AfD, Grüne und Hexenverbrennungen

“Skandal-Rede im Landtag: Das sagte der AfD-Politiker”, zeigt mir mein GNews auf Focus.de an und ich bin schon verlockt, einen Post “Exklusiv – Der skandalöse Teil der Rede des AfD-Schlechtmenschen Podeswa” zu titeln und ihn ohne Inhalt abzuschicken (und ohne den ursprünglichen Artikel zu lesen). Doch noch während mein Notebook hochfährt sehe ich, dass Stefan Niggemeier das schon gemacht hat – nur halt mit komplett überflüssig viel Text.

Da ich aber nun den angeblich “skandalösen” Teil kenne, muss man da doch ein bisschen nachdenken – so soll es eine Grünen-Abgeordnete namens Martina Braun “wirklich unglaublich” finden, dass man durch Hexenverbrennungen die Umwelt retten könne.

Derweil ist sie doch bei den Grünen, was sie zwar nicht kategorisch als Hexe im Sinne des von Podeswa bemühten Hexenhammers qualifiziert – dafür müsste sie schließlich ausgesprochene Feministin sein (ich hatte das hier erläutert), aber tun wir mal so:

Frau Braun ist 1960 geboren und wiegt meinem Eindruck nach gute 100 Kilo. Gehen wir davon aus, dass das 50% Masseanteil Wasser sind und 40% Fett. Gehen wir zudem davon aus, dass der Rest Knochen sind – so grob kommt das hin.

So, wenn wir jetzt die Hexe verbrennen wollen – rein theoretisch, natürlich, wir machen hier ja nur einen “Faktencheck” – brauchen wir leider den Brennwert von Knochen. Darüber wird hier diskutiert, mit dem Fazit, dass man für ein Krematorium mindestens 850°C erreichen muss, damit Menschen auch nur halbwegs ordentlich verbrennen – und dann bleiben da immer noch 2 Kilo übrig. Und schon dafür braucht man relativ viel Energie, und wir wollen ja die Umwelt schonen, also bauen wir halt einen traditionellen Scheiterhaufen und lassen die Knochen übrigbleiben.

Dann verbrennen wir im Endeffekt nur die 40 Kilo Fett, Wasser brennt ja nun nicht so toll.

Da wir in der Schule gelernt haben, dass CO2 der Klimakiller schlechthin ist und wir ja genau deswegen so verdammt viele Steuern auf alles, was CO2 produziert, zahlen sollen, nehmen wir mal das CO2 als Maßstab.

Das wären für organische Fette 2,3 kg CO2 / Liter, bei ~0,94 kg/l also

2,3kg CO2 / l * 0,94 kg/l *40 kg = 86,5 kg CO2, wenn man die Hexe verbrennen würde.

Wenn man das den mindestens 168 kg CO2 pro Jahr, die die Dame ausatmet, wenn man sie denn nicht verbrennt, gegenüberstellt, muss man feststellen, dass das mit den Hexenverbrennungen doch durchaus umweltfreundlich wäre – oder? Freilich, der Scheiterhaufen braucht auch Holz, aber das muss man dann ja im kommenden Winter nicht mehr zum Heizen ihrer Wohnung verbrennen, also lassen wir so Nebensächlichkeiten halt mal weg – es wird soweiso nur ungünstiger für die Hexen.

Denn natürlich kann man das aber so noch nicht stehen lassen – wie uns das Finanzministerium (ja, das Finanzministerium) informiert, hat die 57jährige Hexe noch gut 28 Jahre zu leben. Das macht also 28 Jahre * 168kg Atem-CO2 p.a. = 4.704 kg CO2. Im Vergleich dazu entstehen bei der Verbrennung nur die oben berechneten 86,5kg – das sind mehr als 98,1% CO2-Einsparung.

Unglaublich, dass der Herr Podeswa sowas als promovierter Physiker nicht klarstellt. Noch schlimmer ist aber, dass die angeblich so umweltfreunlichen Grünen solche enorm umweltschonenden Debattenbeiträge skandalisieren. Man könnte fast meinen, das wären nur verlogene Heuchler.

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Doğum günün kutlu olsun, Mr. President

Ich hatte ja nicht weiter vor, mich zu der Türkei-Geschichte zu äußern, wie ich z.B. hier geschrieben habe. Mit dem ganzen Dreck, mit dem man aber jetzt konfrontiert ist, kann ich nicht mehr anders.

Das fing heute morgen bei Fefe an:

Ein österreichischer Wahlbeobachter sagt, bis zu 2,5 Millionen Stimmen im Türkei-Referendum könnten manipuliert worden sein.

Nun geht es hier um OSZE-Wahlbeobachter, die ich ja als blonder, blauäugiger, anständiger Mensch als neutrale, um Objektivität bemühte Berichterstatter im Kopf hatte – also, bis sie sich weigerten, zu der Krim-Abstimmung auch nur hinzugehen, um danach besser (wenngleich uninformiert) lamentieren zu können.

Aber gut, soooo schlimm werden OSZE-Wahlbeobachter doch nicht sein, vor allem nicht solche, die eine “ihre Leserschaft in Medienkompetenz schulen wollende” Autorität, wie Fefe sich selbst darstellt, zitierfähig finden?

Tjo, der “österreichische Wahlbeobachter” heißt Alev Korun, und ist erstmal kein Wahlbeobachter, sondern eine Frau (aber gut, das hätte ich jetzt vom Namen auch nicht erraten, aber ich bin auch nicht Fefe und blogge jeden Dreck, ohne irgendwas dazu zu recherchieren oder die von mir angegebenen Quellen zu lesen).

