Zeit, uns mit Verdummung zu beschäftigen

Danisch hat bezüglich eines grenzdebilen Artikels in der Zeit schonmal vorgelegt, aber da geht schon noch was.

Autor des Unsinns ist ein gewisser Sebastian Dalkowski, der – das ist offenbar heutzutage erwähnenswert – ein Studium nicht nur besucht, sondern sogar erfolgreich abgeschlossen hat. Fuck, ich habe das in meinem Lebenslauf immer falsch gemacht – “Dr. Shitlord hat die Universitäten Harvard, Oxford und die Sorbonne besucht” heißt ja nicht zwingend, dass ich da mehr als vorbeigelaufen bin, richtig?

Aber gut, zum Text:

Ich will Verbote!

Öhm… ist das so ein Fetisch? Egal – halt die Klappe, du Wurm, und huldige mir! Und hör vor allem auf, Forderungen zu stellen.

(tl;dr: Das war’s dann auch vom Gehalt. Aber ihr seid herzlich eingeladen, mit mir in die tiefen Abgründe der Idiotie einzusteigen)

Wir leben über unsere Verhältnisse.

Ich lebe überhaupt nicht über meine Verhältnisse. Wer ist wir? Deutschland? Wollen wir Hartz4 halbieren? Hey, wenn ich nicht schon wüsste, dass das nicht das Thema ist, wäre ich jetzt total erfreut…

Deshalb brauchen wir jemanden, der uns auf die Finger haut.

Es ist so ein Fetisch-Ding.

Anders ist die Welt nicht zu retten, sagt unser Autor.

Das ist aber fein, dass ihr einen Autoren mit so bescheidenen Zielen gefunden habt, liebe Zeit. Gott, der Artikel hat noch nichtmal angefangen und man weiß, dass er dumm wird.

Es war die Gabel. Ein kurzes, weißes, vierzackiges Stück Plastik. Allen Autofahrern, Mobiltelefonbesitzern, Steakessern und Christian Lindners, die mir in den nächsten Minuten einen Vogel zeigen werden, antworte ich deshalb: Sagt, was ihr wollt, aber habt ihr mal die Gabel gesehen?

Lindner ist von der FDP, oder? OK, es scheint so, als wolle er die genannten Gruppen irgendwie antagonisieren, aber – äh – Mobiltelefonbesitzer? Wer hat denn heute kein Mobiltelefon? Fuck, in Afrika, wo die Leute verhungern, gibt’s Mobiltelefone. Wo lebt der Mann? Berlin?

Aber gut, haben wir denn die Gabel gesehen? Oder das Licht? Habt ihr das Licht gesehen?

Eigentlich hatte ich im Supermarkt nur einen Salatkopf kaufen wollen.

Ich sehe schon, das wird schwierig, da was kritisierenswertes zu finden. Ich meine, Salatköpfe zu kaufen, da tut sich sogar meine Oma schwer. Fairerweise ist meine Oma tot; vorher konnte sie das durchaus. Und Videorecorder programmieren, aber das ist hier ja hoffentlich nicht auch noch Thema.

Das Unglück war, dass ich vorher an der Kühltheke mit den in Plastik verpackten Fertigsalaten vorbeikam.

Wie entsetzlich. In der Theke gibt es bei unserem Edeka übrigens auch sehr leckere Smoothies, zum Beispiel die von True Fruits. Und das eine Cocktail-Dressing, wo ich mir den Hersteller nicht merken kann, was 1a zu Thunfisch passt. Wer kauft denn die überteuerten Fertigsalate?

Blätter, Cocktailtomaten, Mais, Putenbruststreifen, Dressing im Plastikbeutelchen. Aufreißen, zusammenkippen, durchmischen, essen. Sogar an eine Gabel hatte der Hersteller gedacht.

Convenience-Food, nennt sich das, nicht “Fertigsalate”. Fertigsalate sind, wie der Name sagt, Salate. Ein Salat mit Hühnchen ist kein Salat, sondern bestenfalls ein Hühnersalat. Aber gut, auch in einem “erfolgreichen” Studium der Skanidinavistik lernt man ja nun nicht unbedingt Deutsch.

Nichts davon hätte ich gebraucht.

Das, wie erwähnt, geht mir genauso, und ich weiß auch wirklich nicht, warum Leute das kaufen. Ich weiß aber vor allem nicht, warum Sebastian den Quark kauft, wenn er ihn nicht braucht. Er will ihn ja offenbar nichtmal, wie wir noch lernen werden. Zwangsstörung?

Einen Salatkopf kann ich selbst zerlegen.

