Die Nicht-Nachrichten auf Bento

Bento ist ein Online-Programm des Spiegels, gemacht für all diejenigen, denen Spiegel Online noch nicht niveaulos genug ist. Da das – so Wikipedia – ein eigenes Angebot werden soll, das sich auch finanziell selbst trägt, wurden nur “Redakteure” zwischen 22 und 34 eingestellt, also weitestgehend Leute mit keiner Ahnung von überhaupt nichts bis zu denen, die sonst keiner will. Was kann da schon schiefgehen? Klickt doch eh jeder auf Clickbait. Ich habe mir das heute mal angetan – zumindest teilweise. Fangen wir mit der sehr, sehr großen Schlagzeile an:

Hass auf den ersten Blick: Wie Menschen auf ausländisches Aussehen reagieren

Dahinter verbirgt sich nichtmal ein Artikel, sondern ein Video. Bilal, 25, sieht aus wie ein ISIS-Terrorist und läuft durch die Fußgängerzone. Die von ihm angesprochenen Menschen sind freundlich und finden, er sieht ausländisch aus. Und sympathisch. Und gut.

Mal ganz ehrlich: Das passt nicht nur nicht zur Schlagzeile, sondern ist nichtmal der Versuch von Journalismus. 

Jennifer Rostock singt gegen Seximus – Nackt

Ich kenne Jennifer Rostock vom Hörensagen, weil sie gegen die AfD gesungen hat (stand in anderen Publikationen der Lügenpresse). Das Icon deutet auf eine Bilderserie hin, und ich möchte Jennifer Rostock nicht nackt sehen.

Matthias Schweighöfer, wir haben uns auseinandergelebt

Das ist traurig für die Autorin. Müsste ich Herrn Schweighöfer aus dem Dschungelcamp oder Dancing with the Stars kennen?

Horror-Clowns: Sind diese Geschichten wahr oder falsch (Quiz)?

Stand auf Wikipedia nicht gerade noch, das wäre eine Nachrichtenseite? Das einzige, was bisher eine “Nachricht” war, war, dass Jennifer Rostock gesungen hat, was wohl ihr “Beruf” ist. Und das nackt; nach dem Vorschaubild ist sie das aber öfter. Nachrichtenwert: Null.

Gaffer klauen Feuerwehrmännern während Einsatz die Brötchen

Übrigens in der Rubrik “Gerechtigkeit”, wie auch die nackte Jennifer. Ist aber ein ganz interessanter Artikel: Bei der Feuerwehr gibt es jetzt ja auch Frauen, und obwohl man intuitiv denkt, die machen da gar nichts und werden nur fürs rumstehen bezahlt, machen sie offenbar Sandwiches. War aber freiwillige Feuerwehr, bei der Berufsfeuerwehr machen die – woher soll ich das wissen, bin ich Journalist oder so?

“Er hat ein gutes Herz”: Warum junge Amerikaner Trump unterstützen

Auch aus der Rubrik “Gerechtigkeit”. Super, dass Bento so viel Wert auf Gerechtigkeit legt.  Was haben wir denn dazu zu sagen, Tatjana Thamerus?

Selten war ein Präsidentschaftskandidat bei jungen Wählern so unbeliebt wie Donald Trump.

Komm, Mädchen, wenn du mir schon einen Pro-Trump-Artikel versprichst, dann sollte da auch was positives drin stehen, oder? Oder willst du nur erklären, dass die alle doof sind, weil das alle machen? Nein – erstaunlicherweise kommen fünf Interviews ohne Kommentar oder sonstwas. Das ist zwar immer noch kein Journalismus, sondern eine durchgefallene Grundstudiumsarbeit in Soziologie, aber Tatjana ist ja auch noch jung.

Der Film zum Wochenende: “Sympathy for Lady Vengeance”

Es geht um einen Film, zu sehen bei Clipfish, aus der Rubrik “Streaming”. Inhaltlich eine Lobhudelei sondersgleichen. Früher hieß die Rubrik “Kultur”, aber wenn ich jetzt was zum kulturellen Niedergang Deutschland schreibe, schreibt jemand bei bento noch einen Artikel über Nazis wie mich. In der Rubrik “Gerechtigkeit”.

Diese 10 Apps machen dein Smartphone zum perfekten Reisebegleiter

Wir sind jetzt in der Rubrik “Storys”, nicht etwa bei “Leute, die uns Geld bezahlen”. Die Apps sind TripIt für Leute, die zu doof sind, sich zu merken, wo und wann sie hinfliegen und/oder einen Kalender zu führen und eMails abzurufen. Oder auszudrucken, man könnte ja auch mal Urlaub in einem unzivilisierten Dritte-Welt-Land machen wollen. Deutschland oder so.

