Gute Orgasmen, schlechte Orgasmen

Ich habe von ein paar Tagen diese Perle journalistischer Qualität auf Twitter gesehen und mir sofort gedacht: Hey, das lese ich auf meinem Blog, mit Euch. Ich musste vorher leider noch sehr dringend ein paar Hundert Aliens töten, weil ich eine neue Grafikkarte habe, aber der Artikel geht ja nicht weg.

Why Guys Get Turned on When You Orgasm — and Why That’s a Bad Thing

Gut, fairerweise muss man dazu sagen, dass das ein Artikel aus der “von Radikalfeministinnen für Frauen, die sich genauso scheiße und untervögelt fühlen wollen” – Gruppe ist, aber es wird sicher trotzdem lustig.

It’s not enough that men are already having more orgasms than women.

Echt jetzt? Hey, das ist nicht lustig – das ist verwunderlich! Aber gut, da ist ein Link dabei, und der zeigt nur wieder, dass Frauen und Statistik in etwa so gut zusammenpassen wie – äh – äh – kommt, Männer und Tütüs gehen noch halbwegs. Die verlinkte “Studie” sagt nur, dass Frauen beim Sex mit ihrem Partner zu 57% einen Orgasmus haben, während sie das zu 95% von ihrem Partner annehmen. Mit Betonung auf Annehmen, aber was hier viel wichtiger ist: Warum haben die übrigen 5% denn Sex mit ihrer Partnerin, wenn sie dabei nicht kommen? Ah, klar, coming-out ist immer noch so ein Tabuthema…. puh, ich dachte schon, da wäre ein Problem dahinter. Aber es ist natürlich nur eine Bullshit-Statistik, “more orgasms” werden die 57% der Frauen schon für die übrigen 43% mit haben, gell?

To make matters worse

Was ist denn daran schlecht? Ich meine Frauen haben auch weniger Muskeln, Hirnmasse, Intelligenz – das ist doch jetzt nicht schlecht, oder? Ich meine, deswegen sind Frauen doch trotzdem Menschen – oder?

a new study […] found — aside from deriving pleasure from their own orgasms, obviously — men also derive a specific sort of masculine pleasure from making female partners orgasm.

Eine erstaunliche Erkenntnis: Männer finden es geil, wenn sie tolle Stecher sind. Da brauchte es natürlich eine wissenschaftliche Studie, um das zu belegen, weil – äh – ja, brauchte es halt?

The researchers in the study, Sara Chadwick and Sari van Anders

Ah, weil die beiden “Wissenschaftler” auch sexuell frustrierte Lesben sind, die sich das nicht vorstellen können.

refer to this incredibly predictable phenomenon as a “masculinity achievement.” I’m not exactly sure what that means, but I imagine a “masculinity achievement” looks something like Super Mario punching a coin out of one of those floating boxes in the video game. [GIF. Ja, ernsthaft, eine .gif für die Leute, die nicht wissen, wie das aussieht]

… wie auch die Autorin. Das ist doch vollkommener Unsinn, aber bleiben wir bei 80er-Computerspielen: Weibliche Orgasmen sind wie vier volle Reihen bei Tetris (ein Tetris, übrigens). Sieht einfach aus, isses aber nicht. Aber es ist in einem Spiel wiederholbar – wenn man Glück hat und genug Übung und Geschick.

Men felt more masculine and felt high self esteem when they imagined a woman orgasmed during sex with them. “These results suggest that women’s orgasms do function — at least in part — as a masculinity achievement for men,” researchers wrote.

Ach? Ich bin ja nun mit der abstrusen Idee aufgewachsen, dass Frauen – siehe oben – auch Menschen sind und nicht nur Bückstücke, die auch eigene, zu befriedigende Bedürfnisse haben. Und dass anderen Menschen etwas Gutes zu tun für einen selbst positiv ist, ist auch keine neue Erkenntnis. Wo nochmal ist jetzt das Problem?

Let’s be clear — there’s nothing wrong with feeling good about making your partner feel good

Der Artikel ist öder, als ich erwartet hatte. Kommt da jetzt noch ein Punkt?

But the researchers point out a sexist flaw in the masculinity boost thing: “Despite increasing focus on women’s orgasms, research indicated that the increased attention to women’s orgasms may also serve men’s sexuality, complicating conceptualizations of women’s orgasms as women-centric,” researchers wrote.