Langsam habe ich das Bedürfnis, “das glaube ich erst, wenn ich es gesehen habe” zu rufen, denn das mit dem Erwerb des Salatkopfs hat ja nunmal schon nicht funktioniert, gell?

Dressing zusammenrühren auch.

Das nun glaube ich absolut überhaupt nicht. Wisst ihr, wie schwer es ist, ein wirklich gutes Dressing zu machen? Das kostet jahrelange Übung, vor allem, wenn man nur zweimal im Jahr Salat macht wie ich. Aber gut.

Erst recht besitze ich eine eigene Gabel.

Von der ich langsam annehme, sie wäre gestohlen, sonst würde er ja “habe” schreiben wie normale Menschen und nicht “besitze”, was explizit keine Aussage über das Eigentum ist.

Ich wollte den Salat schließlich zu Hause essen.

Mich kotzt es derart an, dass die Presse nur noch damit beschäftigt ist, rumzuheulen, wie schlecht es ihr geht. Ich habe noch nirgends gearbeitet, wo es keine Gabeln gab. Nirgends.

Trotzdem dachte ich:

Trotz was? Der Preis ist ja nun offenbar nicht relevant, was auch ein Grund dafür sein könnte, das Journalisten finden, sie verdienen zu wenig. Das ist immer der Fall, wenn man Geld für unnützen Quatsch ausgibt. Fuck, ich besitze eine Yacht. Und bin deren Eigner. Jammere ich irgendwo?

Ist doch praktisch, mehr Zeit für mich.

Ok, wie erwähnt, “Zeit für mich” war ein guter Grund, das Boot zu kaufen. Wenn andere Leute das mit einem Salat erreichen, verstehe ich, warum der Scheiß so überteuert ist.

Zwei Packungen legte ich in den Korb. Einen Tag später erneut.

Das ist eine sehr langweilige Ernährung. Vielleicht schreibt man deswegen so blöde Artikel?

Die Gabeln warf ich in den Müll. Und ich werde es wieder tun.

Boah! Echt? Die Wegwerfgabel wegwerfen? Ein radikaler Akt der Selbstbefreiung!

Wir alle werden es wieder tun: Sachen konsumieren, die nicht sein müssten.

Darauf erstmal eine Zigarette und ein Pils.

Weil wir bequem sind.

Hä? Ich musste jetzt extra zum Kühlschrank laufen, und die Bierkästen schleppen sich auch nicht von alleine. Und das mit dem Rauchen ist relativ teuer, ich könnte sicher einen Tag im Monat weniger arbeiten, wenn ich das lassen würde. Und Fertigsalate sind nicht unbedingt bequem, weil man da ja auch Qualitätseinbußen hat, da muss man schon abwägen.

Weil wir glauben, sie zu brauchen.

Also, bei den Zigaretten können wir ja über Suchtverhalten sprechen, aber ich bezweifle, dass Leute wirklich Fertigsalate brauchen.

Weil unsere Freunde sie auch haben.

Die meisten meiner Freunde haben kein Boot, sind Nichtraucher und trinken lieber Helles als Pilsner. Fuck, muss das mit dem Gruppendruck heute schlimm sein. Und der Mann ist älter als mein kleiner Bruder.

Coffee to go.

Ja, wie trinkt man unterwegs denn sonst Kaffee? Ich hab nachgeschaut, weder Villeroy&Boch noch Rosenthal haben Kännchen, die in die Autohalterungen passen, und draußen gibt’s ja nur Kännchen.

Kaffee aus der Kapsel.

Wir haben hier zuhause vielleicht fünf, sechs Tassen Kaffee pro Woche Durchsatz. Der wird doch schlecht sonst?

Wieder ein neues Smartphone.

Ich kaufe mir ja gerne Spielzeug, aber ich bezweifle, dass ich das in nächster Zeit tun werde. Mein Computer ist jetzt sechs Jahre alt, ein neuer wäre nicht wesentlich schneller. Mein Notebook ist vier, selbes Problem. Und ich wüsste nicht, was ein Smartphone noch besser machen müsste als das S7, aber das habe ich geschenkt bekommen und weiß nicht wirklich, was man damit soll. Die Kamera ist aber wirklich gut.

Mit dem Auto in die Stadt, weil es nach Regen aussieht.

Hm… in der U-Bahn regnet es, soweit ich mich erinnere, nicht, oder? Und bis man einen Parkplatz gefunden hat, ist man bei weitem in der U-Bahn. Ich sehe da die Rationale dahinter nicht, es sei denn, man wird gerne nass. Ah, Fetisch, hatten wir ja schon einen.

Mehr Bildschirmdiagonale.

