Bedeutung, Relevanz und Wirkung von Gender Studies – eine qualitative Analyse

Der Routledge-Verlag ist Teil der Taylor &  Francis – Gruppe und ist – naja, war – bislang einer der angesehenen sozialwissenschaftlichen Verlage der Welt. Irgendwer dort hat es nämlich für wichtig befunden, Gender-“Forscherinnen” anlässlich des Weltfrauentages zu fragen – nein, nicht die wirklich wichtigen Fragen zum Thema Gender “Studies”, sondern

about why they chose their area of research, why it is so important, and what International Women’s Day means to them

Um dazu auch eine praktischere Perspektive aus Sicht eines normalen Menschen zu bekommen, habe ich wie immer, wenn ich fundierte Studien nach Maßgabe der Grounded Theory von Glaser/Strauss (1967) und der Methode der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring (2000) durchführen will, beliebige Bahnhofspenner gefragt, (a) wie sie zu Gender Studies gekommen sind, (b) warum das wichtig sei, und (c) was für sie der internationale Frauentag bedeutet.

Eine systematische Kategorisierung der Ergebnisse zeigte, dass der größte Teil der Probanden (n=7; 14,3% weiblich, 71,4% männlich, 14,3% sonstige (“verpiss dich, du Arsch”)) sehr viel Wert auf die Dose Karlskrone-Bier legten (eine etablierte, deutsche Aldi-Marke), die als Entschädigung für die Teilnahme an der Befragung ausgelobt war. Die weiteren Ergebnisse angemessen zu erörtern würde den Rahmen eines einfachen Blogs sprengen, weswegen an dieser Stelle nur die zentralen Aspekte der Studie zu den Erkenntnissen des Artikels beim ehemaligen Wissenschaftsverlag Routledge ergänzt werden, die ja auch einfach nur schreiben, was ein paar völlig zufällig ausgewählte Frauen gesagt haben.

Die Fragen sind (weiterhin) immer:

(a) Why did you choose to become a gender studies researcher?
(b) Why is this such an important research area? sowie
(c) What does International Women’s Day mean to you?

Da (ad a) aufschlussreich über die Personen sein könnte und ich als Forscher ja immer bemüht bin, meine These, dass Gender-Studies-Leute einfach nur strunzblöde, faul und ideologisch verblendet sind, zu widerlegen, gehe ich darauf zumindest kurz ein.

Analog teste ich an (ad b) meine These, dass Gender Studies keine auch nur formulierbare Relevanz haben.

(ad c) sollte eigentlich wirklich niemanden interessieren, aber ich werde eventuell danach die Ergebnisse meiner Analyse als Validitätsprüfung der von Routledge durchgeführten Befragung verwenden, wie das Döring/Bortz (2015) empfehlen.

(1) Beatrice Halsaa

(a) I read Simone de Beauvoir’s The Second Sex in 1972 during my first maternity leave [und fand das total toll]

So rein von der Forschungsmethode (hey, nur weil das bullshittig klingt ist das oben vorgestellte noch lange nicht eine vor allem in super-seriösen Wissenschaften wie den Gender Studies angewandte Forschungsmethode [ok, fairerweise machen die das auch noch falsch]) – also, von der Forschungsmethode her machen wir jetzt einen Strich bei “Ideologie”, Unterkategorie “Butler”. Das ist jetzt keine Widerlegung unserer These (dass die alle doof etc. sind). Schade, man macht ja empirische Forschung, um seine Thesen zu widerlegen.

(b) Gender research is vital because sex, love, care, and reproduction are basic dimensions in life, and yet, the meaning of gender is contested.

Tjoa… wenn Geschlecht, Liebe, Fürsorge und Reproduktion wichtige Themen sind, dann – äh… hat das mal ganz und gar überhaupt nichts mit “Gender” zu tun, was in der Aufzählung nichtmal vorkommt. Das passt natürlich zu meiner Hypothese (ad b), denn die Tatsache, dass Ernteerträge, Währungsstabilität und mein Penis gesellschaftlich relevante Themen sind, hat schlicht (auch) nichts mit Gender zu tun.

(c) International Women’s Day is an opportunity to re/shape the political agenda.

