Trump, der Iran, Suntsu und von Clausewitz

Die gesamte Weltpresse ist gerade dabei, Löcher in die Luft zu gucken auf der Suche nach einer Erklärung, was der böse orange Mann da mit den – ich kenne kein Derogativ für Perser; Mullah ist keines – macht.

Die sich für relevant haltenden Koalitionäre in der Achse der Idioten (UK & Kanada) maulen lautstark, dass ihnen vor der Liquidation irgendeines Massenmörders niemand Bescheid gesagt hat.

Die gutmenschliche deutsche Presse ist zwischen ihrer Antipathie für Trump und Massenmördern zerrissen und – muss ja ein Seitenhieb gegen Trump dabei sein – schreibt, dass keine Strategie erkennbar sei.

Die Blogger zerreißen sich ebenso zwischen Loyalitäten (“wie brillant; so kann Trump seine Truppen aus dem Irak abziehen, wie er zu seiner Wahl versprochen hat, ohne das Gesicht zu verlieren, weil ihn die Irakis schließlich darum bitten”) und Antipathie (“Lügner! Kriegstreiber! Wiederwahl durch Krieg!”) zu Trump.

Liebe Presse, liebe Politiker: ihr seid dumm. Es gibt so ziemlich genau zwei beachtenswerte Bücher zur Kriegsführung, Die Kunst des Krieges von Wu Sunzi, um 500 vor Christus, was übrigens zeitgenössisch kurz ist, und Vom Kriege von Carl von Clausewitz, um 1830 n. Chr., was zeitgenössisch lang ist.

Da finden sich übrigens auch die Antworten auf die Verwunderung der Politiker und die Fragen der Presse:

Zu “Bescheid geben” schreibt Sunzi:

Das höchste Ziel bei allen taktischen Entscheidungen muß sein, sie geheimzuhalten; halte deine Entscheidungen geheim, und du bist sicher vor den Augen der geschicktesten Spione und vor den Ränken der klügsten Köpfe.

Sunzi schreibt nicht wirklich viel über Strategie, da er Kriegsführung mehr ad-hoc (“erfolgreiche Armeen sind wie Wasser, nehmen den Weg des geringsten Widerstandes”) und mit dem Ziel des Sieges sieht. Von Clausewitz ist da differenzierter zwischen Taktiken der Kriegsführung (wie Drohnenraketen auf Autokolonnen) und dem Zweck der Kriegsführung, den er inhaltsgleich mit der Strategie sieht:

Ein Fürst oder Feldherr, welcher seinen Krieg genau nach seinen Zwecken und Mitteln einzurichten weiß, nicht zu viel und zu wenig tut, gibt dadurch den größten Beweis seines Genies. Aber die Wirkungen dieser Genialität zeigen sich nicht sowohl in neuerfundenen Formen des Handelns, welche sogleich in die Augen fallen würden, als in dem glücklichen Endresultat des Ganzen.

Wir lernen: man hängt nicht an die große Glocke, was man vorhat, und wenn keiner kapiert, was abgeht, ist das (grundsätzlich) genial.

Es wundert mich kaum, dass Trump das weiß; der hat ein Buch mit einem Titel rausgegeben, was auf Sunzi anspielt. Dass die Iraner das ebenso wissen, auch nicht; man lernt das genausogut auf einem Basar.


Soweit liegen die Pro-Trump-Blogger mit “hui, da kann er ja gehen” schon recht gut – und das erklärt dann auch die iranische Reaktion mit dem Raketenangriff auf ausgerechnet die Basis bei Erbil – das ist IS-nahes Kurdengebiet:

Nun ist der IS da unten ja ziemlich geschlagen, aber halt nicht ganz, und die Iraner sind keineswegs irgendwie begeisterter von den islamistischen Spinnern als irgendein zivilisiertes Land – wenngleich aus dem Grund, dass sie halt die “falschen” islamistischen Spinner sind, aber das sei mal egal. Wenn das stimmt- und das ist eine Mutmaßung, aber wir gehen jetzt mal davon aus, dass die sich schon alle was dabei denken; das sind allesamt nicht Hillary Clinton oder der militärisch-industrielle Komplex oder sonstwie Deppen:

  • Trump will da weg. Das war sein Wahlversprechen vor vier Jahren; ein Krieg wäre m.E. so ziemlich die einzige Möglichkeit für Trump, nicht wiedergewählt zu werden.
  • Ein US-Truppenabzug aus dem Irak hinterlässt da ein Machtvakkuum. Das wissen da alle ganz genau, und die Big Players sind Saudi-Arabien, die sich von ihren Billionen von Petrodollars eine Hightech-Armee vom feinsten gekauft haben, und der Iran, der zumindest ein quasi nicht zu eroberndes Kerngebiet besetzt – etwa wie die Schweiz, nur halt ohne Appenzeller Alpenbitter.
  • Der iranische liquidierte General wollte sich in Baghdad gerüchtehalber mit einem Saudi treffen; es ist davon auszugehen, dass die Perser wie die Saudis, obwohl sie sich auf den Tod nicht leiden können, hier zu einem Burgfrieden kommen wollten.

