Red Bull macht fette Ärsche

Da erlaubt sich doch tatsächlich so ein Typ, der im Leben nichts vorzuweisen hat – außer im Weltraum gewesen zu sein und mit einem Fallschirm zurück auf die Erde zu springen, was aber ja nun wirklich jeder kann – eine emanzipierte, starke junge Frau zu kritisieren, weil sie sich gegen Menschenhandel einsetzt.

Also, so in etwa, eigentlich lief das mehr so ab:

Die Firma Palmers, die ausschließlich Unterwäsche für Frauen mit kleinen Brüsten herstellt, hat für eine Werbung sechs Frauen – ach Gott, das sieht so aus; im Gegensatz zu Feministen haben meine Leser selbst Augen:

Naja, die Firma Palmers besteht offenbar nur aus wiederlichen patriarchalen Sexisten, sonst hätten sie es ja nicht geschafft, zum größten Miederwarenhersteller der Landes zu werden. Und deswegen muss man sie kritisieren – selbstbewusst, stark und objektiv:

da ist man mal ein paar Tage offline und kehrt in eine Welt zurück, in der ein Unterwäschehersteller mit der Ästhetik eines Mädchenhändler-Tatorts wirbt.

So, an der Stelle steige ich leider aus. Ein “Mädchenhändler-Tatort” hat ja nun eher diese Ästhetik:

… und das ist ja rein kameratechnisch schon ein riesiger Unterschied, allein die Tiefenunschärfe fällt auf, und natürlich die Schärfe der Protagonisten – aber gut, ich bin nicht der Danisch.

Oder reden wir jetzt von echtem Menschenhandel? Das sieht so aus:

(Hinweis: das ist keine seriöse Quelle, aber ich bin ja auch kein so starker, seriöser und selbstbewusster Journalist wie Frau Milborn, die keine Quellen nötig hat, daher hier der Hinweis, dass das wahrscheinlich Bilder einer (harmlosen) Prozession zum Ashura-Fest sind)

Naja, soviel zum Unsinn als “Auslöser” dessen, was da kam. Der Herr Baumgartner hat dann gekontert: “Ich finde die Mädls weltklasse und springe da gern mal zwischen rein, auch ohne Fallschirm!” Er verband seine Äußerung mit einer abfälligen Bemerkung über die Figur der Moderatorin”.

Moment, liebe Lügenpresse, das stimmt so nicht. Der Felix schreibt:

Schön wenn sich Zuhause wieder einige sogar zu Ostern aufregen! Allen voran Puls-4-Infochefin und -Moderatorin Corinna Milborn, bei der Figur auch kein Wunder!

Das ist keine abfällige Bemerkung über die Figur der starken, selbstbewussten Frau Milborn, da ist nämlich überhaupt keine qualifizierte Bewertung der Figur dabei. Die kann man sich natürlich denken, wenn man die Figur von der Frau Milborn kennt, aber das liegt dann halt im Auge des Betrachters (oder außerhalb, je nachdem, wie gut der Weitwinkel des Fotografen war).

Aber es wird noch dümmer – Frau Milborn ist sich als gute Feministin und Kämpferin für das einzig gute, wahre und richtige Fett nicht zu dumm, da noch weiterzumachen:

Sie [Felix B.] haben mich in einem Facebook-Posting erwähnt, weil ich das Werbefoto eines Unterwäscheherstellers kritisiert habe. Ich erkläre Ihnen gerne nochmal warum: Man sieht darauf Frauen, die kaum bekleidet auf einem schmutzigen Boden liegen und mit dem Gesicht gegen die Wand auf einen Haufen Dreck schauen.

Moment, ich muss nochmal hochscrollen, das war mir jetzt nicht so aufgefallen…

Ok, das stimmt schonmal nicht. Die Frauen liegen auf einem alten Teppich – das heißt nicht, dass der schmutzig ist, und vor allem ist es nicht der Boden. Weiterhin schauen sie mit dem Gesicht zu den Fenstern, wo Moos liegt. Moose sind kein Dreck, sondern ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems. Zudem schauen sich zumindest zwei der sechs Frauen offensichtlich gegenseitig an. Das kann ich verstehen, die sehen besser aus als der Haufen Moos.