Joah… ich denke auch beim Tetris-spielen nicht unbedingt daran, dass die Elemente eine Reihe bilden wollen, ich will aus den Elementen eine Reihe bilden. Sonst würde ich ja nicht Tetris spielen, oder? Aber gut, ich bin auch ein widerlicher Tetrisist.

they explained why it’s a bad thing for men to gain masculinity points for bringing female partners to orgasm. “One reason is that it might pressure some heterosexual men to feel like they have to ‘give’ women orgasms, as if orgasm is something men pulled out of a hat and presented to women,” they wrote.

Ich habe gerade den Verdacht, die Autorin hatte nie Sex außer mit sich selbst – und selbst dabei keinerlei Experimentierfreude. Was soll denn das überhaupt heißen? Dass Frauen das nicht selbst können? Dooooooch, können sie schon – Frauen können alles, was Männer mal entdeckt haben, auch machen; wissen wir dank Rosie the Riveteer, der feministischen Ikone. Und der Vergleich mit einem Zaubertrick ist passender, als die Autorin denkt – klar kann jeder lernen, ein Kaninchen aus einem Hut zu ziehen, aber das ist halt schwieriger, wenn man es nicht vorher offensichtlich reinwürgt – was ja eventuell nicht stört, wenn man selbst der Hut ist?

“This ties into cultural ideas of women as passive recipients of whatever men give them.”

In Anbetracht der Tatsache, dass Frauen 80% der Konsumausgaben tätigen, aber einen feuchten Dreck verdienen, was die einzige Wahrheit am Gender Pay Gap – Day ist, ist das weniger eine kulturelle Idee, als eine kulturelle Tatsache – oder?

They also mention

Was jetzt, wir wechseln das Thema, damit auch ja niemand nachdenkt, wie dumm schon die letzte Aussage war?

They also mention another sexist orgasm trope: women feeling pressured to fake orgasms in order to appease a male partner, or in their words, “to protect men’s feelings.”

Ja, das ist halt so die Generation, die auch Teilnahmepokale haben will. Oder Candy Crush Saga mit kaufbaren Extras spielen, die dein schlechtes Spiel kompensieren. Gibt es bei Frauen auch, nennt sich Nutten. Machen das normale Frauen? Warum? Sind die doof? Ich meine, wenn jetzt Eure Partnerin eine tolle neue Oralsextechnik ausprobieren will und nur auf Eurem Dödel rumkaut, sagt ihr ihr dann nicht, wenn ihr das scheiße fandet? Ich frage nur – die macht das doch sonst am Ende noch nochmal?

For women who have sex with male partners, the pressure to orgasm is a relatable feeling.

Ja, Frauen könnten beim Sex mit einem männlichen Partner durchaus erwarten können wollen, einen Orgasmus zu haben. So, wie wenn sie mit sich selbst spielen oder sexy Lesbengeschichten machen. Aber den Druck – äh – den bilden sie sich selbst ein – den kann man nicht einfach den Männern zuordnen. Ist das so eine Lesbengeschichte, weil das halt nicht so geil für die Frauen ist, wie die in den Pornos tun, und die echten Lesben denken halt, dass das normale Frauen auch so spielen müssen? Ich verstehe gerade das Problem nicht.

Hence all the faking that we know is going down in hetero bedrooms all over the country.

Ich habe gerade so das Gefühl, dass das eigentlich nur ein Problem irgendeiner Lesbe mit Hetero-Beziehungen ist. Aber gut, da ist wieder ein Link drin, zu einem anderen Artikel einer anderen frustrierten Lesbe:

nearly 70 percent of women polled reported faking an orgasm, compared with only 28 percent of guys

Bei allem Verständnis dafür, dass es Frauen bei einem schlechten ONS auch mal reicht, wundgevögelt oder -geleckt zu werden und sie daher lieber eine Runde stöhnen, als das noch länger über sich ergehen zu lassen – 28% der Männer? WTF? Und v.a. – WIE? Aber wichtiger: Warum? Hey, Beckenbodentraining & Kegel Balls sind jetzt nicht gerade Rotlichtmilleu, gell? Aber der verlinkte Artikel dritter Ebene verrät die Erklärung:

Another 2011 study […] suggested that women faked orgasm because they were riddled with insecurities and had a fear of intimacy.

