Quentins Pudeleien: Mansplaining

Miriam Pontius stellt uns Jungs eine Frage, die eigentlich keinen sonderlich langen Antworttext erfordert:

Jungs, warum wollt ihr uns so gerne die Welt erklären?

Weil ihr uns sonst bei den einfachsten Ausführungen nicht versteht, da ihr – im Gegensatz zu allen normalen Menschen (Männern) – offenbar absolut keinerlei Bedürfnis habt, euch irgendeine Art humanistischer Bildung anzueignen?

Und merkt ihr eigentlich, dass wir das mit euch überhaupt nicht machen?

Ja natürlich merken wir das. Sonst wüssten wir ja nicht, dass ihr keine Ahnung von nichts habt?! Durch solche Sätze merken wir übrigens auch, dass “Denken” nicht so ein Frauending zu sein scheint.

Von manchen Sachen habe ich – das gebe ich ehrlich zu – absolut keine Ahnung. Von Technik zum Beispiel. Teilweise, weil es mich nicht interessiert, teilweise, weil ich gemerkt habe, dass man im Alltag vieles nicht unbedingt verstehen muss,

Wovon Frauen aber in der Regel viel Ahnung haben sind Pseudo-Rationalisierungen für ihre eigene Unfähigkeit und Unlust, sich irgendwie zu verbessern.

Aber ich muss nicht wissen, was genau im Motor passiert, wenn ich auf die Kupplung trete, oder?

Nein; aber du solltest vielleicht wissen, dass im Motor immer ziemlich genau das Gleiche passiert, vollkommen unabhängig davon, ob du auf die Kupplung trittst.

Mein maschinenbegeisterter Freund weist mich bei gemeinsamen Spaziergängen trotzdem gerne darauf hin, wenn ein Auto mit Turbolader vorbeifährt. Inzwischen kann ich die Geräusche verschiedener effizienzsteigernder Verfahren für Verbrennungsmotoren nachmachen.

Ich bin sicher, dass das der erwünschte Lerneffekt war.

Bitte nicht falsch verstehen, das soll keine Beschwerde werden. Es geht hier nicht um das herablassende Mansplaining, das manche Männer verwenden, um Frauen kleinzuhalten.

Wissen ist Macht. Wissen weiterzugeben schmälert daher die eigene Machtposition und steigert die des Gegenübers. Frauen etwas zu erklären – auch etwas, was sie schon wissen – was ich in meinem Artikel über Mansplaining mal als reines Hirngespinst dummer und illusorischer Feministen kategorisiert habe – ist also etwas, das Frauen größer macht. Dazu müssten sie aber natürlich zuhören und verstehen.

Neuerdings habe ich eine Faszination für das reibungslose Zusammenwirken hunderter unwahrscheinlicher Vorgänge wiederentdeckt, die zu einem fahrenden Auto führen. Und die rührt von den technischen Erläuterungen meines männlichen Wegbegleiters her.

Ich habe irgendwie den Eindruck, dass dein Begleiter ziemlichen Stuss redet oder sehr schlecht erklärt, wenn das für dich unwahrscheinliche Vorgänge sind.

Umgekehrt kann ich mir aber nicht vorstellen, dass ich ihm etwas aus meinem Kompetenzbereich erkläre. Malerei etwa. In einer Kunstausstellung würde ich nie anfangen, die Pyramidal-Komposition zu beschreiben oder den Einfluss des Künstlers über seine Lebenszeit hinaus zu erläutern. Dabei würde ich mir irgendwie komisch vorkommen. So lehrerhaft.

Hmmm… ja… du bist eine 23-jährige Bachelorette mit einem Publizistikabschluss. Ich behaupte mal, dass ich mehr Ahnung von Kunst habe als du, und ich habe eigentlich überhaupt keine Ahnung von Kunst.

Ihr aber blüht richtig auf, wenn ihr uns etwas erklärt. … Und das freut uns dann. … Gleichzeitig erweitern wir unseren Erfahrungsschatz.

Ja… ne… siehe oben: Ganz offensichtlich nicht.

Woher aber kommt diese Erklärungsfreude? … Was also freut euch daran, uns die Welt zu erklären? Wollt ihr uns beeindrucken? Wollt ihr gebraucht werden? Habt ihr Angst, wir könnten davonlaufen, wenn wir bemerken, dass unser Wissensreservoir genauso groß ist wie eures? Oder fällt euch das gar nicht auf, dass wir euch weniger erklären als umgekehrt?

Nochmal: siehe oben: Es kotzt uns an, wenn ihr die einfachsten Sachen nicht versteht. Und das lässt sich nur durch Erklären beheben – vorausgesetzt, ihr versteht das dann auch irgendwann. Und das, was wir in der Regel so erklären müssen, wüsstet ihr auch schon, wenn ihr bei der Sendung mit der Maus nicht nur die Lach- sondern auch die Sachgeschichten beachtet hättet.

