Papiere? Katze!

Meine süße Nichte hat ihrem Papa zu Weihnachten Corona geschenkt – haben sie wohl im Kindergarten gebastelt. Das war insofern blöd, als Heiligabend in meinen nicht wenigen Jahren ein “sind alle bei Papa” – Event war, und das damit quasi flachfiel. Meine Frau und ich waren daher die einzigen Gäste bei Papa, und das war so schön, dass wir uns danach dem Widerstand gegen die Södersche Corona-Diktatur angeschlossen haben und tatsächlich erst acht Minuten nach 21 Uhr zuhause waren.

Das war ein großartiges Gefühl, das war quasi wie als wäre ich Sophie Scholl, Malala Yussifwas oder Graf von Stauffenberg – also, “Freiheitskämpfer”, die eigentlich gar nichts nennenswertes getan und vor allem nichts erreicht haben.

Es ist aber wichtig, solche Geschichten zu haben, denn derartiger Heroismus, richtig tradiert, kann durchaus Geschichte schreiben – meine schweizer Leser wissen sicher, wovon ich spreche.

Ganz weihnachtlich begab es sich also, dass meine Mutter fand, die österreichische Regel, dass einen Hausstand nur eine (!) weitere Person besuchen dürfte, “totaler Quatsch” sei – und so fuhren wir dann trotz der 17km – Horrorstaus nach Österreich.

Zur Einreise nach Österreich muss man ein Formular ausfüllen und – ich paraphrasiere Gesetzestexte – “auf Anforderung der zuständigen Stelle übergeben”. Hatten wir also brav ausgefüllt dabei. Ebenso natürlich den “Europäischen Impfpass” für unsere Katze, die zugedrogt auf meinem Schoß lag. Der Horror-Stau belief sich auf elf Autos, die die drei österreichischen Grenzbeamten (einer mit einem MG, ein Männlein mit einer MP und eine Frau) tatsächlich einspurig stellenweise anhielten.

So, liebe Kinder, produziert man einen Stau.

“Oah, oa Koatzal”, sagte der Beamte mit der MP.

“O joah, a so a süaßas”, sagte die Frau.

“Wollen Sie dieses Einreisepapierdings?”, fragte meine Frau.

“Naa, foan’s woada”, sagte der Mann mit dem MG. “A Katzal”

Froh, diese fast 90 Sekunden andauernde Horrorprozedur (incl. Warten) überstanden zu haben kamen wir dann im Ferienhaus der Familie an – hier ein öffentliches Lob an meine Frau, die den bei nur 20cm Neuschnee uns rückwärts entgegenrutschenden BMW wie ein versierter Ralleyfahrer mit einer Minute Zeitgewinn auf dem Navi umfahren hat (Audi Quattro lohnt sich).

Nun; 10 Tage nach Anreise lief unsere Vignette ab, von daher mussten wir wieder nach Hause.

Für die Einreise aus einem “Risikogebiet” – also, ziemlich alles außer den Malediven, die wohl keine 100.000 Einwohner haben, um dadurch dividieren zu können – muss man dank unserer besten deutschen Regierung aller Zeiten ein Formular des RKI im Internet ausfüllen. Wem dies “nicht möglich” ist, der muss ein Papierformular ausfüllen, das “auf Verlangen” vorzugeben ist. Da man für das Internet-Formular nicht nur Cookies akzeptieren muss, sondern auch noch irgendeinem Datenschutz-Scheiß zustimmen muss, was ich nur tue, wenn ich etwas kaufen will, war es mir natürlich nicht möglich, das Internet-Formular zu verwenden, von daher hatten wir auch hier ein Papierformular dabei.

Die deutsche Variante der “Grenzkontrolle” ist schon seit längerem der Parkplatz #117, der zur Volksberuhigung (und wegen der AfD) eingeführt wurde, um Schleusern und Schleppern auf deutschem Bundesgebiet ihre Fracht abzunehmen und in lebenslange, Steuerzahler-finanzierte Grundversorgung zu übernehmen.

Dieser “Kontrollposten” ist üblicherweise eher ein 5-Minuten-Ärgernis, heute hingegen….

…waren wohl alle Beamten der bayrischen- wie Bundespolizei zu beschäftigt damit, Spaziergängern Knöllchen zu geben.

Ich muss daher an dieser Stelle ausdrücklich sagen, dass ich nicht mehr mit denen, die behaupten, Deutschland würde sich in einen proto-faschistischen Polizeistaat verwandeln, d’accord gehen kann. Deutschland wird vielmehr ein typisch sozialistischer “failed state”.

Das gilt selbstverständlich auch für Österreich: Keine staatliche Stelle in beiden Ländern hat irgendeine Kenntnis darüber, in welchem Land ich mich aufgehalten habe. Google und mein Kreditkartenanbieter hingegen wissen das. Denen ich aber mehr vertraue als den jeweiligen Juntas; v.a. nachdem Gutmenschen den österreichischen Kanzler ja nun mit Hitler vergleichen.

Aktuell habe ich nur noch das Problem, was nun Söders “Weihnachtgeschenk” an seine Untertanen mit Bezug auf die Kopfgeburt einer Schwuchtel, Merkel und neben Söder weiteren 15 inkompetenten Nepotisten, genannt “Testpflichtverordnung“, nun für mich bedeutet.

