Shitlord Mansplaint: Kochen

Wenn man sich so durch das Internet liest, bekommt man immer mehr den Eindruck, dass es für die moderne Frau im heiratsfähigen Alter (also, unter 30) irgendwo zwischen Zumutung und Ding der Unmöglichkeit gesehen wird, ein Fertiggericht in die Mikrowelle zu legen, geschweige denn, eine Packung Miracoli zuzubereiten. Es gibt natürlich auch Feministinnen, die sich an “Kochen” probieren, aber da kommen dann echte Perlen wie Fish of any kind intimidates me, mostly because of the cooking time. Yes, it’s quicker to make and easy in theory, but that also means you can’t leave fish on the stove and still be fine like you can with meats.

[Da ich annehme, dass nicht alle meine Leser kochen können – sind ja auch ein paar Frauen – Es ist eine verdammt blöde Idee, Fleisch einfach unendlich lange zu kochen.]

Wenn man sich dann in Nadjas Fettlogik-Forum durch die Kommentare liest, findet man aber auch Männer, die mit dem Kochen Probleme habenAber ich als Mann finde mich nicht ins Kochen rein. Und ich finde kein Kochbuch, dass mich mit einfachen und kalorienbewussten Rezepten dabei unterstützt.

Nun ist Kochen per se keine Wissenschaft, was zunächst rein intuitiv dafür spricht, dass man es Frauen überlassen kann. Auf der anderen Seite macht vor allem die Verfügbarkeit von Rezepten irgendwie den Eindruck, dass Kochen ein Handwerk ist, was wiederum dafür spricht, dass es Männer machen sollten.

Kochen ist aber beides: Es erfordert viel Übung (wie ein Handwerk), bis man die Grundlagen beherrscht, und vor allem erfordert es viel Zeit mit sehr, sehr repetitiven Aufgaben, bis man es auch nur halbwegs kann. Und um es dann “gut” zu machen, muss man viel hin- und herprobieren, bis man einen Wirkstoff gegen Krebs ein Rezept für Spaghetti Napoli gefunden hat, was wirklich gut ist.

Wenn man also lange genug übt, schafft man es, ein mehrheitstaugliches Gericht wie Pasta alla Napoletana hinzubekommen, und zwar jeder – man kauft eine Packung Miracoli und macht, was auf der Packung steht, das mit der Übung und der Wissenschaft hat ja jemand anderes gemacht. Ein Antibiotikum muss man schließlich auch nur runterschlucken.

Das aber ist nicht kochen, das ist Sachen warm machen. Ich habe prinzipiell nichts gegen Fertigzutaten bei vielen Gerichten, da wir nicht alle ein Sternerestaurant mit vier Azubis betreiben, die den ganzen Tag nur Hunderte von Zutaten schnippeln, und gewisse Basissaucen sind schlicht praktisch – nehmen wir mal “Helle Soße” von Knorr:

Zutaten: Stärke, Palmöl, MILCHZUCKER, Mehl (WEIZEN, Reis), Maltodextrin, jodiertes Speisesalz, Geschmacksverstärker Mononatriumglutamat, Kochsalzersatz³, MILCHEIWEISS, Zucker, Speisesalz, Zwiebelpulver, Champignonsaftkonzentrat, Zitronensaftpulver, Aromen (mit GERSTE), Curcuma. ³gewonnen aus natürlichen Kaliummineralien Kann Spuren von Ei, Sellerie und Senf enthalten.

Um das selbst zu machen, bräuchten wir also Maisstärke (Mondamin), Reisstärke, Weizenstärke, ein paar übliche Sachen, irgendwelche mysteriösen Kaliumsalze, Eiweiß, Zucker, Zwiebeln, einen zehntel Champignon, Zitronensaft, irgendwelche Spurenaromen und eine mikroskopische Menge Curcuma.

Was das jetzt macht – und was Frauen, die Kochen als Handwerk sehen und eben nicht als Wissenschaft, nicht sehen – ist, dass da alle fünf Geschmacksrichtungen vorhanden sind: Salzig, Süß, Sauer, Bitter (Curcuma) und Umami (Glutamat). Mit vorherrschender salzig-süßer Note, aber das ist so gewollt. Natürlich könnte man auch einfach eine Mehlschwitze mit Salz und Zucker machen, aber die schmeckt halt nach weniger, und – das ist die Grundregel #1 der asiatischen Küche – es schmeckt dann halt nicht nach allem, also nicht “gut”. Ist bei der Miracoli-Gewürzmischung übrigens das gleiche.

Wenn wir das gelernt haben, können wir auch selbst Soßen versuchen – zum Beispiel zu einem Schweinebraten; das ist in etwa das einfachste Gericht, was man machen kann (die Kruste ist natürlich eine andere Geschichte). Wir kaufen also eine 1,5kg Schweineschulter mit Schwarte, ritzen die in 1x1cm-große Würfel ein und geben sie in einen Römertopf. Wenn ihr jetzt keinen Römertopf habt, kauft einen neuen oder einen auf dem Flohmarkt, ohne Römertopf einen Braten machen zu wollen ist… naja – dämlich.