Das erinnert mich an meine Recherchen zu Menschenhandel – nämlich an die Fotos, die Frauenhändler von ihren Opfern machen, um dem nächsten Abnehmer die “Ware” zu zeigen: Man sieht da Frauen, wenig oder nicht bekleidet, in Abbruchhäusern oder Kellern, oft von hinten fotografiert, damit man das Gesicht nicht erkennt und die Frauen nicht gefunden werden können.

Wer kauft denn bitte eine Frau, von der er nicht weiß, wie sie aussieht? Also – vielleicht wäre ich ja einfach kein guter Menschenhändler, aber auch abgesehen davon ist “Abbruchhäusern oder Kellern” etwas anderes als dieses lichtdurchflutete alte Herrschaftsanwesen.

Das ist eine Realität.

Wie mich dieser Poststrukturalismus ankotzt. Und dass die Leute es auch noch falsch machen: Das ist mirwegen eine Wirklichkeit (von mehreren möglichen), aber es ist keine Realität, solange das Leute anders sehen.

Und ich finde so eine Ästhetik sehr unpassend für eine Werbung für Unterwäsche zu Ostern.

Ich hoffe, dass sich Palmers dieser Kritik annimmt und die Models kommendes Jahr kreuzigt.

Sie sind aber nicht auf diese Kritik eingegangen, sondern haben behauptet, ich hätte das Sujet _wegen meiner eigenen Figur_ kritisiert.

An welcher Stelle hat der Felix das denn gemacht – also, jetzt außer in einer deiner “Realitäten”? Du hast angefangen, Werbung unsachlich (wie oben gezeigt) zu kritisieren, und daraufhin haben sich mehr Leute aufgeregt.

ps weil das unklar berichtet wurde: Ich habe nie etwas über die Frauen auf dem Sujet gesagt und schon gar nicht über ihre Körper, sondern das Setting kritisiert. Ich hab auch das Posting nicht gelöscht, sondern die Sichtbarkeit auf “nur Bekannte” gestellt – ich habe hier die Information einer TV-Sendergruppe zu leiten und kann mich nicht den ganzen Tag um die Kommentare kümmern.

Tja, das glauben wir dir mal blauäugig, weil es ja nun nicht mehr nachprüfbar ist, gell?

Nun hat Herr Baumgartner sich aber natürlich auch zum “Sujet” geäußert, nämlich insofern, als dass er da gerne wäre.

Aber komm, Corinna, es glaubt dir doch kein Mensch, dass dich die Frauen auf dem Bild nicht stören, wenn du selbst nur über die Frauen schreibst – und dass das bei deiner Figur niemanden wundert, ist nicht nur eine Wirklichkeit, sondern wirklich die Realität.

Was Sie da getan haben, ist nämlich sehr typisch. Sie haben nicht einen der Männer kritisiert, die das Sujet ebenso gesehen haben, sondern haben sich eine Frau herausgepickt.

Haben die auch eine eigene Fernsehsendung? Sind die auch Österreicher? Haben die angefangen? Fragen über Fragen…

Und Sie sind nicht auf den Inhalt eingegangen, sondern haben zusammenhanglos mein Aussehen, meinen Körper thematisiert.

Neid und Mißgunst sind ebenfalls Teil der Realität, und in einem deiner sechs Studienjahre solltest du schonmal von Occam’s Razor gehört haben. Es ist also keineswegs “zusammenhanglos”, nur weil das eine von Corinnas “Realitäten” ist.

