das mit dem Erwerb des Salatkopfs hat ja nunmal schon nicht funktioniert, gell?

Dressing zusammenrühren auch.

Das nun glaube ich absolut überhaupt nicht. Wisst ihr, wie schwer es ist, ein wirklich gutes Dressing zu machen? Das kostet jahrelange Übung, vor allem, wenn man nur zweimal im Jahr Salat macht wie ich. Aber gut.

Erst recht besitze ich eine eigene Gabel.

Von der ich langsam annehme, sie wäre gestohlen, sonst würde er ja “habe” schreiben wie normale Menschen und nicht “besitze”, was explizit keine Aussage über das Eigentum ist.

Ich wollte den Salat schließlich zu Hause essen.

Mich kotzt es derart an, dass die Presse nur noch damit beschäftigt ist, rumzuheulen, wie schlecht es ihr geht. Ich habe noch nirgends gearbeitet, wo es keine Gabeln gab. Nirgends.

Trotzdem dachte ich:

Trotz was? Der Preis ist ja nun offenbar nicht relevant, was auch ein Grund dafür sein könnte, das Journalisten finden, sie verdienen zu wenig. Das ist immer der Fall, wenn man Geld für unnützen Quatsch ausgibt. Fuck, ich besitze eine Yacht. Und bin deren Eigner. Jammere ich irgendwo?

Ist doch praktisch, mehr Zeit für mich.

Ok, wie erwähnt, “Zeit für mich” war ein guter Grund, das Boot zu kaufen. Wenn andere Leute das mit einem Salat erreichen, verstehe ich, warum der Scheiß so überteuert ist.

Zwei Packungen legte ich in den Korb. Einen Tag später erneut.

Das ist eine sehr langweilige Ernährung. Vielleicht schreibt man deswegen so blöde Artikel?

Die Gabeln warf ich in den Müll. Und ich werde es wieder tun.

Boah! Echt? Die Wegwerfgabel wegwerfen? Ein radikaler Akt der Selbstbefreiung!

Wir alle werden es wieder tun: Sachen konsumieren, die nicht sein müssten.

Darauf erstmal eine Zigarette und ein Pils.

Weil wir bequem sind.

Hä? Ich musste jetzt extra zum Kühlschrank laufen, und die Bierkästen schleppen sich auch nicht von alleine. Und das mit dem Rauchen ist relativ teuer, ich könnte sicher einen Tag im Monat weniger arbeiten, wenn ich das lassen würde. Und Fertigsalate sind nicht unbedingt bequem, weil man da ja auch Qualitätseinbußen hat, da muss man schon abwägen.

Weil wir glauben, sie zu brauchen.

Also, bei den Zigaretten können wir ja über Suchtverhalten sprechen, aber ich bezweifle, dass Leute wirklich Fertigsalate brauchen.

Weil unsere Freunde sie auch haben.

Die meisten meiner Freunde haben kein Boot, sind Nichtraucher und trinken lieber Helles als Pilsner. Fuck, muss das mit dem Gruppendruck heute schlimm sein. Und der Mann ist älter als mein kleiner Bruder.

Coffee to go.

Ja, wie trinkt man unterwegs denn sonst Kaffee? Ich hab nachgeschaut, weder Villeroy&Boch noch Rosenthal haben Kännchen, die in die Autohalterungen passen, und draußen gibt’s ja nur Kännchen.

Kaffee aus der Kapsel.

Wir haben hier zuhause vielleicht fünf, sechs Tassen Kaffee pro Woche Durchsatz. Der wird doch schlecht sonst?

Wieder ein neues Smartphone.

Ich kaufe mir ja gerne Spielzeug, aber ich bezweifle, dass ich das in nächster Zeit tun werde. Mein Computer ist jetzt sechs Jahre alt, ein neuer wäre nicht wesentlich schneller. Mein Notebook ist vier, selbes Problem. Und ich wüsste nicht, was ein Smartphone noch besser machen müsste als das S7, aber das habe ich geschenkt bekommen und weiß nicht wirklich, was man damit soll. Die Kamera ist aber wirklich gut.

Mit dem Auto in die Stadt, weil es nach Regen aussieht.