An dieser Stelle sieht man ein häufiges Problem bei unzulänglicher Transkription der Interviews durch wissenschaftliche Laien und die Bedeutung gezielter Nachfragen bei  qualitativen Interviews (Kromrey 2000). Es ist so nicht zu beurteilen, ob es der Probandin um die Gestaltung oder Umgestaltung der politischen Agenda geht, aber wir können unabhängig davon festhalten, dass es dem vorgeblich wissenschaftlichen Feld der Gender Studies eigentlich um politische Gestaltung geht, was absolut nichts mit Wissenschaft zu tun hat. Ähnlich sah das bei meiner Vergleichsstudie Proband #4, “Wissenschaft? Watt? Ich dachte, ich bekomm ein Bier?!”

(2) Liz Cooke

Ich überlege mit gerade, die Damen auf einer WB-Skala zu bewerten, aber meine Einschätzung hierzu wäre durch die Nutten auf dem Weg zum Parkhaus als Forscher gebiast (Kline, 2008), weswegen ich das mal lasse.

(a) I am not a ‘gender researcher’ as such.

Soviel zum Thema Reliabilität, Validität und Repräsentativität meiner Bahnhofspenner. Puh.

(b) it still seems necessary to bring to the attention of many that much thinking in the field remains ‘malestream’ – that women exist

Die Relevanz der Gender Studies begründet sich also darin, dass man vielen Leuten erklären müsse, dass Frauen existieren. Wobei – so die Dame weiter, die tendency to assume that gender just means ‘women’ nicht so toll sei. Die Tatsache, dass Frauen existieren, ist von daher keine Rechtfertigung für Gender Studies, da Gender ja eben nicht Frauen sind, aber eben nur Frauen existieren – falls Ihr das jetzt auch nicht versteht: keine Sorge, geht mir genauso.

(c1) While women are not all the same (intersectional analysis is alive and well in development!)

Es ist sicher erforderlich, für diese bahnbrechende Erkenntnis einen Forschungszweig zu etablieren. Ich habe das so mit 14 festgestellt – also, dass es mehr oder weniger attraktive Frauen gibt, die mehr oder weniger mit mir rummachen wollten. Aber vielleicht bin ich da die Ausnahme und das ist wirklich ein tragendes gesellschaftliches Problem?

(c2) if you acknowledge the existence of patriarchy,

Mein Proband #3 elaborierte darüber, dass die Echsenmenschen an allem Schuld wären, auch daran, dass er sich während unseres Gesprächs in die Hose urinierte. Meinen Vorschlag, sich aus den Bierflaschen-Kronkorken einen Hut zu basteln, wurde abgelehnt, da auch ich einer der Echsenmenschen sei.

(3) Maryanne Dever

(a1) I came to gender studies research via literary studies at a time when there were already major feminist challenges to the literary mainstream

Überlegt Euch mal: Ihr seid wirklich Forscher, und Eure Probanden erzählen einen derartigen Stuss. Wo ist da eine Aussage? Nunja, ich kann das: Die Dame macht Gender Studies, weil sie findet, es gab (und gäbe?) (nicht näher spezifizierte) feministische Herausforderungen in der Literatur. Bleibt trotzdem: Weil?

(a2) Feminism was absolutely core to the critique and reconstruction of the field of Australian literary studies

Okay, Indoktrination. Häkchen, Hypothese bleibt stehen.

(b1) I stayed in that programme for fourteen years

14 Jahre? 14? Fuck, meine Eltern wären da echt nörgelig geworden.

(b2) I can say that maintaining a space for feminist research (and teaching) within the academy was—and remainsan important political project

Die Frage, warum etwas wichtig ist, damit zu beantworten, dass es wichtig sei, ist noch nichtmal eine Tautologie.

(c) I love that IWD this year promises to be huge: the editors of AFS already have pussy hats ready

Analog zu Frau Dever trug auch Proband #2 einen sog. “Pussy Hat”, da “ge, is geil, ne, und total warm, weisse“. Die Nachfrage, ob er durch den Pussy Hat seine Nähe zur feministischen Bewegung ausdrücken wolle kann ich leider nicht vollständig wiedergeben, da das Interview mitten in dem Satz “wer is hier ne Pussy, du Schwuchtel, dick fick ich in den Arsch, du Drecksau, sammal, Pussy, selber Pussy, fick dich” von einer Polizeistreife unterbrochen wurde, die Proband #2 aus mir noch nicht vorliegenden Gründen mitnehmen wollten. Auf meine Nachfrage, ob die ordnungspolizeiliche Maßnahme etwas mit dem offensichtlich anti-patriarchalischen Protest des Probanden #2 zu tun hätte, informierte mich der Beamte B1 (weiblich), dass sie “sich selber verarschen könne”.