Ich finde 24″-Bildschirme wie auch 49″-Fernseher vollkommen ausreichend, mein Schreibtisch wie mein Wohnzimmer werden nicht größer. Und meine Lust, Notebooks rumzuschleppen, auch nicht, von daher passen auch da 11,6″. Wo nochmal bräuchte ich da mehr Diagonale? Ok, fairerweise habe ich zusätzlich einen 37″-TV am PC, zum Spielen. Aber der war halt übrig.

Im Sommer nach Neuseeland, im Herbst auf die Azoren

Im Sommer kann man hier bleiben, da isses schön, warm und die meisten Menschen sind woanders, was bedeutet, dass die (nicht-billigen nicht-Frei-) Bäder (relativ) leer sind. Danisch merkt zudem an, dass es in Neuseeland im Sommer kalt ist. Und im Herbst fliegt man in die Türkei oder sowo. Auf die Azoren fliegt man genau einmal im Leben, dann nie wieder. Oder man bleibt da.

und von München nach Berlin fliegen, weil’s schneller geht.

… und man nicht in der Bahn sitzen muss, wo nur Assos und rumbrüllende Kinder sind und man nicht mehr rauchen darf und zu spät kommt und das Doppelte bezahlt. Ah, und man muss keinen Bahnhof betreten, vor allem nicht in Berlin.

Die Tomaten sehen schrumpelig aus, schmeiß ich lieber weg.

Das könnte was damit zu tun haben, dass du dir Fertigsalate kaufst, statt die Tomaten zu essen? Und man kann die auch noch kochen, wenn es sein muss, wird eine sehr leckere Tomatensuppe, wenn man das kann. Und Lust auf Tomatensuppe hat. Ansonsten schmeißt man die weg, ja. Die EU vernichtet jährlich Tausende Tonnen Tomaten, statt sie an Russland zu verkaufen, da sind meine drei echt nicht wichtig. Man könnte das als Gutmensch sogar als aktiven Russland-Boykott verkaufen, wie die EU – wenn man sich dabei nicht blöd vorkommt.

Sollen wir Pizza bestellen?

Können wir. Der Lieferservice ist aber echt mäßig, die Pizzeria einen Ort weiter hingegen ist hervorragend. Die müsste man aber abholen.

Der Akku ist schon wieder leer.

Tja, so ne Powerbank kostet weniger als deine vier Fertigsalate. Blöde Kaufentscheidung. Und man könnte sein Handy ja auch nachts laden… mit so nem coolen Qi-Charger, da muss man nichtmal Kabel reinpfriemeln. Übrigens einer der wenigen Punkte, die für ein Premium-Smartphone sprechen.

Ich hatte zwar gerade gestern Steak, aber egal, das habe ich mir jetzt verdient.

Man muss sich sein Essen schon verdienen, offenbar, wie damals in den Konzentrationslagern.

Es sei denn, uns haut endlich jemand auf die Finger.

Wie damals in den Konzentrationslagern.

Es sei denn, jemand sagt: Lass das!

Wie – äh – deine Domina, bevor sie dir den Hintern verprügelt?

Liebe Angela Merkel, lieber Staat, liebe EU, liebe Weltregierung, ich fordere euch hiermit auf: Verbietet mir, was ich gerne haben möchte, aber besser nicht haben sollte.

Ich hätte gerne eine Sig Sauer P226, eine Sexsklavin und die kleinen, blauen Allergietabletten aus China, die im Gegensatz zu dem überteuerten deutschen Rotz tatsächlich gegen meinen Heuschnupfen helfen. Darf ich alles nicht haben. Und ich finde durchaus, dass ich das haben sollte.

Das entsetzlichere aber ist, dass der Mann offenbar keine Wünsche hat. Mein Gott, in Wien gibt es noch Leute mit Träumen, da hat jemand eine Straßenbahn geklaut. In Deutschland hingegen haben wir Leute wie Sebastian Dalkowski, die finden, sowas gehört verboten. Da muss man schon mal nachdenken, wo man lieber leben möchte, oder?

Anders ist die Welt nicht mehr zu retten.

Vor Fertigsalaten?

Protect me from what I want, sang schon die Band Placebo. Verbote zu fordern heißt, die Fehlbarkeit des Menschen verstanden zu haben.

Da könnte man auch mal genau 0,01 Sekunde in sich gehen, die eigene Fehlbarkeit reflektieren und zu dem Schluss kommen, dass man vielleicht auch einfach mal besser seine Fresse halten könnte. Immer mitten in die Fresse rein, sang schon die Band “Die Ärzte”.

Die meisten von uns wissen natürlich, dass vieles von dem, was wir kaufen und verbrauchen, nicht gut ist.