Hm… in der U-Bahn regnet es, soweit ich mich erinnere, nicht, oder? Und bis man einen Parkplatz gefunden hat, ist man bei weitem in der U-Bahn. Ich sehe da die Rationale dahinter nicht, es sei denn, man wird gerne nass. Ah, Fetisch, hatten wir ja schon einen.

Mehr Bildschirmdiagonale.

Ich finde 24″-Bildschirme wie auch 49″-Fernseher vollkommen ausreichend, mein Schreibtisch wie mein Wohnzimmer werden nicht größer. Und meine Lust, Notebooks rumzuschleppen, auch nicht, von daher passen auch da 11,6″. Wo nochmal bräuchte ich da mehr Diagonale? Ok, fairerweise habe ich zusätzlich einen 37″-TV am PC, zum Spielen. Aber der war halt übrig.

Im Sommer nach Neuseeland, im Herbst auf die Azoren

Im Sommer kann man hier bleiben, da isses schön, warm und die meisten Menschen sind woanders, was bedeutet, dass die (nicht-billigen nicht-Frei-) Bäder (relativ) leer sind. Danisch merkt zudem an, dass es in Neuseeland im Sommer kalt ist. Und im Herbst fliegt man in die Türkei oder sowo. Auf die Azoren fliegt man genau einmal im Leben, dann nie wieder. Oder man bleibt da.

und von München nach Berlin fliegen, weil’s schneller geht.

… und man nicht in der Bahn sitzen muss, wo nur Assos und rumbrüllende Kinder sind und man nicht mehr rauchen darf und zu spät kommt und das Doppelte bezahlt. Ah, und man muss keinen Bahnhof betreten, vor allem nicht in Berlin.

Die Tomaten sehen schrumpelig aus, schmeiß ich lieber weg.

Das könnte was damit zu tun haben, dass du dir Fertigsalate kaufst, statt die Tomaten zu essen? Und man kann die auch noch kochen, wenn es sein muss, wird eine sehr leckere Tomatensuppe, wenn man das kann. Und Lust auf Tomatensuppe hat. Ansonsten schmeißt man die weg, ja. Die EU vernichtet jährlich Tausende Tonnen Tomaten, statt sie an Russland zu verkaufen, da sind meine drei echt nicht wichtig. Man könnte das als Gutmensch sogar als aktiven Russland-Boykott verkaufen, wie die EU – wenn man sich dabei nicht blöd vorkommt.

Sollen wir Pizza bestellen?

Können wir. Der Lieferservice ist aber echt mäßig, die Pizzeria einen Ort weiter hingegen ist hervorragend. Die müsste man aber abholen.

Der Akku ist schon wieder leer.

Tja, so ne Powerbank kostet weniger als deine vier Fertigsalate. Blöde Kaufentscheidung. Und man könnte sein Handy ja auch nachts laden… mit so nem coolen Qi-Charger, da muss man nichtmal Kabel reinpfriemeln. Übrigens einer der wenigen Punkte, die für ein Premium-Smartphone sprechen.

Ich hatte zwar gerade gestern Steak, aber egal, das habe ich mir jetzt verdient.

Man muss sich sein Essen schon verdienen, offenbar, wie damals in den Konzentrationslagern.

Es sei denn, uns haut endlich jemand auf die Finger.

Wie damals in den Konzentrationslagern.

Es sei denn, jemand sagt: Lass das!

Wie – äh – deine Domina, bevor sie dir den Hintern verprügelt?

Liebe Angela Merkel, lieber Staat, liebe EU, liebe Weltregierung, ich fordere euch hiermit auf: Verbietet mir, was ich gerne haben möchte, aber besser nicht haben sollte.

Ich hätte gerne eine Sig Sauer P226, eine Sexsklavin und die kleinen, blauen Allergietabletten aus China, die im Gegensatz zu dem überteuerten deutschen Rotz tatsächlich gegen meinen Heuschnupfen helfen. Darf ich alles nicht haben. Und ich finde durchaus, dass ich das haben sollte.

Das entsetzlichere aber ist, dass der Mann offenbar keine Wünsche hat. Mein Gott, in Wien gibt es noch Leute mit Träumen, da hat jemand eine Straßenbahn geklaut. In Deutschland hingegen haben wir Leute wie Sebastian Dalkowski, die finden, sowas gehört verboten. Da muss man schon mal nachdenken, wo man lieber leben möchte, oder?