So, und nun ergänzen wir mal noch ein paar Punkte zur strategischen Kriegsführung, eigentlich nur diesen: Angriffskriege sind eine blöde Idee, langwierig, teuer und man verliert sehr wahrscheinlich.

Was soll das nun alles?

Nun, die USA können es überhaupt nicht brauchen, wenn die Saudis und der Iran sich vertragen: Der Dollar ist ohne militärische Drohung und damit einhergehend saudischem Erdöl klinisch tot (lies: etwa soviel wert wie ein chinesischer Yuan, also gut 1/7tel). Daher musste da mal ein Zeichen gesetzt und der Unterhändler abserviert werden: “Hallo? Wir haben hier den dicksten Schwanz!”

Der iranische Raketenangriff auf die IS-nahe US-Basis war dann die darauffolgende Protestnote: “Ey, wenn ihr nicht lieb zu uns seid – die IS-Spinner mögen Euch fei noch weniger als uns, gell?!”

Israel fand das ja auch zunächst total toll, Iraner plattzumachen, bis sie es nach einem Tag kapiert haben und jetzt ganz brav die Klappe halten.


Was wird jetzt passieren?

Woher soll ich das wissen? Wer zuerst blinzelt, verliert. Aber das ist (m)eine wüste Theorie zu dem, was passiert ist, wenn man halbwegs rationale Akteure voraussetzt, was schon eine sehr gewagte These ist. Es ist schließlich bereits eine gewagte These, dass das ursprünglich auf Trumps Kappe geht und nicht vom Deep State / der CIA / dem militärisch-industriellen Komplex / der pädophilen Elite / Echsenmenschen inszeniert ist.


Größere Probleme

Derweil, übrigens, fährt Erdogan einen Kuschelkurs mit Russland und holt sich mit dem wohl zukünftigen Diktator Libyens gegenseitig einen runter, um die vollständige Kontrolle über die Fluttore unzivilisierter Neger in Richtung Europa zu bekommen, und Russland selbst schaut ganz gelassen zu, wie sich die UN zunehmend als zahnloser Papiertiger verhalten und von Sachen wie “Genfer Konvention” und “Kriegsverbrechen” reden – Standards, die ja mal allesamt nicht gegenüber Terroristen gelten; da war’s schon praktisch, die halbe iranische Armee zu Terroristen zu erklären, wozu die Sesselfurzer ja nun betreten geschwiegen haben.

Da passt es ganz gut, dass die Iraner gerade das gesamte US-Militär zu Terroristen erklärt haben; das ist quasi wie beim Boxen “gloves off”.

China, derweil, hat recht öffentlich erklärt, dass sie die abtrünnige Teilrepublik Krim Taiwan wieder dem Vaterland einverleiben wollen werden. Internationaler Aufschrei? Ach wo, protestieren doch ein paar linke Spinner in Hong Kong. Denen kann es übrigens langsam egal sein, ob die Amerikaner ihnen ihr Zeug abkaufen oder nicht; die haben langsam einen ausreichenden Binnenmarkt, halb Afrika aufgekauft, und wo die ihr Öl herbekommen bis zur funktionierenden Kernfusion ist ihnen Wurst.

Was übrigens recht gefährlich für Israel ist; die kann ja nun in der Gegend, wo sie sind, eigentlich überhaupt niemand leiden, aber Atomwaffen sind schon eine gute MAD-Waffe – gegen Leute, die das stört. Ich würde nicht darauf wetten, dass es die Chinesen wahnsinnig stört; das Land ist echt groß.

Europa? Ja, was soll denn in Europa sein? In Teilen Schwedens sind ja fast schon Verhältnisse wie in Somalia, Frankreich brennt, und bei uns findet man es eine gute Idee, die gutmenschlichen Auswüchse spätrömischer Dekadenz durch eine Steuer auf die Luft zum Atmen zu finanzieren.


Hilfe, wir werden alle sterben

Ja. Das hab ich doch schon im November geschrieben?!

Aber, um da noch eine positive Note anzufügen: Mirwegen können alle Generäle, Politiker und Militärbasen bombadieren, soviel sie wollen. Stört keinen anständigen Menschen.

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