Es folgen eine Video-App, eine Gemeinschaftskasse, HotelTonight, Google Translate (der erste sinnvolle Tipp, allerdings ohne den sinnvollen Hinweis, dass das auch offline funktioniert), Tip Check für Leute, die 10% nicht im Kopf ausrechnen können, weil sie Mathelehrer in Berlin sind, DuoLingo, mit dem man Klingonisch lernen kann, Wunderlist für Leute, die Google Keep nicht kennen, Flush Toilet Finder, wenn man mal muss und kein Problem hat, schnell mal 100km zu laufen sowie Mypostcard. Sinnvolle Apps wie Google Maps oder Tripadvisor fehlen natürlich, aber wer will schon wissen, ob das Restaurant/Hotel gut ist oder gar wo man sich befindet?

Diese küssenden Paare sollen Paris heilen

Aus der Rubrik “Art”, einer Unterrubrik von “Storys”. Ein Julien Nonnon, seiner Ansicht nach Grafik-Künstler, beamt Bilder von sich küssenden Pärchen an Hausfassaden. Darunter zwei Quotenschwule und sage und schreibe sechs Lesben. Ich weise darauf hin, dass meine Zusammenfassung mehr Informationsgehalt als der Artikel von Nike Laurenz hat. Und darauf, dass Nike die Göttin des Sieges ist, in diesem Fall des Sieges von Irrelevanz über Information.

Nora Tschirner, wie gehst du mit Liebeskummer um?

Wen interessiert das? Und: Wer ist Nora Tschirmer?

Der Tipp gegen Liebeskummer ist übrigens (a) rumheulen und (b) allen anderen was vorheulen. Dabei aber nicht vergessen, dass man (c) nicht in seinem Geheule versinken soll. Wie man mit kognitiver Dissonanz umgeht, steht da leider nicht. Als ob Frauen nicht eh genug heulen, sodass man sie dazu auch noch anstiften muss. Fein. Ich hasse euch, Bento.

Warum ich mit mehr als einem Menschen zusammen bin

Weil, wie uns “Kolumnistin” Eva in der Rubrik “Fühlen” (ja, ne, wirklich) erklärt, sie eine Schlampe ist. Ne, auch wirklich, lest selber, wenn ihr mir nicht glaubt. Wo nochmal aber ist da jetzt der Informationswert? War das nicht allen vorher klar?

Vor der Antarktis soll weltgrößtes Meeresschutzgebiet entstehen

Das könnte man als “Nachrichten” zählen. Ist auch in der Rubrik “News”, Unterrubrik “Grün”. Dass das Vorhaben beschlossene Sache ist, erfährt man aber nicht, stattdessen wird so getan, als hätten die Russen was dagegen.

Endlich: Dein Coffee-to-go ist bald kein Müllproblem mehr

Weil das Hartz4 gekürzt wird? Nein? Schade. Es hatte nur jemand die revolutionäre Idee, Becher mehrmals zu benutzen und den einzigen Vorteil von Coffee-to-go zunichte zu machen. Früher gab es draußen aber auch nur Kännchen, das war nicht doof, so mülltechnisch.

Die 176 ersten echten Emojis kommen ins Museum

Was nun niemanden sonderlich interessiert. Ole Reißmann behauptet aber, irgendwer hätte vor, Emojis zur universellen Weltsprache zu machen. Kann man “sacht mal, ihr verdammten Pisser, reicht es euch mit der Verdummung und Hyperemotionalisierung von jedem Dreck noch nicht und findet ihr das nicht noch schlimmer als Orwells Neusprech, ihr wiederlichen Faschisten” in Emojis ausdrücken? Nein? Ok, dann wissen wir, warum.

In Lüneburg ziehen Studenten jetzt in Flüchtlingsunterkünfte

Ich nehme an, weil die Flüchtlinge schöne Wohnungen bekommen haben, und die Studenten als Deutsche jetzt auch offiziell Menschen zweiter Klasse sind? Keine Ahnung, steht in dem Artikel nicht drin. Wäre vielleicht mal einen Artikel wert.

Justin Trudeau kommt nicht: Ceta-Gespräche vertagt

Ja – äh – das ist falschrum: Ceta-Gespräche vertagt: Justin Trudeau kommt nicht. Wozu auch? Er wollte ja zu Ceta-Gesprächen kommen. Mehr als “Ceta-Gespräche vertagt” steht auch nicht drin, aber klingt besser, wenn wir den Vorzeige-Eunuchen Trudeau erwähnen, oder?

Warum Anhänger von Donald Trump jetzt “Lügenpresse” für sich entdeckt haben

Der Artikel heißt fürs SEO übrigens luegenpresse-trump-unterstuetzer-benutzen-jetzt-pegida-vokabular. Komisch, wenn Pegida das Wort verwendet, ist es immer Nazi-Vokabular.

Die Autorin, Miriam Dahlinger, geht dann übrigens tatsächlich der Frage nach, warum die das machen, und erklärt – naja, eigentlich zitiert sie Lutz Bachmann via Breitbart – dass der Begriff für Medien verwendet wird, die “nicht akkurat” berichten. Wie zum Beispiel Bento oder, um wie Miriam Trump zu zitieren, Journalisten, die “die niedrigste Form des menschlichen Lebens” darstellen, also zum Beispiel Miriam, Artikel mit “jetzt entdeckt haben” überschreiben, um dann von einem seit mehr als einem Jahr bestehenden Phänomen zu berichten (was sie selbst schreibt).