Anders ist die Welt nicht mehr zu retten.

Vor Fertigsalaten?

Protect me from what I want, sang schon die Band Placebo. Verbote zu fordern heißt, die Fehlbarkeit des Menschen verstanden zu haben.

Da könnte man auch mal genau 0,01 Sekunde in sich gehen, die eigene Fehlbarkeit reflektieren und zu dem Schluss kommen, dass man vielleicht auch einfach mal besser seine Fresse halten könnte. Immer mitten in die Fresse rein, sang schon die Band “Die Ärzte”.

Die meisten von uns wissen natürlich, dass vieles von dem, was wir kaufen und verbrauchen, nicht gut ist.

Ich finde, dass alles, was ich kaufe und verbrauche, gut ist. Ansonsten – und das ist neben Zigaretten aus Tschechien eine der wenigen guten Sachen an der EU – habe ich da Rückgaberecht, 14 Tage, oder einen Monat, ohne Angabe von Gründen. Finde ich geil.

Und damit meine ich nicht, dass wir davon dick werden und alle möglichen Krankheiten bekommen.Unser Konsum schadet auch uns selbst, klar, aber am meisten schadet er anderen.

Nein, das tut er nicht, und das tut er nie. Beispiel?

Denen, die mit uns auf der Erde leben, die wir nicht sehen, weil sie weit weg wohnen.

Ich habe Faschingskostüme genäht. Das bedeutet, dass zwei Faschingskostüme aus Billigproduktion von zwangsarbeitenden Kindern weniger gebraucht wurden, d.h., also, wenn wir annehmen, dass die schneller nähen als ich, mindestens zwei Kinder in Bangladesch oder so einen Tag hungern mussten, weil ich nicht konsumiert habe. Konsum hingegen ist nicht schädlich.

[So] wirft der Soziologe Stephan Lessenich den wohlhabenden Staaten vor, die Kosten ihres Lebensstils anderen, ärmeren Regionen aufzudrücken.

In seinem Buch 三体 beschreibt der Informatiker Cixin Liu ein fuck-cooles Science-Fiction-Szenario, weswegen ich dessen Bücher gerne nochmal empfehle.

Man kann das auch mit Zahlen belegen. In Deutschland ist der Gesamtstromverbrauch heute zehn Prozent höher als noch vor 20 Jahren, nämlich rund 7.380 Kilowattstunden pro Kopf und Jahr. Um diese Menge auf einem Hometrainer zu erzeugen, müsste man 3.075 Tage lang in die Pedale treten.

… oder aber 0,1 Gramm Wasserstoff zur Kernfusion bringen.

Für die Produktion von einem Kilo Kartoffeln braucht man 100 Liter Wasser

In meinem Garten wachsen die, auch wenn ich sie vollkommen ignoriere. Es wirkt fast so, als wäre dieses komische, oben angesprochene “Regen”, was Sebastian zum Autofahren verleitet, zu irgendwas nutze?

für ein Kilo Rindfleisch 15.000. Trotz eines leichten Rückgangs liegt der durchschnittliche Fleischkonsum in Deutschland noch immer bei 60 Kilo pro Kopf, pro Jahr.

In Botswana liegt der bei 0,01 kg/Kopfjahr. Deswegen will auch niemand nach Botswana, aber die Leute aus Botswana hierher. Aber der Punkt kommt erst noch:

Der sogenannte Earth Overshoot Day markiert das Datum, an dem mehr Rohstoffe verbraucht worden sind, als während des gesamten Jahres nachhaltig gewonnen werden können. 1990 war das noch der 7. Dezember, 2016 war es der 8. August. Ein knappes halbes Jahr lang leben wir über unsere Verhältnisse.

Nein, das tun “wir”, wenn man damit mal die von der angerufenen Frau Merkel Betroffenen als “wir” nimmt, eben nicht. Die Bevölkerung Deutschlands ist nämlich immer noch genauso groß wie 1990. Die von Botswana nicht. Komisch, oder?

Niemand kann bestreiten, dass das aufhören muss.

Das überbordende Bevölkerungswachstum? Das hört von ganz alleine auf, die Leute sterben dann halt einfach. Oder reden wir jetzt über Genozid?

