Framing-Check: Der Framing-Check der SZ

Oh du meine Güte. Als gäbe es nicht genug Idioten in der Presse.

Ich hatte erst heute Mittag Georg Restle verlinkt, der (ausgerechnet) unter Berufung auf Luhmann, einen der wirrsten und unverständlichsten (aber durchaus brillanten) Soziologen des 20. Jahrhunderts irgendwas – in diesem Fall seinen Gesinnungsjournalismus – zu rechtfertigen versucht. Ich sage dazu nicht mehr, als ich schon auf Twitter geschrieben habe: Luhmann ist keine Rechtfertigung für irgendwas, wenn man sich mit Luhmann auskennt, da man dann weiß, dass man Luhmann nicht versteht. Und nein, das ist nicht meine Meinung, das ist die Meinung von universitären Paneelen von Leuten, die sich seit 20 Jahren mit Luhmann beschäftigen und evtl. auch mal ein Bier mit ihm trinken waren.

Jetzt kommt ein Johannes Hillje daher, seines Zeichens “lebt in Berlin”, und hat von der ehemaligen Tageszeitung und heutigem linken Propagandamagazin “Süddeutsche Zeitung” eine Kolumne zu “Framing” bekommen. Dazu kommen wir gleich – vorher aber möchte ich Danischs angedeuteter Trendwende, auf die ich heute Mittag noch hoffte, vehement widersprechen: Nicht nur haben wir Publikum und Autoren von dem (weil verfassungsfeindlich) verbotenen Portal linksunten.indymedia.org jetzt als “Faktenfinder” auf tagesschau.de; nein, die SZ kann das noch besser und lässt einen vollkommen weltfremden, linksradikalen Spinner (“leitete den Europawahlkampf der Europäischen Grünen Partei”) sinnvolle wissenschaftliche Konzepte vergewaltigen.

Hier: Framing. Ich erkläre das vielleicht mal kurz, am besten geht das mit den Herren Kahneman & Tversky (die für diese Erkenntnis 1974 übrigens einen Nobelpreis bekamen [Zitatquelle]):

Problem 1 (N = 152): Imagine that the U.S. is preparing for the outbreak of an unusual Asian disease, which is expected to kill 600 people. Two alternative programs to combat the disease have been proposed. …

If Program A is adopted, 200 people will be saved. (72%)
If Program B is adopted, there is a one-third probability  that 600 people will be saved and a two-thirds probability  that no people will be saved. (28%)

K&T illustrieren hier “Framing”, also die Darstellung eines Problems – in einem Kontext – an einem einzigen Wort: “saved”. 72% der Probanden wollen lieber sicher 200 Leute retten, als das Risiko einzugehen, dass niemand gerettet wird.

Die identische Frage kann man aber auch anders stellen:

Problem 2 (N = 155): If Program C is adopted, 400 people will die. (22%)
If Program D is adopted, there is a one-third probability  that nobody will die and a two-thirds probability that 600  people will die. (78%)

Das ist, wohlgemerkt, genau die gleiche Entscheidung, und (strikt) rational sind eh beide Alternativen immer gleich. Aber rein durch den Austausch von “retten” zu “sterben” entscheidet sich plötzlich die Mehrheit der Probanden anders. Warum? Nun, kurz gefasst: Weil Menschen negative Risiken im Vergleich zu positiven Risiken überbewerten. D.h., im Falle von etwas (sicher) Schlechtem sind Leute risikobereiter als bei etwas (sicher) Gutem. Man könnte das “Mitnahmementalität” respektive “Verlustangst” nennen – hey, komischerweise reden Psychologen über genau solche Wörter 😉

Kahneman und Tversky bekamen dafür den Wirtschaftsnobelpreis, aber natürlich ist Framing eher ein soziologisches Konzept – und funktioniert, selbst wenn man es nur als Möchtegern-PUA zum Frauen aufreißen benutzt.

Auf dieser ubiquitär menschlichen Risikoaversion beruht z.B. eigentlich die gesamte Versicherungsindustrie – selbst bei einer vollkommen lächerlichen Darstellung der Risiken mit einer “Comedienne” wollen Leute potentiell Negatives zum Preis eines sicher Negativen vermeiden  – ne, das widerspricht nicht Kahmenman und Tversky, Geld und Tod sind andere Sachen. Der Werbespot “framet” ein katastrophales finanzielles Risiko (family has no money) gegen ein potentielles Risiko, bei dem eine Chance auf “alles gut” ist (auch wenn man eventuell nur Geld rauswirft). Hier rechts unten unterschreiben; und dann noch auf jede Seite Ihr Kürzel, bitte.