Ich finde, dass alles, was ich kaufe und verbrauche, gut ist. Ansonsten – und das ist neben Zigaretten aus Tschechien eine der wenigen guten Sachen an der EU – habe ich da Rückgaberecht, 14 Tage, oder einen Monat, ohne Angabe von Gründen. Finde ich geil.

Und damit meine ich nicht, dass wir davon dick werden und alle möglichen Krankheiten bekommen.Unser Konsum schadet auch uns selbst, klar, aber am meisten schadet er anderen.

Nein, das tut er nicht, und das tut er nie. Beispiel?

Denen, die mit uns auf der Erde leben, die wir nicht sehen, weil sie weit weg wohnen.

Ich habe Faschingskostüme genäht. Das bedeutet, dass zwei Faschingskostüme aus Billigproduktion von zwangsarbeitenden Kindern weniger gebraucht wurden, d.h., also, wenn wir annehmen, dass die schneller nähen als ich, mindestens zwei Kinder in Bangladesch oder so einen Tag hungern mussten, weil ich nicht konsumiert habe. Konsum hingegen ist nicht schädlich.

[So] wirft der Soziologe Stephan Lessenich den wohlhabenden Staaten vor, die Kosten ihres Lebensstils anderen, ärmeren Regionen aufzudrücken.

In seinem Buch 三体 beschreibt der Informatiker Cixin Liu ein fuck-cooles Science-Fiction-Szenario, weswegen ich dessen Bücher gerne nochmal empfehle.

Man kann das auch mit Zahlen belegen. In Deutschland ist der Gesamtstromverbrauch heute zehn Prozent höher als noch vor 20 Jahren, nämlich rund 7.380 Kilowattstunden pro Kopf und Jahr. Um diese Menge auf einem Hometrainer zu erzeugen, müsste man 3.075 Tage lang in die Pedale treten.

… oder aber 0,1 Gramm Wasserstoff zur Kernfusion bringen.

Für die Produktion von einem Kilo Kartoffeln braucht man 100 Liter Wasser

In meinem Garten wachsen die, auch wenn ich sie vollkommen ignoriere. Es wirkt fast so, als wäre dieses komische, oben angesprochene “Regen”, was Sebastian zum Autofahren verleitet, zu irgendwas nutze?

für ein Kilo Rindfleisch 15.000. Trotz eines leichten Rückgangs liegt der durchschnittliche Fleischkonsum in Deutschland noch immer bei 60 Kilo pro Kopf, pro Jahr.

In Botswana liegt der bei 0,01 kg/Kopfjahr. Deswegen will auch niemand nach Botswana, aber die Leute aus Botswana hierher. Aber der Punkt kommt erst noch:

Der sogenannte Earth Overshoot Day markiert das Datum, an dem mehr Rohstoffe verbraucht worden sind, als während des gesamten Jahres nachhaltig gewonnen werden können. 1990 war das noch der 7. Dezember, 2016 war es der 8. August. Ein knappes halbes Jahr lang leben wir über unsere Verhältnisse.

Nein, das tun “wir”, wenn man damit mal die von der angerufenen Frau Merkel Betroffenen als “wir” nimmt, eben nicht. Die Bevölkerung Deutschlands ist nämlich immer noch genauso groß wie 1990. Die von Botswana nicht. Komisch, oder?

Niemand kann bestreiten, dass das aufhören muss.

Das überbordende Bevölkerungswachstum? Das hört von ganz alleine auf, die Leute sterben dann halt einfach. Oder reden wir jetzt über Genozid?

Freiwillig allerdings verzichten die wenigsten.

Vor allem nicht in Botswana. Ich nehme an, die sind dankbar, wenn sie ein Steak bekommen, im Gegensatz zu Sebastian, der offenbar rummault, dass ihn noch keiner in ein fucking Umerziehungslager nach Nordkorea deportiert hat.

Eine Weile hat man das ja versucht: mit Aufrufen, weniger Fleisch zu essen, für kurze Wege das Fahrrad zu benutzen, beim Einkaufen einen Stoffbeutel mitzunehmen. Hat alles nichts gebracht.

Das. Stimmt. Nicht. Und das sagt der Autor sogar selbst, aber was interessiert schon das Geschwafel vom letzten Absatz, wenn man eine Message hat?

Wenn ich ein Steak sehe, denke ich: Lecker! Nicht an die Drei-Stunden-Doku, in der es darum ging, wie viel Wasser, Getreide und so weiter in die Aufzucht eines Tieres gehen, bevor daraus Fleisch auf meinem Teller wird.

Es ist nicht jedes Steak lecker.

Kurzfristiger Gewinn sticht Schaden für die Allgemeinheit.