Freiwillig allerdings verzichten die wenigsten.

Vor allem nicht in Botswana. Ich nehme an, die sind dankbar, wenn sie ein Steak bekommen, im Gegensatz zu Sebastian, der offenbar rummault, dass ihn noch keiner in ein fucking Umerziehungslager nach Nordkorea deportiert hat.

Eine Weile hat man das ja versucht: mit Aufrufen, weniger Fleisch zu essen, für kurze Wege das Fahrrad zu benutzen, beim Einkaufen einen Stoffbeutel mitzunehmen. Hat alles nichts gebracht.

Das. Stimmt. Nicht. Und das sagt der Autor sogar selbst, aber was interessiert schon das Geschwafel vom letzten Absatz, wenn man eine Message hat?

Wenn ich ein Steak sehe, denke ich: Lecker! Nicht an die Drei-Stunden-Doku, in der es darum ging, wie viel Wasser, Getreide und so weiter in die Aufzucht eines Tieres gehen, bevor daraus Fleisch auf meinem Teller wird.

Es ist nicht jedes Steak lecker.

Kurzfristiger Gewinn sticht Schaden für die Allgemeinheit.

Effektiv habe ich aus der drei-Stunden-Doku gelernt, dass durch meinen Steakkonsum nicht nur der Restaurantbetreiber, die Kellnerin, der Koch und der Rinderzüchter ein Auskommen haben, sondern auch noch ein LKW-Fahrer, ein LKW-Hersteller, ein Kühlwagenhersteller, ein Kühlwagenumbauer, ein Kühlhausherseller, ein Schiffsbauer, eine Frachtschiffcrew, die Containerhersteller, zwei Kranführer, ein Folienhersteller, ein Etikettenhersteller, der Typ, der die Wagyu-Viecher in Japan massiert, ein… ach kommt, es ist ja schön, wenn es Sebastian egal ist, wenn die alle wie die armen Neger in Botswana verhungern, aber ich finde das halt nicht so toll.

Die Folgen unseres Konsums werden wir erst dann bemerken, wenn irgendwann der Ozean vor der Tür steht. Bloß ist es dann eben zu spät.

Die anthropogene Komponente des Klimawandels ist erstens mal umstritten, und zweitens ist das mehr ein Problem genau der Länder, die vollkommen überbevölkert sind, was wie oben gezeigt auch den “Earth Overshoot” verursacht. Das hat jetzt herzlich wenig mit meinem Fleischkonsum zu tun, aber sehr viel mit Menschen, die finden, dass man die armen Negerlein nicht einfach verhungern lassen kann, was das ganze Überbevölkerungsproblem ja mitverursacht hat. Aber nein, mein Fleischkonsum sei schlecht. Freilich.

Abgesehen davon wohne ich 370 Meter über NN; selbst bei der schlimmsten (und jetzt schon nachweislich falschen) Klimaprognose steht der Ozean hier noch sehr, sehr tief, wenn die Sonne ausgeht.

Man kann natürlich versuchen, mit der Erhebung von Steuern dagegenzuhalten – auf bestimmte Lebensmittel, auf Benzin, auf Fernreisen, auf Flachbildfernseher.

Das ist eine kreative Idee. Machen wir das doch! Oh, wie jetzt, haben wir schon?

Es bringt bloß fast gar nichts.

Doch, dass Preise einen Einfluss auf das Konsumverhalten haben ist eigentlich ziemlich klar belegt. Die Leute in Botswana würden auch Fleisch essen, wenn sie es sich leisten könnten, genau wie die Leute in Deutschland nach dem Krieg. Sie konnten es sich nur nicht leisten.

Höhere Steuern schließen nur die weniger Wohlhabenden von der Konsumparty aus, während die Hersteller versuchen, bei den Löhnen und an der Qualität zu sparen, um die Preise zu drücken.

Das hat absolut überhaupt nichts miteinander zu tun, aber der Punkt mit den weniger Wohlhabenden stimmt. Das interessiert aber doch den alle anderen zum Wahren Wohl™ zwingen wollenden Gutmenschen normalerweise doch einen Dreck?

Deshalb lieber gleich verbieten.

Na guck.

