Richtig rechts Reisen, die Erste

Ich habe ja mit dem danebenen Titel meines letzten Posts quasi versprochen, damit anzufangen, im Rahmen nicht-linker Blogs mal was progressives produktives zu machen. Ich kann jetzt ex ante nicht versprechen, ob ich diesmal zu meiner (definitiv nachahmenswerten) Reiseroute durch drei Weltkulturerbe-Stätten in den Türkei komme; bezweifle ich mal.

Ich setzte das politische “rechts” ja nun schon seit längerem mit dem “recht” in “Recht haben” gleich. Freilich werde davon auch ich nicht immer Recht haben; ich hab mich ja noch im Februar dahingehend geäußert, dass Putin kein derartiger Vollidiot ist, um in der Ukraine einzumarschieren; ich bin da aber halt wie jeder Mensch in seinem eigenen, kleinen Weltbild gefangen und denke nicht an das größere Ganze – der Rubel hat prinzipiell wieder seinen Kurs von 2019; das Barrel Rohöl der Nordseesorte Brent (mit allem anderen ist Spekulation verboten, deswegen ist dieses grob eine Faß immer sehr beliebt) kostet grob das Doppelte als 2019 – für russische Oligarchen sind das also 100% mehr Koks und minderjährige Nutten. Für arabische Prinzen ist es ein größerer Harem; die werden sich auch nicht beschweren. Für uns… mei, ist der Sprit teuer. Solidarität mit der Ukraine, die übrigens auch diesen Monat Milliarden an “Transitgebühren” für russisches Erdgas kassiert. Ist vom Prinzip wie die Mafia.

Jetzt haben in Deutschland leider die Grünen das Wort “Realos” gekapert; die unterscheiden sich ja laut Lügenpresse in “Realos” und “Fundis”; letztere denken, man könne die Welt vor dem Klima retten; erstere denken, das müsse man. Aber genug Politik; fangen wir also an mit Teil 1 einer hoffentlich beliebten Serie zu etwas, was Linke definitiv nie machen: Mal über den eigenen Tellerrand gucken.

Für 5 Pfennig die Sprache lernen

Ich gehe jetzt mal davon aus, dass Ihr sowieso Englisch könnt. Wenn nicht – lernt das. Eins Komma sonstwas Milliarden Inder lernen gerade Englisch, weil die sich sonst untereinander nicht unterhalten können, weil die das mit “Zivilisation” nicht so hinbekommen haben. Eine weitere Milliarde Chinesen lernt gerade Englisch, weil sie uns blöde Westler damit (noch) besser abzocken können. Die schönste Stelle der Welt ist Französisch-Polynesien, die sprechen in der Regel Rapa Nui, das könnt ihr zu lernen man grob knicken, aber Französisch wäre durchaus eine Idee, wenn die nicht eh alle Englisch könnten. Aber sowas wie “Bitte”, “Danke” und “Entschuldigung” sollte man schon auf der eigentlichen Landessprache sagen können, das zeigt einen gewissen Respekt und Anstand, und im Gegensatz zu uns in der Regel widerlichen Europäern oder den nur oberflächlich “freundlichen” Amerikanern verhalten sich die meisten Leute auf diesem Planeten reziprok.

Sprachkurse gibt’s für grob 80 Sprachen von einer Firma Pimsleur, ein Monat 30 Minuten vor dem Einschlafen, und Ihr könnt derart akzentfrei Punjabi, dass alle so begeistert sind, dass sie euch zulabbern, als könntet Ihr das wirklich. Wir überheblichen Deutschen sähen das als fürchterlich, dass der dämliche Ausländer kein ordentliches Deutsch kann. Das ist aber halt auf dem restlichen Planeten eher nicht so; die finden das prima. Das lohnt sich sogar in Frankreich; selbst der konservativste Franzose kann nach ein paar meiner französischen Sätze “Monsieur, could you please stop raping my beautiful language” auf echt gutem Englisch.

Sich was ordentliches anziehen

Wir wissen zwar alle seit unserem vierten Lebensjahr von den Gebrüdern Grimm, dass Kleider Leute machen; das ist aber um so ausgeprägter, je weiter man sich von Berlin entfernt. Man kann das freilich ignorieren, wenn man zu viel Geld hat; es ist aber respektlos und vor allem teuer. Man passt sich da schlicht den Eingeborenen an: Natürlich kann Eure Frau “oben ohne” durch den Amazonas laufen; das machen die da auch; sie stirbt dann eben auch an Malaria; wie die Eingeborenen. Im Englischen Garten in München ist das mit dem “oben ohne” eine sehr viel bessere Idee; da gibt’s keine Malaria.

Für Männer kommt hier das leidige Thema “Schuhe” – das ist so das erste, was man sich in einem fremden Land kauft. Ich war noch in keinem Land, wo es nicht “lokale”, dem dortigen Wetter perfekt angepasste Schuhe gegeben hätte, die irgendwie nennenswert Geld gekostet hätten. Dito kann man, als Mann, keine “kurzen Hosen” tragen. Eigentlich gar nirgends, mit Ausnahme des Oktoberfests, und selbst das hat Einschränkungen.

Und wenn hier jetzt jemand “Mimimi, hier isses aber heiß” schreien will: Leinen, liebe Kinder, und vor allem weit. Bekommt man auch keinen Sonnenbrand an den Unterschenkeln.

Sich den lokalen Gegebenheiten anpassen

Ich ziehe mein Boot ja nun nach 10 Jahren von der Türkei nach Zypern um, in der vagen Hoffnung, dass meine Frau endlich Latakia in Syrien sehenswert findet. Da ist kaum noch Krieg; und wenn doch, issses nicht weit nach Beirut; da ist schon seit 40 Jahren zumindest am Hafen kaum noch Krieg (abgesehen von ein paar israelischen Raketenangriffen letzten Winter). Man muss da halt weltoffen sei.

Als ich jung war, war ich mit einem Schüleraustausch in Washington, da wurde uns gesagt, wir sollten 20 Dollar griffbereit haben, weil einen sonst irgendwelche Junkies abstechen könnten. 15 Jahre später war ich mit meiner Frau in New York und hatte 20$ griffbereit, als einer aus so ne Gruppe Neger mit Hoodies auf uns zukam. Der sprach auch so richtig geiles Ghetto-Neger-Englisch wie im Film. Wollte nur eine Zigarette, nachdem ich ihn verstanden habe, was nicht so einfach war.

Fand ich besser, als abgestochen zu werden, bekam er also. Er gab mir dann aber einen Dollar. Den konnte ich nicht guten Gewissens annehmen; in NYC sind Tabaksteuern zwar pervers hoch, aber ich hatte die Zigaretten ja für 28€ die Stange aus dem Duty-Free, und unser Rückflug war zwei Tage später. Fünf Minuten mit kaum verständlichen Ghetto-Englisch danach waren wir dann von allen unseren Zigaretten befreit und weitere $10 reicher. Haben uns sogar noch zum Hotel begleitet – “gotta be careful around here, isn’t a very good area”.

Gott, ich wünschte, ich besäße die Kreativität, mir sowas auszudenken. Aber das glaubt einem doch niemand.

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