Gutmensch sein ist richtig und wichtig.

Irgendein Typ, den keiner kennt und der nichtmal einen Grimme-Online-Award bekommen hat schreibt im Bildblog über die wichtige Rolle der Political Correctness.

Der Artikel versucht einen polemischen Anfang, aber Gutmenschen haben es nicht so mit Polemik, dafür braucht es Eigenschaften wie Humor, Selbstreflexion und ein grundsätzliches nicht-alles-so-ernst-nehmen. Aber es geht dann recht schnell in glatte Lügen über – man muss den Strohmann ja aufbauen, wenn man keine Argumente hat. Wir machen also erstmal Namedropping: Trump, Diekmann, Sarrazin, eben Schlechtmenschen mit entarteten Meinungen. Und dann kommt das:

Mut bedeutet in Deutschland seitdem nicht mehr, sich mit den Starken anzulegen. Sondern mit den Schwachen. Seitdem ist der Kampf gegen die Politische Korrektheit, der sich als Kampf gegen den Mainstream versteht, selbst zum Mainstream geworden.

Gutmenschen lieben “Faktenchecks”, also machen wir mal einen: Die zentralen Proponenten der Political Correctness sind die Bundesregierung, Google und Facebook, Bertelsmann und die Reste der Stasi. Klar, unsere schwache Bundesregierung und die Milliardenkonzerne mit monopolähnlicher Marktmacht sind sicher “die Schwachen”. Check-Urteil: Verlogener Dreck.

Deshalb gibt es jetzt diese Kolumne. Sie ist ein Versuch, Political Correctness zu verteidigen. Und die Gutmenschen. Die Basisweisheit im Gutmenschen-Bashing lautet, dass „gut gemeint“ eben nicht automatisch „gut gemacht“ bedeutet. Das stimmt zwar

Dann würde ich an dieser Stelle abbrechen und sagen, dass der Versuch, Political Correctness und die Gutmenschen zu verteidigen, gehörig in die Hose gegangen ist, wenn und weil das Argument der Gegenseite zutrifft. Wir können an dieser Stelle auch aufhören, zu lesen, es kommen keine Argumente mehr. Aber es kommt noch mehr Schwachsinn, also weiter im Text:

ändert aber nichts daran, dass man etwas gleichzeitig gut meinen und gut machen kann und dass es nicht schadet, etwas gut zu meinen, wenn man es gut machen will. Bei der Political Correctness ist das so: Sie funktioniert, sie hat vieles besser, ja, sie hat vieles gut gemacht.

Das ist reine Demagogie – es wird unterstellt, als würden Gutmenschen, die es gut meinen, auch irgendwas gut machen, was ja nun aus Sicht der Kritiker und der Realität eben nicht der Fall ist. Lässt sich ganz einfach festmachen am letzten Satz: Es reicht nicht, zu behaupten, dass PC funktioniert und vieles besser oder gut gemacht hätte, man müsste auch sagen was und wie. Spontan sehe ich da nur Denkverbote, und die finde ich nicht gut.

PC bedeutet eben nicht Denkverbote, sondern das Gegenteil.

Oh. Echt?

Es geht darum, genauer nachzudenken. Es geht nicht darum, Worte zu verbieten, sondern darum, ein Bewusstsein für deren Wirkung und Kontexte zu erreichen.

Ah, es geht nur um Sprechverbote. Viel besser.

Jeder „darf“ sagen, was er will.

Ja dafuq, was denn dann?

Aber dank Political Correctness kann sich keiner mehr damit herausreden, dass er nicht weiß, was er da tut.

Ah. Political Correctness ist der einzig wahre Interpretationsmaßstab für alles, was andere denken. Das ist sehr aufklärerisch. In den Frühzeiten der Aufklärung hat die Kirche auch ein solches Framing vollzogen: Wenn irgendwer behauptet, die Sonne drehe sich nicht um die Erde, ist das ein gotteslästernder Ketzer, der sich nicht mit einem Teleskop rausreden kann, sondern verbrannt werden muss. War damals auch schon sehr erfolgreich, die Strategie.

Wenn jemand unbedingt „Neger“ sagen möchte, weil er meint, dass man das unbedingt sagen dürfen muss, dann weiß er, dass er einen rassistischen Begriff benutzt.

Ich benutze Neger auf diesem Blog hauptsächlich deskriptiv – für Neger. Das deutsche Derogativ für Neger aus der Kolonialzeit ist “Kaffer”. Und Wörter sind nicht diskriminierend, nur Handlungen können diskriminierend sein.

