La-laaaala-laaaaaaaaaaaaaaa-la

Danisch verlinkt eine mehr oder weniger offizielle Stellungnahme eines universitären Komitees aus Kanada zu irgendeinem Zwischenfall mit einem Herrn Dr. Jordan Peterson. Den Zwischenfall habe ich ansatzweise auf Twitter mitbekommen: Mann versucht, einen Vortrag zu halten, irgendwelche Assos brüllen ihn nieder.

Das Thema des Vortrags – ich konnte ihn nicht hören; die Assos haben zu laut gebrüllt – war Meinungsfreiheit. Ich nehme das Niederbrüllen mal als Aufhänger und das Dokument dementsprechend auseinander:

We are deeply troubled that Dr. Jordan Peterson has been invited to speak at McMaster

Wir stellen fest: Die Autoren des Dokuments finden Meinungsfreiheit scheiße. Soweit, so klar, aber interessant sind ihre windenden Versuche, das irgendwie zu rechtfertigen:

Most recently, Dr. Peterson has gained notoriety for his refusal to use the preferred pronouns of trans- and gendernon-conforming colleagues and students at U of T

Man beachte da – das ist der zweite Satz im Dokument – schon die Wortwahl. “Notorious” heißt berüchtigt, hat also eine grundsätzlich negative Konnotation im Bezug auf den Angesprochenen. Wie in “the notorious Robin Hood”, zum Beispiel. Nur so mal als Beispiel, dass Sprache eben keine Realität schafft, aber dazu noch viel, viel mehr – erstmal weiß ich nicht, auf welchem Planeten wir leben, wenn man schon deswegen berühmt-berüchtigt wird, wenn man sich nicht für all seine 200+ Studenten ihren Namen merken kann, geschweige denn ihre selbstausgedachten Pronomen. Das ist, nur so nebenbei, übrigens der Sinn von Pronomen: “Der Klaus” ist ziemlich eindeutig, “Der da” auch, wenn man drauf zeigt.

Nun gibt es aber ein paar Leute, die nicht mit er oder sie angesprochen werden wollen, weil sie einen genetischen und/oder psychischen Defekt haben. Die wollen Beispielsweise gerne “they” (im Plural) oder “xe” (auf nicht-Schwedisch) genannt werden.

Das Problem ist, wenn ich auf eine Gruppe zeige und diese mit “they” referenziere kann niemand auf die Idee kommen, dass ich Klaus meine. Ich müsste, “they, the fat ugly person with the red hair and the undercut” sagen, damit irgendwer weiß, was (respektive wen) ich meine. Zudem denken alle, ich komme aus irgendeinem unzivilisierten Land, was Singular und Plural nicht kennt wie – äh – ich glaube, keines.

Es ist also verdammt unpraktisch, auf die Idee zu kommen, subjektiv bestimmte Pronomen einzuführen – die gibt es nämlich schon; die heißen Namen.

Aber gut, dafür ist der Herr Peterson bekannt: Korrekte und praktikable Benutzung der Sprache (wofür Sprache übrigens gut ist).

defending his callous disregard for their personhood through a misguided deference to his freedom of speech and his distaste for “political correctness.”

Ich kann nicht nachvollziehen, wie geisteskrank man sein muss, um Menschlichkeit an Personalpronomen festzumachen. Aber es geht hier ja um die fehlgeleitete Hochachtung für Meinungsfreiheit – ein Problem, was die Autoren nicht haben; die hassen freie Meinungsäußerung schließlich, das stand ja schon im ersten Satz. Aber jetzt fängt der Blödsinn richtig an:

But freedom of speech doesn’t now, and hasn’t ever, meant that we can or should be able to say whatever we like in public spaces regardless of the impact of our speech on others

Doooooooooch. Das hat es schon. Genau das hat es. Ich kann kein Französisch, aber die französischen Revolutionäre haben ausschließlich Gesetze als Einschränkung der Meinungsfreiheit für zulässig befunden, nicht die Befindlichkeit irgendwelcher Geisteskranker:

tout Citoyen peut donc parler, écrire, imprimer librement, sauf à répondre de l’abus de cette liberté dans les cas déterminés par la Loi.