Effektiv habe ich aus der drei-Stunden-Doku gelernt, dass durch meinen Steakkonsum nicht nur der Restaurantbetreiber, die Kellnerin, der Koch und der Rinderzüchter ein Auskommen haben, sondern auch noch ein LKW-Fahrer, ein LKW-Hersteller, ein Kühlwagenhersteller, ein Kühlwagenumbauer, ein Kühlhausherseller, ein Schiffsbauer, eine Frachtschiffcrew, die Containerhersteller, zwei Kranführer, ein Folienhersteller, ein Etikettenhersteller, der Typ, der die Wagyu-Viecher in Japan massiert, ein… ach kommt, es ist ja schön, wenn es Sebastian egal ist, wenn die alle wie die armen Neger in Botswana verhungern, aber ich finde das halt nicht so toll.

Die Folgen unseres Konsums werden wir erst dann bemerken, wenn irgendwann der Ozean vor der Tür steht. Bloß ist es dann eben zu spät.

Die anthropogene Komponente des Klimawandels ist erstens mal umstritten, und zweitens ist das mehr ein Problem genau der Länder, die vollkommen überbevölkert sind, was wie oben gezeigt auch den “Earth Overshoot” verursacht. Das hat jetzt herzlich wenig mit meinem Fleischkonsum zu tun, aber sehr viel mit Menschen, die finden, dass man die armen Negerlein nicht einfach verhungern lassen kann, was das ganze Überbevölkerungsproblem ja mitverursacht hat. Aber nein, mein Fleischkonsum sei schlecht. Freilich.

Abgesehen davon wohne ich 370 Meter über NN; selbst bei der schlimmsten (und jetzt schon nachweislich falschen) Klimaprognose steht der Ozean hier noch sehr, sehr tief, wenn die Sonne ausgeht.

Man kann natürlich versuchen, mit der Erhebung von Steuern dagegenzuhalten – auf bestimmte Lebensmittel, auf Benzin, auf Fernreisen, auf Flachbildfernseher.

Das ist eine kreative Idee. Machen wir das doch! Oh, wie jetzt, haben wir schon?

Es bringt bloß fast gar nichts.

Doch, dass Preise einen Einfluss auf das Konsumverhalten haben ist eigentlich ziemlich klar belegt. Die Leute in Botswana würden auch Fleisch essen, wenn sie es sich leisten könnten, genau wie die Leute in Deutschland nach dem Krieg. Sie konnten es sich nur nicht leisten.

Höhere Steuern schließen nur die weniger Wohlhabenden von der Konsumparty aus, während die Hersteller versuchen, bei den Löhnen und an der Qualität zu sparen, um die Preise zu drücken.

Das hat absolut überhaupt nichts miteinander zu tun, aber der Punkt mit den weniger Wohlhabenden stimmt. Das interessiert aber doch den alle anderen zum Wahren Wohl™ zwingen wollenden Gutmenschen normalerweise doch einen Dreck?

Deshalb lieber gleich verbieten.

Na guck.

Auch wenn Verbote niemand mag. Verbot, das klingt nach Stubenarrest und Diktatur.

Ja, und es klingt vor allem nicht nach Freiheit. Freiheit, so wie in “Einigkeit und Recht und Freiheit”, du Vollhonk.

Selbst die Grünen haben ihre Forderung nach dem Veggie-Day in Kantinen schnell beerdigt, als man sie als nörgelige Nanny-Partei beschimpfte.

Es ist keine Beschimpfung, wenn man die Grünen als nörgelige Nanny-Partei bezeichnet. Es ist Grundlage des Gedankens parlamentarischer Demokratie, (a) Nanny zu spielen und (b) zu nörgeln. Das ist normal und trifft auf alle Parteien zu. Die Grünen sind halt nur ganz besonders schlimm und nervtötend und ignorant.

Aber Fleischverzicht ist kein Freiheitsentzug.

Nein, aber Fleischverbot ist der Entzug der Freiheit, Fleisch zu essen. Das war nichtmal ein rhetorisch guter Versuch.

Und es stellt auch keine unzumutbare Härte dar, mit dem Bus statt mit dem Auto in die Stadt zu fahren.

Es gibt Leute in Botswana, die wären dankbar, wenn es einen Bus in die Stadt gäbe. Hier im Ort gibt es auch keinen Bus – wozu auch, wir haben eine S-Bahn. Ich denke aber, dass der Sebastian halt in der Stadt wohnt, wo man nun wirklich kein Auto braucht. Mein Nachbar aber fährt mit dem Auto 20 Minuten zur Arbeit. Mit dem ÖPNV wären das 2h20min, und das fände ich schon eine unzumutbare Härte. Und nein, die können nicht woanders wohnen; die Frau arbeitet zehn Minuten in der anderen Richtung.

