Downfall Porn – Weitergehen, hier gibt es nichts zu sehen

Ende der Nullerjahre flog ich viel durch Europa, vor allem wegen Freiflügen zu Bewerbungsgesprächen bei Stoxx50-Unternehmen. Auf dem Rückweg nach Schiphol teilte ich mir das Taxi dann mit einer rassigen Mulattin aus den Kolonien; wir hatten schließlich beide einen PhD in Evil Studies, das Taxi pauschal bezahlt bekommen und mussten eh beide zum Flughafen. Am Bahnhof in Den Haag hatten wir dann den Flughafenzubringer knapp verpasst, was zum Erwerb eines Produktes führte, das wir beide der Bezeichnung “Sandwich” unwürdig fanden. Das wiederum führte dazu, dass sie fragte, was ich sonst von Holland halte.

Fairerweise war ich da etwas bedrübbelt; ich kannte außer dem Flughafen, dem Bahnhof, der Firmenzentrale eines der Weltmarktführer in Umweltverschmutzung und eines Haubenrestaurants nicht viel (das Hilton war halt wie jedes andere Hilton auch). “Was denn so der Unterschied zu Deutschland sei”, konkretisierte sie.

Und ich antwortete, Mangels echter Unterschiede, schlicht ehrlich: Es ist dreckig.

Nun muss man dazu sagen, dass das Mädel aus der Karibik kam, und die Karibik jetzt nicht unbedingt chinesische Maßstäbe für Reinlichkeit erfüllt, die wiederum jedem deutschen Lebensmittelkontrolleur einen sofortigen Herzinfarkt verursachen würden. Aber für deutsche Verhältnisse war es halt dreckig. Sogar die Züge waren dreckig.

Die Mulattin konnte sich überhaupt nicht vorstellen, warum Züge sauber sein sollten.

Fairerweise war ich kurz darauf in einem Mannheimer Vorort bei einem vormals in der Judenvergasung behilflichen Unternehmen und kurz darauf bei der Propagandaabteilung eines deutschen Konzerns, der findet, sein rosanes Logo hätte die Farbe “Magenta”, in Berlin. Ich fühlte mich danach mit meiner Meinung, dass Züge sauber sein sollten, irgendwie einsam – und blieb halt in Bayern, was offenbar nur aufgrund – wie die Linken das ja für Afrika predigen – willkürlicher Grenzziehungen der Kolonialmächte Alliierten  zu Deutschland gehört.

Etwas zuvor war ich in China, und China war auch nicht sauber. Nicht so schmutzig wie Berlin, natürlich, aber halt sicher nicht München. Das hatte – wie Berlin das (absurderweise) für sich behauptet – durchaus seinen Charme. Das China von heute ist aber sehr bemüht, diesen Charme zu zerstören – also, sauber zu werden. Was ihnen übrigens gelingt – Guangzhou, wenn man jetzt eine irrelevante Kleinstadt als Maßstab nimmt, ist heute sehr viel sauberer als zum Beispiel Nürnberg. Was aber nicht so sehr an den chinesischen, als vielmehr an den deutschen Bemühungen liegt – hier sieht es ja langsam aus wie in Frankfurt.

Nun sind Sauberkeitsbemühungen nicht immer zwingend sinnvoll; es ist natürlich schön, dass man in Zürich von der Straße essen kann, aber ich bin es halt als reaktionärer Deutscher gewohnt, für eine Trambahnfahrt eine Fahrkarte zu kaufen, die weniger kostet als eine ganze Straßenbahn.

Was komischerweise in München vor zwanzig Jahren noch ging. Beides.

Klar könnte man sich da über den Verfall der Sitten beschweren, aber über Sitten beschwert hat man sich vor zwanzig Jahren auch schon. Ich erinnere mich an die entsetzte und wütende Babsi, die es abscheulich fand, dass sie auf dem Herweg ein fetter, alter Mann gefragt habe, was sie denn für einen Blowjob nimmt. Einfach so. 

Nachdem dann ziemlich einstimmig beschlossen wurde, dass Babsi halt wie eine Nutte aussähe, erklärte sie auch, dass sie den Nachmittag in den Bavaria-Filmstudios verbracht hatte, als Komparse für einen Babystrich-Tatort. Fand Babsi – naja, sie hat damals zumindest keinen #Aufschrei gestartet. Heute hätten das schon irgendwelche Berufsempörten gemacht, allein weil Babsi halt 15 war (oder so). Gegen die Bavaria-Filmstudios, natürlich, weil halt.

