Zur Effizienz von Masken

Gooooooottttt… ich hab mir bei Christian einen Masken-Befürworter eingefangen. Der findet, diese Studie hier (ist nicht Open-Source; ist aber nicht schlimm) zeige ja nun eindeutig, wie prima Masken seien.

Die zentrale Aussage des Artikels ist diese Grafik hier:

… die ja nun eigentlich schonmal zeigt, dass die Studie sich überhaupt nicht damit beschäftigt, wie gut Masken funktionieren, sondern vielmehr damit, wie (statitisch) “gut” die Studien sind, die das untersucht haben. Einer der Co-Autoren ist Nassim Taleb, der jetzt mal ex ante ganz weit von “Vollidiot” entfernt ist und tendenziell zu dem Dutzend Leuten auf dem Planeten gehört, von denen ich annehme, mindestens so viel Ahnung von Statistik zu haben wie ich.

Wenn Nassim also findet, dass eine Trennschärfe (“statistical power”) von 80% hinreichend ist, kann ich das zwar ein bisschen wenig finden, da ich genauso viele Statistik-Lehrbücher wie er geschrieben habe (keines), und ich kann auch kein R, von daher kann ich nicht nachvollziehen, wie die gepunktelten und gestrichelten Linien zustandekommen, weil die Autoren das wirklich, wirklich scheiße bis gar nicht beschreiben, aber ich kann freilich die Grafik lesen.

Die grundsätzliche Hypothese der Autoren ist nämlich eigentlich ganz vernüftig und lautet grob, dass die Frage, ob Masken was helfen, davon abhängt, ob sie Leute denn auch tragen. Jaaaaaa, das mag jetzt für Euch Laien nach einer Selbstverständlichkeit klingen, aber das findet Ihr auch bei Themen wie “dass Sachen runterfallen”. Alleine die NASA hat ein paar Dutzend Leute in die Luft gesprengt, bis das mal jemand im Weltraum ausprobieren konnte, und siehe da: da fällt überhaupt nix runter. Die Russen haben das auch ausprobiert, dafür haben sie halt Georgi, Vladislav und Viktor Vakuum-explodiert. Das ist Wissenschaft, da hat man ein enges Budget, und dann nimmt man halt lieber das Ventil für zehn Rubel als das für 20.

Zurück zum Thema: Also, die x-Achse (das ist die waagerechte. Horizontale. Also, die von links nach rechts. Links ist da, wo man mit Daumen und Zeigefinger ein “L” machen kann) zeigt hier, wie brav die Leute in der Studie ihre Masken auch wirklich getragen haben.

Die Skala ist logarithmisch, relativ weit links ist 10², das sind 100. Ob das jetzt 100 Äpfel, Birnen oder Prozent sind, steht nicht da, was meinen Lehrer in der sechsten Klassse furchtbar gestört hätte, aber ich will ja nicht reaktionär wirken, es ist schließlich das aktuelle Jahr. Ganz rechts is Null. Es gibt noch einen halbseitigen Erklärungstext dazu, aber nachdem der so wirkt, als hätten die Autoren ihre Grafik selber nicht verstanden, machen wir es kurz: je weiter rechts, desto braver tragen die Leute ihre Masken.

Die y-Achse (das ist die andere) zeigt die Anzahl der Infektionen in der unmaskierten Gruppe, ebenfalls auf einer logarithmishen Skala. Warum, weiß ich nicht, aber dazu kommen wir gleich. Aber soweit haben wir das mal verstanden. Dann haben die Autoren da 23 Studien eingezeichnet, in blauen Quadraten die, die befanden, Masken sind nutzlos, und in roten Dreiecken die, die befanden, Masken helfen total prima. Die These ist nun, dass Masken ganz prima sind, weil die gepunktelten und gestrichelten Linien ja relativ deutlich zeigen, dass die “Masken sind prima” – Studien statitisch viel geiler sind als die blauen Looser (ja, liebes Oxford English Dictionary: ändert das halt endlich mal).

Die Prima-ste Studie ist also Studie 23. [Nachtrag: die Autoren haben, um Leute zu irritieren, ihre Quellen doppelt nummeriert. Ich bespreche im Folgenden Studie 5, nicht Studie 23]. Lesen wir die mal, da haben ja alle total brav ihre Masken getragen, und vor allem haben sich 10^4= 10.000 Leute in der Kontrollgruppe infiziert; das ist ja mal eine richtig gute Sample-size:

286 exposed adults …. were recruited

Oder halt nicht. Mei. Das Leben ist voll mit Enttäuschungen. Aber sie haben sicher brav ihre Masken getragen?

On day 1 of mask use, 36 (38%) of the 94 surgical mask users and 42 (46%) of the 92 P2 mask users stated that they were wearing the mask “most or all” of the time.

Na, Prima. Das nenne ich mal eine wirklich großartige Studie. Was kam denn raus?

Und an der Stelle erkläre ich Euch das mal selber, weil die Autoren euch die Zahlen in ihrer eigenen Tabelle 4 nicht ordentlich erklären – vorab: da geht es um respiratorische Viren allgemein, aber die Forscher haben immerhin 186 Psychopathen gefunden, die angeblich bereit waren, eine chirurgische oder FFP2-Maske zu tragen, weil ihr Kind eine Erkältung hat. Und eine Kontrollgruppe.

