Weihnachtsmärkte

Ich war letztes Wochenende in Pressburg. Da im Frühjahr ja ein in den Arbeitsmarkt integrierter Jugoslawe mit Nutzfahrzeug so nett war, mich zum Erwerb eines neuen Fahrzeugs zu nötigen, haben wir beschlossen, dass New York zum Weihnachtsshopping dieses Jahr zu teuer ist, zudem hatte niemand Lust auf marodierende Clinton-Anhänger, die sich benehmen wie der durchschnittliche Berliner.

Die Reise fing sehr positiv an, da der Billigflug ausfiel, das macht gleich mal 550% Cashback auf den Flugpreis dank des einzig guten Gesetzes, das die EU zustande gebracht hat. Leider verdarb uns der Ersatzflug unseren Zeitplan, sodass wir für Bratislava, wie das auch heißt, weniger Zeit hatten als geplant. Was im Nachhinein nicht so schlimm war; Wien war sehr nett; zur Weihnachtszeit kannte ich das nicht. Sehr schöne Weihnachtsmärkte finden sich in Wien, der am Rathausplatz hat mir am besten gefallen. Vor allem gab es nur fürchterlich hässlichen Kitsch, so dass die Damen kaum was kaufen mussten.

In Bratislava, was entgegen normaler Erwartungen an eine Hauptstadt in etwa die Größe eines fränkischen Dorfs hat und durchgehend sehr kurze Laufstrecken – noch kürzer als Prag – gab es nahezu überhaupt keinen Kitsch, sondern eigentlich nur Alkohol und Essen. Das ist dann wie in Tschechien, es gibt Trdelnik und günstiges Bier; wenn man Glück hat tschechisches. Der zentrale Unterschied sind hauptsächlich die Lokale und jegliche Interaktionen – die Leute sind unfreundlich. Wobei sowohl das Essen als auch das (dann natürlich selbstgebraute) Bier immer super waren – wenn man denn mal was bekam. Stilistisch ist es eigentlich sehr schön; also, die Innenstadt; prinzipiell wie Budapest, nur klein.

Letztes Jahr haben in der Slowakei 169 Menschen Asyl beantragt, und 161 haben keines bekommen – analog ist das in Restaurants, wenn man was will. Es gibt also Ausnahmen, wenn man mit dem Kellner gerade Glück hat, aber man muss schon sehr verzweifelt sein, um da hinzuwollen. Von daher wurden die Weihnachtsmärkte auch nicht von schwedischen Nutzfahrzeugen kulturell bereichert, was damit erklärt werden kann, dass die Slowenaken wider meines Eindrucks doch so tolerant sind, sogar Moslems eine wunderschöne Moschee zu bieten:

moscheebratislava

Im Innenhof geht man dann vor dem Tattooladen links; das Gebäude wurde offenbar in kommunistischer Zeit “saniert” und ist entsprechend hübsch. Wären die Berliner der Religion des Friedens und Fremden im Allgemeinen gegenüber genauso offen und zuvorkommend, müssten jetzt nicht alle Betroffenheit heucheln.

Oder, natürlich, man hätte im Frühsommer auf mich hören können und hätte LKWs verboten, aber solch einfache Lösungen kommen ja immer nur von bösen Rechten, wie “Grenzen als solche betrachten” und so. Und das macht nur miese Stimmung und löst keine Probleme, die andere Leute x-zigtausend Kilometer weit weg noch andereren Leuten x-zigtausend Kilometer weit weg machen, damit dann Leute in Berlin feige Erklärungen über überhaupt nicht feige Attentäter abgeben.

Insofern ist ein bisschen mehr miese Stimmung vielleicht gar nicht schlecht. Ich denke, ich werde das mal testen und fahre nach Stříbro. In Slowenien (oder wie das Land heißt) hatten die meine Zigarettenmarke eh nicht, und das Hotel Alexander sieht eigentlich ganz gut aus. Und nur, weil die Stadt auf Deutsch Mies heißt, muss das ja nicht heißen, dass sie mies ist, oder? Es sind ja auch nicht alle fanatischen islamistischen Terroristen fanatische islamische Terroristen, oder? Wir wollen ja hier Rechtspopulisten keine Munition liefern.

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