Richtig Rechts Reisen, die Zweite

Als Fortsetzung bei einem meiner Leser bleiebten Serie von neulich hier weitere Tipps, wie man die Welt kennenlernt, ohne wie ein ignorantes Arschloch (vulgo: “Linke”) dazustehen. Nun hab ich in meiner Blogroll auch harmlose, unpolitische, seichte Sachen, und selbst die wurde politisch. Der “Shopblogger”, ein Supermarktbetreiber aus Bremen, das ist meines Wissens ein linksgrünes Shithole irgendwo nördlich jedweder Zivilisation, echauffiert sich darüber, dass der lokale Moscheeverein in (seinen) Innenhof ein Zelt gestellt hat, mutmaßlich wegen dem anstehenden Zuckerfest am Ende des Ramadans. Ich greife daher meinen Tipp 3 vom letzte Blogbeitrag wieder auf:

Sich den lokalen Gegebenheiten anpassen, die Zweite

Man mag jetzt theoretisch mit Björn, dem Supermarktbesitzer, sympathisieren, weil das ja nun Bremen ist und nicht Konya oder sonstwas in Anatolien, aber, wie es die schlechteste Bundeskanzlerin, seit dem die nicht mehr Reichskanzler heißen, ausdrückte, “ist das jetzt halt da”. Ich hatte ja schon “für 5 Pfennig die Landessprache lernen” geschrieben, aber die muss man halt auch nutzen. Da erfährt man dann groteske Sachen, wie zum Beispiel, dass man sich in der Türkei selbst auf die Hochzeiten wildfremder Leute einladen kann, und die das nicht etwa seltsam finden, sondern sich geehrt fühlen. Wie es Christoph mit dem grünen Pulli von der Sendung mit der Maus ausgebrückt hätte, als das noch nicht auch zu einer current-day-Propagandaveranstaltung wurde: “klingt komisch, ist aber so”. Geht übrigens mittlerweile auch in Deutschland; man muss also nichtmal reisen, und “Tebrikler” (“Te-brig-l.r”; schnell sprechen) zu lernen sollte einem ein gutes Essen doch wert sein.

Ihr habt nichtmal das Problem, die Braut nicht küssen zu dürfen; sowas ginge gar nicht. Türkische Hochzeiten sind nämlich 2-tägig; an Tag 1 gibt es was zu Essen; da fehlt die Braut. An Tag 2 gibt es eine Braut, aber nix zu Essen; das ist nur bedingt empfehlenswert. Dafür ist da der Imam nicht da; es gibt also Alkohol.

Mal Sachen ausprobieren

Man kann freilich, wie Millionnen Lemminge jedes Jahr, die Akropolis in Athen oder das Kollosseum in Rom besuchen, was ich vielleicht auch irgendwann mal tun werde, aber es gibt recht coole, antike Sachen auch an Stellen, wo keine Sau hinkommt; besonders nicht im Winter.

Und während man auf der Akropolis ganz sicher nicht in den 3.000 Jahre alten Ruinen rumklettern darf, hat damit zum Beispiel in Xanthos der einsame Kassierer überhaupt kein Problem. Das geht relativ einmal um den Globus; wenn man die Große Mauer besichtigen will, fährt man vernüftigerweise auch nicht nach 八达岭, sondern nach 慕田峪. Haben beide eine Rodelbahn. Was wäre denn ein Weltkulturerbe ohne eine Rodelbahn? Das wäre ja, als besuche man den Grand Canyon, ohne aus einem Flugzeug zu springen.

Das geht aber auch kleiner; ich war vor Jahren mal in der Parkanlage vom Himmelspalast in Beijing, die ist China-typisch riesig, und in der Mitte des (enorm) großen Platzes standen zwei Dutzend Reiseführer. Eine davon sprach Deutsch, und die erklärte, dass die Mauer akustisch so gebaut sei, dass man sich von beiden Seiten des Platzes über grob 200m selbst flüsternd unterhalten könnte. Die Englisch sprechende Reiseführerin erklärte das identisch, und ich nehme an, dass die übrigen in 20 weiteren Sprachen auch nix anderes gesagt haben.

Von den locker Tausend anwesenden Besuchern kam aber außer mir niemand auf die Idee, das mal auszuprobieren. Ich schickte meinen Schwiegervater gen Westen, ging selbst nach Osten, und sagte sowas wie “Hallo Hallo?”. Stellte sich raus: “Ich versteh Dich super”. Das fiel dann einem Japaner in meinem damals jungen Alter auf, der verließ den sicher sehr öden Vortrag seiner Reiseführerin, ebenso wie seine Freundin, die sich zu meinem Schwiegervater gesellte. Konichi-wa?, fragte der Japaner neben mir. かります, antwortete eine Frauenstimme. Ich kann kein Japanisch, aber ich ging vom Tonfall davon aus, dass es “ich versteh Dich super” bedeutet.

Drei Minuten später standen zwei Dutzend verzweifelt wirkende Reiseführer recht alleine in der Mitte des Platzes. Da meinem Schwiegervater und mir das Sprachkauderwelsch zu doof wurde, gingen wir von der Wand wieder weg. Die deutsch sprechende Reiseführerin fragte mich aber, ob das denn “wirklich funktioniere”. Sie erzähle das jetzt seit 20 Jahren.

Nachdem ich das ehrlich bejahte, erzählte sie es auf Chinesisch ihren Kollegen, Dafür muss man kein Chinesisch können; die gingen dann nämlich auch alle zu der Wand. Wir haben die paar Hundert sehr glücklichen Menschen dann wieder verlassen. Euch, liebe Leser, wird das aber nicht vergönnt sein; die chinesische Regierung hat da mittlerweile ein Absperrgitter davor gebaut. Blöd für Euch.

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