Urban Survival

Es ist ja nun schon lange ein Trend, sich nur mit mindestens einer Jack Wolfskin-Outdoorjacke, wenn nicht einer Musto-Segeljacke und entsprechenden Stiefen in die München Innenstadt zu wagen.

Das geht noch eine Runde besser: Man packt ein “everyday carry bag”. Das ist quasi wie eine Damenhandtasche, nur (a) für Männer und (b) dass man vorher nachdenkt, was man reintut, und dann nicht ausgerechnet das einzig wichtige (Tampons) nicht dabei hat.

Nun begebe ich mich ja ab und zu ins gefährliche, undemokratische und kurz vor der autokratischen Scharia-Diktatur stehende Ausland – und das hat den Nachteil, dass ich den Mist, den ich so mit mir rumschleppe, nicht unterbringe. Ich habe mir daher ein sehr – äh – “metrosexuelles” Bodybag gekauft, mit dem ich per se sehr viel glücklicher war als zur luftigen Leinenhose einen Gürtel tragen zu müssen, aber (a) hat die kleine Größe neben dem tuntig-Aussehen noch den Nachteil, dass man da kein Bier (oder Wasser) reinbekam, und (b) war’s billig und hat nicht so prickelnd gehalten.

Nun, ich mag ja als Doktor in Evil Capitalist Studies selbstverständlich Schnäppchen, und da gab es dann so “Herrenhandtaschen”, wie sie einem das Militär gibt, wenn man in den Krieg zieht. Das sollte ausreichend männlich (lies: praktisch) sein.

Die hat den Vorteil, dass man da noch bequem ein Bier zum ganzen Ramsch dazutun kann, der in klimaadäquater Kleidung halt aufträgt, aber davon ist sie immer noch halb leer. Nun ist natürlich die naheliegende Idee ‘zwei Bier’, aber ich bin kein großer Fan von warmem Bier. Von daher schauen wir doch mal uns Internet, was Mann von heute da so mitnimmt:

Ja super. Danke, liebes Internet. Das war hilfreich.

Es ist jetzt nicht so, als wäre der Kauf einer dieser Waffen in der Türkei ein wahnsinniges Problem – umständlich, als Ausländer, aber mit zwei Tagen Behördenrennerei ginge das wohl – aber was will ich damit? Ich fahre ja nun nicht nach Berlin, wo man an jeder zweiten Straßenecke von irgendeinem Moslem ausgeraubt wird?!

Okay, sinnvollere Quelle:

  • ein Taschenmesser

Ja wollt ihr mich verarschen? Die Einfuhr von Messern in die Türkei ist streng verboten. Mal abgesehen davon hat man eh ein Messer am Schlüsselbund. Und den Rest der Großpackung zuhause; die deutsche Airport Security scheint die Dinger zu sammeln.

  • eine Taschenlampe

Okay, sehe ich ein. Ist jetzt nichts, wofür man in Deutschland wahnsinnig viel Verwendung hat außerhalb eines Autos, da es überall sonst Straßenbeleuchtung gibt, aber gut, packen wir mal rein.

  • Ein Multitool

Ja… das sind so Teile, die ich nie 100%ig verstanden habe.

*Keines* der hier abgebildeten Produkte wird von einem Multitool irgendwie brauchbar ersetzt, und das ist mein “Alltags”-Werkzeug. Außer vielleicht dem kleinen Schlitz-wie Philips-Schraubendreher, aber die hat das kleine Vicorinox auch (ich hasse übrigens Airport Security)

Abgesehen davon, nochmal: Ich fliege in die Türkei. Wovon sollen denn Murat und Süleyman leben, wenn ich da alles selber mache?!

  • eine Uhr

Ich habe den Sinn von Uhren noch nie verstanden, außer man will eine nette Omega als dekorative Angeberei tragen. Es hängt wirklich, wirklich überall eine Uhr.

  • ein Stift

Ich verstehe langsam, warum Victorinox für das oben verlinkte Taschenmesser einen derartigen Mondpreis aufrufen kann. 32 Gramm, und bereits 3 Punkte eines “Everyday Carry Bags”. Ich hab langsam den Eindruck, man kann sich die Tasche auch sparen?!

  • Ein Schlüsselbund

Jaaaahhh… das ist total sinnvoll, wenn man eine Magnetkarte hat. Oder einen Security-Typen, der einem die Türe öffnet. Aber klar, das Victorinox muss ja irgendwo dran, verliert man leicht.

  • Ein Geldbeutel

Ja ach. Wirklich? Erzähl.

  • eine Flasche Wasser

Toll. Ich tu zu meinem Bier also kein warm werdendes Bier, sondern Wasser, was es alle spätestens 50 Meter kalt zu kaufen gibt. In jedem Land außer dem merkeligsten der Welt. Und das trage ich bei 42° den ganzen Tag rum. Freilich.


Zwei Stunden später: Ich habe Leute gefunden, der auf die herausragende Idee gekommen sind, zu ihrer Schusswaffe auch noch ein Tourniquet einzupacken – für den Fall, dass sie sich aufgrund ihrer Dummheit selbst in den Fuß schießen, nehme ich an.

Was ich nicht gefunden habe, war auch nur ein einziger, der ein fucking Pflaster eingepackt hätte.

“Ich packe meinen Koffer” daher selbst, und in meinen Koffer packe ich:

  • Dieses 54 Gramm wiegende Mini-Erste-Hilfe-Set, von dem ich auch Zuhause immer eines griffbereit habe.
  • Eine Powerbank. Fairerweise, es packen durchaus einige Leute Powerbanks ein, so “mini-Notfall-Dinger” für ein horrendes Vermögen, aber die für 5€ tun’s erfahrungsgemäß
  • Nicht diesen sehr coolen USB-C auf USB Schlüsselanhänger, da er erst in 5 Wochen geliefert wird und mein Urlaubshandy ein altes S4 mit MicroUSB ist (Pro:Tipp: Schöne, neue, teure Handys auf Booten sind nach spätestens 14 Tagen alte, kaputte Handys)
  • Den lumpigsten, langsamsten Ladestecker der Welt (ist leicht)
  • Zwei bis drei Feuerzeuge. Ich tendiere, die liegenzulassen.
  • Ein Handtuch. Nur weil.
  • Ein Stofftaschentuch. Keine Ahnung, weswegen, aber ich hab von meiner Oma eines mit meinen Initialen eingestickt und das nehmen echt viele mit.
  • Einen Notizblock & einen Druckbleistift. Wiegt das gleiche wie ein Tourniquet, hat aber mehr Einsatzzwecke
  • So ein Paracord-Armband. Nur weil ich mir das vor 5 Jahren gekauft habe und meiner Frau beweisen muss, dass der Kauf sinnvoll war. Zudem spart das in Kombination mit dem Stift das Tourniquet.

Soooo… schaumamal, ob das am Ende dann was wiegt. Da kommt ja dann noch der Pass dazu, und mein aktueller Versuch an einem Slim Wallet (das wäre aktuell ein “Magic Wallet” – ist auch nicht das Gelbe vom Ei, aber lustig. Und Handy. Und Sonnenbrille. Und Lesebrille. Und Zigaretten.

Ey – ich versteh die MGTOW-Jungs ja wirklich, aber den ganzen Rotz nicht eh in der Handtasche seiner Frau zu haben, das kotzt einen schon an.

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