Oder mit dem Fahrrad. Und kommen Sie mir nicht mit Ihren blöden Getränkekisten. Es gibt Fahrradanhänger.

Ich nehme das genau dann ernst, wenn derjenige, der sowas sagt, mal die Getränke für eine Party bei meinem Bruder mitbringt. Ach, mirwegen nur das 50-Liter-Bierfass und die zehn Kästen für wenn das leer ist.

Oder Sie trinken Ihr Wasser eben aus dem Hahn. Von Rhabarberschorle steht nichts im Grundgesetz.

Tue ich. Aber was wichtiger wäre: Es steht durchaus im Grundgesetz, dass man nicht einfach ohne jeglichen Grund und vor allem nicht wegen der Befindlichkeiten eines Sebastians Leuten Sachen verbieten kann. Praktisch, das.

Damit die Verbote Wirkung zeigen, darf die Regierung es allerdings nicht bei ein paar symbolischen belassen. [bla} [bla] [bla] Verbietet doch einfach Plastikverpackungen da, wo sie nicht nötig sind!

Warum? Damit die Sachen schneller verderben und, wie die runzelige Tomate oben, in den Müll wandern? Sehr gute Idee.

Verbietet überflüssige Autofahrten, indem jeder Bürger nur noch das Recht auf eine bestimmte Menge Sprit hat! Verbietet die Neuzulassung von Autos, die einen bestimmten Verbrauch überschreiten! Und bei der Gelegenheit: Führt ein generelles Autobahn-Tempolimit von 120 ein! Verbietet auf alte Art erzeugten Strom! Macht Ökostrom zur Pflicht!

Verbieten wir Ausrufezeichen! Verbieten wir dumme Menschen! Verbieten wir Spaßverderber! Und bei der Gelegenheit: Verbietet Texte mit mehr als 140 Zeichen! Verbietet mehr als 12 Atemzüge pro Minute! Macht Suizid mit 55 zur Pflicht!

Ne, mal ehrlich – was soll das? 

Und wer sich nicht an die Verbote hält, der wird vor ein Gericht gestellt, genau wie jemand, der Giftmüll im See entsorgt.

Das wäre in einem Rechtsstaat so.

Verschwendung ist nämlich kein Kavaliersdelikt.

Es ist vielmehr überhaupt kein Delikt.

Es ist nicht in Ordnung, alles an sich zu raffen, nur weil es greifbar ist.

Nein, man muss es schon bezahlen. Es kotzt mich so an, dass niemand mehr das Konzept von “Geld” zu verstehen scheint.

Niemand hat das Recht, sich mehr zu nehmen, als er braucht.

Sagt… wer? Mich nervt das schon bei den Chinarestaurant-Buffets, wenn die “ihr Teller ist aber voll” rummaulen, weil es Leute gibt, die gerne volle Teller mögen. Das betrifft mich nicht, ich mag leere Teller, warmes Essen und viele Gänge; ich meide solche Restaurants dann. Klar, es gibt Leute, die übermäßig nehmen, weil es da ist, nur weil es da ist, das ist das Problem der Allmende, aber kategorische Verbote lösen das Problem auch nicht. Das ist wie einen Betonsarg über Tschernobyl stülpen – das Problem ist immer noch da. Der Betonsarg ist aber besser als der Status Quo, wohingegen ein Verbot, Radioaktivität auszustrahlen, keine Verbesserung wäre.

Und ich hätte noch einen Vorschlag: Jeder Bürger bekommt jährlich ein CO₂-Guthaben, das ihm einige Verbrechen gegen die Natur erlaubt, wofür er dann aber andere unterlassen muss. Kaufe ich mir einen neuen Fernseher, oder fliege ich lieber auf die Malediven?

Also, ein bisschen die Umwelt kaputt machen ist OK, aber – nehme ich mal an – natürlich nur in dem Maß, wie Sebastian das macht? Feine Idee. Pisser. Immer das Gleiche.

Aufstocken kann man dieses Guthaben nicht mit Geld, sondern nur, indem man etwas dafür tut. Den Wald vor der Haustür von Müll befreien zum Beispiel.

Im Wald vor meiner Haustür ist kein Müll. Wir sind hier in Bayern.

Ich weiß, jetzt kommen die Christian Lindners und sonstigen Freihandelsphilosophen und protestieren, natürlich.

Mit Freihandel hat all das absolut überhaupt nichts zu tun, nur so von einem Freihandelsphilosophen zu einem ungebildeten, totalitären Möchtegern-Diktator.

Ich will ja auch in keinem Staat leben, der überall Verbotsschilder aufstellt und den Menschen vorschreibt, was sie zu tun haben.