Das passiert Frauen dauernd, und es trifft alle: Zu hübsch um ernst genommen zu werden

Das passiert Corinna öfters? Ich war ja gerade beim Augenarzt und habe jetzt eine Brille. Vielleicht sollten das mehr Leute machen…

zu blond um gescheit zu sein

Ich kenne unter anderem eine blonde Molekularbiologin, eine Pharmazeutin und eine Kindergärtnerin. Wenn ich jetzt nur Leute wie Corinna kennen würde, wäre das Klischee aber schon naheliegend.

zu sexy oder zu unweiblich, zu stark geschminkt oder zu hässlich, zu dünn oder zu dick, zu alt oder zu dunkelhäutig

In dem Satz fehlt das wozu. Schön, wenn das jemand nicht merkt, dann kannst du danach wieder behaupten, du hättest das gar nicht so gemeint.

oder mit der falschen Figur um eine Meinung zu äußern – was, mit Verlaub, wirklich zum deppertsten gehört

Ich habe oben dargelegt, dass deine Meinung dumm ist, ohne deine Figur zu bemühen. Ich habe dann auch dargelegt, wieso deine Figur eine Erklärung für das Zustandekommen einer solch dummen Meinung sein kann. Niemand findet, dass du die falsche Figur hast, um dumme Meinungen zu äußern. Und dass du keine intelligente Meinung hast, liegt ebenfalls nicht an deiner Figur.

Ich will nicht, dass Ihr Facebook-Posting – mit dieser Reichweite – dazu führt, dass irgendeine Frau da draußen das Gefühl hat, sie müsse sich erst irgendwelchen Schönheitsvorstellungen von Leuten wie Ihnen beugen, bevor sie in der Öffentlichkeit den Mund aufmacht.

Ich bin mir recht sicher, dass das keiner will. Es wäre aber schön, wenn Frauen, die nur Unsinn von sich geben, ruhig wären. Das gilt natürlich auch für Männer, aber die bekommen halt nicht nur wegen ihres Aussehens eine Fernsehsendung (oder weil sie sich hochgeschlafen haben, oder weil es eine Frauenquote gibt, oder warum auch immer Puls4 Corinna engagiert hat).

Deshalb möchte ich das gerne mit Ihnen besprechen. Ich möchte Sie einladen in meine Sendung “Pro und Contra” auf PULS 4, um mit Ihnen über Ihr Frauenbild und die Auswirkungen zu diskutieren.

Was ist denn Felix Frauenbild? Dass er attraktive junge Frauen sexy findet? Dazu braucht man nicht unbedingt einen Extremsportler, das kannst du auch den Typen fragen, der die Kamera hält. Ich wüsste nur nicht, welchen Mehrwert das haben sollte, und welche Auswirkungen das Frauenbild eines Kamermanns haben sollte – und vor allem auf wen – aber hey, immer schön kryptisch bleiben, dann kann man besser behaupten, man hätte das ja gar nicht so gemeint.

 Sie sind ja schon aus dem All gesprungen, Sie sind also sicher nicht zu feig dafür – oder, um es in Ihrer Sprache zu sagen: Sie haben doch sicher die Eier, sich der Diskussion zu stellen.

Eine halbe Seite weiter und Mrs. unsachliche Bemerkungen über meinen Körper macht unsachliche Bemerkungen über anderer Leute Sexualität. Ich bin auch sicher, dass der Herr Baumgartner nichts besseres zu tun hat, als mit Corinna in ihrer Nischensendung zu reden. Also, Unterwäsche-Models bumsen, oder so. Und ihn das total in seiner Männlichkeit verletzt und er jetzt in die Sendung gehen wird, weil er die Publicity braucht und Hubschrauberpilot sowieso so ein öder, unangesehener Job ist.

Sexistische Werbung à la @pinkstinks

Der Doktorant hat ein Video gemacht. Nun ist das per se kein Aufhänger, aber der Doktorant spricht in dem Video über Pinkstinks; das sind die, die Barbiepuppen nicht mögen, weil die sexistisch seien und so.

Nun habe ich das Video vom Doktorant noch nicht gesehen, weil ich (endlich mal wieder) im Schwimmbad war. Aber ich habe, während meine Frau massieren war, Twitter durchgescrollt. Und Pinkstinks (weitestgehend eine Genderdoktor*ine namens “Stevie”) sind sich nicht nur zu doof,  ihren blödsinnigen Aktionismus zu verbreiten, sondern so doof, einen Zeitungsartikel als das “perfekte Forum” auszugeben, um ihr Anliegen zu diskutieren.

