18 Days Later

Ich war heute im Billardsalon, der sich – wie zu erwarten – nicht in der besten Gegend befindet. Und während ich so draußen stehe, kommen zwei Mädels vorbei, so in dem Alter, was ich gerade aus irgendeinem Grund kategorisch attraktiv finde. Die eine tippte auf ihrem Handy rum und hielt es dann an ihr Ohr – das ist zunächst mal verwunderlich; sowas macht man heutzutage ja nicht mehr, das ist reaktionäre Nazi-Scheiße und überhaupt nicht progressiv.

Naja, das hübsche Mädel sagte dann ihrem Telefon “Mert*, ey, sagt Du die Hassan* das wir jetzt zu die Café gehen? … Oh? Ach, ihr seid schon in der Café!

Wie erwähnt, sie liefen vorbei, ich weiß nicht, was danach passierte oder warum man freiwillig in ein Café in Gostenhof gehen würde, aber mir fiel die vorbildliche Verwendung des Dativs auf. Zunächst. Es gab ja da dieses “Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod” – Buch und begleitend eine Menge von Zeitungsartikel, die das Aussterben des Genitivs heraufbeschworen haben. Deppen, allesamt, natürlich. Wie die Feministen – beschweren sich darüber, was Frauen fehlt, obwohl Männer oder gar Neger oder sonstiges Gesocks es viel schlechter haben. Dafür brauchen wir ja intersektionellen *ismus, um gegen Idiotien wie das sexistische (eigentlich ist es casusistisch, aber der Unterschied zwischen biologischem und grammatikalischen Geschlecht ist eh nur sozial konstruiert, und das gilt für Deklination erst Recht) Beklagen des Aussterbens eines Falles zu beenden, es ist schließlich 2016. Die anderen Fälle sterben schön auch aus, wer braucht schon grammatikalische Regeln? Die unterdrücken nur Minderheiten, wie das hübsche Mädchen aus Gostenhof und ihre Freunde Mert und Hassan, die sich vorbildlich in die deutsche Gesellschaft ignorieren, indem sie Deutsch sprechen. Mit immerhin einem Dativ, wo er hingehört, da muss man drüber wegsehen, dass es eigentlich “zu der Café” und nicht “zu die Café” heißen müsste; so viele Dative brauchen wir nun auch nicht.

Leider befürchte ich, dass das offenbar beginnende Sterben des Dativs in der Mainstream-Presse nicht die gebotene Aufmerksamkeit bekommen wird, da die Presse mit der anstehenden Entscheidung der US-Bevölkerung, ob sie lieber einen Bürgerkrieg oder den dritten Weltkrieg haben wollen, ausgelastet ist.

In dem Kontext gilt es natürlich, den Bürgerkrieg zu verhindern und alles auf eine Konfrontation mit Russland in Syrien zu setzen; ein ordentlicher US-Präsident der “Demokraten” braucht schließlich einen Stellvertreterkrieg in irgendeinem Drecksloch, von dem keiner weiß, wo es liegt – deswegen mag ja niemand Obama, der hatte keinen Krieg mit den Russen. Harry Truman hatte Korea, Lyndon B. Johnson Vietnam, und wer denkt nicht gerne an die tollen, heldenhaften Erfolge der US-Soldaten damals zurück? Kennt denn keiner mehr das preisgekrönte zeitgeschichtliche Meisterwerk Apocalypse Now des rennomierten Dokumentarfilmers Francis Ford Coppola? Das muss man natürlich wiederholen – in Syrien, besser jetzt als nie, deswegen sollte man definitiv für Clinton stimmen.

Komischerweise interessiert das die Presse nicht, die echauffiert sich seit der presidential debate am Mittwoch darüber, dass Trump sich vorbehält, das Wahlergebnis nicht so toll zu finden. Und das, erklärt uns Thomas Seifert, ist ein “Tabu-Bruch: Er nährt öffentlich den Zweifel an der Legitimität des Wahlprozesses in den Vereinigten Staaten.