Auch wenn Verbote niemand mag. Verbot, das klingt nach Stubenarrest und Diktatur.

Ja, und es klingt vor allem nicht nach Freiheit. Freiheit, so wie in “Einigkeit und Recht und Freiheit”, du Vollhonk.

Selbst die Grünen haben ihre Forderung nach dem Veggie-Day in Kantinen schnell beerdigt, als man sie als nörgelige Nanny-Partei beschimpfte.

Es ist keine Beschimpfung, wenn man die Grünen als nörgelige Nanny-Partei bezeichnet. Es ist Grundlage des Gedankens parlamentarischer Demokratie, (a) Nanny zu spielen und (b) zu nörgeln. Das ist normal und trifft auf alle Parteien zu. Die Grünen sind halt nur ganz besonders schlimm und nervtötend und ignorant.

Aber Fleischverzicht ist kein Freiheitsentzug.

Nein, aber Fleischverbot ist der Entzug der Freiheit, Fleisch zu essen. Das war nichtmal ein rhetorisch guter Versuch.

Und es stellt auch keine unzumutbare Härte dar, mit dem Bus statt mit dem Auto in die Stadt zu fahren.

Es gibt Leute in Botswana, die wären dankbar, wenn es einen Bus in die Stadt gäbe. Hier im Ort gibt es auch keinen Bus – wozu auch, wir haben eine S-Bahn. Ich denke aber, dass der Sebastian halt in der Stadt wohnt, wo man nun wirklich kein Auto braucht. Mein Nachbar aber fährt mit dem Auto 20 Minuten zur Arbeit. Mit dem ÖPNV wären das 2h20min, und das fände ich schon eine unzumutbare Härte. Und nein, die können nicht woanders wohnen; die Frau arbeitet zehn Minuten in der anderen Richtung.

Oder mit dem Fahrrad. Und kommen Sie mir nicht mit Ihren blöden Getränkekisten. Es gibt Fahrradanhänger.

Ich nehme das genau dann ernst, wenn derjenige, der sowas sagt, mal die Getränke für eine Party bei meinem Bruder mitbringt. Ach, mirwegen nur das 50-Liter-Bierfass und die zehn Kästen für wenn das leer ist.

Oder Sie trinken Ihr Wasser eben aus dem Hahn. Von Rhabarberschorle steht nichts im Grundgesetz.

Tue ich. Aber was wichtiger wäre: Es steht durchaus im Grundgesetz, dass man nicht einfach ohne jeglichen Grund und vor allem nicht wegen der Befindlichkeiten eines Sebastians Leuten Sachen verbieten kann. Praktisch, das.

Damit die Verbote Wirkung zeigen, darf die Regierung es allerdings nicht bei ein paar symbolischen belassen. [bla} [bla] [bla] Verbietet doch einfach Plastikverpackungen da, wo sie nicht nötig sind!

Warum? Damit die Sachen schneller verderben und, wie die runzelige Tomate oben, in den Müll wandern? Sehr gute Idee.

Verbietet überflüssige Autofahrten, indem jeder Bürger nur noch das Recht auf eine bestimmte Menge Sprit hat! Verbietet die Neuzulassung von Autos, die einen bestimmten Verbrauch überschreiten! Und bei der Gelegenheit: Führt ein generelles Autobahn-Tempolimit von 120 ein! Verbietet auf alte Art erzeugten Strom! Macht Ökostrom zur Pflicht!

Verbieten wir Ausrufezeichen! Verbieten wir dumme Menschen! Verbieten wir Spaßverderber! Und bei der Gelegenheit: Verbietet Texte mit mehr als 140 Zeichen! Verbietet mehr als 12 Atemzüge pro Minute! Macht Suizid mit 55 zur Pflicht!

Ne, mal ehrlich – was soll das? 

Und wer sich nicht an die Verbote hält, der wird vor ein Gericht gestellt, genau wie jemand, der Giftmüll im See entsorgt.

Das wäre in einem Rechtsstaat so.

Verschwendung ist nämlich kein Kavaliersdelikt.

Es ist vielmehr überhaupt kein Delikt.

Es ist nicht in Ordnung, alles an sich zu raffen, nur weil es greifbar ist.