Drei der 100 Leute (3%) in der Kontrollgruppe wurden nachgewiesen krank. 6 der 94 Leute (6%) mit den chirurgischen Masken wurden krank. 8 der 92 Leute (9%) mit den FFP2-Masken wurden krank.

Wirken prima, diese Masken; das ist ja sofort für jeden Laien Mega-offensichtlich. Freilich, mit einer chrirurgischen Maske wurden doppelt so viele Leute krank als ohne, und mit FFP2 sogar fast dreimal so viele, aber das sind nur störende Details.

Viel wichtiger ist nämlich, dass es nahezu allen Probanden recht schnell zu doof wurde, die Masken zu tragen. Weswegen die Forscher – wahrscheinlich mit einem Rest-Sample von ~1 – tatsächlich eine Risk Ratio für den ersten und zweiten Tag des Masken-tragens ausgerechnet haben (Respekt dafür, das war sicher eine heftige Arbeit, in dem Müll noch eine positive Korrelation zu finden). Da kommt dann tatsächlich raus, dass Masken, wenn man sie denn (a) ordentlich und (b) überhaupt trägt, das Infektionsrisiko tatsächlich um 80% (erster Tag) respektive 70% (zweiter Tag) senken. Linear fortgeschrieben sind das an Tag 3 immer noch immerhin 60%, aber da wurde ~ 80% der Teilnehmer das Masken-tragen zu doof; daher wissen wir das nicht. Null wäre es an Tag 9, aber das wissen wir auch nicht.

Wir haben aber weltweit zwei Jahre ganz viele tolle Zahlen gesammelt, die zeigen sämtlich ziemlich gut, dass die Wirksamkeit von Masken gegen eine Corona-Infektion in der Gesamtbevölkerung statistisch nicht signifikant von 0 unterschieden werden kann.

Solltet Ihr also in Zukuft noch an einen Ort kommen, an dem Masken aus Gründen der Demonstration der Obrigkeitshörigkeit noch vorgeschrieben sind, und jemand trägt keine: Denkt lieber mal eine Sekunde nach, bevor Ihr den (oder die, ich bin heute mal inklusiv) mit “Maskäääää” anschreit. Der wird nämlich zumindest erstmal genervt “eh” ausatmen, wohlgemerkt ohne Maske. Corona ist seit Delta super-ansteckend; seit Omikron noch heftiger. Bis der seine Maske aufhat, ist es für Euch ganz sicher schon zu spät, wenn er es denn hat. Wenn nicht, ist die Maske eh nutzlos.

Ihr bekommt am Ende noch einen Husten.

4 Replies to “Zur Effizienz von Masken”

  1. Ich habe es mir abgewoehnt, Studien mit unter 10.000 Teilnehmern ueberhaupt anzuschauen. Und bei medizinischen Studien sollten es wegen der seltenen Nebenwirkungen immer mehr als 100.000 sein. Aber mit dieser Meinung stehe ich i.d.R. alleine da.

    Mein beschraenkten praktischen Erfahrungen mit der Statistik kommen aus der sog. “Typpruefung” neu (von mir) erfundener elektronischer Geraete. Die anfangs definierte sample size haengt weniger von den (statistischen) Erfordernissen ab, und viel mehr von den Kosten fuer den Bau und Test der samples. Die kriegen ca. 1 Woche Temperaturzyklus, was die Lebensdauer bestaetigen soll. Dann werden sie tagelang mit versch. Frequenzen geschuettelt, Danach werden sie fuer Tage in eine staubige Kiste mit Geblaese gelegt, und weiterhin mit diversen Chemikalien besprueht. Man laesst sie auch 3x von einem 1m hohen Tisch fallen, uvm. Bei den typischerweise kleinen sample sizes ist jeder einzelne Ausfall ein grosses Problem, weshalb nicht selten gelogen, verfaelscht, manchmal auch bestochen wird und jeder Statistik-Trick den man finden kann wird angewendet. So ab 10.000 ausgelieferten Geraeten hat man ein erstes Gefuehl fuer die Anzahl der Ruecklaeufer. Ab 100.000 weiss man schon, ob man mit dem Murks, den man gebaut hat, jemals Geld verdienen wird.

    Ich wuesste jetzt nach 20 Jahren nicht mehr, wie ich die Statistik zusammen kriegen wuerde, aber ich kann mich meist noch an die Schweinereien erinnern, die wir getrieben haben, um einen Zufallsfehler verschwinden zu lassen. Ich kann nachvollziehen, warum Pfizer usw. ihre Rohdaten von den Impfstoff-Trials nie herausgeben wollen. Eine Studie mit ein paar hundert Teilnehmern kann als Vorstudie aussagekraeftig sein, aber eigentlich nur dann, wenn man am Ende keine Statistik betreiben muss, weil >99,9% aller Ergebnisse genau gleich sind.

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  2. Ich bin nach wie vor ein großer Befürworter der Spaltung der Gesellschaft in Masken-Nazis und den Rest, die man am besten sich selbst überlassen sollte. Bewunderswert, daß du noch den Nerv hast, mit solchen Spinnern zu reden.

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  3. pingpong sagt, du hast Euch groß geschrieben, das beweist: du hast Unrecht.

    Mika sagt: auf der Maskenverpackung steht: schützt nicht vor Viren.

    Klabauterbach sagt: wir werden alle sterben. Kann der sich nicht mal damit beeilen?

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