Ich habe in diesem Blog schon öfter gegen den letzten Satz (mit den Gesetzen) Position bezogen, da dieser Missbraucht Tür und Tor öffnet (siehe: jedes totalitäre Regime ever), aber dass es andere Leute nicht zu interessieren hat, was man wie sagt, war genau der Grund, warum sich dieses Recht als grundlegendes Menschenrecht etabliert hat. Ansonsten darf man nämlich nur sagen, was der Machthaber hören will, und dazu gehört “Mama, der Kaiser hat ja gar nichts an” üblicherweise eben nicht.

Instead, the concept of freedom of speech has most often been mobilized to protect specifically counter-hegemonic ideas, ideas that actually challenge, rather than reiterate, the status quo

So rein ideengeschichtlich hat man immer eher die Leute umgebracht, die einem das Denken und Sprechen verbieten respektive vorschreiben wollten und dann einen hübschen Text geschrieben, quasi als Anleitung, was man nicht mehr machen sollte, wenn man weiterleben will, während man in einer Position ist, anderen Vorschriften zu machen. Aber ja, Meinungsfreiheit ist immer nur die Freiheit der Andersdenkenden, das ist klar.

There is nothing rebellious or revolutionary about insisting on the naturalness of the (now long debunked) gender binary or of what Dr. Peterson describes as the “biological fact” of sexual difference neatly categorizable as ‘male’ and ‘female’ (a “fact” subjected to intense critique, questioning and reconsideration by numerous scholars in the humanities, social sciences, and even the biological sciences for several decades now, which demonstrates the limited extent of Dr. Peterson’s knowledge on this subject, since he seems either entirely unaware of this body of literature or else unwilling to engage with the challenge it poses for his own arguments).

Gebt Euch mal, dass das ein Satz ist. Ich spare mir mal die Seite, die man bräuchte, um den auch nur in seine Einzelteile zu zerlegen, weise darauf hin, dass sie sich selbst nicht entscheiden können, ob es nun “debunked” ist oder “critique” unterliegt, und stelle nur heraus, dass sie es toll finden, dass “even the biological sciences” biologische Tatsachen in Frage stellen. Ein Erfolg für – äh – Idiotie?

There is nothing subversive or radical about suggesting that one ought to be entitled to read the complexities of gendered identification on the basis of a quick and unwanted scrutiny of others’ bodies and appearance

Auch diesen Satz fand ich entsetzlich. “jemand sollte (nicht) dazu berechtigt dazu sein, die Komplexitäten gegenderter Identifikation auf Basis schneller und ungewollter Einschätzung äußerer Eindrücke zu gewinnen” – tl;dr: Man sieht Leuten ihr Geschlecht an. Aber ganz allgemein: Wie gewinne ich denn sonst einen schnellen Eindruck, und was interessiert es mich, ob andere wollen, dass ich mir einen Eindruck mache?

This is not a freedom that needs to be defended

Doooooooooch, ich verteidige mein Augenlicht mit meinem Leben. Versuchts doch, ihr Pisser. Kommt, versuchts.

even in the face of mountains of academic evidence to the contrary and legislative changes made to protect the human rights of trans and gender-non-conforming persons.

Die akademischen Studien “auch” aus der Biologie, die sich hauptsächlich mit Gendefekten oder Schnecken befassen? Und von welchem Menschenrecht reden wir denn hier? Meinungsfreiheit wäre eines. Es hat ja jeder Spinner das Recht, zu finden, er möchte als genderqueerer Furry mit dem Pronomen “miezmiez” angesprochen werden; es gehört aber natürlich auch zur Meinungsfreiheit, so einen Stuss zu ignorieren.