Dummerweise (für den Autoren) gibt es darunter eine nicht-gesperrte Kommentarfunktion, und man ist sich da ziemlich einig, dass der Artikel eines gewissen Nils Pickert absoluter Bullshit ist. Nils Pickert hat man übrigens schonmal gehört, das ist der Typ, der seinen fünfjährigen Sohn zu einer Tunte erzogen hat und “deswegen” jetzt auch Röcke trägt. Nils kommt übrigens aus Berlin, nur falls das jemand noch nicht dachte.

Naja, der Artikel von Nils in der Zeit scheint ja die ultimative Rechtfertigung für die Anliegen von Pinkstinks zu sein, also gehen wir ihm doch mal unter den Rock:

Alle regen sich auf über das geplante Verbot von Sexismus in der Werbung.

Das ist schonmal falsch: Nils, Pinkstinks und Heiko Maas finden das super. Da fehlt mindestens ein “vernünftigen Menschen” zwischen “alle” und “regen”. Zudem ist mies der Satzbau.

Dabei würde es weder Nacktheit verbieten noch die Meinungsfreiheit bedrohen.

Das Verbot würde die Meinungsfreiheit natürlich nicht bedrohen, es würde sie effektiv einschränken. Was unsäglicherweise nach unserem Grundgesetz legal sein kann, was übrigens Nils einziger Punkt ist, der nicht kompletter Unsinn ist. Aber langsam, das war nur die Überschrift.

Kritik an einem solchen Verbotsvorstoß ist selbstverständlich legitim.

Schön. Ich nehme an, dass dir es nicht sonderlich passt, dass Kritik an feministischem Unsinn noch nicht verboten ist, oder warum schreibst du das sonst hin?

Es ist sinnvoll nachzufragen, wie notwendig juristische Reglementierungen sind.

Nein, es ist notwendig, zu begründen, warum Einschränkungen grundgesetzlicher Rechte wichtiger sind als die grundlegenden Menschenrechte. Also, jetzt so im Hinblick auf Legitimität.

Aber die meisten Einwürfe waren nicht sachdienlich. Sie sprachen von Sex, wo Sexismus gemeint war,

[citation needed]

verwechselten Nacktheit mit Diskriminierung

Wer? Die Leute, die nackte Frauen in der Werbung als diskriminiert bezeichnen, obwohl die das freiwillig machen und dafür auch gar nicht so schlecht bezahlt werden?

und wollten Werbung deckungsgleich mit freier Meinungsäußerung verstanden wissen.

Nein, Werbung so zu machen, wie man sie will, ist nur ein Aspekt freier Meinungsäußerung. Diesen Aspekt anzugreifen ist dennoch ein Angriff auf die Meinungsfreiheit. Ich bin sicher, dass man das ganz toll mit so mathematischen Gleichungs- und Mengenzeichen ausdrücken kann.

Offensichtlich herrscht bei einem Thema Klärungsbedarf, das selbst einen Bundesrichter dazu veranlasst, seine prinzenhaft schwülen Stewardessenfantasien zu offenbaren.

Wie mich das ankotzt, wenn Leute dadurch intellektuell zu wirken versuchen, indem sie einen Thesaurus verwenden. “Schwül” hat tatsächlich eine Wortbedeutung “erotisierend”, aber das hat so noch nichtmal Shakespeare verwendet.

Herrn Fischers “Stewardessenfantasien” beziehen sich übrigens auf (polemisch erwähnte) “liebesglühende Stewardessen“, was so, per se, keine sonderlich erotische Schilderung ist, und mehr schreibt Herr Fischer nicht. Zudem ist es keine Fantasie, wenn Air Berlin für die “liebesglühenden” Stewardessen nichtmal mehr Zimmer zu buchen braucht, weil die ja eh in anderen Betten schlafen. Was Nils nicht erwähnt ist, dass Herr Fischer das Thema übrigens auch klärt – es wäre ein grundrechtswidriger Eingriff in die Meinungsfreiheit.

