Denkt fucking selbst!

Ich bin zwar voller Hoffnung, dass dieser Post bei meinen mittlerweile sogar zwei Dutzend Stammlesern (habt ihr nichts besseres zu tun?) weitestgehend Nicken und vielleicht ein leises “M-hm” hervorrufen wird, aber:

Aber ist Euch schonmal aufgefallen, dass fuck viele Menschen bei ganz grundsätzlichen Prinzipien zwischenmenschlicher Kommunikation irgendwelche “einzuhaltenden” Regeln im Hinterkopf haben, die absolut genau Null Nutzen für die Kommunikation haben?

Und ganz genau die Leute, die so auf irgendwelchen Regeln der Kommunikation Wert legen, vollkommen beliebige Grenzen für die adäquate Art der Kommunikation festsetzen?

Und – jetzt kommt der wichtige Punkt – in der Regel nichts als angebliche Regelverstöße diskutieren – natürlich die anderer, nicht ihre eigenen?

Ich gebe mal ein Beispiel: Ich wurde vor ein paar Tagen gefragt, ob ich es nicht auch “furchtbar” fände, was Trump so macht, und ob ich es nicht auch super finde, wenn der endlich abgesetzt wird, und dass es ja so toll sei, dass gegen ihn ermittelt wird – endlich, nach alldem, was er sich so geleistet hat.

Nun hätte ich natürlich nichts dagegen, Trump vor den ICC zu stellen, weil er ohne Kriegserklärung Raketen auf – naja, seiner Meinung nach irgendwo– abfeuern hat lassen, und das schlicht völkerrechtswidrig ist, aber darum ging es nicht.

Es ging aber darum, dass er Staatsgeheimnisse verraten habe.

Der fucking Präsident der fucking Vereinigten Staaten. Hat den Russen gesagt, was ihre Motivation hinter einer (m.E.) vollkommen unnötigen, die Reisefreiheit einschränkenden Regelung zum Verbot von fucking Notebooks in fucking Flugzeugen ist.

Und es thematisiert ernsthaft jemand, dass es ein Problem sein soll, dass er das gesagt hat. Ja, klar ist das ein Problem – das ist doch fucking irrelevanter Bullshit und reine Gängelung, die ganze TSA-Flughafenkontroll-Geschichte ist seit ihrem Bestehen vollkommen nutzlos gewesen. Deswegen ist die an den Haaren herbeigezogene Begründung dafür ja auch ein Staatsgeheimnis; wenn das Leute wüssten, kämen sie sich ja nun verarscht vor.

Aber der Aufreger ist nicht, dass Trump so einen Scheiß mitmacht. Nein, der Aufreger ist, was die Presse den Leuten erzählt: Dass er Staatsgeheimnisse verraten hätte. Was er mal nun wirklich darf. Er ist nämlich der fucking Präsident.

Aber es ist nicht so, als hätten meine Gesprächspartner gewusst, worum es geht. Staatsgeheimnisse, my ass.

Von daher, wie das Leute, die keine Ahnung vom Inhalt ihrer Aufregung haben, zu tun pflegen, wurde dann das Thema gewechselt – “aber der bereichert sich selbst”.

Ja, der böse Trump. Vermietet Räume, und seine Tochter verkauft Schmuck. Und hat noch ein paar andere Geschäfte – so what? Soll er das alles weggeben, oder was? Als hätte er von einer Stiftung (wie Hillary Clinton) irgendwie weniger? Oder von einem Buchdeal wie Obama? Wie jetzt, Clinton-Stiftung? Obama hat einen Buchdeal?

Ach, lassen wir Inhalte doch einfach ganz weg – “Findest Du wirklich, dass Trump so ein ganz armer ist und so unfair behandelt wird, wie er immer tut?”