Nein, das Streichen des N-Worts aus Pipi-Langstrumpf-Büchern schafft den Rassismus nicht ab, aber ohne die Diskussion um die Geschichte des Wortes hätten wichtige Erkenntnisgewinne zum Thema Rassismus so nicht stattgefunden.

In Pippi Langstrumpf kommen Nazis vor?
Ach, wie schön, dass die politisch korrekte Sprache so vieles besser verständlich und eindeutig macht. Und auch hier wieder: Welche wichtigen Erkenntnisgewinne sollen das denn sein? Bisher gibt es nur die leere Behauptung, dass Neger ein rassistisches und diskriminierendes Wort wäre, was außerhalb des vom Autoren definierten Kreises von “Gutmenschen und weinerliche[n] Minderheiten” wohl kaum jemand so sieht.

Wenn ZDF-Mann Peter Hahne darauf besteht, das „Zigeuner-Schnitzel“ zu „retten“ (sic!),

Sic! Meine Güte, was ist denn falsch daran, wenn irgendwer beim ZDF außer Zwangsgebühren zu verschwenden mal versucht, wenigstens die deutsche Sprache vor der Political Correctness zu retten? Sick!

dann tut er das in dem Bewusstsein um die Probleme, die viele Menschen in diesem Land aufgrund ihrer Leidenserfahrung mit diesem Wort haben.

Haben Sinti und Roma jetzt auch nur einen Hauch von besseren Ruf als damals, wo Zigeuner noch in KZs kamen? Nein? Oooooh. Der Autor scheint den Begriff “Euphemismus-Tretmühle” nicht zu kennen. Oder als Hatespeech zu sehen, wäre nicht allzu weit hergeholt. Was für eine Leidenserfahrung haben eigentlich Zigeuner mit Zigeunerschnitzeln? Cultural Appropriation?

Kommt, wenn ihr Political Correctness verteidigen wollt, dann macht bitte konkrete Aussagen. Könnt ihr aber nicht, weil die einzigen “konkreten” Sachen frei ausgedachter Unsinn sind. Es wird euch aber nicht positiv angerechnet, es nichtmal zu versuchen.

Und tritt für das Privileg der Gesamtgesellschaft ein, sich nicht um diese Probleme kümmern zu müssen, angesichts der Zumutung, die es für sie bedeuten würde, auf diese paar Wörter (ja, wie viele ähnlich populäre Mohrenkopfwörter gibt es eigentlich? Fünf? Zehn?) zu verzichten.

Das ist in sich widersprüchlich, die Neger und die Zigeuner sind ja nun Teil der Gesamtgesellschaft und müssten sich genauso wenig um diese “Probleme” kümmern, weil sie eben keine Probleme sind. Das gilt auch für die Kümmeltürken, Schlitzaugen und Froschfresser, bei denen man gerne zum Essen geht, wie auch für die Schwuchteln, Krüppel und die ganzen frustrierten Fotzen. Und das war nur der Anfang, es ist ja politisch auch nicht korrekt, Armutsmigranten als integrationsverweigernde Sozialschmarotzer oder kriminelle Bettelbanden als solche zu bezeichnen. Die Liste kann sehr lang werden, wenn man so will wie die Gutmenschen es gerne hätten. “Behinderte” ist ja auch schon “diskriminierend”. Also, für Behinderte, gegenüber dem Autoren wäre es ableistisch. Ja, fickt euch doch, ihr dummen Heulsusen.

Schaut, ihr lebt noch! Cool, das Privileg der Gesamtgesellschaft, sich nicht um jeden Scheiß kümmern zu müssen.

Wenn Peter Hahne fragt: „Müssen wir uns diesen täglichen Schwachsinn wirklich bieten lassen? Haben wir keine größeren Probleme als uns tagelang über die politisch korrekte Bezeichnung von Schnitzeln zu ereifern?“, dann lautet die — politisch korrekte — Antwort: Doch die haben wir

Da fehlt ein “nein, wir müssen uns das von den geisteskranken Deppen nicht bieten lassen, aber wir hoffen, dass die das einsehen, bevor noch jemand auf die Idee kommt, Lager zu bauen”. Aber auch hier wieder: Zustimmung auf den Kritikpunkt. So verteidigt man seine Position nicht.

aber viele von ihnen [den Problemen] haben eben auch damit zu tun, dass die immer weitere Dehnung des Sagbaren,

Wir reden aber schon immer noch über eine Einschränkung dessen, was politisch korrekt sagbar ist, oder? Lüge.

verbunden mit dem Insistieren darauf, das bewusst Verletzende sagen zu dürfen, zu Treibmitteln geworden sind, mit denen sich die Gesellschaft gerade rasant entsolidarisiert.