Aber was weiß schon ein BGH-Richter, hören wir lieber, was Nils zu sagen hat (tl;dr: nichts):

Nur wenn sich alle Beteiligten darüber im Klaren sind, um was für Inhalte es sich handelt, können sie auch bewertet werden.

Na, dann mal los!

Zur Erinnerung: Es geht um Sexismus in kommerzieller Werbung und damit um die auf das Geschlecht bezogene Diskriminierung von Menschen innerhalb einer marktkonformen Produktinformation.

Diskriminierung ist eine rein kategorische Benachteiligung von Personen aufgrund einer (meist negativen) Beurteilung. Was Werbung mit Produktinformation zu tun haben soll, weiß ich nicht. Werbung ist die Beeinflussung von verhaltensrelevanten Einstellungen durch Kommunikationsmittel. Ich bin gespannt.

Es soll weder Nacktheit verboten, noch die allgemeine Meinungsfreiheit eingeschränkt werden.

Ein auch noch so kleiner Teil der Meinungsfreiheit ist immer noch ein Teil der allgemeinen Meinungsfreiheit, du widerlicher Lügner.

Denn zum einen ist die Darstellung von Nacktheit, auch von sexualisierter Nacktheit, nicht zwingend diskriminierend.

Eigentlich ist die Darstellung von irgendwas gar nicht diskriminierend, da Diskriminierung per Definition eine Benachteiligung erfordert.

Zum anderen hat der Staat […] niemandem Vorschriften darüber zu machen, was er oder sie beim Anblick von nackten Brüsten zu denken hat.

Dem stimme ich zu, und selbst wenn der Staat das wollte, würde es nicht funktionieren. Wenn es funktionieren würde, bräuchte man in totalitären Staaten nicht so verdammt viele Vernichtungslager.

Er hat auch nicht festzulegen, wie Werbetreibende Produkte bewerben.

Wir merken uns das.

Er kann und sollte jedoch regulieren, mit welchen Bildern und Slogans die Kaufentscheidung mündiger Verbraucher nicht beeinflusst werden darf.

Ah. Was jetzt? Darf er es nicht, oder kann und sollte er? Lieber Nils, sei doch wenigstens ehrlich und sag, dass du findest, dass der Staat auf das Grundgesetz scheißen kann und sollte. Ist doch nur Papier.

Genau das tut er bereits.

Leider. Macht es nicht besser. Nennt man “Slippery Slope”.

Werbung darf Ihnen nicht erzählen, dass eine spezielle Burgerbraterei besser ist als eine andere.

Suggerieren darf man es allerdings; nur explizit sagen darf man es nicht. Was ich für Bullshit halte, aber dafür gibt es einen Hauch von “Grund”: Es ist nicht nachweisbar, und damit evtl. eine falsche Tatsachenbehauptung. Falsche Tatsachenbehauptungen wollen die meisten Menschen nicht über sich hören – selbst dem Ruf von Nils Pickert wäre es eventuell noch abträglich, wenn man behaupten würde, er wäre ein nekrophiler Kinderleichenficker. Ich möchte das auch nicht über mich hören, weil ich kein nekrophiler Kinderleichenficker bin. Daher ist es begründbar und damit auch in Ordnung, solche Falschaussagen zu sanktionieren.

[Werbung] darf Ihnen nicht vormachen, dass Zigaretten unbedenklich für Ihre Gesundheit sind.

Doch, das durfte Werbung. Und zwar so lange, bis es nicht mehr durch den Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis tragbar war. Wie gesagt, unwahre Tatsachenbehauptungen zu sanktionieren ist nicht unbedingt schlecht.

Sie darf Alkohol nicht mit dem strahlenden Lächeln eines Kindes bebildern.

Echt nicht? Wer macht solche Vorschriften? Vor allem aber: Wer kauft Alkohol, weil dann Kinder strahlen? 