Nachdem wir nun geklärt haben, was Framing ist, kommen wir zurück zu – ich bin echt schlecht mit Namen, aber der hieß ähnlich wie Omas Hund, Bacchus, also Hasso oder so:

Wer wie Horst Seehofer von einem “Masterplan” spricht, suggeriert

… ohne Hassos (!) Framing, dass er einen Plan hat, der Master-geil ist. Ich denke, dass das Seehofers “Tropfen auf dem heißen Stein” – Plan zwar nicht gerecht wird, aber darum geht es nicht. Es geht explizit darum, wie Hasso das framen (“suggeriert”) wird:

Was der Begriff suggeriert:
“Masterplan” entspringt eigentlich dem Bereich der Stadtplanung.

Ich meine, kommt – wer hat denn bei “Masterplan” nicht sofort an “Stadtplanung” gedacht und nicht etwa an einen Bond-Bösewicht? Ne, kommt, ihr ungebildeten Deppen – es geht hier um Stadtplanung, nicht um einen Masterplan.

Im Pickup ist das “negging”, also, absolut geile Frauen für vollkommen irrelevante Kleinigkeiten kritisieren, um sie zu verunsichern. Und das funktioniert halt sogar mit Leuten wie mir – wenn mir keine Zeit gelassen wird, darüber nachzudenken. Die muss man sich aber halt schlicht nehmen, deswegen haben die ganzen PUA’s auch keine stabilen Beziehungen – weil sie ihren Frame nur vorspielen und ein nur vorgegebener Frame irgendwann zusammenbricht. Wie die Versicherungen, aber da kommt man ja noch weniger raus als aus einer Ehe. Meine Frau ist mit einem IQ knapp über 130 ja nun natürlich nicht der hellste Stern am Himmel, aber denkt irgendwer wirklich, dass man auf Basis irgendwelcher Verunsicherungen 20 Jahre Beziehung aufrecht erhalten kann? Nein? Eben.

Sowas funktioniert – wie dicke Titten oder Angstmacherei – nur kurzfristig. Versicherungen machen da staatlich sanktionierte Verträge zum Unwohl aller Kunden – wie Brüste Frauen auch, aber da hat man ein paar Jahre Zeit, seine Unterschrift unter den Vertrag zu setzen.

Weiter im Text, nach unnötigem Bullshit über Stadtplanung:

Warum das in die Irre führt:

und fucking Hasso ist derart unverschämt, dass er Seehofer dafür kritisiert, in die Irre zu führen.  Ich zitiere mal Hassos Framing-Bemühungen:

Laut Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen waren Ende 2017 etwa 68,5 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. … Klimakrise … noch deutlich mehr Menschen … Globale Probleme…
die nationalen Grenzen grundsätzlich offen sind ….  Deshalb … eine europäische Flüchtlings- und Asylpolitik

Das ist Hassos Frame, den er der billigen Schlampe in der Disco seinen Lesern vorgibt. DAS IST FRAMING.

Hassos “winning point” ist dann:

Der Begriff vom “Master” suggeriert damit, dass da jemand ist, eine Behörde oder ein Minister, der die angestrebten Ziele in Eigenregie lösen kann.

Als wären Politiker für irgendwas anderes da, als genau das zu tun. Es ist Seehofers fucking Job, die angestrebten Ziele in fucking “Eigenregie zu erreichen”. Ansonsten könnten wir uns Herrn Seehofer, Fräulein Merken und den Rest der Nepotisten nämlich auch sparen, oder sie guilotinnieren, wie das die liberalen Franzosen gemacht haben, als Marie Antoinette Aussagen wie der Berliner Bürgermeister gemacht hat – “wenn sie sich unsicher fühlen, essen Sie halt Kuchen”.