Nun wäre es natürlich dumm und rein sexistisch, Wahlbeobachterinnen als grundsätzlich schlechter als Wahlbeobachter darzustellen, aber da es hier nur um Alev Korun geht, ist das ziemlich schnuppe: Alev Korun ist eine Grünen-Politikerin, und die ist bzgl. Erdogan – naja, sagen wir mal, voreingenommen:

Nun müssen wir Frau Korun fairerweise zugutehalten, dass sie die Situation in der Türkei wenigstens so zusammenfasst, wie einem das dort jeder Türke erklärt:

Erdogans Stärke ist vor allem die Schwäche der Opposition.

… aber halt mit einem vollkommen anderen Fokus – Frau Korun tut so, als wäre die türkische Opposition eine echte Alternative für die Erdogan-wählenden Türken. Was die Türken, mit denen ich geredet habe, halt nicht so sehen. Ich habe in sechs Jahren wochenlangen Türkeiaufenthalten mit keinem Türken gesprochen, der Erdogan toll fand, aber mit einer Ausnahme wählten die ihn halt trotzdem – mangels Alternativen. Die Ausnahme war Kommunist, dazu muss ich jetzt nichts sagen. Warum die übrigen Türken das so sehen, lässt sich mit Frau Korun schön erklären:

Nachdem in der Türkei seit Jahren ein wilder Raubbau an der Natur betrieben wird, auf Erdbebenplatten Atomreaktoren und an den schönsten Küsten Kohlekraftwerke geplant sind, kämpfen die türkischen Grünen gegen Umweltzerstörung und Atomkraftwerke.

Ich bin etwa 1/4 der 8.300km türkischer Küste entlanggesegelt, und was da wirklich ästhetisch stört, sind Windrädchen. Fairerweise gibt es an der türkischen Ägäisküste so zuverlässig Wind, dass der einen (eher sogar zwei) Namen bekommen hat, weswegen sich die Windrädchen da sogar auch für nicht-Grüne als “Windkraftwerke” bezeichnen lassen, aber ein Kohlekraftwerk würde da dazwischen nun nicht sonderlich auffallen. Das ist keines der Probleme, die irgendein Türke hat.

Und das ist auch das Problem, was ich als Türke mit der Opposition hätte: Da gibt es nur die AKP-Kommunisten und totale Spinner, die die (in der Türkei eh schon unbezahlbaren) Spritpreise noch unbezahlbarer machen wollen. Obwohl sowieso jeder super-arme Bauer seinen LCD-Sat-TV mit einem Solarpanel betreibt, weil es keine zuverlässige (oder auch gar keine) Stromversorgung gibt.

Aber gut, soviel zur Weltfremdheit der Frau Korun, ihre nicht-Unvoreingenommenheit ist das eigentlich wichtige Thema. Die aber natürlich für andere linksgrüne, unter Terrorverdacht stehende “Journalisten” wie Bülent Mumay kein Grund ist, das mal zu hinterfragen, sondern noch einen draufzusetzen (mit freundlicher Unterstützung der FAZ):

Präsident Erdogan hat seinen Willen bekommen, weil er noch während des Spiels die Regeln änderte und 2,5 Millionen Stimmen ohne Stempel als Ja-Stimmen zählen ließ.

Wir rekapitulieren mal: Aus bis zu 2,5 Millionen potentiell manipulierten Stimmen einer super-gebiasten Quelle werden binnen 24 Stunden 2,5 Millionen Stimmen für Erdogan – eine Situation, bei der die politisch korrekte Linke sonst sehr schnell wäre, mal die Statistik anzuzweifeln.

Sorry – an der Stelle glaube ich euch halt kein Wort mehr, liebe Presse. Ich glaube natürlich nicht, dass die Türkei so 100%ig korrekt ist, wie das ein demokratischer Rechtsstaat sein sollte, aber ich weiß auch, dass das Deutschland auch nicht ist (hey, ich kann als kleiner Selbständiger kein Double Irish Sandwich nutzen – wie die großen Parteispender das tun). Die Vor- und Nachteile muss dann halt jeder für sich abwägen, und da werde ich den Türken nicht reinreden.

Auch nicht den 65%, bei denen die Integration ja – geht es nach den Linksgrünen – ach so gescheitert sei. Die, die das beklagen, sind nahezu deckungsgleich mit denen, die ebendiesen 65% zwei Pässe zugestanden haben. Und da kann – und muss ich, ich habe ja nun ein kleines bisschen Ahnung von Sozialwissenschaft und hier v.a. von Colemans Badewanne – nur individuell denken, und wenn ich in Land T für knalleharten Polizeistaat und in Land D für neokommunistisches Nichtstun stimmen könnte, und da jeweils damit durchkommen würde, würde ich das auch machen. Es kann natürlich nur eines funktionieren, aber das bessere könnte ich mir ja dann völlig frei im Nachhinein aussuchen.

Ich würde da jetzt eher auf Erdogan als auf Merkel wetten, aber ich bin da auch gebiast gegenüber türkischen Präsidenten, Herr Gül hat sehr nett Merhaba gesagt, als ich mit einem rosa Handtuch um die Hüften von der Dusche zu meinem Boot lief, währen ihm und seinem Tross von [türkisches Analogon zum Secret Service – ] Agenten die Marina in Çeşme gezeigt wurde.

Auf der anderen Seite sind ja selbst von der linken Presse gehasste Präsidenten mitunter charakterfreie Arschlöcher, die lieber ihre eigenen Vorlieben verraten, als sich wirklich mit der EU anzulegen, wenn es denn darauf ankommt – ich spreche hier vom Rauchverbot des (kettenrauchenden) tschechischen Präsidenten Zeman. Aber man sollte politische Entscheidungen grundsätzlich nicht den produktiven Leuten in den jeweiligen Ländern anlasten, die können nämlich immer am wenigsten dafür – und im Gegensatz zum Gros der Wähler noch was sinnvolles.