Und auf das Geschlecht bezogene Diskriminierung sollte sie mit Hinblick auf Artikel 3 des Grundgesetzes nach dem Vorschlag von Pinkstinks auch nicht vornehmen dürfen.

Artikel 3 des Grundgesetzes ist, wie übrigens das gesamte Grundgesetz, eine Sammlung von Rechten gegenüber dem Staat. Hey – ich habe überhaupt nichts dagegen, dem Staat zu verbieten, überhaupt irgendwelche Werbung zu machen. Auch mittels Sockenpuppen wie Pinkstinks. Aber das ist doch hoffentlich nicht Nils einziger Punkt?

Eigentlich wäre jetzt ein guter Zeitpunkt, um über die Verhältnismäßigkeit […] des Vorschlags zum gesetzlichen Verbot von Sexismus in der Werbung zu diskutieren

Der zitierte BGH-Richter fand es einen unverhältnismäßigen und grundgesetzwidrigen Eingriff in die Meinungsfreiheit. Ich auch. Gegenargumente habe ich noch keine gehört, von daher weiß ich nicht, worüber wir diskutieren wollen.

und etwaige Alternativen zu erwägen.

Hey, da habe ich eine: Man könnte es nicht verbieten.

Der deutsche Werberat könnte beispielsweise mit mehr Kompetenzen und Sanktionierungsmöglichkeiten ausgestattet werden.

Man könnte auch den deutschen Werberat wegen Verbrechen gegen die Menschheit vor dem internationalen Strafgerichtshof anklagen, verurteilen und hängen. Hey – wollten wir nicht Alternativen diskutieren?

Dann dürfte er zum Beispiel ein Fahrzeug aus dem Verkehr ziehen, das mit sexistischer Werbung dekoriert ist, sofern der Besitzer vorher schon dafür gerügt wurde.

Wie bei den Nazis – die haben kritische Leute auch nicht gleich ins KZ gesteckt; “nur”, wenn sie nicht aufgehört haben. Wollen wir das jetzt endlich diskutieren?

Stattdessen wirft man sich mit großer Geste in ein Scheingefecht zum Schutz der Meinungsfreiheit

Wo ist denn da ein Scheingefecht? Ihr wollt ganz explizit die Meinungsfreiheit einschränken, und zwar ohne jeglichen Grund.

Doch die Freiheit, bei entsprechendem Produktbezug mit Nacktheit zu werben, steht gar nicht auf dem Spiel.

Wir merken uns das mal: Ein entsprechend illustriertes Plakat “dicke Titten und glattrasierte, feuchte Muschis” ist für einen Puff in Ordnung.

Vielmehr wird stellvertretend für diese Freiheit die diskriminierende Zumutung verteidigt, jedes nur erdenkliche Produkt mit der Suggestion permanenter Verfügbarkeit von Frauen aufzuwerten.

Ah – endlich ein “Argument”. Das zerbricht leider an Nils tollen, eigenen Beispielen – Suggestionen sind niemals verboten; man denke da nur an die “wahrscheinlich längste Praline der Welt” – das sind sogar zwei Suggestionen, nämlich die Suggestion “längste” und die Suggestion “Praline”. Es geht also ganz und alleine darum, die Suggestion permanenter Verfügbarkeit von Frauen zu verbieten, wenn damit das Produkt aufgewertet wird. Was einen Präzedenzfall der Einschränkung der freien Meinungsäußerung darstellen würde.

Und – äh – das beißt sich mit der Puff-Werbung, oder? Ich meine, da sind Frauen doch permanent verfügbar – meine Güte, das ist das Produkt. Ich habe das Gefühl, Nils gräbt sich da gerade sein eigenes Grab an Widersprüchen.

[irgendwer] spricht sie sich tatsächlich dafür aus, dass ein Hersteller für Tierfuttermittel seinen Slogan “Frischfleisch … gibt’s bei uns” mit der Abbildung einer Frau in Dessous kombinieren kann.