Hassos zweites Framing war das gerade wiedergegebene, sachlich und inhaltlich falsche Framing einer Unmöglichkeit nationaler Alleingänge von Leuten, die dazu da sind, “dem deutschen Volke” zu dienen. Haben wir hier gerade Linksradikale, die “Quelle” schreien, um sinnvolle Dialoge zu zerstören? Steht auf dem fucking Reichstag. Und das präzisiert Hasso auch noch:

Der Begriff “Masterplan Migration” suggeriert also eine nationale Handlungsmacht, wo es nur europäische Lösungen gibt.

Denn die gibt es selbstverständlich. Die EU-Bürokraten-achfucksoeinenDreckkonntenichtmalPolybiossichauchnurVorstellen-okratie ist kein unveränderliches Datum; fragt mal Briten. Oder Scheiße, fragt mal Polen, Ungarn – oder mirwegen Griechen, die Milliarden geschenkt bekommen und die EU immer noch scheiße finden.

Den Gipfel der Idiotie, quasi auf Hofreiter-Niveau (aber gut, auch ein Grüner) liefert Hasso dann gegen Ende:

Politiker müssen sich schließlich an ihren Ergebnissen messen lassen. … Und davon haben in den vergangenen Jahren vor allem Populisten profitiert.

Populos ist grichisch (oder Latein, fickt euch) das Wort für Demos (gr/lt, dito), das Volk. Welchen Abstand zur Realität muss man besitzen, innerhalb aneinanderhängender Sätze Leute dafür zu kritisieren, das zu machen, was die Leute wollen, und ihnen ebendieses gleichzeitig vorzuwerfen?

Ah – ich vergaß: “Links” und “Rechts” kommt nach unserer schulischen Indoktrination von der “Sitzordnung im Parlament” und nicht etwa daher, dass “Linke” link(isch) sind, und “Rechte” einfach Recht haben.

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3 Replies to “Framing-Check: Der Framing-Check der SZ”

  1. Ich bin ja kurzsichtig. So arg kurzsichtig, dass ich schon um den auf Armlaenge stehenden Bildschirm zu lesen eine Brille brauch. Zum fahren brauche ich dann noch eine Bifokale oder Gleichtsichtbrille.

    Die Masse der Deutschen sind ebenfalls kurzsichtig in Bezug auf Politik. Die schauen bis zur Wohnungstuer oder zum Gartenzaun. Solange da keine Leichenberge liegen ist die Welt in Ordnung. Erst wenn man selbst, oder jemand im engsten Kreis, Opfer der Goldstuecke geworden ist, dann sieht man das. Wenn das anderen passiert, muessen die wohl selbst schuld dran sein.

    Genau da setzt der linke Populismus an. Wenn man zu den Guten gehoert, dann kann einem etwas Ungutes doch gar nicht passieren (ansonsten war man halt doch kein wirklich Guter). Und das wirklich Gute ist die universelle, utopistische Loesung. Heile grenzenlose Welt fuer alle und jeden.

    Ein Masterplan haette ja ein uebergeordnetes Ziel und beschriebe die kleinen Schritte dahin, die jeweils zu einem Teilerfolg fuehren muessen. Sowas hat Seehofer nicht. Der derzeitige “rechte” Populismus ist diffus und verlogen, da nicht mal ein uebergoerdnetes Ziel klar bestimmt ist. Wenn Seehofer 200 von 2.000 Leute an der Grenze abweist, was ist dann gewonnen? Da lob ich mir die utopistische Loesung der ‘alt-right’, die mono-ethnische Staaten mit Mauern drum herum anstreben. Das steht wenigstens im direkten Gegensatz zur linken Utopie.

    Die linke Propaganda ist einfacher, weil das framing “Wir sind die Guten” ist und sie die Rechten als “die Boesen” framen. Solange sich die CSU und die AfD damit abfinden, dass sie jetzt nun mal die Boesen sein muessen, weil irgendwie wird dann alles wieder gut, so wie 1950 oder so, dann stehen sie weiterhin auf verlorenem Posten. Nun koennen wir froh sein, dass die keinen kleinen Adolf oder Joseph haben, die echt gut in Propaganda und framing waren. Andererseits haben wir den schnautzbaertigen Joseph in Gestalt von Angela, die ueber Leichen geht. Letzteres endet erst, wenn sich taeglich Schlangen vor leeren Supermaerkten bilden, oder die Leichen ueber die Gartenzaeune haengen. Erst dann sehen die Kurzsichtigen, was fuer eine Scheisse sie gewaehlt haben.

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