Die x-zigste bayrische Einreise-Quarantäneverordnung, deren neueste Fassung vom 31.12. ich noch nicht gelesen habe, verpflichtet mich ja zu einer 10-tägigen Quarantäne – was sehr sinnvoll ist, wenn man nach 10 Tagen Quarantäne in Österreich aus seinem Ferienhaus 250 Höhenmeter unter dem Gipfel eines verdammten Berges, 6km abseits jedweder Zivilisation, zurückkommt.

Außer, natürlich, man will Verwandte besuchen; dann nicht. Ich würde gerne meinen Papa wiedersehen; ist 11 Tage her. Dann braucht man einen negativen Corona-Test, der nicht älter ist als 48 Stunden bei Einreise. Das war dummerweise Neujahr, da hat der Bergdoktor zu.

Vorbildliche Untertanen, wie wir sind, holen wir den selbstverständlich binnen 72 Stunden nach; genauer gesagt morgen Nachmittag. Ich versuche, meinen Horror davor, dass mir jemand ein Wattestäbschen bis zum Kotzen in den Rachen schiebt, durch meine sadistische Ader zu verdrängen, dass das eine sexy Krankenschwester auch mit meiner Frau tut.

Mein Problem ist aktuell der super-schwammige §1 der komischen Söder-Weihnachtsverordnung: Nach der bin ich “aufgefordert”, “im Sinne” der [Testpflichtverordnung] das Ergebnis “unverzüglich” der “zuständigen Kreisverwaltungsbehörde” vorzulegen.

Um hier rechtlich nichts falsch zu machen, habe ich meinen Anwalt (das wäre mein Bruder; dem geht es übrigens hervorragend; wie meiner Nichte auch; danke für Euer Interesse) gefragt, ob “Aufforderung” im Sinne einer “Verpflichtung nach Anforderung durch die zuständige Stelle” zu verstehen ist.

Mein Anwalt konstatierte hierzu, dass er sich gerade in einem Zoom-Meeting bzgl. einer gemeinschaftlichen Bierverkostung befindet und ich ihn in Ruhe lassen soll, aber “aufgefordert” weniger einer Aufforderung, sondern eher einer “Selbstverpflichtung” gleichkäme.

Zur Klärung des Sachverhalts habe ich mich daher in 14 Tagen, also nach dem Ende unserer sicher total sinnvollen Quarantäne, bei meinem Anwalt / Bruder zum Essen eingeladen. Das Recht auf juristischen Beistand steht in der EMRK; wegen der Quarantäne kann ich das offenbar nicht vorher klären. Sollte ich also zu einer “unverzüglichen” Vorlage der Testergebnisse verpflichtet sein, können wir da auch die Frage besprechen, wo ich die dann noch hernehmen soll; §3 Abs 1 Satz 1 der EQV sagt ziemlich wörtlich, dass ich das nach 10 Tagen alles wegwerfen kann.

6 Replies to “Papiere? Katze!”

  1. Hier wird der Leser ratlos zurückgelassen. Wie geht es nun weiter? Was legt er wem wann in Papierform vor? Und darf er das überhaupt, ohne freigetestet zu sein? Kriegt er überhaupt einen Termin zum Freitesten, ohne Cookies und DGSVO-Bestimmungen ratifizieren zu müssen? Oder ist alternierend in der Quarantäne der Weg zum Briefkasten erlaubt? Klärt sich das nach Ende der anwaltlichen Bierverkostung ins Gute?
    Was ist das Gute?

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    1. Tjo… hätte ich die neueste Fassung der EQV vom 31.12. _vor_ dem Posten dieses Artikels gelesen, hätte ich die Frage tatsächlich beantworten können: Die sau-dämliche Regelung vom 22.12. ist wieder weg, dafür _muss_ man seinen Pflichttest aber auch vorlegen. Dafür ist die Quarantäne *damit* auch erledigt. Hab ich sogar schriftlich (per eMail) von der “zuständigen Kreisverwaltungsbehörde”.

      D.h., bis Sonntag 24 Uhr ist die Einreise noch total einfach. Montag gibt es neue Regeln. Juiiiii!

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  2. Man könnte die Katze fragen. Der sind MP, MG, DGSVO und uniformierte Frauen sowas von wurscht. Hauptsache Fressi, ab und zu gute Drogen und sonores Motorengeräusch. Das ist der Weg. Das Gute ist so nah.

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  3. Ich hab frühmorgens gleich nach dem Aufstehen in eine Plastiktüte gehustet (sind noch nicht verboten, aber deckt euch besser ein) und da mit dem Antigentest-Watteröhrchen drin rumgerührt. Ist dann ebenfalls frisch und von hier. An die Kotzreflexzone hinten im Rachen lasse ich niemanden mehr ran, obwohl Deepthrought-(*)-Fetischistinen versichern, dass man sich das Röcheln abtrainieren kann.
    War aber negativ und ich bin kein Arzt oder Apotheker und das Antigen-Testkit war von eBay (**).

    (*) Guckt selber nach (Bildsuche), sonst liefere ich dem Establishment einen unnötigen Zensurvorwand.
    (**) Nein, der Verkäufer ist kein eBay-Mitglied mehr, hat aber für seine 12 Euro pro Kit schnell geliefert.

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