Was ist denn das für eine strunzdumme Frage? Freilich ist Trump der Prügelknabe der internationalen Presse, es werden ihm kontinuierlich Sachen vorgeworfen, für die er nichts kann (Wunder bewirken, zum Beispiel) oder die eigentlich Obama gemacht hat  – oder Sachen, die er genauso macht wie Obama. Davon ist er aber doch kein “ganz armer”, der ist der fucking Präsident der fucking Vereinigten Staaten, der muss das abkönnen.

Und das kann er.

Unsere Politiker hingegen können das nicht; die haben gestern das neue Netzzensurgesetz in erster Lesung unter großem Applaus durchgewunken, mit ein paar Forderungen danach, es noch entsetzlicher zu machen. Die Kanadier sind da schon weiter, bei denen ist der eierlose Schönling ja nicht nur Justiz-, sondern Premierminister. Da gibt es jetzt offiziell Gedankenverbrechen. Bei uns macht man das langsam (und grundgesetzwidrig) durch die Hintertür – da kann dann ja auch keiner was sagen, oder? Also, danach jedenfalls nicht mehr, wird ja wegzensiert. Sicherheitshalber.

Weil wir bullshitige Gesetze haben, die versuchen, die eingangs angesprochenen Umgangsformen und damit die (einzig) adäquate Art menschlicher Kommunikation gesetzlich festzuschreiben.

Weil sich in Deutschland Leute daran stören, wenn jemand fuck-scheiß-Drecks-Schimpfwörter in einem Satz verwendet und nicht total ruhig und höflich bleibt. Es sei denn, natürlich, es sind die guten und vor allem richtigen Leute, die dürfen “Kackscheiße” schreien, so laut sie können – was anderes können sie ja nicht. Oder “Deutschland verrecke”. Oder “Nazis raus”. Das ist in Ordnung. “Kriminelle raus” ist hingegen rassistisch. Weil man ja kriminelle Deutsche nicht rauswerfen darf, da halten wir uns mal an Völkerrecht. Und weil alle Ausländer ja überhaupt nicht der arischen Rasse angehören. Österreicher zum Beispiel.

Oder so. Fuck. Fickt euch doch, ganz ehrlich. Und wenn euch mein Tonfall heute stört, fickt euch². Das könnt ihr aber nicht, weil Ficken eh schon dreidimensional ist, was Ficken² sechs- oder sogar neundimensional macht, was ihr euch überhaupt nicht vorstellen könnt.

Vor allem ist es aber vorgeschoben: Ihr habt nicht nur keine ordentlichen Argumente, ihr habt nichtmal ordentliche Gefühle. Euch wurde nur – ja, da haben die Feministen recht – nur eigenredet, dass es euch verletzen würde, wenn euch jemand “Arschloch” nennt. Dass Beleidigungen strafbar sein müssen. Dass Leute, die unflätig werden, keine Argumente haben. Deswegen seid ihr ja zivilisiert und deklariert eure Gegner nur als Rassisten, Sexisten, Nazis, Frauenhasser, homophob, Globalisierungsverlierer… das seien ja nämlich keine Beleidigungen, das sind politisch korrekte Begriffe. Als wäre all das eben genannte gesellschaftlich irgendwie weniger akzeptiert als Idiot – selbst wenn “Idiot” zutreffend ist und die ganzen Diffamierungen nur billig-Marxismus für Leute ohne Plan, Ahnung und Inhalten sind.

Hört doch mal zu, was Leute wirklich sagen, inhaltlich, und versucht mal, Euch davon zu distanzieren, wie ihr das findet. Und dann denkt drüber nach – nicht darüber, ob es moralisch richtig oder falsch ist, sondern ob es inhaltlich richtig oder falsch ist.