Joah… wie ich vermutet hatte – hat nichts mit Männern zu tun; ist nur ein Problem, was Frauen mit sich selbst haben, weil Feministinnen ihnen eingeredet haben, dass Pornos unrealistische Frauenbilder vermitteln und Männer sie nicht geil finden, wenn sie nicht sofort zu tropfen beginnen wie Anastasia Steele, nur weil sie einen Mann sehen. Ah, Moment – das war nicht die böse Pornoindustrie.

The researchers draw a fairly frightening conclusion from the research findings. When women’s orgasms begin to serve as a masculinity achievement for male partners, the orgasms cease to be about women’s liberation or sexual pleasure.

Was an dieser Schlussfolgerung wirklich beängstigend ist, ist das vollkommene Fehlen von Logik. Wenn es Männern nur um die sexuelle Befriedigung der Frau zu ihrem eigenen Wohl (oder warum auch immer) geht, kann das der nach sexueller Befriedigung suchenden Frau doch vollkommen schnuppe sein. Ich meine – wenn sexuelle Befriedigung das Ziel ist, ist es mir so als Mann doch eigentlich lieber, wenn ich die nicht von einer Nutte bekomme, die ich dafür bezahlt habe, sondern von meiner Frau, die nicht will, dass ich zu einer Nutte gehe. Das drückt ja nun persönliche Wertschätzung und Bindung und so aus, oder? Die man sogar in Geld bemessen kann – also so 50€. Pro Tag!

Was das mit der Befreiung der Frau (von was?) zu tun haben soll, weiß ich wirklich nicht. Hunde wurden vor 3.000 Jahren domestiziert, und die lecken gerne.

They just become another opportunity for men to flex, or “shore up their sense of masculinity.”

Es mag ja sein, dass es Männer gibt, die damit angeben, was für tolle Stecher sie sind, aber außer der (offenbar trotz der tollen Stecher lesbischen) Autorin glaubt denen doch keiner? Ich meine – kommt; das geht mal besser, und mal geht es schlechter. Das ist aber auch ganz gut so, ich bin ja nun nicht Christian Grey und kann mir eben keine Putzkolonne leisten, die nur hinter meiner Frau herwischt.

 “These men, therefore, were more likely to view women’s orgasms as a notch on the bedpost of their manliness,” Chadwick and van Anders wrote in the statement.

Mein Biologielehrer in der zehnten Klasse, der sich vor allem dadurch auszeichnete, der Klassenschlampe in den Ausschnitt zu sabbern, erklärte, Männlichkeit zeige man durch Zeugungsfähigkeit. Wie war das mit Feminismus und “tradierten” Männlichkeitsbildern? Aber egal – was issn daran falsch? “Frauen flachlegen” ist ja nun schon nicht so einfach, wie Feministen tun (nur weil sie selbst halt totale Schlampen sind), aber Frauen sexuell befriedigen ist ja nun wirklich – naja, wie ein Tetris beim Tetris, oder? Zumindest, wenn man es das erste mal schafft.

They end their note with an encouragement for men to think of orgasms less as achievements to be unlocked, and truly view them for what they are: tiny little pleasure explosions that should be enjoyed — frequently — by female partners.

Und da scheitert der Artikel dann an seiner eigenen Metapher: Wenn ich das Achievement “Divine Pleasure” in einem Computerspiel einmal geschafft habe, gibt es keinen Grund, es nochmal zu probieren. Vielleicht auf einer höheren Schwierigkeitsstufe (also, mit mehr oder besseren Gegnern), aber das wollen Frauen ja in einer Beziehung üblicherweise nicht so gerne. Die wollen nur ein Replay – und möglichst einen Spieler, der einen flawless victory schafft. Und das ist das schöne am Sex (und an Mortal Kombat) – es wird nicht langweilig, es macht immer wieder Spaß, und man freut sich nicht nur, wenn man gewinnt, sondern ganz besonders, desto besser man war. Aber gut, das kann die Autorin natürlich nicht wissen – also, das mit dem befriedigenden Sex. Ich habe keine Ahnung, ob die Dame Mortal Kombat kennt.

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