Echt jetzt? Das wirkte bisher anders.

Es geht mir aber um das, was sie schlicht nicht tun dürfen, wenn hier auch in 1.000 Jahren noch jemand leben können soll.

Ich habe irgendwie das Gefühl, dass er damit nicht meint, dass wir keine Botswanischen Wirtschaftsflüchtlinge aufnehmen sollten.

Wer sich nicht jeden Herbst ein neues Handy kaufen darf, benutzt eben weiter sein altes.

Tjo, und wenn das Handy kaputt gegangen ist, dann züchtet man eben Brieftauben. Wie damals in der DDR. Gott, muss das schön gewesen sein.

Und wer auf seine Kaffeekapseln verzichten muss, mahlt den Kaffee halt selbst. Na und?

Und wirft jedes Jahr 1,7 von zwei Kilo Kaffee weg. Sehr nachhaltig. Und ne, wirklich guten Kaffee gibt’s nur in Kilopacken, und da braucht man mindestens normalen und welchen für Espresso. Und natürlich zwei Kaffeemaschinen, ist sicher auch total nachhaltig.

Was wir als Konsumfreiheit bezeichnen, ist in Wahrheit oft nur als Recht getarnte Bequemlichkeit.

Hä?

Konsumverbote beschränken die Freiheit zu konsumieren, nicht die politische. Die wird nämlich nicht im Apple Store verteidigt.

Sammal, geht’s noch? Politische Freiheit? Fick dich doch! Es geht um persönliche Freiheit, du widerlicher… boah, aber schön, dass ich meine politische Freiheit behalten darf. Dann kann ich nämlich eine Partei wählen, die für Leute wie dich Umerziehungslager baut. Sammal.

Dass weniger Konsum funktionieren kann, ohne dass dadurch die Wirtschaft zusammenbricht, davon sind eine Menge kluger Leute überzeugt. Der britische Ökonom Tim Jackson etwa, der mit Wohlstand ohne Wachstum eine Art Standardwerk zum Thema vorgelegt hat und unter anderem stark verringerte Arbeitszeiten vorschlägt.

Joah, und das wäre auch eine gute Idee gewesen, da in den 70ern mal drüber nachzudenken. Das Problem ist, dass weder unser Geld- und vor allem nicht unser Rentensystem so funktionieren. Kann man immer noch, aber ich bin sehr, sehr sicher, dass Sebastian einer derer ist, die am lautesten schreien, wenn man es anders macht.

Was sollte das auch für eine Welt sein, wo es nur läuft, wenn wir möglichst viel kaufen und verbrauchen?

Das nun wieder ist Unsinn. Die Systeme sind auf Fortschritt und Wachstum ausgerichtet, weil die Menschheitsgeschichte von – naaaaaa – Fortschritt und Wachstum geprägt ist. Was Sebastian und seine Freunde bei den Grünen aber machen ist das, was in Amerika als “regressive left” bezeichnet wird: Rückschritt. Windrädchen und Wasserkraftwerke sind kein Fortschritt, sondern Technologie aus dem finsteren Mittelalter. Krieg im mittleren Osten ist Politik aus dem finsteren Mittelalter. Kein Fleisch essen ist finsteres Mittelalter. Nicht Auto fahren ist finsteres Mittelalter.

Ich weiß nicht, wann es mich das letzte Mal mehr als ein paar Augenblicke lang glücklich gemacht hat, etwas gekauft zu haben.

Es ist nicht Sinn von “was kaufen”, “glücklich” zu sein. Der Sinn von “was kaufen” ist “was haben”. Glücklich kann ein Nebeneffekt des Habens sein, zum Beispiel kann man Glücklich sein, weil man sich mit einer P226 sicher fühlt, oder weil die Sexsklavin toll blasen kann. Aber dieses Glück steht mir ja nicht zu, weil wir eine Gesellschaft spaßverdrossener Spießer sind, regiert von einer angeblichen Elite mit Angst vor dem gesamten Volk, obwohl das zu immer größeren Teilen aus unglücklichen, mit sich selbst unzufriedenen Idioten zu bestehen scheint, die alle auf ihr persönliches Level des Unglücks runterziehen wollen.

Meistens geht es mir dabei wie in der Kantine, wenn ich mich trotz guter Vorsätze am Ende doch für die Currywurst entschieden habe und danach denke: Puh, hätte nicht sein müssen.

Wenn du keine Currywurst magst, iss was anderes. Wenn dich essen nicht glücklich macht, hör auf zu essen – ich meine, das hat auch Konsequenzen, aber die stören in deinem Fall wirklich nur sehr, sehr wenige Menschen.