Nehmen wir mal Merkels Spruch, der die Arroganz der politischen (selbsternannten) “Elite” so schön zusammenfasst:

Ist mir egal, ob ich schuld am Zustrom der Flüchtlinge bin, nun sind sie halt da

Ich habe eingangs absichtlich unnötig viele – ja, ich rege mich wirklich auf, aber ich könnte mich beherrschen – Unflätigkeiten eingebaut – als Service für eventuelle emotionale Leser, die können sich dann darüber aufregen und müssen auch ja nicht über Inhalte nachdenken. Weil mir das egal ist – ich bin nicht der fucking Bundeskanzler, und ich werde ganz sicher nichts dagegen tun, wenn Deutschland sich selbst abschaffen will, wie das irgendein ausländerfeidlicher Populist formuliert hat. Ich bin nicht Don Quijote; Windmühlen drehen sich weiter, egal, wie sehr man dagegen kämpft.

Das heißt aber nicht, dass es Merkel egal sein kann, die steht am Steuer von diesem verdammten Kahn. Und der fährt gerade an der Insel der Sirenen vorbei, und alle springen ins Wasser, um ihrem bezirzenden Gesang zu folgen – der Kapitän voran. Naja, die Kapitänin, und die singt mittlerweile fleißig mit. Ich bin dann in der Metapher übrigens Odysseus, an den Mast gefesselt, der weiß, dass der Gesang den Untergang bedeutet, aber ich bin ja an den Scheiß Mast gefesselt.

Und ich verstehe auch, dass man mich da lieber lässt, als mich zum Kapitän zu machen – dann würden nämlich erstmal ein paar Leute an der Rah aufgehängt, wegen Meuterei. Nachdem wir um die Insel der Sirenen ein hübsches Minenfeld gelegt haben; das wurde ja schon Ende der 40er begonnen, aber leider wurde die linke Seite der Insel vergessen.

Um in der Metapher zu bleiben: Auf alten Landkarten (einer) stand in gefährlichen Seegebieten statt irgendwelcher Informationen “hic sunt dracones”, quasi “Achtung, Drachen”. Nun wissen wir im aufgeklärten 21sten Jahrhundert, dass es keine Drachen gibt. Aber davon ist es trotzdem noch keine gute Idee, in diese Gebiete zu fahren.

Und mehr wollten die Leute mit den Drachen auch nicht ausdrücken.

Und mehr will ich auch nicht sagen, wenn ich sage, dass man bekloppten Feministen nicht zuhören sollte. Oder Idioten. Weil es betörend und so wohlgefallend ist, ihnen zuzuhören, aber ins eigene Verderben führt. Jetzt aber sind wir dabei, jegliche Warnungen vor den Sirenen als sexistisch und rassistisch zu brandmarken, zu verbieten und die Leute zu zwingen, mit den Verführten in den Abgrund zu schwimmen.

Aber sowas sagen alte, weise, weiße Männer seit zweieinhalbtausend Jahren, und das mit den Drachen hat schon damals keiner wirklich geglaubt. Und auch die wussten, dass es nutzlos ist – Odysseus starb durch die Hand seines eigenen Sohnes. So, wie die Refugees-Welcome-Frauen vergewaltigt werden. Da halte ich mich lieber raus.

Schade isses trotzdem.

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2 Replies to “Denkt fucking selbst!”

  1. Mir gefällt das Posting.
    “Aber ist Euch schonmal aufgefallen, dass fuck viele Menschen bei ganz grundsätzlichen Prinzipien zwischenmenschlicher Kommunikation irgendwelche “einzuhaltenden” Regeln im Hinterkopf haben, die absolut genau Null Nutzen für die Kommunikation haben?”

    “irgendwelche” ist worüber ich hier stolpere.
    Es gibt sinnvolle ‘Regeln’ der deutschen Sprache, diese ermöglichen miteinander zu sprechen, statt aneinander vorbei zu reden.

    Keine Fremdworte benutzen. Dieser bedarf es nur in bestimmten Rahmen und auch nur, um mit der deutschen Sprache fremden innerhalb des Rahmens zu sprechen. Beispielsweise Mathematik oder Recht oder Fremdsprachen.
    Wenn ich etwas verstanden und begriffen habe, dann sollte ich dieses auch in einem Deutsch ausdrücken können, welches ein jeder, der die Sprache spricht verstehen und begreifen kann. Dann kann man einen Gedanken teilen.
    Benötige ich Fremdworte, dann entgleitet der Gedanke, man führt sich gegenseitig auf Glatteis.

