Quentin erklärt das Pudelsein: Adipositas

Jungs, wollt ihr auch eine Body-Positivity-Bewegung?

Auch? Liebe Eva – wir finden die “Body Positivity” – Bewegung weitestgehend lächerlich. Fette Frauen sind in der Regel nicht sexy oder attraktiv, da könnt ihr uns erzählen, was ihr wollt. Es ist auch nicht gesund, 20 oder mehr Kilo Fett mit sich rumzutragen. Wusstet ihr, dass Fett ein Organ ist, also quasi lebt? Wenn man das mal weiß, stellt man sich fette Leute immer wie von einem Alien-Parasiten befallen vor. Freilich aber hat das nichts mit bösen Alien-Parasiten zu tun; die sind ganz alleine selbst schuld dran, dass sie fett sind.

Wir fangen mal mit der Frau an, sonst ist Quentins Zeug so kontextfrei:

Manchmal riechen wir an euch unsere Gesichtscrèmes.

Wenn wir einen Sonnenbrand oder sonstige Hautreizungen haben, klar.

Oder beobachten, wie ihr eure Geheimratsecken untersucht.

Tun wir das? Ich meine – davon gehen die genauso wenig weg wie eure Cellulite, und im Gegensatz zu bei Euch hilft da Sport nichts?!

Wir wissen auch, dass ihr euch spätestens ab Mitte 20 Sorgen um euren Bauchumfang macht.

Nö. Wir entwickeln da Sprüche wie “Wozu braucht man ein Sixpack, wenn man ein Fass hat”, so jetzt, in der Realität.

Ihr zweifelt also auch an euren Körpern.

Ne, wir überlegen, ob wir weniger Essen und mehr Sport machen sollten, oder ob uns das nicht doch zu egal ist. Männer haben eine recht realistische Einschätzung von ihren Körpern.

Wirklich darüber geredet haben wir aber nie. Das ist seltsam.Denn wir Mädchen sind diesbezüglich ja ziemlich offen. Wir fragen euch, ob unsere Brüste zu klein oder zu gross sind.

Das ist überhaupt nicht seltsam. Wir fragen nicht, ob ihr unsere Geheimratsecken sexy findet, weil wir wissen, dass unsere Geheimratsecken nicht sexy sind. Analog wollt ihr auch nicht hören, dass eure Brüste zu klein sind. Pro-Tipp: Männer lügen auf solche Fragen.

Uns die neue Haarfarbe oder das bestellte Kleid steht.

In beiden Fällen wahrscheinlich nicht. Es sei denn, die Haarfarbe ist weinrot, und ihr seht in dem Kleid besser aus als Mila Kunis.

Ihr gebt meistens sehr ausweichende Antworten.

Ach. Okay, sparen wir uns den Rest und kommen zu Quentins Pudel-Weisheiten:

zu eurer Frage fällt mir zunächst mal auch nur der mittlerweile schon wieder ziemlich in Vergessenheit geratene Hashtag #dadbod ein, auf dem genau solche Badehosen-Speckbauch-Bilder zu sehen waren. Insofern könnte man jetzt vorschnell sagen: Wir haben doch unseren Beitrag schon geleistet!

Äh? Welchen Beitrag? Zu was? Was ich unter dem (mir völlig unbekannten) Hashtag finde sind meist Männer, die ihren Schwabbelkörper wieder zum deutschen Ideal “Hart wie Kruppstahl” peppeln wollen. Das hat nichts mit “findet mich schön, ich bin fett” – Frauengejammere zu tun. Was soll das?

genau dieser Körperbau ist bei uns eben seit eh und je und trotz ein paar Selbstoptimierungsfreaks auf Instagram der absolute Normalfall. Und im Gegensatz zu euch wird dieser Normalfall auch allgegenwärtig akzeptiert, wie ihr ja auch schon angedeutet habt.

Ja…. ja. Ja – was willst du denn sagen, Quentin? Ich habe schon eine halbe Seite weggelassen, und da kommt nichts?!

Natürlich ist uns nicht alles egal: Vermeintliche Schwachstellen wie Geheimratsecken sind den „Betroffenen“ sicher nicht gerade angenehm. Jeder will schön sein.

Nein. Frauen wollen schön sein. Männer wollen attraktiv sein. Da ist Aussehen nicht das Wichtigste. Also, für Männer.

Dicke Männer mit Glatze haben es bestimmt nicht sonderlich leicht.

Kommt darauf an, ob sie einen Porsche fahren. Ich behaupte mal, dicke Männer mit Glatze und mit Porsche haben es leichter als dicke Männer ohne Glatze und ohne Porsche.

Aber das bisschen Kosmetikwerbung, eine paar lächerliche Männermagazine und aalglatte Instagramtypen mit Plastikmuskeln gehen dann doch recht spurlos an uns vorbei.

Jupp.