Wir finden nicht uns beeindruckend, wir finden es entsetzlich, wie man als Teil einer auch nur vorgeblich zivilisierten Gesellschaft so wenig Bildung haben kann wie Schantalle aus Berlin. Wir wissen, dass wir gebraucht werden – würden Männer aufhören zu arbeiten, gibt es in drei Tagen nichts mehr zu essen, nach einer Woche keinen Strom und kein Wasser mehr; die Gesellschaft versinkt in Anarchie; man wird wegen einer Packung Pumpernickel umgebracht und – weil das ja schlimmer sein soll – einfach nur aus Jux und Dollerei vergewaltigt. Ist aber eigentlich nicht so schlimm, denn nach zwei Wochen fliegen alle Kernkraftwerke in die Luft und wir haben eine nukleare Apokalypse.

Wir haben auch keine Angst, dass ihr “davonlauft”, weil euer Wissensreservoir nicht so groß ist wie unseres – es sei denn, natürlich, es geht um vollkommen irrelevanten Quatsch wie den Gewinner von GNTM oder das Krebsleiden von Margarethe von Dänemarks alter Schuldfreundin ihrer Cousine. Nochmal: Wir haben andere Probleme, zum Beispiel den Zusammenbruch der Zivilisation und einen atomaren Holocaust. Damit ihr da wenigstens ein bisschen Verständnis dafür entwickelt, erklären wir euch halt z.B. auch, dass Strom nicht originär aus der Steckdose kommt und Windrädchen und Solaranlagen keine Lösung sind, bei der ihr euch auch nur die Haare zuverlässig föhnen könnt – geschweige denn GNTM schauen. Nur so als Beispiel.

Zum Pudel:

da ihr hier ja auch förmlich bittet, etwas von uns erklärt zu bekommen, wird mir persönlich die Problemlage nicht ganz bewusst

Ja – an der Stelle könnte man Frauen auch mal erklären, dass Männer in der Regel “fick mich hart von hinten” verstehen, wenn sie “fick mich hart von hinten” sagen und Männer herzlich wenig Verständnis dafür haben, wenn man danach eine Vergewaltigung daraus behauptet.

Es macht tatsächlich großen Spaß, euch mit unserem unendlichen Wissen und mit weltpolitischer Voraussicht die globalen Zusammenhänge näherbringen zu dürfen.

Und es zeigt auch, wie dringend Frauen das nötig haben, wenn jemand wie Quentin da einen Beitrag leisten kann.

Ebenso kann es sicherlich guttun, euch fachmännisch-physiklehrerartig die Funktionsweise eines Turboladers zu erklären. Wobei ich hier passen muss ­– ich denke dabei an eine Mischung aus Gabelstapler und Space-Shuttle.

Schau – genau das ist das Problem. Ich hatte bis gerade eben auch keine große Ahnung, wie ein Turbolader funktioniert, soweit ich weiß, werden da irgendwie die Abgase dazu genutzt, das Kraftstoff-Luft-Gemisch zu verdichten, was irgendwie zu einer effizienteren Explosion führt. Ich bin aber nun nicht Quentin, sondern ein ganz typischer Mann und schaue nach, wenn ich was nicht weiß. War nicht so falsch, dass ich das jetzt korrigieren müsste, und habt ihr eh alle nicht verstanden (also, die Frauen), von daher weiter im Text:

Ich würde mir durchaus wünschen, mich von einer kompetenten Physikerin korrigieren zu lassen.

Das schöne an Quentin ist, dass er offensichtlich in einer Lage ist, bei dem er recht einfach Frauen finden kann, die ihn tatsächlich korrigieren können. Dazu müsste man aber eine falsche Aussage gemacht haben. Es ist aber nicht so falsch, bei Turboladern an Gabelstapler oder das Space-Shuttle zu denken – Bei letzterem werden Treibstoff und Luft vermischt, und bei ersterem werden durch (jaja, pneumatischen, ist doch jetzt mal egal) Druck die Staplergabeln angehoben (zumindest war das bei meinem Lego-Technik-Stapler so). Man hat also wieder Druck plus Treibstoff-Luft-Gemisch, ergo effizienteren Knall. Ich lasse mich da aber gerne von einer kompetenten Physikerin eines besseren Belehren, möchte aber anmerken, dass mir das eigentlich ziemlich egal ist und sie ihre Zeit besser darauf verwenden sollte, was cooles mit Kernfusion zu machen. Nur wegen der Windrädchen, den Föns und der nuklearen Apokalypse.

Bei mir hat sich zum Beispiel mal ein Freund ausgeheult, nachdem seine neue Freundin – vor der Beziehung war sie eine glühende Verehrerin des betrunkenen Kapitalismus-Diskurses – plötzlich jeden seiner Vorträge nur noch mit still-anerkennendem „Ja, da hast du sicher recht“-Kopfnicken begleitete.