Nein, man muss es schon bezahlen. Es kotzt mich so an, dass niemand mehr das Konzept von “Geld” zu verstehen scheint.

Niemand hat das Recht, sich mehr zu nehmen, als er braucht.

Sagt… wer? Mich nervt das schon bei den Chinarestaurant-Buffets, wenn die “ihr Teller ist aber voll” rummaulen, weil es Leute gibt, die gerne volle Teller mögen. Das betrifft mich nicht, ich mag leere Teller, warmes Essen und viele Gänge; ich meide solche Restaurants dann. Klar, es gibt Leute, die übermäßig nehmen, weil es da ist, nur weil es da ist, das ist das Problem der Allmende, aber kategorische Verbote lösen das Problem auch nicht. Das ist wie einen Betonsarg über Tschernobyl stülpen – das Problem ist immer noch da. Der Betonsarg ist aber besser als der Status Quo, wohingegen ein Verbot, Radioaktivität auszustrahlen, keine Verbesserung wäre.

Und ich hätte noch einen Vorschlag: Jeder Bürger bekommt jährlich ein CO₂-Guthaben, das ihm einige Verbrechen gegen die Natur erlaubt, wofür er dann aber andere unterlassen muss. Kaufe ich mir einen neuen Fernseher, oder fliege ich lieber auf die Malediven?

Also, ein bisschen die Umwelt kaputt machen ist OK, aber – nehme ich mal an – natürlich nur in dem Maß, wie Sebastian das macht? Feine Idee. Pisser. Immer das Gleiche.

Aufstocken kann man dieses Guthaben nicht mit Geld, sondern nur, indem man etwas dafür tut. Den Wald vor der Haustür von Müll befreien zum Beispiel.

Im Wald vor meiner Haustür ist kein Müll. Wir sind hier in Bayern.

Ich weiß, jetzt kommen die Christian Lindners und sonstigen Freihandelsphilosophen und protestieren, natürlich.

Mit Freihandel hat all das absolut überhaupt nichts zu tun, nur so von einem Freihandelsphilosophen zu einem ungebildeten, totalitären Möchtegern-Diktator.

Ich will ja auch in keinem Staat leben, der überall Verbotsschilder aufstellt und den Menschen vorschreibt, was sie zu tun haben.

Echt jetzt? Das wirkte bisher anders.

Es geht mir aber um das, was sie schlicht nicht tun dürfen, wenn hier auch in 1.000 Jahren noch jemand leben können soll.

Ich habe irgendwie das Gefühl, dass er damit nicht meint, dass wir keine Botswanischen Wirtschaftsflüchtlinge aufnehmen sollten.

Wer sich nicht jeden Herbst ein neues Handy kaufen darf, benutzt eben weiter sein altes.

Tjo, und wenn das Handy kaputt gegangen ist, dann züchtet man eben Brieftauben. Wie damals in der DDR. Gott, muss das schön gewesen sein.

Und wer auf seine Kaffeekapseln verzichten muss, mahlt den Kaffee halt selbst. Na und?

Und wirft jedes Jahr 1,7 von zwei Kilo Kaffee weg. Sehr nachhaltig. Und ne, wirklich guten Kaffee gibt’s nur in Kilopacken, und da braucht man mindestens normalen und welchen für Espresso. Und natürlich zwei Kaffeemaschinen, ist sicher auch total nachhaltig.

Was wir als Konsumfreiheit bezeichnen, ist in Wahrheit oft nur als Recht getarnte Bequemlichkeit.

Hä?

Konsumverbote beschränken die Freiheit zu konsumieren, nicht die politische. Die wird nämlich nicht im Apple Store verteidigt.

Sammal, geht’s noch? Politische Freiheit? Fick dich doch! Es geht um persönliche Freiheit, du widerlicher… boah, aber schön, dass ich meine politische Freiheit behalten darf. Dann kann ich nämlich eine Partei wählen, die für Leute wie dich Umerziehungslager baut. Sammal.

Dass weniger Konsum funktionieren kann, ohne dass dadurch die Wirtschaft zusammenbricht, davon sind eine Menge kluger Leute überzeugt. Der britische Ökonom Tim Jackson etwa, der mit Wohlstand ohne Wachstum eine Art Standardwerk zum Thema vorgelegt hat und unter anderem stark verringerte Arbeitszeiten vorschlägt.