In einer Welt mit vielen Verboten müssten wir uns keine Gedanken mehr darüber machen, ob das, was wir tun, der Umwelt oder unseren Mitmenschen schadet.

Aber sehr viel mehr Gedanken darüber, ob wir die Tyrannen stürzen.

Kein schlechtes Gewissen ertragen, wenn ein Fahrradfahrer mit Jutebeutel an uns vorbeiradelt.

Wtf?

Wir wären plötzlich viel freier.

Zum etwa zehnten Mal: Eine Einschränkung von Freiheiten ist keine Steigerung von Freiheiten, du Vollhorst. Aber gut, ich löse Dein Problem – wir können gerne verbieten, dass Leute öffentlich über ihr schlechtes Gewissen reden, wenn sie etwas gegessen haben oder andere Menschen sehen. Früher gab es mal so eine Konvention, die nannte sich “Anstand”, oder auch nur normales Sozialverhalten, und man hat Leute, die solche Probleme hatten, in die Klapsmühle gesteckt. Heute erwartet man, dass die da selbst hingehen. Mach das doch mal, Sebastian, löst ganz sicher viele deiner Probleme.

In Wirklichkeit sehne ich, sehnen wir uns nach dem Mann, der im Supermarkt neben uns tritt und sagt: Plastiksalat mit Plastikgabel? Das stellen Sie mal schön wieder ins Regal. Und dann schaut er uns sehr böse an.

Ne, ganz ehrlich, sprich da mal schön für dich alleine. Ich sehne mich derweil weiter nach der Seksklavin, die mir einen bläst. Zumindest, bis meine Frau von der Arbeit kommt.

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5 Replies to “Zeit, uns mit Verdummung zu beschäftigen”

  1. “Ich habe Angst ein Erwachsener zu sein, kann mich bitte jemand ohne Abendessen ins Bett schicken. Oh, und alle anderen auch, sonst ist das voll unfair, die haben angefangen.”

    Ein Ärzte-Zitat vom größten Berlinhasser der Welt, ich schmunzelte 🙂

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  2. Man könnte auch verbieten, dass Leute mit 2-stelligem IQ Zeitungsartikel schreiben. Andererseits ginge uns dann der Spaß verloren, Artikel von solchen Schnullerbacken wie Sebastian Dalkowski durch den Kakao zu ziehen. Also soll er weiter machen, so lange er niemanden zwingt dafür zu zahlen.

    Wir könnten auch verbieten, dass Masochisten und Sadisten politische Vorschläge machen. Aber wer soll dann die Parlamente bevölkern? Und wenn diese Typen dann z.B. an einer Werkzeugmaschine arbeiten müssen und sich wegen ihrer psychischen Disposition selbst verletzen oder den Schichtführer, ist halt auch nichts gewonnen. Vielleicht sollten wir sie nach Botswana exportieren?

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  3. Zu Spastian Knallkopfski ist eigentlich alles gesagt, mir stach aber dieser Satz von Dir ins Auge:

    “Wisst ihr, wie schwer es ist, ein wirklich gutes Dressing zu machen?”

    Einspruch! Ich weiß jetzt nicht, was Du unter richtig gut verstehst, aber mein Dressing schmeckt mir, meiner Frau und allen, die es bisher probiert haben, richtig gut. Zubereitung ist ein Klacks. Ich mache es immer “frei Schnauze”, daher hier nur die Zutaten aus dem Kopf, mit Mengenangaben, die ohne Gewähr sind:
    – Joghurt (Hauptanteil), oder Quark (ca. 250g)
    – Guter Schluck Olivenöl
    – 2 Esslöffel scharfer Senf
    – 2 bis 3 Esslöffel Teriyaki- oder normale Sojasauce
    – 1 Esslöffel Agavendicksaft (löst sich besser) oder Zucker
    – 1/2 Teelöffel Salz
    – Pfeffer
    – ordentlich (1 bis 2 Teelöffel) Curry
    – alle möglichen Kräuter, die so da sind.
    Wenn die Konsistenz nicht wie gewünscht ist, entweder mit Milch verdünnen, oder mit Frischkäse, bzw. Quark fester machen.
    Ich schmeiße immer alles in ein leeres Marmeladenglas und dann wird geschüttelt.
    Seitdem gibt es bei uns öfter mal Salat. Nach dem Dressing noch Parmesan und Pinienkörner drüber, dann kann man das Zeug gut essen!

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    1. Klingt lecker, werde ich probieren. Ich denke aber, dass das jemanden, der es nicht schafft, Salat zu kaufen, überfordern würde^^

      Das mit dem Joghurt klingt auch vernünftig; ich komme aus so einer Familie, wo Salatdressings total flüssig zu sein haben.

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