Was genau ist denn falsch daran, dass ich Leute, die sich wie eine blöde Fotze aufführen, als solche bezeichne? Dass die sich verletzt fühlen? Weil sie blöde Fotzen sind? Das wäre ja nun eher die Realität, die sie stört, nicht das, was ich sage, oder?

Und das ist es auch nicht, was die Gesellschaft entsolidarisiert. Es sind unsolidarische, weinerliche Minderheiten und Gutmenschen, die keinerlei solidarischen Beitrag zur Gesellschaft leisten. Es gibt keinen Grund, mit Schmarotzern solidarisch zu sein, sind die nämlich auch nicht. Das ist wie im menschlichen Magen: Da hat man Dutzende nützlicher Bakterien, die Milchsäure produzieren und pathogene Bakterien damit abtöten. Oder bei Käse: Edelschimmel hält Schadpilze ab. Niemand mit klarem Verstand würde es Mycetophobie nennen, wenn man keine Coli-Infektion haben will, und eine (funktionierende) Gesellschaft will halt keine kriminellen drogendealenden Neger oder stehlende Zigeunerbanden.

Political Correctness bedeutet ja nicht, dass alle ihr Verhalten ändern müssen, nur weil irgendjemand „Diskriminierung“ ruft.

Sondern?

Es bedeutet aber hinzuhören, verstehen lernen, zu akzeptieren, dass individuelle Diskriminierungserfahrungen und die daraus resultierenden Gefühle eben individuell sind und nicht allgemein plausibel.

Ah. Es gibt Leute, die einen an der Klatsche haben, und ich soll auf die Befindlichkeiten jedes Geisteskranken Rücksicht nehmen. Lass mich überlegen…. Nein, sicher nicht.

Dass diese Gefühle eben nicht nur Befindlichkeiten sind, sondern Hemmnisse, ganz konkrete Barrieren, verwehrte Entwicklungsmöglichkeiten, die nicht nur die Betroffenen betreffen, sondern die ganze Gesellschaft.

Es betrifft immer nur die Betroffenen, deswegen heißen sie “Betroffene”. Weil sie betroffen sind. Aber wichtiger: Inwiefern verwehre ich dem Neger, der bei Mr. Wash zum Mindestlohn mein Auto poliert irgendwelche Entwicklungsmöglichkeiten, wenn ich einen solchen Satz schreibe? Wenn ich meinem Bruder sage “und fahr zum Polieren zu dem Neger, der ist echt sorgfältig, vor allem, wenn man ihm ein kleines Trinkgeld gibt”? Wäre es nicht schlimmer, wenn jemand sagt “bei Mr. Wash arbeitet ein somalischer Asylant, der macht zwar Kratzer ins Auto, aber man sollte solidarisch mit Bantu sein?” Doch?

Eben. Wörter per se sind ohne Kontext vollkommen wertfrei, und daran wird sich auch nichts ändern, egal, wieviel die Gutmenschen rumheulen.

Was bedeutet, dass man diese Gefühle auch dann nicht ohne Not zu verletzen sucht, wenn man sie nicht teilen kann. Welche Not hat Peter Hahne? Was „rettet“ er?

Nochmal: Welche Gefühle von wem habe ich denn gerade verletzt? Warum muss ich in einer “Not” sein, um meine Meinung auszudrücken, und zwar so, wie ich will? Man muss in Not sein, um Asyl (erfolgreich) beantragen zu können, und ich bezweifle, dass es den Neger bei Mr. Wash wahnsinnig stört, wenn andere ihn als Neger bezeichnen; ich nehme an, er besitzt einen Spiegel und weiß das selbst.

Ich streite für Political Correctness nicht, weil ich möchte, dass sie etwas bewirkt.

Tut sie aber. Es geht allen Leuten mit einem IQ über Raumtemperatur gewaltig auf den Geist.

Sondern weil ich es weiß.

Du gehst mir mit so dummen Artikeln absichtlich auf den Geist und erwartest dann, dass ich den Unsinn mitmache? Es gibt ja nun ein paar sehr einfache Regeln des menschlichen Zusammenlebens, und so funktioniert das nicht.

Es kommt dann ein langer Einschub über die Begeisterung des Autors darüber, dass der perverse, schwule Piratenpartei-Mörder fokal als perverser Piratenpartei-Mörder dargestellt wird und nicht als perverse Schwuchtel.

Natürlich wird „Bild“ nie zugeben, dass die Tatsache, dass sie heute über den schwul-Aspekt einer solchen Geschichte einigermaßen angemessen berichten kann, ein Erfolg der Politischen Korrektheit ist.