Joah, und das wäre auch eine gute Idee gewesen, da in den 70ern mal drüber nachzudenken. Das Problem ist, dass weder unser Geld- und vor allem nicht unser Rentensystem so funktionieren. Kann man immer noch, aber ich bin sehr, sehr sicher, dass Sebastian einer derer ist, die am lautesten schreien, wenn man es anders macht.

Was sollte das auch für eine Welt sein, wo es nur läuft, wenn wir möglichst viel kaufen und verbrauchen?

Das nun wieder ist Unsinn. Die Systeme sind auf Fortschritt und Wachstum ausgerichtet, weil die Menschheitsgeschichte von – naaaaaa – Fortschritt und Wachstum geprägt ist. Was Sebastian und seine Freunde bei den Grünen aber machen ist das, was in Amerika als “regressive left” bezeichnet wird: Rückschritt. Windrädchen und Wasserkraftwerke sind kein Fortschritt, sondern Technologie aus dem finsteren Mittelalter. Krieg im mittleren Osten ist Politik aus dem finsteren Mittelalter. Kein Fleisch essen ist finsteres Mittelalter. Nicht Auto fahren ist finsteres Mittelalter.

Ich weiß nicht, wann es mich das letzte Mal mehr als ein paar Augenblicke lang glücklich gemacht hat, etwas gekauft zu haben.

Es ist nicht Sinn von “was kaufen”, “glücklich” zu sein. Der Sinn von “was kaufen” ist “was haben”. Glücklich kann ein Nebeneffekt des Habens sein, zum Beispiel kann man Glücklich sein, weil man sich mit einer P226 sicher fühlt, oder weil die Sexsklavin toll blasen kann. Aber dieses Glück steht mir ja nicht zu, weil wir eine Gesellschaft spaßverdrossener Spießer sind, regiert von einer angeblichen Elite mit Angst vor dem gesamten Volk, obwohl das zu immer größeren Teilen aus unglücklichen, mit sich selbst unzufriedenen Idioten zu bestehen scheint, die alle auf ihr persönliches Level des Unglücks runterziehen wollen.

Meistens geht es mir dabei wie in der Kantine, wenn ich mich trotz guter Vorsätze am Ende doch für die Currywurst entschieden habe und danach denke: Puh, hätte nicht sein müssen.

Wenn du keine Currywurst magst, iss was anderes. Wenn dich essen nicht glücklich macht, hör auf zu essen – ich meine, das hat auch Konsequenzen, aber die stören in deinem Fall wirklich nur sehr, sehr wenige Menschen.

In einer Welt mit vielen Verboten müssten wir uns keine Gedanken mehr darüber machen, ob das, was wir tun, der Umwelt oder unseren Mitmenschen schadet.

Aber sehr viel mehr Gedanken darüber, ob wir die Tyrannen stürzen.

Kein schlechtes Gewissen ertragen, wenn ein Fahrradfahrer mit Jutebeutel an uns vorbeiradelt.

Wtf?

Wir wären plötzlich viel freier.

Zum etwa zehnten Mal: Eine Einschränkung von Freiheiten ist keine Steigerung von Freiheiten, du Vollhorst. Aber gut, ich löse Dein Problem – wir können gerne verbieten, dass Leute öffentlich über ihr schlechtes Gewissen reden, wenn sie etwas gegessen haben oder andere Menschen sehen. Früher gab es mal so eine Konvention, die nannte sich “Anstand”, oder auch nur normales Sozialverhalten, und man hat Leute, die solche Probleme hatten, in die Klapsmühle gesteckt. Heute erwartet man, dass die da selbst hingehen. Mach das doch mal, Sebastian, löst ganz sicher viele deiner Probleme.

In Wirklichkeit sehne ich, sehnen wir uns nach dem Mann, der im Supermarkt neben uns tritt und sagt: Plastiksalat mit Plastikgabel? Das stellen Sie mal schön wieder ins Regal. Und dann schaut er uns sehr böse an.

Ne, ganz ehrlich, sprich da mal schön für dich alleine. Ich sehne mich derweil weiter nach der Seksklavin, die mir einen bläst. Zumindest, bis meine Frau von der Arbeit kommt.