Was sie auch schreibt ist, dass es sehr viele deutsche Wörter gibt, “die sind so hübsch, dass sie Amerikaner in ihren Sprachgebrauch übernommen haben. Es gibt aber auch Begriffe, auf deren Export wir lieber verzichtet hätten. “Lügenpresse” ist so ein Wort”. Warum Miriam hier offenbar nicht als Teil der Lügenpresse bezeichnet werden will, kann ich nicht so ganz nachvollziehen, aber mirwegen nennen wir Miriam halt ganz amerikanisch Presstitute.

Was ist nur mit diesen Beinen los?

Aus der Rubrik “Web”, Unterrubrik “Haha”, erkärt uns Ole mit den Emojis – keine Ahnung, wen interessiert das? Zu sehen ist ein Bild von Beinen mit weißer Farbe drauf. Das ist übrigens die Auflösung. Danke, Ole. Früher hätte Ole wenigstens noch Stereogramme gezeichnet und behauptet, dass man da was drauf sähe.

Die Krimigeschichten von J.K. Rowling werden verfilmt

Hey!!! Kurznachrichten! Die erste Krimigeschichte von JK Rowling ist übrigens noch schlechter als Harry Potter, da habe ich wenigstens zwei Seiten ausgehalten; bei dem Krimi nichtmal den ersten Satz. Nein, das steht nicht in dem Artikel, da steht nur die Überschrift breitgetreten drin. Und, dass JK Rowling Fans hat, aber hey, das wussten wir schon.

Schwarzer begeistert mit spontaner Rede gegen Vorurteile

Alice Schwarzer, oder reden wir jetzt über einen Neger? Heißen die jetzt nicht Buntmenschen oder so?

Naja, ein Neger hat in der U-Bahn gesagt, er sei “young, black and beautiful”.

Was 2,5 Mio. mal bei Facebook geteilt wurde. Nein, das ist keine Rede gegen Vorurteile. Nein, ich habe keine Ahnung, was daran toll oder interessant sein soll.

Reminder an mich: Für den nächsten Türkei-Urlaub Reparaturset für das Dinghy mitnehmen, Dinghy reparieren, Dinghy aufpumpen, Frau ins Dinghy setzen, Frau im Dinghy vor den Bug platzieren, mich auf die Bugplattform stellen, schreien “I am the king of the world”, auf Facebook teilen. Bonus für behaupten, das wäre eine spontane Rede gegen Vorurteile, Rassismus, Sexismus und viele andere *ismen.

Wenn eine Black-Metal-Band dein Pärchenfoto crasht

Ja, das unterstütze ich nicht; ich finde es unverantwortlich, Anleitungen zum Selbstmord zu verbreiten.

Die folgende Rubrik ist dann “Videos”, also sicher noch weniger Nachrichten als die nicht-Nachrichten unter den “Schlagzeilen”. Dann kommt die Rubrik “Smore”. Ein “S’More [smɔəɹ] ist ein Lagerfeuer-Snack in den USA und Kanada”. Wait… what? Ah…. ohne Apostroph. Fragen wir das Urban Dictionary:

When a girl is sucking your dick on her knees you jizz on the palm of your hand, then you rub your hands together and smack her with both jizz-filled hands at the same time to spread cum all over her face.

Ok, das klingt vielversprechend. Ich fand die BPjM ja auch immer scheiße. Vielleicht war ich vorschnell mit meinem Urteil über Bento?

Heute ist Weltspartag! Diese Erinnerungen machen dich wieder zum Kind

Ne, sorry, Normalisierung von Pädophilie finde ich total widerlich.

Comic: Was ich höre, wenn jemand Globuli sagt

Shit, habt ihr in eure sexuellen Perversionsgeschichten jetzt auch noch Erzählmirnix reingezogen?

Offenbar.

Wetten, du bist dir nicht sicher, ob auf dem folgenden Foto Bill Murray oder Tom Hanks ist?

Bill Murray lebt noch? Und was hat das jetzt mit Sex zu tun? Urrrgh. Ne, danke, Bento, lasst mal stecken. Hihi, stecken. Ihr Schwuchteln.


Halten wir mal fest: Das ist das, was sich der Spiegel, der früher mal ein Nachrichtenmagazin war, was zumindest Fefe behauptet, als Medienlandschaft für “junge Leute” vorstellt: Genau drei halbgare Nachrichtenmeldungen, die weitestgehend aus der Überschrift bestehen, sowie nutzloser Clickbait und ein paar Halbwahrheiten, Bildchen von nackten Frauen und Opinion Pieces darüber, wie es sich als Schlampe lebt und dass man als solche viel rumheulen muss, aber dann auch wieder nicht sollte, garniert mit dem Hinweis, dass man lieber Presstitute als Teil der Lügenpresse ist.

Wie soll sich das nochmal finanzieren? Womit verdienen die Geld? Ach so, die haben ja die arme Nadja mit reingezogen, und von deren Buch profitiert ja auch der Springer-Konzern. Shit, muss sich das gut verkaufen.

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