Das deutsche Wort für Gender

Die deutsche Sprache ist, so ganz grundsätzlich, mal ziemlich vollständig, v.A. verglichen mit Englisch. Freilich braucht man neue Wörter, aber halt nur, wenn man was neues erfindet – Rad, Schiff, Auto, Flugzeug, Computer, Internet, Handy. Das geht auch negativ: Marxismus, Faschismus, Genozid, Konzentrationslager, oder, aus dem Marxismus eingedeutsch, Gulag, Kosmonaut, Helikopter.

Freilich, bei der Übernahme (“eindeutschen”) von Wörtern kommen da ggf. Nuancen dazu oder es bedeutet was ganz anderes; Handy klingt ja nun englisch, isses aber nicht. Populistisch aus dem Lateinischen wird anders verwendet als demokratisch aus dem Griechischen, und gerade werden selbstfahrende Automobile viabel, eine Wortkonstruktion wie regnendes Regnen. Stellenweise wird das auch schwierig, wie wenn man mit Nancy nach Nancy fliegt.

Greundsätzlich aber braucht man nur neue Wörter, wenn es was neues gibt. Im (ersten) Wörterbuch der deutschen Sprache der Gebrüder Grimm findet sich zum Beispiel nur das Wort “Depp”, nicht aber das Wort “Volldepp”. Letzteres ist aber ein Kompositum, das ginge jetzt zu weit – wie offensichtlich seit den Brüdern Grimm die Deppenhaftigkeit mancher Leute. Komposita spezifizieren in der Regel; Haustür, Kühlschrank, Vernichtungslager. Es gibt im Deutschen für alles, was existiert, ein Wort. Ihr kennt es nur vielleicht nicht.

Ich weiß nicht, ob Ihr wisst, was eine Miete ist; ich wusste das bis letzten Herbst auch nicht. Also nicht die Miete, die man in jungen Jahren für seine Wohnung zahlt, sondern die Miete, die man baut, wenn das Holzregal erst nach neun Wochen geliefert wird, weil wir im besten Deutschland aller Zeiten leben. Dafür gibt es ja Wörterbücher:

MIETE, f. regelmäszig geschichteter haufen

Es gibt für so ziemlich alles youtube-Videos, auch zum Bauen einer Holzmiete. Warum gibt es dafür ein Wort? Nun, weil Leute auch schon Holz stapeln wollten, bevor es Wörter wie “Edelstahl” oder “Schrauben” gab, und beliebig gestapelte Holzscheite fallen halt gerne mal um, wenn man einen Tischtennisball dagegen wirft. Freilich, die hatten damals zwar sicher Bälle; da gibt es ein lateinisches Wort, aber eher kein Tennis. Und Tische waren zum Essen da. Baut man eine Holzmiete, kann man da drauf rumhüpfen.

Egal – mein Punkt ist, wenn es etwas gibt, gibt es dafür auch ein deutsches Wort. Und seit neuestem gibt es im Duden auch das Wort “Gender”, das hat nämlich, wie “Helikopter”, seit den Brüdern Grimm jemand erfunden.

GENDER, das. Substantiv, Neutrum. Geschlechtsidentität des Menschen als soziale Kategorie

Was die Vertreter der Genderideologie (ja, Kompositakonstruktionen sind großartig) natürlich in die Bredouille bringt, dass sie erstmal erklären müssten, warum es dafür kein deutsches Wort gibt, wenn es sowas schon immer gegeben hat. Zudem ist dem entgegenzuhalten, dass es bei dieser Definition im Wörterbuch der Gebrüder Grimm eine ganze Menge zutreffender deutscher Wörter gibt: Blödsinn, Bockmist, Dummfug, Gefasel, Humbug, Käse, Kokolores, Krampf, Mist, Mumpitz, Nonsens, Papperlapapp, Pillepalle, Quark, Quatsch, Schmarrn, Schwachsinn, Stuss, Scheiße, Unfug, Unsinn, Wahnsinn, Wahnwitz.

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3 Replies to “Das deutsche Wort für Gender”

  1. Du bist sagenhaft aktuell! Gerade jetzt hat der WDR eine Umfrage in Auftrag gegeben, wie die Leute das Gendern finden und zwei Drittel antworteten mit den unten aufgelisteten Synonymen.
    Guckste hier: https://www1.wdr.de/nachrichten/gender-umfrage-infratest-dimap-100.html

    Der WDR windet sich und definiert das Wort flugs ein wenig um. Die schreiben doch ernsthaft das hier: “Fazit: Zwei Drittel der Befragten sind für die Doppelnennung in der Berichterstattung”.
    Fällt keinem auf, dass das ganz schön äußerst sehr furchtbar übertrieben ist, wenn die Option fehlt, dass man den Quatsch ganz bleiben lassen soll?

    Kellnerin: Monsieur, wennse keinen Hering nehmen, gibts Makrele.
    Gast: Igitt, Hering, aber…
    Kellnerin (schreit in die Küche): Der Gast will Makrele!

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