Quentin erklärt das Pudelsein: Gentlemen

Aus der allseits beleibten neuen Reihe “Quentins Pudeleien” heute:

Mädchen, dürfen wir noch Gentlemen sein?

Ein Gentleman ist jemand, der immer dafür sorgt, dass die Leute in seiner Umgebung sich so wohl wie möglich fühlen. Frauen schwierige Fragen zu stellen führt bei diesen nicht zu Wohlbefinden, von daher ist die Frage für Quentin vollkommen irrelevant, er kann das mit dem “Gentleman-sein” ja nun ganz offensichtlich nicht. Kommen wir also gleich zur “Mädchenantwort”, verfasst von einer Nadja Schlüter, an der außer ihrer entsetzlichen Frisur und der Vermutung, dass sie dicker ist als man das auf dem Foto sieht, wenig auszusetzen gibt. Noch.

es gibt auf dieser Welt einen Mann, von dem ich mir bereitwillig in den Mantel helfen lasse, und das ist mein Vater.

Ich habe einen sechs Kilo schweren Lammfellmantel, ich lasse mir da von jedem gerne reinhelfen. Aber wenn du meinst, dass du allen zeigen kannst, was für eine tolle, starke, selbstbewusste Frau du bist, indem du deinen Mantel selbst anziehst – mach das doch. Irgendwann schaffst du es vielleicht auch, nicht mehr “Abputzen” zu schreien, wenn du dein Geschäftchen erledigt hat.

Was allerdings Männer in meinem Alter betrifft, bin ich etwas unschlüssig. … Allerdings nicht, weil ich glaube, dass ein Mann mir die Autotür öffnet, weil er denkt, dass ich qua Geschlecht zu blöd und zu schwach dafür bin. Das wäre so unfassbar unverschämt, da bliebe mit glatt die Luft weg.

Wir machen das, weil ihr mit euren Tausend Ringen an den Fingern den fucking Lack zerkratzt, weil ihr zu blöd seid, eine fucking Türklinke zu benutzen.

Und, kannst du noch atmen?

Früher, da war dieses Verhalten gesellschaftliche Norm. Männer hatten die Macht, mussten Frauen gegenüber aber unterwürfige Gesten ausführen, damit die Frauen derweil möglichst reibungslos ihrer Pflicht (hübsch und passiv sein) nachkommen konnten.

Es ist nicht unterwürfig, ein Gentleman zu sein – ganz im Gegenteil. Es ist respektvoll, es einer Dame in seiner Gegenwart so bequem wie möglich zu machen. Und ich möchte gerne Nadja sehen, wie sie ganz emanzipiert mit einem fucking Reifrock selbständig und stark in einen Cinquecento einsteigt. Wirklich. 

Heute würde – zumindest in unseren Kreisen – niemand mehr den Kopf schütteln, wenn ein Mann einer Frau nicht in den Mantel hilft.

Das kommt darauf an, wo und was die Dame trägt, ne? Die in den biersiffigen Mantel, der auf dem Boden des Festzelts im Dreck gelegen hat und Spuren von Kotze enthält wäre durchaus unpassend; wenn du aber gerade mit einem eleganten kleinen Schwarzen deinen Mantel von der Garderobe in der Oper bekommst schauen die fucking Mindestlohn-Garderobiere durchaus seltsam, wenn ein Mann seiner Begleitung nicht in den Fuchspelz hilft.

Und weil diese Gentleman-Gesten eben nicht mehr Standard und dadurch unauffällig sind, sind sie uns oft unangenehm. Weil die Männer, die sie ausführen, sich damit in den Vordergrund drängen.

Gott bewahre, dass die Welt sich nicht nur um das solipsistische Prinzesschen dreht.

Aber mal ehrlich: In welcher Welt drängt sich ein Mann in den Vordergrund, wenn er einer Frau in den Mantel hilft? Freilich, ein Gentleman tut das nicht, wenn die Dame das nicht will, sondernd er Gentleman wartet, nachdem er seinen Mantel anhat, geduldig eine viertel Stunde rum, bis die feine Dame es endlich geschafft hat, ihren wahrscheinlich zu klein gewordenen Mantel anzuziehen und den anstehenden Leuten an der Garderobe nicht mehr im Weg zu stehen, aber der nicht-Gentleman mault halt derweil noch rum, dass sie ewig braucht. Wenn Nadja das so will, bin ich sicher, dass sie keine Probleme hat, irgendeinen Proleten zu finden, der das gerne so handhabt. Ich wünsche ihr auch viel Freude mit diesem Vorzeigeexemplar menschlicher Evolution; es ist genau das, was sie verdient hat.

Und wir wittern dann leider auch schnell eine dem zugrundeliegende „Wäre die Welt doch wieder so schön einfach wie vor hundert Jahren…“-Haltung. Heißt: Die Geste ist nicht per se sexistisch. Aber möglicherweise der Impetus.

20. Vor 20 Jahren hat man Damen noch in den Mantel geholfen. Ich bin Mitte 30 und tue das – bei Damen. Keine Sorge, wenn jemand so einen Stuss schreibt ist sie aus der Kategorie “Dame” raus.

