Danke Bayern [Nachtrag]

…dass Du nicht Berlin bist.

Musste mal gesagt werden.

(Kontext)


Und Anmerkung, da ich das bei Elmar kommentiert habe:

Das perfide is ja nun, dass „die EDEKA“ größtenteils Selbstständige sind, d.h., Dein lokale*r* Marktkleite*r* ist euch gleich noch *der* Eigentüme*r*. Oder hab ich was verpasst und Frauen gründen plötzlich Firmen?

Ich geh davon aus, dass es da intern auch herzlich wenig Begeisterung dafür geben wird. Schaumamal.


Und nun noch die ausführlichen Gedanken dazu: Dass das Werbevideo nur deswegen politisch korrekt ist, weil das ein Weißer Mann™ ist, sollte eigentlich jedem Vollhonk klar sein, da der Spot niveaumäßig ja unter einem NSDAP-Propagandaspot von vor 80 Jahren ist.

Warum aber ist das so billig? Nun: Weil das Loblied, dass die Edeka hier auf die arische Rasse die Frauen singen möchte – wie auch andere Nicht-Blinde bereits festgestellt haben – rein über die negative Darstellung des Mannes erfolgt, nicht aber durch die positive Darstellung der Frau. Das ist was, was man von der Kriegspropaganda des 2. Weltkriegs gelernt haben sollte: Freilich muss man die “andere” Gruppe abwerten, wenn man gegen sie in den Krieg ziehen will, aber – und das ist ein wichtiges aber – man muss schon auch darstellen, dass die “eigene” Gruppe selbst besser ist.

Wenn man das mal nüchtern betrachtet – ich empfehle da immer wieder gerne Timur Vermes “Er ist wieder da”, um das mal ansatzweise zu verstehen – ist das halt das billig-Niveau “kauft nicht beim Juden”, was es in die Geschichtsbücher geschafft hat, weil man da dazu sagen kann “hui, das ist böse“, und man die moralische Wertung indoktrinieren kann/will/muss, weil das zu Verstehen deutlich schwieriger ist.

Denn die Darstellung des Mannes in dem Edeka-Spot hängt der Darstellung der Juden in Nazi-Propagandafilmen zwar nicht hinterher, wenn man denn nur weiß, dass man Juden halt mit Hakennasen gezeichnet hat und das “böse” sei, aber

  1. Erstens ging die NSDAP schon noch ne Stufe oder drei heftiger
  2. Ist das nicht geeignet, Männer abzuwerten, weil jeder Mensch mit einem Hauch von Anstand nur Mitleid mit dem armen Deppen hat, und Menschen vergasen keine anderen Menschen. Man muss die Leute schon entmenschlichen, und Fehler machen ist menschlich.
  3. Ist das grottig schlecht gemacht. Man muss nicht “Jud Süß” im Vergleich gucken, es reicht hier schon US-Propaganda. Vergleichen wir mal die “Katharsis”:

Das ist schon von der Farbgebung scheiße. Fröhlich ist bunt; wenn “Werbung” (der Spot ist von Jung von Matt, das ist so eine der “besten” Adressen für Werbung) nicht nur von affektierten Tussen, die sich kaum den Arsch abwischen können, bevölkert wäre, wüssten die das.

Wichtiger aber: wer guckt denn in dem Bild happy? Die siffig angezogene Mutter mit dem Stock im Arsch (der “Loser-Dad” trägt zumindest ein Poloshirt, bei der “Dame” sieht man die BH-Träger – die wirkt so alt wie ich, daher nehme ich an, dass ihr der lüstern sabbernde Biolehrer erklärt hat, dass das nicht “angezogen” ist)? Das Mädchen mit dem Blick nach rechts oben? “Nach rechts oben gucken” sollte man spätestens im Marketing kennen, da denkt man an eine schöne visuelle Szene. Warum denkt das Mädchen an was Schönes, wenn’s so toll sei, mit Mama zu kuscheln? Oder der Mann mit seinem Kartoffelstick?

Gut, freilich, das Mädchen ist keine Zeichentrickfigur, und das ist (wahrscheinlich) nicht Mama, aber man könnte das als Director des Spots ja mal bemerken.

  1. Fehlt, wie angedeutet, jedwede positive Darstellung der Frau. In dem verlinkten Duck-Spot reicht allein die Farbgebung, um zu wissen, dass Amerika schöner ist als Nazi-Deutschland – das wäre bei Edeka übrigens einfach gewesen, wenn das Mädchen ein fucking rotes Kleid angehabt hätte in der letzten Szene – wie in Schindlers Liste; aber ich nehme an, dass da jemand gesagt hat “das kannste nicht machen”.
  2. Fehlt damit dann jedwede Message für das “Danke, Mama” jenseits der aktuell so grundlegenden Kategorie der pseudo-moralischen Indoktrination, woran ja nun die Kirche gegenüber der Aufklärung gescheitert ist, was man nun eigentlich auch wissen könnte. Lenin wusste das. Stalin hat das von Lenin übernommen. Hitler bei Stalin. Ja fuck, lernen die Werbetussen eigentlich irgendwas?
  3. Oder, um das mal auf den Punkt zu bringen, gibt es an Frauen & Müttern heutzutage überhaupt nichts mehr positives darzustellen, außer, dass man sie toll finden muss, weil sie abends abgefuckt auf dem Sofa sitzen, nachdem Papa sich den ganzen Tag den Arsch aufgerissen hat?

Fazit? Freilich ist das ein männerfeindlicher Spot, aber er ist so kacke gemacht, dass man dafür nicht in den Krieg ziehen muss, den verlieren “die” (“anderen”) von ganz alleine. Weil auf ihrer Seite niemand kämpfen werden will. Wieso auch? Es reicht ja schließlich, abgefuckt auf dem Sofa zu sitzen. Da, aber fragt man sich in der Realität dann doch eher, wo denn all die guten Männer geblieben sind, gell?

Aber ich denke, ich kaufe mir jetzt bei Edeka eine Packung Kartoffelsticks. Die scheinen einen happy zu machen.

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2 Replies to “Danke Bayern [Nachtrag]”

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