Reisetaschen – Denier

Wenn man sich ein Boot kauft, braucht man immer noch ein paar Kleinigkeiten. Und wenn man bei einem bestimmten Bootsladen damals einen Kunden geworben hat, bekam man da noch eine Reisetasche als Werbegeschenk. Quasi “kaufen Sie im Namen eines Freundes eine Schwimmweste, bekommen Sie eine Reisetasche gratis”.

Frielich, die war rot und hatte einen Werbeaufdruck, aber so findet man sie am Flughafen auch aus 200m Entfernung. Ist ein Reisetrolley, nix neo-moderner Hartschalen-Mist, der nach dem ersten Flug aussieht, als hätten ihn gar nicht so unterbezahlte Gepäckbandmitarbeiter hinten an das Flugzeug gebunden.

Und vor allem kein fester Trolley; das ist eh nur Pappe, und v.a. man will man den ja auch auf dem Boot oder im Keller platzsparend unterbringen. Nun gibt es den leider nicht mehr – es gibt zwar für 90€ ein neues Modell in groß, aber was will ich damit? 75 Liter reichten mir wie meiner Frau die letzten 11 Jahre, und so viel zugenommen haben wir seitdem auch nicht. Musste ich also rausfinden, was “600d Polyester mit einer Polyamid-Innenschicht” bedeutet, weil man das ja offensichtlich eine Dekade durch den Dreck schleifen und über 100mal an Flughäfen rund um den halben Globus werfen lassen kann, ohne dass es mehr als marginale optische Mängel bekommt.

Freilich, bei einer Tasche ist das Lager einer Rolle gebrochen, und jetzt halt bei der zweiten der Auszugsmechaismus des Teleskopgriffs, aber ich wollte wieder so eine Tasche. Und zwei gleiche; das irritiert mich sonst am Flughafen.

Das “d” steht für Denier, und damit ist das französische Denier gemeint, nicht das englische. Ist wie mit Nancy, der Teleshopping-Tusse, und Nancy, der Stadt in Frankreich. Ein Denier bezeichnet jemanden, der etwas leugnet (in Englisch), oder das Gewicht eine 9.000m langen Fadens in Gramm (im textilen Gewerbe).

Das ist eine unglaublich nützliche Angabe, die sich prima in Fadenstärke in klassischen chinesichen Jin pro wan Li umrechnen lässt. Ich finde dazu nichts, aber wenn ich raten müsste, hat der Erfinder wohl Seidenstrümpfe hergestellt. Die haben so 20-80d. Und reißen. Das skaliert nicht linear, weil – Physik, nehme ich an; 600d bekommt man schwer kaputt. LKW-Planen sind 500d, die sind aber mit Polyvinylchlorid beschichtet. Das sieht halt (a) scheiße aus und fühlt sich (b) scheiße an, geht aber (c) eher gar nicht kaputt.

Zwei Tage googlen später stellen wir fest, dass niemand mehr ordentliche Reisetrolleys aus 600d Polyester lieferbar hat. Freilich, es gibt schon irgendwelche, aber die sind unbedacht. Von der Outdoor-Firma Mammut gibt es zum Beispiel diese hier, aber da fehlt oben ein Tragegriff; dafür hat sie einen 270°-Reißverschluss. Die meisten haben einen mittigen Reißverschluss, das ist schlicht dämlich. Mal abgesehen davon, dass solche Sachen in eher Preise wie ein Straßenbahnticket in Zürich haben, wovon man sich in China eine ganze Straßenbahn kaufen könnte.

Dummerweise gibt es aber auch in China keine solche Reisetasche. Die Lösung kommt dann aber 1.000km weiter östlich aus Nagoya, Japan. Die ist zwar nicht aus 600d Polyester mit Polyamid-Innenschicht, sondern aus 1.680d Polyester (mit Polyamid-Innenschicht) – ich denke, selbst mit einem Flammenwerfer ist die schwer kaputtzukriegen.