Aber das sind ja nun ernsthaft die Themen der heutigen “Politik”: Nichts. Absolut überhaupt nichts. Niemand interessiert sich dafür, dass auf den Straßen mehr echter (und menschlicher) Müll rumliegt; wer kritisiert, dass der Staat Aufzüge vor radikalen Antifanten wie vor einem Hurrican schützt, ist schnell schlimmer als Hitler, und dass bei 4.000 Polizisten in Köln (das sind mehr als eine Bundeswehr-Brigade und mehr Soldaten, als für den Schutz eines US-Militärstützpunktes in fuck Afghanistan im Einsatz sind) “nur” gefährliche Körperverletzung, Brandstiftung, Vandalismus und Sprengstoffattentate verübt werden, ist laut der Staatsmedien Qualitätspresse Zeichen der friedlichen, offenen und toleranten deutschen Willkommenskultur.

Selbst die letzte “Alternative für Deutschland” hat sich von jeglicher Vernunft (Petry) verabschiedet und eine karrieristische Kampflesbe und einen nicht weniger karrieristischen Politspeichellecker als neue Führer des deutschen Vaterlandes ihrer Partei auserkoren. Fein.

In fünf Monaten ist Wahl, und ich kann mich zwischen “jetzt sind sie halt da” – Merkel, “da müssen noch mehr her” – Kipping, “Frauenquoten haben mir die Position verschafft” – Göring (nicht echt Göring, jetzt, “nur” Göring-Doppelname und ohne Penis) und zweierlei rückgratlosen Speichelleckern entscheiden , wenn ich jemanden wählen will, der Chancen auf >5% hat – oh, ich habe den Alkoholiker vergessen.

Warum soll ich denn den Bullshit eigentlich noch mitmachen und mich aufregen? Geht das nicht auch alles von ganz alleine vor die Hunde? Und vor allem – würde mich das wirklich stören? Zumindest im Vergleich dazu, wie es die Verursacher stören würde?

Sargon of Akkad, ein Youtuber, wurde dafür kritisiert, dass er Strategien gegen die Antifaterroisten aufzeigt. Vor allem aber wurde davor gewarnt, dass das ja strafbar wäre – also, Molotov-Cocktails werfende Terroristen festzuhalten, bis die Polizei kommt. Weil, Rechtsstaat und so. Und das gilt für die “freiheitlichen” USA, nicht für Deutschland, wo man für die “Beleidigung” einer Medienhure mehrere Tausend Euro zahlen und für geschmacklose Tattoos in den Knast muss – im Gegensatz natürlich zu Ladendieben, Brandstiftern oder organisierten Einbrecherbanden, denen ist ja nichts nachzuweisen. Rechtsstaat, wissenschon.

Ich habe jetzt kein Problem damit, bestimmtes gesellschaftliches Wohlverhalten vorauszusetzen und Abweichungen davon zu bestrafen, aber es ist schlicht nicht sinnvoll, die niedrig hängenden faulen Früchte eines Baumes zu entfernen, der von der Wurzel her schimmelt. Dank unseres Lackaffen von Justizminister bekommen wir aber bald ein Gesetz, das es unter Strafe stellt, darauf hinzuweisen, dass der Baum fault. Das hat Hitler ja schließlich auch so gemacht – hat er von Stalin gelernt.

Sinnvoll wäre es, den Baum zu fällen und einen neuen zu pflanzen. Aber es ist natürlich auch eine Möglichkeit, einfach zu warten, bis der Baum von alleine stirbt. Man kann dann ja auch dann noch einen neuen pflanzen, was Jefferson mit “The tree of liberty must be refreshed from time to time with the blood of patriots and tyrants” halt nicht bedacht hatte: Das wäre ja modernenachhaltige Ökologie – der Baum war ja eine Weile gut. Ist halt alt. Zudem spart das auch das Blut der “Patrioten” – respektive derer, die irgendwas tun oder tun können, zum Beispiel Bäume pflanzen. Der Baum wächst nämlich auch auf völlig beliebigem Blut; das muss nicht meines sein. Es reicht ja schon, wenn ich mal einen Joghurtbecher in den Biomüll gebe; da habe ich genug getan. Die Züge sind ja noch sauber, so schlimm ist das Problem also nicht.

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