So let us not pretend that Dr. Peterson is a staunch defender of any sort of “freedom” – what he is defending, instead, appears to be

Und da kommen wir zum wichtigen Punkt: Woher wollt ihr denn wissen, was Dr. Peterson sagen wollte? Leute wie ihr haben ihn ja nun niedergebrüllt, und das beschneidet nicht nur Herrn Petersons Recht auf freie Meinungsäußerung, sondern auch meines, mir eine eigene Meinung bilden zu können. Und klar, ihr könnt schreiben, dass Meinungsfreiheit

to protect […] from censure, punishment, or retaliation by state forces

gedacht ist. Aber, liebe McMaster-Universität, ihr seid eine staatliche Uni. Ihr seid die “state forces”. Ihr dürft das nicht. Nicht unterstützen, nicht gutheißen. Vielmehr müsst ihr die Meinungsfreiheit von jedem noch so großen Arschloch verteidigen. Und: Nein, Niederbrüllen von missliebigen Meinungen ist keine geschützte Form der Meinungsäußerung. Denn das behindert Dritte bei der Rezeption der niedergebrüllten Meinung. Abgesehen davon ist es kindisch.

his misguided presumption that his right to uphold the status quo trumps the rights of others to exist in public spaces and be treated with respect and dignity, free from hatred and discrimination.

Tja… da ich nicht weiß, was Herr Peterson sagen wollte, ist er der Einzige, der ganz offensichtlich diskriminiert, seiner grundlegenden Menschenrechte beraubt, mit Hass begegnet und ihm sein Recht, öffentlich aufzutreten, verweigert wurde. Da der einzige Vorwurf, den ihr ihm macht, ist, dass er keine Lust hat, auf ausgedachte Personalpronomen “Rücksicht” zu nehmen, finde ich seine Annahme, dass er reden dürfe, überhaupt nicht “fehlgeleitet”. Ihr müsst ihm ja nicht zuhören, wenn ihr das doof findet. Gehört übrigens auch zur Meinungsfreiheit.

Der Punkt war den Autoren übrigens nicht dumm genug, um ihn nicht zu wiederholen:

There is also little to be gained by debating Dr. Peterson because he presents no argument founded on evidence that would actually be worthy of debate

Woher wollt ihr das denn wissen? Ihr habt ihm ja nicht zugehört. Ich konnte ihm nicht zuhören, weil eure Antifa rumgebrüllt hat. Nun, mit Leuten, die nur pöbeln und rumbrüllen kann man wirklich nicht diskutieren – die pöbeln und brüllen nämlich nur rum. Ob man mit Dr. Petersen diskutieren kann, weiß ich nicht. Und ihr auch nicht, ihr habt ihn ja nicht sprechen lassen.

Dann kommt aber ein (erbärmlicher) Versuch, noch die Kurve zu kriegen:

In the present climate, proponents of free speech may try to paint such opposition as just another indicator that Dr. Peterson’s freedom of speech is in fact under threat. Instead, we suggest that wherever free speech is valued, protest too must be valued as a legitimate exercise of that freedom.

Dürft ihr doch. Draußen. Ihr dürft protestieren, soviel ihr wollt. Aber ihr dürft niemanden davon abhalten, Herrn Peterson zuzuhören.

But protest does more than this: it also aims to articulate and demand the kind of university and the kind of society many of us are fighting for, one in which we recognize that speech or action that reduces the humanity of any group of people is not an exercise of freedom, but instead poses a threat to us all.

Naja, dass eure Aktion dazu diente, Herrn Peterson als Unmensch darzustellen, habt ihr damit sicher nicht gemeint, weil ihr ja die “Guten” seid – aber außer euch hat ja nun niemand irgendwas gemacht, oder?

Noch nicht, übrigens. Wir hatten das nämlich schonmal. Und es erfordert keinen sonderlichen Intellekt, ein Büchlein zu schreiben, in dem steht:

Nun begriff ich die Bedeutung der brutalen Forderung, nur rote Zeitungen zu halten, nur rote Versammlungen zu besuchen,rote Bücher zu lesen usw. In plastischer Klarheit sah ich das zwangsläufige Ergebnis dieser Lehre der Unduldsamkeit vor Augen.

Wir sehen: es wird Zeit, zu handeln. Ich hätte sogar schon einen gut klingenden Namen für eine politische Bewegung: Neue Solidarität der Anständigen – Partei. Gut, oder? Wenn mir jetzt noch eine bereits bestehende Partei einfallen würde, die hauptsächlich aus frustrierten (und verzichtbaren) Idioten besteht, die sich gerne mit der Rotfront Antifa prügeln, könnte man die übernehmen und… ach, vielleicht gehe ich doch lieber schlafen.

Noch.

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