Gibt es in der linken Szene irgendwo Leute, die auch mal nüchtern sind? Und ja, Frauen schalten schlicht auf Ignoranz und “passt schon” um, wenn sie keine Lust mehr haben. Weil Frauen in einem Diskurs, der mit “passt schon” endet denken, sie hätten gewonnen. Weil sie nicht wissen, wie man einen Diskurs wirklich gewinnt, aber das ginge jetzt so weit über deren Vorstellungshorizont hinaus; das wäre müßig, das auch nur zu Erklären zu versuchen.

Natürlich sind wir Jungs für diese Zurückhaltung auch mitverantwortlich, wir unterbrechen euch öfter

Quentin hat ganz offensichtlich nie mit einer Frau geredet.

und neigen vermutlich auch eher zum sonoren Klugscheißen, das keinem Zuhörer wirklich Spaß macht

Sprich bitte für dich selbst, Quentin. Ich rede nur, wenn ich einen relevanten Beitrag leisten kann.

Aber bitte, wenn wir etwas nicht verstehen, falsch liegen, keine Ahnung haben oder ihr sonst irgendeinen Drang zur großen Rede verspürt: Erklärt uns erstmal alles, was euch einfällt! Was spricht dagegen? In welcher Welt ist denn bitte Intelligenz ein Grund zum Davonlaufen?

Bedenkt aber, dass sonores Klugscheißen keinem Zuhörer Spaß macht. Deswegen mag ja niemand Feministen.

Handelt es sich um ein Gebiet, von dem ich auch eine Ahnung habe, kann ich ja mitreden. Und wenn nicht, dann lernen auch wir Jungs gerne dazu.

Außer natürlich Pudel, die zu faul sind, sich zu einem fucking bezahlten Artikel was über Turbolader durchzulesen.

Frauen, die heutzutage die Meinung und den Wissenstand des Partners automatisch oberhalb des eigenen ansiedeln und deswegen nie ihr eigenes Wissen anbringen oder auch nur in eine Diskussion einsteigen, sind mir suspekt.

Automatisch? Was ist denn das für ein Unsinn? Es gibt mehr oder weniger gebildete Menschen. Solche Frauen, die z.B. Quentins Wissensstand über ihrem eigenen ansetzen, sind aber deswegen nicht suspekt, sondern strunzblöde.

Insofern könnt ihr hier vielleicht von uns lernen (wobei das auch wieder herablassend klingt): Labert mal ordentlich einen auf, immer und überall! Unterbrochen werdet ihr ja leider oft genug.

Ja, wenn das von Quentin kommt, klingt das sicher herablassend. Vor allem, wenn dann eine derart saudumme Empfehlung kommt. Schaut, liebe Mädchen: was Quentin hier von sich gibt, lässt ihn aussehen wie den letzten Vollhonk. Wenn ihr das genauso macht – also, einfach “Top of Head” außerhalb eines Brainstormings, sondern stattdessen in einem (nominal) durchdachten Artikel von euch gebt – dann wirkt ihr halt auch nur saudumm.

Ich würde also einfach mal nachdenken, bevor ich eine Frage stelle wie “Jungs, warum wollt ihr uns so gerne die Welt erklären?”. Es könnte sein, dass einem die Antwort nämlich nicht gefällt.


Sack, das war so ziemlich der sexistischste Artikel, den ich jemals geschrieben habe. Sollte es daher jetzt Frauen geben, die sich herabgesetzt oder kleingehalten fühlen – das ist gut so; für solche Frauen schreibe ich das, damit die nicht in illusorische Grandeur verfallen. Allen anderen wünsche ich einen schönen Tag.

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3 Replies to “Quentins Pudeleien: Mansplaining”

  1. Ich haette mal eine Frage an Quentin. Ja, ich weiss, falsche Baustelle, aber ich moechte meinen disqus-account nicht ins Jenseits befoerdert haben, also nicht von Quentin. Ich nutze den um ab und zu mal bei Lt. Dino zu kommentieren, nicht dass dies wichtig waere, aber es ist mir immerhin um ein klitzekleines bisschen wichtiger als den account bei jetzt.de zu verbraten. Nicht dass Du hier mitlesen wuerdest oder gar antworten, da Du bei 4,99 EUR pro Artikel wahrscheinlich vollauf damit beschaeftigt bist die Sonderangebote von Lidl, Penny und Aldi zu vergleichen.

    Also lieber Quentin, bevor Du Dich jetzt wieder aufbrezelst, um in der Disco nacher doch wieder nur in der friendzone zu landen, folgendes:

    War es Einstellungsvoraussetzung bei jetzt.de sich geistig wie koerperlich kastrieren zu lassen oder warst Du schon vorher so? So langsam habe ich den Eindruck dass Du voellig frei von Y-Chromosomen bist. Welcher Mann wuerde sich freiwillig den screen-Namen ‘Quentin Himmelblau’ geben. Mal ehrlich, selbst ‘Kevin Klappspaten’, der gerade mal wieder um Hartz4 bettelt wuerde sich mit dem Namen beleidigt fuehlen. Ich denke so was kann sich nur eine Frau ausdenken, oder halt ein Vollkastrat.

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