Gleichzeitig geht es uns, wenn wir diese Gesten ablehnen, nicht darum, dass wir nicht wollen, dass man uns die Tür öffnet. Wir wollen sie nämlich gar nicht unbedingt für uns selbst öffnen. Was wir allerdings wollen: Sie auch mal für euch öffnen.

Liebe Frauen: Dann lernt doch bitte mal, in euren hohen Schuhen auch zu laufen. Da gibt es sogar Kurse für Späteinsteiger. Dann müssten wir Männer nämlich nicht unendlich lang vor der Türe stehen, bei Schneesturm und Hagel, bis ihr endlich mal da seid (wir gehen ja jetzt nicht von Gentlemen aus, die der Dame den Schirm tragen, oder?).

Auch mal der aktive Part sein, der sich nicht nur um sich selbst, sondern auch um euch kümmert.

Wir Männer können sehr gut selbst Türen öffnen. Wir können uns aber nicht selbst einen blasen. Du verstehst irgendwie nicht, dass “um uns kümmern” einen Mehrwert bieten sollte. Wie bei den Autotüren – siehe oben.

Wenn ein Mann einer Frau in den Mantel hilft, kann das charmant oder altmodisch rüberkommen – aber wenn eine Frau einem Mann in den Mantel helfen würde, fänden viele das sehr komisch (außer der Mann ist sehr alt).

Ja. Weil die Frau noemalerweise kleiner ist als der Mann und den Mantel daher (a) falsch halten und (b) nicht ordentlich über die Schultern ziehen kann, sodass das in einer mittleren Katastrophe endet. Es ist auch zunehmend so, dass viele Frauen gar nicht mehr wissen, wie man sich in einen fucking Mantel helfen lässt – passiv. Weil sie so furchtbar aktiv sein wollen, auf Teufel komm raus, ohne Sinn und Verstand. Aber keine Sorge, Nadja, sobald du über 30 und immer noch so bist, wie du gerade wirkst, wird dir das nicht mehr passieren.

Obwohl das nur eine Geste wäre, der etwas zugrunde liegt, das nichts mit Geschlechterrollen zu tun hat, sondern einfach nur mit gutem Zusammenleben: Höflichkeit.

Nein, es hat auch was mit Effizienz zu tun: Die Dame hat eine Handtasche. Sie hat also eine Hand voll. Mit nur einer Hand einen Mantel anziehen erfordert dabei entweder fortgeschrittene Martial-Arts-Kenntnisse, oder man zieht den durch den Dreck. Oder man stellt die Tasche ab. Freilich kann man die auch dem Mann zum Halten geben, aber das ist halt so furchtbar modern-pudelig und dauert zudem länger.

Darum muss ich jetzt vielleicht noch sagen: Sorry, Jungs, eigentlich sind wir eben doch zum Versöhnen hier. Aber wenn ihr Ärger wollt, können wir euch ja demnächst mal den Stuhl vom Tisch wegrücken. In dem Moment, in dem ihr euch draufsetzen wollt.

Ich habe irgendwie den Eindruck, dass Nadjas ablehnende Haltung gegenüber Gentlemen, die etwas nettes für sie tun, vor allem daher rührt, dass sie keine kennt. 

Und wie sieht Quentin Pudel das?

Da hüpft dem im Geiste oder ganz real alten Herren dann das Herz: Endlich eine, die traditionelle Rollenbilder noch zu schätzen weiß und sich als erwachsene Frau noch gerne wie ein unfähiges Porzellanpüppchen behandeln lässt.

Ne, liebe Frauen, wie eine Dame. Unfähige Porzellanpüppchen sind diejenigen, die jammern, dass sie ihren Job nur wegen ihrem Dekolleté bekommen haben und sich dann wundern, wenn der Chef letzteres kommentiert. Vollkommenes Unverständnis einer einfachen Situation auf beiden Seiten… Quentin ist auch mit den Autos super-schwer von Begriff:

Wer auf die andere Autoseite sprintet, um euch das Betätigen eines ziemlich simplen Türgriffs zu ersparen, sagt damit ja auch: „Du bist qua Geschlecht zu blöd und schwach dafür, da muss ich halt hier rüber rennen und dir helfen, so als echter Gentleman. Darauf stehst du doch, oder?“ Ist das nicht beleidigend?

Ne, das ist nicht beleidigend. Das ist praktisch. Die Dame, der man die Türe öffnet, trägt nämlich ein Kleid, und die Türe eines ordentlichen Autos ist recht groß. Da muss man sich als zierliche Frau recht weit rauslehnen, um die Türe aufzumachen, und da ist so ein fettig-schmieriges Teil da, wo die Tür einhakt. Da kommt man also erstmal schonmal vielleicht mit dem Oberkörper dran, wenn man sich rüberlehnt, und dann erst Recht mit mit dem ausladenden Rock beim Aussteigen, worauf der Herr achten muss, weil die Dame ja nur Augen für ihn hat (und hinten keine).

Analog hat alles Andere auch praktische Gründe – ich will gerne sehen, wie Nadja einen großen, schweren Stuhl zurückrückt, während sie draufsitzt und ein Korsett trägt; das ist keine Freude. Freilich ist das mit dem Korsett eine kaum noch praktizierte Tradition, aber mit einem engen Minirock ist das auch nicht gerade – öhm – ladylike zu bewerkstelligen.

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