Dann kippen wir da eine Flasche Bier dazu, damit haben wir schonmal die Geschmacksrichtungen süß und sauer abgedeckt. Salzig ist die Schwarte von allein, dann zwei halbe Zwiebeln dazu, damit hätten wir bitter. Fehlt Umami, daher eine Scheibe Brot kleingeschnitten rein. Das Ganze kommt dann 30 Min. bei 200° in den vorgeheizten Ofen, dann 2h bei 160°, und die letzten 20-30 min offen auf max. Oberhitze (bei alten Herden, wenn der echt grillen kann, Stufe 1/3) und ab dann alle 5-10 Minuten eine Mischung aus der Soßensiffe und wenig Honig draufpinseln, in der Backabteilung gibt es so Silikonpinsel. Man kann auch einfach drübergießen. Effektive Arbeitszeit: 6 Minuten. Das Spülen des Römertopfs dauert länger.

Das wäre (handwerkliches) Kochen nach Anleitung – mit “wissenschaftlicher” Begründung. Es hat aber zwei Probleme: Es wird nix. Der Braten wird toll, klar, aber die Soße wird fad und die Kruste vielleicht auf 1/10 der Fläche was. Jetzt kommt die Kunst: Man braucht natürlich das “richtige” Fleischstück, damit die Kruste gleichmäßig knusprig wird, aber das lernt man von alleine – genau wie das mit dem Begießen, damit es knusprig, nicht angebrannt wird.

Und die Soße? Wird interessanter, wenn man zu dem Bier noch 0,5l Gemüsebrühe dazugibt, Bouillon Pur oder Gemüsefond wäre mein Tipp zum Schummeln. Ein, zwei Lorbeerblätter, Pfefferkörner, Rosmarin, Kümmel, Piment — mirwegen tut ihr da Sternanis, Cumin oder Zimt dazu. Angebratenes Tomatenmark als Soßenverdicker und Sahne schaden auch nicht. Ja, man siebt die Flüssigkeit in einen Topf, bevor man das serviert.

Ich schreibe das vor allem deswegen, weil ich mir über die Jahre ein paar Rezepte gesammelt habe, die auf sehr siffigen Zetteln in meinem Küchenschrank neben dem einzig brauchbaren Kochbuch für Leute, die nicht kochen können, liegen: Das Kochbuch für den Mann von Edda Meyer-Berkhout, die als überzeugte 68er-Feministin für jeden noch so dummen Macho verständliche und einfache Rezepte mit idiotensicheren Anleitungen zusammengetragen hat – 1974. Amazon hat noch vier Exemplare.

spiegelei

Das ist aber natürlich die Anfängervariante, wirklich gut macht man Spiegeleier á la Paul Bocuse, vor allem, wenn man sehr viel Zeit hat und den ONS von letzter Nacht wirklich beeindrucken will:

Diese Art, Eier zu garen, scheint einfach – doch gibt es eine kleine Schwierigkeit, die man meistern muss, damit die Eier wirklich perfekt gelingen. Das ist der genaue Garpunkt, der eben in dem Moment erreicht ist, wenn das Eiweiß milchig und das Eigelb wachsweich geworden ist. Dabei muss sich letzteres mit einem zarten, glänzenden Schleier überzogen haben, der in der Küchensprache Spiegel genannt wird. Schließlich muss man auch darauf achten, dass die Eier nicht am Boden an- und festbraten.

Zutaten: 2 Eier, 15g Butter [ich würde mehr Butter nehmen], Salz

Zubereitung: Die Hälfte der Butter in einer [beschichteten] Pfanne oder einer entsprechend großen, feuerfesten Platte zergehen lassen. Wenn die Butter zu schäumen beginnt, die Eier nacheinander auf einen Teller schlagen, durch den Geruch auf ihre Frische prüfen, in die Butter gleiten lassen und mit der restlichen, weich gerührten Butter begießen. Das Eiweiß mit einer leichten Prise Salz bestreuen. In den gut vorgeheizten Ofen schieben und unter ständiger Überwachung [etwa 10 Minuten bei 150° Ofen] gar werden lassen, damit die oben angesprochenen Ergebnisse erzielt werden. Man kann die Eier zur Not auch auf dem Herd zubereiten, muss sie dann aber ständig mit heißer Butter begießen, die man mit einem TL vom Rande der Pfanne abschöpft.

Ich werde über das nächste Jahr immer, wenn ich eines meiner alten Rezepte zubereite, das abtippen. Da ich es eh abtippe, spare ich es Euch natürlich nicht. Für die, die sich jetzt fragen, ob ich sie noch alle habe und was Kochen auf einem antifeministischen Shitlord-Blog zu tun hat: Liebe Männer, wenn man gegen den “Women can do that, too” – Feminismus ankommen will, sollte man that schon besser können als die Feministinnen. Was nicht sonderlich schwierig ist. Zudem kann man das, wenn man das Rezept so fertig hat, dass es einem schmeckt, sogar Frauen beibringen, dann ist es auch nicht repetitiv.

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