Wie kann er nur! Die USA, DIE USA [no, your honor, that is German, it says “die Bart, die“], der Hort der Demokratie, die uns von den restlichen drei Nazis befreit haben, nachdem die Russen 90% der Wehrmacht in verlustreichen und blutigen Kämpfen feigen Angriffen auf die Zivilbevölkerung von Stalingrad und Umgebung heroisch besiegt blutig niedergemetzelt haben. Analog haben die Russen mit den Resten der Assad-treuen syrischen Armee auch 90% des Staatsgebiets Syriens zurückerobert und versuchen, den modernen, säkularen syrischen Staat, den Assad aufgebaut hatte, wieder aufzubauen heute wieder Zivilisten in Ost-Aleppo feige aus der Luft bombadiert, während unsere Freunde, die Amerikaner, die Deutschland schon seit 1990 nicht mehr besetzt halten und nur noch ein kleines bisschen mehr Zeit brauchen, um zu gehen, von Drohnenkontrollcentern in Rammstein ihr Möglichstes tun, die fiesen Terroristen in Mossul zu bekämpfen. Dass dabei einige, wenige zivile Opfer traurigerweise als collateral damage zu verzeichnen sind, ist traurig, aber ein notwendiges Übel zu einem größeren Wohl.

Aber es geht ja nicht um Kriege oder Doppelmoral oder so – nein, es geht um westliche Werte, und vor allem um das Aufrechterhalten der wahren Demokratie. Und wahre westliche Demokratien anzweifeln, das machen nur fiese Rechtspopulisten:

Freilich: Dies ist nicht allein das Privileg der Trumpisten in den USA – in Österreich brachte die FPÖ vor den Verfassungsgerichtshof einen Schriftsatz ein, um vor dem Richtergremium eine Wahlwiederholung zu erstreiten. … Dem vorausgegangen waren Aussagen von FPÖ-Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer – da war von einer Wahlanfechtung freilich noch keine Rede -, dass bei Wahlkarten “immer ein bisschen eigenartig ausgezählt wird”.

Trump ist also mit seiner Meinung in der modernen, zivilisierten Gesellschaft vollkommen alleine uns spinnt nur wüste Verschwörungstheorien, wie die Nazis von der FPÖ, die ja schlimmer sind als die AfD, Geert Wilders, Marine Le Pen und Adolf Hitler zusammen. Und das macht Trump nicht nur zu “schlimmer als Hitler”, sondern zum Teufel – das habe ich übrigens schon vor Monaten gesagt.

Wahlen werden nur in bösen Ländern manipuliert, nicht in guten. Und damit da niemand was dagegen sagen kann, schicken wir OSZE-Wahlbeobachter nur in Bananenrepubliken, die wir kritisieren wollen, nicht etwa in Krisengebiete wie die Krim, denn sonst gäbe es ja eventuell eine objektive Meinung zur Rechtmäßigkeit der Wahl. Man hat ja schließlich auch gemerkt, dass Alexander van der Bellen sich nur deswegen so vielen Anfeindungen ausgesetzt sieht, weil der österreichische Staat es vergessen hat, seinen angeblichen “Verfassungsgerichtshof” von Nazis zu säubern, denn die fanden – das vergisst Herr Seifert natürlich zu erwähnen – die Beschwerden der FPÖ ja durchaus berechtigt, deswegen gibt es in Österreich ja eine Neuwahl. Vielleicht. Irgendwann. Nach der Machtergreifung, vielleicht. Schaumamal.

Und das ist ein Problem, wie es das mit Trump auch ist: Demokratie ist nur dann gut, wenn die richtigen, einzig wahren Guten gewählt werden, die das gesamte Volk mit Brot und Spielen Hartz4 und Krankenversorgung begeistern können, da muss man drüber wegsehen, dass das aus der Sklavenarbeit minderwertiger, in Kriegen eroberten Untermenschen der anständigen, versteuerten Arbeit rechtschaffener Bürger finanziert wird. Es geht hier um das Richtige und Gute, und da darf weder ein Trump noch irgendein Verfassungsrichter reinreden. Wahrscheinlich kommt einer der Richter aus der Nähe von Braunau, wie Hitler; man kann “Nähe” ja sehr relativ definieren, so groß ist Österreich nun nicht.

Von daher bin ich mal gespannt, wie das Wahlergebnis ausfällt. Mir persönlich wäre ja Trump lieber, weil sonst Millionen junger amerikanischer Frauen niemals ihren Traum verwirklichen können, die erste weibliche Präsident von die USA zu werden. Auch weil Trump sich so eloquent ausdrücken kann wie das Frau heute in Gostenhof. Denk doch mal einer an dem Kinder!

*:Namen nicht geändert.

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