    Diskutieren ist so ein schlechtes Wörtchen. Viele schauen nachlässig mal auf ihren Pons, greifen sich ohne zu begreifen die erstbeste Übersetzung (sind sich der Bedeutung des Vorsilbe ‘über’ gar nicht bewusst …) und beginnen ganz unbesonnen damit sich gegenseitig die Meinung um die Ohren und kaputt zu hauen.

    Miteinander sprechen geht anders. Schritt für Schritt teilt man den Gedanken und führt, wie beim Tanzen und spielerisch -was im Deutschen tanzend meint, sich einander zu einem gemeinsamen und durchdachteren Gedanken.
    Dafür mag es hoch- und übertrabende Fremdworte geben, die kein Säulein braucht.

    Wir haben einen Wortschatz, wohingegen andere Sprachen nur Wörter haben, welche in einem Vokabular abgelagert werden und denen jeder Unfug unterzujubeln ist, dieses unseren Schatzes sollten wir uns bewusst sein, andere neiden ihn so sehr, dass am Ende Kunstfiguren wie Gollum diese Jagd nach einem bildhaften aber unsichtbaren Schatz darstellen.

    Dazu ist uns die Vernunft geschenkt. Welche nur in unserer Sprache funktioniert, aber abhanden gekommen zu sein scheint, weil solche Gestallten wie ein Sebastian Sick ihr Sargnägel zimmerten und ihre Wirkweise verkürzt und anderer Sprachen spottend darstellten.

    Unsere Gedanken und Worte, im Gespräch miteinander, klopfen wir ab, rütteln an ihnen und tauschen was wir erkennen und erdenken über Begrifflichkeiten wie ‘mir scheint’ und ‘ das schaut’ und ‘ich glaube das hat’ Sinn miteinander aus, bis es im Gespräch Sinn ergibt und man einen guten Gedanken guten Gewissens weitergeben kann.

    Und unsere Regeln sind gar nicht sonderlich schwer, nur verschüttet und wohl auch wurde mal darauf rumgetrampelt.
    Wir unterscheiden zwischen Geschichtchen, die wertlose Witzchen sind, und Reimen, auf die man sich einen Reim machen kann, und dann, durch und mit diesen einfachen Regeln, gelingen uns Werke die wie ein Gedicht sind.

    Was alte Männer seit zweieinhalbtausend Jahren sagen kann uns herzlich egal sein, auf meinem Trierer Rathaus steht, das es dort schon seit dreitausend Jahren steht.

    Und auch zum Rat will ich noch rasch einen Bogen schlagen, denn jener ist wichtig.
    Eine weitere einfache Regel der deutschen Sprachen beinhaltet tunlichst kein tun zu verwenden.
    Dies möge uns ein guter Rat sein.
    Denn einer alleine, der tut. Nur selten Gutes.
    Deshalb sollten sich immer besser wenigstens dreie beraten um nach gutem Rat zu handeln.

    Und wenn zwei sich Streiten, dann freut sich der Dritte, bedeutet nur, das man zu verkopft gedacht hat, statt sich an drei Fingern abzuzählen, was guter Rat hätte gewesen sein können.

    Nie vergessen, all die dreitausend Jahre, da war das Deutsche, eine Sprache einfacher Bauern und Handwerker.
    Und die schätzen ein Sägeblatt wie ein Spinatblatt und können aus gutem Grund und beim besten Willen kaum viel Sinn in einem weißen Blatt Papier erkennen oder dem was einem im stillen Kämmerlein wohl eingefallen sein mag und flüchtigst wie eine Taube mit spitzer Feder aufs Papier gelaufen sein mag.
    So ein dahergelaufener Sauhund.

    Ich glaube nicht, das sind ‘irgendwelche’ Regeln.
    Aber sind Regeln die wir nicht zu verschenken haben, sondern zu teilen.

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