Das wäre natürlich nur in Ordnung, wenn die Frau das Produkt wäre, nicht etwa Tierfuttermittel. Werbung mit einer Frau, die sich eine Salami in die Muschi steckt, ist für einen Puff in Ordnung, für einen Salamihersteller nicht. Was machen wir mit einer Metzgerei mit angeschlossenem Puff? “Geile, harte Würste für geile, harte Spritzer” mit obiger Illustration? Shit, wird das schwierig.

[Damit] verschließt sie die Augen vor der Wirklichkeit systematischer Diskriminierung von Frauen.

Das Wort, was dir deine Rechtschreibprüfung korrigiert hat, heißt “systemisch”, nicht “systematisch”, aber das ist egal; ausgedachter Unsinn ist kein Argument. Und nein, ich muss nicht mehr machen als das Gegenteil zu behaupten, Nils macht auch nicht mehr.

Sexismus war und ist ein konstituierender Bestandteil unserer Gesellschaft

Sexismus war vor 100 Jahren noch nicht mal ein Wort. Unsere Gesellschaft ist älter. Bullshit.

Ironischerweise ist gerade er es, der einen Angriff auf die Freizügigkeit darstellt, die es wertzuschätzen gilt.

Außer natürlich, man bewirbt Würstchen. Nils ist offenbar würstchenphob und würstchendiskriminierend.

[Sexismus] sorgt unter anderem dafür, dass das Recht darauf, den Preis für ein Produkt zusammenhangslos auf den nackten Rücken einer Frau zu schreiben, um so ihre Käuflichkeit zu suggerieren

Ich würde das jetzt eher auf die Titten schreiben, aber gut…

vehementer verteidigt wird als das Recht darauf, Miniröcke und Hotpants zu tragen

Ich finde, dass jede Frau Miniröcke tragen dürfen sollte, vorausgesetzt, sie ist schlank und sexy, also, wenn sie aussieht wie Frauen aus der Werbung. Der einzige, der schlanken, sexy Frauen etwas verbieten will, ist Nils. Nämlich mit einem auf den Schambereich geschriebenen Preis Werbung für Würstchen zu machen.

Das heißt, wir verteidigen lieber Sexismus statt das Recht der Frauen, anziehen zu dürfen, was sie wollen.

Wer ist “wir”? Aber ja, ich verteidige lieber das Recht auf Salamiwerbung als das Recht, Hotpants tragen zu dürfen. Ich verteidige auch das Recht, Salamiwerbung mit Frauen in Hotpants zu machen lieber als das Recht auf Hotpants, ich muss die Salami ja dann nicht kaufen, das behebt der Markt von alleine. Die Hotpants leider nicht.

In den Gedanken der Menschen bleibt Sexismus immer frei.

Eine Hoffmann von Fallersleben – Anspielung. Uns bekannt durch Sophie Scholl, Kämpferin gegen totalitäres Gedankengut.

In ihren Äußerungen lässt er sich auch nicht einhegen

Was zum Teufel ist “Einhegen” für ein Wort? Ah, ein linksgrünfaschistischer Kampfbegriff. Oder halt wieder aus dem Thesaurus, wenn man dumm ist wie ein Baum oder Joschka Fischer, dann nimmt man halt forstwirtschaftliche Wörter. Fein. Arsch. Davon geht aber der totalitäre Gedanke hinter alledem nicht weg:

In der Werbung ließe er sich jedoch juristisch stellen und als das demaskieren, was er ist: eine unzulässige Diskriminierung. Damit wären längst nicht alle Probleme gelöst, die Sexismus bereitet. Aber es wäre ein guter Anfang.


Halten wir mal fest: Nils und Pinkstinks haben keinerlei Argumente außerhalb der angeblichen Gutheit ihres (keine existente Probleme lösenden, faschistioiden) Gedankenguts. Keine. Absolut keine. Und solchen Leuten hört jemand zu. Der Justizminister. Das regt mich auf.

So, jetzt schaue ich noch das Video und streichle meine Katzen:

chili