Die große Liebe zu Kochgeschirr

Ein altes Sprichwort sagt, dass jeder Topf sein Deckelchen findet.

Bei Christian behauptet ein Kommentator, dass das aber umgekehrt nicht gelten würde – es also nicht für jeden Deckel einen Topf gibt.

Nun ist es ja traditionell so, dass es durchaus nicht schlecht ist, mehrere Töpfe zu haben, und da man nicht alle gleichzeitig braucht, reicht ein Deckel natürlich für mehrere Töpfe.

Das war auch traditionell so, dass reiche Leute in einer riesigen Küche einfach dekorativ ein paar Töpfe und Pfannen aufhängen konnten, ohne sie wirklich zu brauchen. Es war dann aber ebenso üblich, dass die nur selten selbst kochten, weil das klassische Töpfe waren, die viel Pflege brauchten, um nicht zu rosten. Zudem waren die Bediensteten von der ungleichen Topf-Verteilung auch nicht so begeistert, sodass es schonmal vorkam, dass den feinen Herren in den Topf gespuckt wurde, was dann natürlich Suppe mit einem seltsamen Nachgeschmack verursachte.

Wir leben aber nicht mehr im finsteren Mittelalter, mittlerweile gibt es Töpfe für jede Einkommensschicht, und die vom Discounter sind nicht unbedingt schlechter als die von einer Qualitätsmarke. Natürlich, der Kenner mit Gasherd kauft sich klassische Emaille-Töpfe oder zumindest eine kunstvoll handgearbeitete, schmiedeeiserne Pfanne. Die bedarf allerdings auch einiger Pflege, sonst rostet sie. Mit ordentlicher Pflege nach dem Gebrauch setzt sie nur eine leichte Patina an, womit das Essen sogar besser schmeckt als mit einer neuen Pfanne. Eine gute Pfanne begleitete einen also ein Leben lang.

Das Problem ist natürlich, dass es beim Kochen nicht sinnvoll ist, für jeden Topf einen Deckel zu haben, und die Leute in den billigen Blech-Fabriken müssen ohne Kriege halt keine Mörserhülsen produzieren, wie wir aus Schindlers Liste wissen. Von daher gibt es in Friedenszeiten leider zu viele Deckel, für die sich kein Topf findet.

Ein anderer Kommentator merkt dann an, dass es neben Töpfen und Deckeln dann auch noch Woks gibt. Nun ist die asiatische Küche eine feine Sache, und ein solider, gusseiserner Wok ist nicht sonderlich teuer in der Anschaffung und wird einen auch ein Leben lang begleiten. Nun sind wir im verweichlichten Westen allerdings an Komfort wie z.B. Cerankochfelder gewohnt, womit ein richtiger gusseiserner Wok wenig anfangen kann. Freilich gibt es auch im asiatischen Markt billigste Blech-Woks, aber die gehen schon bei der ersten Benutzung kaputt.  Weil so ein Wok aber deutlich einfacher und zudem vielfältiger zu benutzen ist als deutsches Kochgeschirr, finden sich auch dafür Verwender, aber ich bin da skeptisch.

Damit das jetzt nicht falsch rüberkommt: Nichts gegen einen soliden, gusseisernen Wok, aber asiatisches Essen schmeckt halt scharf deutlich besser, und das jeden Tag wäre mir auch zu viel.

Das ist auch das gesellschaftliche Problem mit dem aus den USA rübergeschwappten Trend mit Fast-Food, was man schon fertig abgepackt bekommt. Ist für zwischendurch nicht verkehrt, aber die Verpackung wirft man dann halt weg. Ist nicht unbedingt etwas für den Gourmet, selbst wenn es nicht so fettiges europäisches Fast-Food vom Wienerwald ist. Auch da ist das nämlich nicht die echte Spezialität, das wäre eher ein saftiges Wiener Schnitzel, von Oma zartgeklopft in viel Butterschmalz in einer schmiedeeisernen Pfanne ausgebraten, oder halt der klassische deutsche Braten aus dem schönen, runden und sorgfältig glasierten Emaillebräter. Freilich muss man da dann auch mal den Deckel runternehmen, um die Kruste mit Honig zu glasieren, damit das lecker wird, aber das ist die Arbeit schon wert.

Wo ich nicht wirklich mitreden kann, ist die französische Haute Cousine mit Kupferpfannen und so. Freilich, Profis arbeiten mit sowas gerne, und die werden zwar schön schnell heiß, aber halt auch viel zu schnell wieder kalt und sind – also mir jetzt – viel zu viel Arbeit, da hab ich lieber was solides. Und gute Kupferpfannen findet man auch nur noch selten.

Da habe ich noch mehr Verständnis für die Leute aus dem Nahen Osten, die ihr Geld lieber für Diamanten ausgeben, die man dann halt in den Tresor sperren muss, und dafür auf offenem Feuer grillen. Das ist auch eines der kulturellen Probleme gerade – so ein deutscher Topf, auch die guten, wird auf offenem Feuer viel zu heiß, da brennt das Essen an und schmeckt bitter.

Mei. Ich mach mir jetzt ein Steak.

Advertisements

3 Replies to “Die große Liebe zu Kochgeschirr”

    1. Du stellst Fragen – nein, feministische Pfannen sind nur kupferfarben, weil sie angerostet sind. Das war auch mehr Haute Cuisine-bezogen, also dass man die jeden morgen erstmal eine Stunde wienern muss, damit sie glänzen… also, nicht, dass das jetzt schlecht wäre, aber – mein Gott, mir wird meine eigene Metapher zu kompliziert.

      Liked by 1 person

Leave a Reply

Please log in using one of these methods to post your comment:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s