(4) Sarah Bowskii

(a) I became a gender studies researcher because at school and university it seemed to me that whenever we read novels by women, we did so thinking about gender.

Indoktrination und/oder nicht selbst Denken. Da das unsere letzte Probandin ist, kann damit insgesamt unsere erste These nicht verworfen werden und daher (weiterhin) davon ausgegangen werden, dass Gender-Studies-Leute einfach nur strunzblöde, faul und ideologisch verblendet sind.

Wissenschaftliche Forschung ist was feines, oder?

(b) I think that this is an important research area because it highlights that even when it comes to studying literature, we make assumptions that are based on our ideas about gender.

Man muss das als analysierender Forscher wohlwollend umformulieren, da die Probandin keine hellseherischen Fähigkeiten haben kann, sondern offenbar nur Größenwahn, und daher für sich den Pluralis Majestatis verwendet. Das (auch weiterführende) Elaborat lässt sich daher verkürzen auf “Gender Studies sind wichtig, weil ich das so sehe”, was weniger die Relevanz des angeblichen Forschungsfelds als den der Probandin inhärenten Solipsismus offenbart.

Restrospektiv lässt sich festhalten, dass die einzige Relevanz der “Gender Studies” darin zu bestehen scheint, dass deren Vertreterinnen ihnen eine Relevanz zubilligen, aber auch auf Nachfrage nicht begründen können (siehe Klein/Diefenbach o.J., Link oben). Da dies zwar innerhalb, aber nicht außerhalb des offenen sozialen Systems (Luhmann 1984) als Existenzgrund eines angeblichen Forschungsfelds gesehen wird, kann an dieser Stelle nur in der Form beschieden werden, als dass keine Hinweise auf eine faktische Relevanz gewonnen werden können und daher der These gefolgt werden muss, dass Gender Studies vollkommen für den Arsch, oder, um das im Jargon derer zu formulieren, die Ärschin ist. An dieser Stelle wären natürlich weiterführende Forschungsbemühungen, insbesondere im Bereich der klinischen Psychiatrie, wünschenswert.

(c) for me International Women’s Day is an opportunity to remember and recognize the diversity of women’s experiences in different countries, and to think about how we can support and learn from one another

Mein Proband #7 äußerte auf diese Frage, dass er es sehr enttäuschend fand, dass “die Schlampen vom Straßenstrich da keinen Rabatt gegeben haben”. Eine Passantin reagierte auf die Aufforderung des Probanden, “ey, Fotze, kann ich mal deine Titten anfassen, der gelackte Affe sagt, heute ist Frauentag oder so” auch eher ablehnend. Das Interview musste leider vorzeitig abgebrochen werden, sodass hier eventuell noch theoretische wie praktische Erkenntnisse zu gewinnen wären, aber meine Frau fand schlicht, dass ich mich nicht ewig mit irgendwelchen Pennern am Bahnhof unterhalten sollte.

Zusammenfassend lassen sich die Erkenntnisse der vorliegenden Studie einer qualitativen Befragung von renommierten Gender-Forscherinnen durch den ebenso renommierten Routledge-Verlag und einer eigenen, qualitativen Vergleichsstudie mit um 75% höherer Probandenzahl festhalten, dass

(a) die These, dass Gender-Studies-Leute einfach nur strunzblöde, faul und ideologisch verblendet sind, einer empirischen Prüfung standhält,

(b) die These, dass Gender Studies keine auch nur formulierbare Relevanz hat, auf Basis jetzt zweier empirischer Studien als gültig angesehen werden kann sowie

(c) die Brüste meiner Frau deutlich interessanter sind als der internationale Frauentag.


Disclosure: This author is in no way affiliated with the Aldi corporation and is convinced that Karlskrone beer is disgusting. However, this author may have a conflict of interest with Gender Studies in general as he is paying fucking taxes for bullshit that will not even in its wildest dreams reach even the scientific standards of the present article. In compliance with full disclosure standards as set by no social researcher ever, this author had one bottle of delicious Czech Staropramen lager beer while writing this elaborate piece of serious analysis.

Advertisements

One Reply to “Bedeutung, Relevanz und Wirkung von Gender Studies – eine qualitative Analyse”

Leave a Reply

Please log in using one of these methods to post your comment:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s