Der Großteil von uns kauft keine Gesichtscremes, hält Männermagazinredakteure für eher bemitleidenswerte Vertreter unseres Geschlechts

Ich halte Männermagazinredakteure von z.B. der “Fit for Fun” zwar für oberflächlich, aber für deutlich bessere Exemplare des männlichen Geschlechts als – naja, zum Beispiel Quentin.

und folgt auf Instagram

niemandem. Ganz ehrlich nicht. Männer folgen auf Instagram niemandem, das ist ein reines Frauending.

Kurz gesagt: Auch wenn uns die Fitness- und Kosmetikindustrie mittlerweile genau wie euch als Opfer ihrer Propagandamischung aus Selbstoptimierung und schlechtem Gewissen ins Visier genommen hat

… funktioniert das bei Männern nicht, weil die ihren Selbstwert aus sich selbst beziehen und nicht aus Likes für ihre Instagram-Hurerei?

empfinden wir in puncto Körperbau einfach nicht den Druck, den ihr offenbar verspürt. Und wo kein Druck ist, muss man auch gegen nichts anschreien.

Wenn da ein Druck wäre, hilft es nichts, dagegen anzuschreien. Es würde helfen, sich nicht noch fetter zu fressen und Sport zu machen. Rumzujammern, dass man auch mit 200 Kilo noch sexy sei, ist schlicht schizophren. Freilich kann man andere Qualitäten haben, die einen attraktiv machen, auch wenn man nicht schön oder sexy ist, aber auch die muss man erstens haben und zweitens daran arbeiten.

Insofern kann man euch also nur wünschen, eines Tages auch bei dieser Grundentspannheit anzukommen.

Durch Yoga, zum Beispiel. Männer lieben Frauen, die sich verbiegen können, und Yoga für dicke Frauen geht halt nicht (wirklich; klar kann man da schummeln, aber damit belügt man sich nur selbst. Ich sage auch nicht, dass ich 20 km laufe, und nehme dann für alles außer der ersten und letzten 500m die S-Bahn).

Dass der Druck, dem ihr seit Jahrzehnten – auch durch uns – ausgesetzt seid, irgendwann Geschichte sein wird.

Warum? Warum hofft Quentin, dass Menschen keinen Druck mehr haben, für andere attraktiv zu sein? Wieso denkt Quentin, dass er damit nicht in einer absoluten Minderheit ist, sondern maßt sich an, da für alle Menschen zu sprechen? Wollen wir Menschenpaarungen jetzt nach staatlich vorgegebener Quote vergeben, wie in  Yevgeny Zamyatins Dystopie We? Das ist doch entsetzlich!

Und genau da setzt ja die ganze Body-Positivity-Sache an, oder?

Eben. Und deswegen ist die ja so entsetzlich. Kommen wir wieder zurück zu Eva:

Da gibt es keine Fotos von Männern mit Dellen und unreiner Haut. Keine Haare auf dem Rücken, keine beginnenden Glatzen oder Schwimmringe, die für Selbstliebe stehen.

Schwimmringe stehen nicht für Selbstliebe. Das können vielleicht weltfremde, poststrukturalistisch indoktrinierte Spinner sich einreden oder Frauen, die meinen, es wäre “Denken”, wenn sich der Hamster im Kopf schnell laufend auf der Stelle bewegt, aber Männer können das in der Regel nicht. Männer sehen ihren Bierbauch und denken sich “vielleicht sollte ich nicht so viel Bier und fettes Essen essen”. Oder sie gestehen sich ein, dass ihnen ihr Hedonismus wichtiger ist und bestellen noch eine Maß und ein Brathendl. Das ist Selbstliebe – tun, was man für sich für richtig findet. Aber davon hat man ggf. einen Bierbauch, und Bierbauch ist nicht sexy. Kann man mit leben, Bier und Brathendl sind durchaus lecker.

So ein Foto von einem zufriedenen Kerl in Badehose und kleinem Speckbauch, das hat doch auch was.

Was hat das? Wer will das sehen? Warum? Um sich selbst besser zu fühlen, weil andere schlechter aussehen? Das ist nicht Selbstbewusstsein, das ist ziemlich genau das Gegenteil – und ziemlich widerlich.

Fehlen euch das Vorbild und der Mut?

Ist das jetzt ein billiger Shittest? Komm, du traust dich nicht, von der Klippe zu springen?

Und würdet ihr selbst offener mit euren Makeln umgehen, wenn es Vorbilder gäbe?

Wir gehen offen mit unseren Makeln um. Insofern, als wir anerkennen, dass es Makel sind. Makel sind nicht schön, gut oder gar bewundernswert. Es ist auch nicht bewundernswert; es ist schlicht vollkommen illusorisch, absichtlich Mängel an sich als Kern einer “findet mich schön” – Botschaft anzupreisen. Glaubt ihr mir nicht und ich sei nur zu feige? Nenene, Kinders: Hier ist in Bild von meinem bewundernswerten Sonnenbrand im letzten Urlaub:

Wunderschön, nicht?

Das, was ihr Frauen gerade denkt ist übrigens das, was Männer denken, wenn irgendeine Moppeltrulla ihre “Schönheit” durch ein zu enges Kleid, aus dem das Fett überall rausquillt, zeigen möchte.

Lasst das doch einfach.

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