“Einigermaßen angemessen” bedeutet hier, dass mit keinem Wort erwähnt wird, dass Homosexualität mit psychischen Problemen, Selbstmord und devianten sexuellen Neigungen, auch Pädophilie, stark korreliert ist. Der Erfolg der PC ist also, dass Tatsachen totgeschwiegen werden. Fein. Und die Bananenproduktion hat sich im Vergleich zum Vormonat um 100% erhöht – von Null auf Null.

Es ist der Erfolg vieler Menschen, die in Gesellschaft, Politik und Medien ein Bewusstsein dafür geschaffen haben, dass es nicht egal ist, wie man über Schwule spricht.

Es sollte halt stimmen, was sie sagen, und möglichst, wie vor Gericht, die Wahrheit, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit sein. Dass das nicht passiert, ist natürlich der “Erfolg” der Political Correctness, da wird dann nur die halbe Wahrheit, ohne die unangenehmen Wahrheiten, und ein paar Lügen berichtet. Fein. Wenn die Presse pleite geht, können die Journalisten umgehend beim Ministerium für Wahrheit anheuern.

Diesen Menschen wurde und wird Korinthenkackerei vorgeworfen und dass sie zu „sensibel“ seien.

Ich würde es jetzt eher “Beschäftigung mit völlig irrelevanten Themen” und “weinerliches Schwuchteltum” nennen, aber ja, das passiert.

Sie werden gefragt, wann sie denn endlich zufrieden sind mit dem, was sie erreicht haben, und ob sie eigentlich keine anderen Probleme haben, als über Wörter zu streiten.

Das ist eine rhetorische Frage. Gott, Gutmenschen haben keine Ahnung von Argumentationsstrategien. Die Antworten sind übrigens “nie” und”doch, eine unbehandelte psychische Störung”.

Man wirft ihnen Totschlagargumentiererei vor, weil sie, wenn es sein muss (und manchmal muss es sein)

Das ist schon der dritte Vorwurf gegen Gutmenschen, den der Autor als korrekt bestätigt.

beispielsweise darauf hinweisen, dass die hohe Zahl schwuler Teenagerselbstmorde im Vergleich zu den heterosexuellen auch irgendwie was damit zu tun hat, wie Journalisten über Schwule schreiben.

Wissen wir leider nicht. Es könnte auch daran liegen, dass schwule Teenager überproportional viele psychische Probleme haben, aber das zu sagen ist politisch nicht korrekt. Man könnte den Leuten ja eventuell psychotherapeutisch helfen, wenn man das thematisieren würde. Ist aber diskriminierend, also lassen wir das. Auch fokussierte AIDS-und STD- Aufklärung lassen wir mal bleiben, sollen die Schwuchteln doch verrecken. Wie bei den Nationalsozialisten, nur dass die sich heute Gutmenschen nennen.

Diese Menschen leben mit dem Vorwurf, Schwule, Homosexuelle dauernd zu Opfern zu stilisieren, auch wenn sie gerade dafür kämpfen, dass diese nicht zu Tätern gemacht werden.

Und noch ein bisschen Victim Blaming zum Abschluss. Wie fein. Ich liebe die Inkonsistenz der Gutmenschen. Aber hey, wir können ja Abdullah und seinen Freunden vom Bahnhof erklären, dass Marie-Lusie mit dem kurzen Röckchen sie zum Täter gemacht hat, nicht wahr? Und das nur, weil das böse Dunkeldeutschland die ehrenamtlichen Helferinnen nicht ausreichend dabei unterstützt, sich mal von ein paar Asylbewerbern durchknallen zu lassen.

Politische Korrektheit nervt. Aber weil sie wirkt, müssen Sie da jetzt durch. Ab jetzt hier einmal im Monat.

Ja… äh… das schöne ist, dass ich da nicht durch muss, ich kann es auch einfach nicht anklicken. Das ist sicher schlecht für eure Zugriffszahlen, aber das ist nicht mein Problem.

Ich habe auch kein großes Problem damit, wenn ich mir bald kein Zigeunerschnitzel und ein Neger dazu bestellen kann, ich mag nämlich keine Zigeunerschnitzel, und Neger ist eher was für kleine, blonde Mädchen.


So ein Mist. Derweil ist es so einfach, Political Correctness zu verteidigen:

Don’t you see that the whole aim of Newspeak Political Correctness is to narrow the range of thought?… Has it ever occurred to you, Winston, that by the year 2050, at the very latest, not a single human being will be alive who could understand such a conversation as we are having now?… The whole climate of thought will be different. In fact, there will be no thought, as we understand it now. Orthodoxy means not thinking – not needing to think. Orthodoxy is unconsciousness.

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