Der Riesen-Vorteil ist, dass die einen einfachen (nicht: zweifachen) Teleskopstiel hat und auch die Rollen dafür gedacht sind, 50 Kilo Werkzeug über eine Baustelle zu fahren. Zudem sind die Reißverschlüsse und die Tragegurt-Karabiner aus Edelstahl (freilich, japanischem; aber ist besser als Kunststoff), und sie hat oben drauf einen Gummizug – laut einem YouTube-Review, um eine Kreißsägen-Führungsschiene mitzunehmen, aber sowas ist enorm praktisch, wenn man seinen Hoodie am Urlaubsziel nicht rumtragen will.

Das einzige Manko ist, dass die Tasche halt nicht Bosch-Blau ist, sondern Makita – ÄhFarbe. Aber man findet sie auf dem Gepäckband sicher prima. 53€ bei Amazon.

4 Replies to “Reisetaschen – Denier”

  1. Größten Dank für die Recherche und den wertvollen Tip. Ich werde mir das Ding auf jeden Fall mal anschauen und würde das ggf. sogar (Ideen muss man langfristig planen) für geschenkfähig für meine Frau halten.

    Ich hatte gerade ein eng verwandtes Problem, das ich der Not dann anders gelöst habe: Ein Umzug und unglaubliche Mengen von Büchern. Umzugskisten kannst du damit nich befüllen, weil die das nicht aushalten. Mischbefüllung ist immer Mist, weil du auch so hinterher schon nichts mehr wiederfindest. Daher habe ich in allen umliegenden Aldi-Filialen diese preiswerten Einfkaufstaschen aufgekauft, die aus eingeschmolzenen PE-Pfandflaschen hergestellt werden. Gabs in den aberneuerlichsten Farben von rosa bis schwarz. und kosteten vor etlichen Monaten noch 59 Cent. Bei 200 Stück (wer nicht rechnen kann) sind das 118 Euro, was einen nicht umbringt, vor allem, wenn man auf die anderen Umzugskosten schaut. Eine Tasche kann man perfekt mit der Menge Bücher füllen, wo man gerade so bequem 2 Taschen tragen kann, die Dinger halten super und die Tragehaltung ist auch perfekt. Vielleicht sind die deshalb jetzt auch nirgendwo mehr zu kriegen.
    Und weil die länger als son Pappekarton halten, hat meine Frau die anschließend wieder sorgwältig zusammengelegt und in insgesamt 3 (drei) Taschen veropackt, was echt kleinen Platz auf dem Dachboden stielt, bis sie zur nachhaltigen Zweit-, Dritt oder gar Viert-Verwendung wieder heruntergeholt werden.
    Ist’n ganz anderer Ansatz, ich weiß, aber ich wollte, dass diese Erfahrung nicht mit mir stirbt, wenn ich mal ins Grab gehoben werde.

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  2. Die Tasche ist da – perfekt für meine Frau. Die tendiert zuverlässig zu hochpreisigen Käufen, weil sie fest an die Korrelation von Preis und Qualität glaubt, was schon bei Schornsteinfege- und Impfpflicht sowie bei Poitikergehältern widerlegt…, aber lassen wir das.
    Also die Tasche ist Klasse. Und besonders gefällt mir die Angabe, dass sie batteriebetrieben mit 18 Volt ist, Lithium-Ionen Batterien erforderlich. Dafür gibts 0,01 Punkt Abzug, weil weder die beiden Rollen über einen Motor verfügen, noch Scheinwerfer und Rücklicht existieren oder ein Peilsender eingebaut ist. Ich habe nachgeguckt.

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    1. Jetzt musst Du nur noch zu Ikea, für 59 Cent so blaue Tüten für die Gartenabfälle kaufen ;).

      Meine Bücher habe ich zu 95% weggegeben; ich mag meine Brille nicht, und der Kindle kann “groß”.

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