IKEA of Leiden, Netherlands

Mir geht es ja eigentlich gerade gut. Das  Lokal unserer Wahl in Alanya bekommt die Gerichte, die wir haben wollen, so hin, wie wir sie haben wollen, und sie haben wirklich täglich frische Shrimps (ja, das schmeckt man). Unsere Stegnachbarn sind nett, die Leute gegenüber toll, und ein paar Boote weiter gibt es griechischen Wein aus alten Colaflaschen. Der Sohn der Supermarktbesitzer bringt meiner Frau nachmittags ungefragt ein Vanilleeis vorbei – sehr viel besser kann das Leben nicht werden.

Wir haben aber leider auch hier Internet, und man kann nicht den ganzen Tag nur Bücher lesen, ab und an sind die alle. Und dann liest man diesen dümmlichen entitled Bullshit von irgendeiner kastrierten Schwuchtel aus – na, ratet – Berlin. Kersten Augustin ist “freier Journalist”, also Hartz4-Empfänger, geboren 1988 mit aller Weisheit der Welt Zeit im Arsch und beschwert sich darüber, dass ihm (xix? xirs? essen?) der IKEA-Katalog Vorschriften machen würde.

Vorschriften.

Der IKEA-Katalog.

IKEA. Die gendergerechtesten, progressivsten lubblabbs überhaupt. Aus Schweden. Schweden, rape capital of the world, bekannt für… IKEA. Und Pippi Langstrumpf. Aber dazu kommen wir noch.

Das ganz besondere Schneeflöckchen Kersten, dessen Eltern ihn ja eigentlich Kerstin nennen wollten und er auch so erzogen wurde, Bullshit zu schreiben, wie das normalerweise nur lobotomierte Feministinnen schaffen, mag den neuen IKEA-Katalog nicht. Weil – er zu progressiv ist.

Ich hingegen wusste nichtmal, dass es noch IKEA-Kataloge gibt.

Kerstin auch nicht, aber er hat den IKEA-Prospekt mitgenommen, obwohl er sonst “nie Werbeprospekte mit in die Wohnung [nimmt], mich interessiert nicht, dass es beim Supermarkt jetzt ein Kilo Hack für eins neunundsiebzig gibt“.

Mich würde es sehr interessieren, wo es ein Kilo Hack für 1,79€ gibt, ich habe einen großen Gefrierschrank. Aber Kerstin Duzt auch Ingvar Kamprad, den IKEA-Gründer, weil IKEA ja auch alle Duzt. Was mich übrigens nervt. Ich Duze wirklich gerne alle, aber keine Kunden oder Kellnerinnen. Das ist unprofessionell respektive respektlos.

Naja, Kerstin hatte auf jeden Fall durch die Lektüre des IKEA-Katalogs die gleiche Reaktion, wie man sie von Katniss Everdeen oder Tris Prior erwarten würde: “ich habe deinen Katalog durchgeblättert und bin wütend geworden“.

Da merkt man dann doch noch den Einfluss genderdivergenter Erziehung, Kerstin wurde ja als Mann sozialisiert. Wäre er eine Frau, wäre er natürlich traurig und wütend.

1988, in meinem Geburtsjahr, sah man auf dem Cover deines Katalogs ein lila Sofa. Daneben stand, dass es KARLSO heiße und wie teuer es sei.

1988 war ich bei der IKEA im Bällebad und danach gingen wir in Dingsdadorf Karpfen essen, wo sogar das Schnitzel nach Fisch schmeckte. Ich mochte keinen Fisch. Aber das werfe ich jetzt nicht Ingvar Kamprad vor.

2016 steht auf dem Cover: “Entworfen für dich, nicht für irgendwen.” Dein Katalog hat allein in Deutschland eine Auflage von 30 Millionen, und die Möbel sind extra für mich?

Joah, das Marketing von Apple ist viel besser, gell? Ich meine, mit so nem Samsumg-Handy wäre man nur einer der Asso-Hartzer, aber mit deinem iPhone bist Du der King, gell?

Auf dem Coverfoto sieht man eine Clique beim Abendessen, die offenbar ein Antidiskriminierungsbeauftragter zusammengestellt hat.

Wollen wir mal raten, was Kerstin geschrieben hätte, wenn das nicht so wäre? Aber mei: Auf dem Cover ist ein arabischer Terrorist, eine Negerin mit Dreadlocks, eine dickliche Brünette und eine schlanke Schwedin (von hinten). Das ist doch nicht integrativ-diversitygerecht, da fehlen Südamerikaner, Asiaten, Inder, Mulatten und vor allem die ganzen Otherkin. Was ist denn mit den ganzen Leuten, die sich als Kampfhubschrauber oder Delfin sehen? Hä? An die denkt natürlich keiner. Kerstin ist eine schlechte Feminstin. Sehr schlecht.

Nunja, der Artikel ist endlos lang, also springen wir mal etwas, sonst komme ich nie ins Bett:

Das Bad nennst du “meine, deine, unsere Oase”. Mein Bad hat etwa vier Quadratmeter und ist ein Schlauch, die Fugen zwischen den orangefarbenen Kacheln schimmeln.

Wieso wundert mich das nicht? Klar, es kostet Zeit, blöde Beschwerartikel zu schreiben, aber wenn jetzt mein Bad zuhause (11m²) schimmeln würde, wäre meine Priorität nicht, Bullshit ins Internet zu schreiben. Und was spricht denn gegen 4m² – ich hab hier auf dem Boot nicht mal 1m², aber da schimmelt auch nix. Ist aber natürlich Teak, nicht orange Fliesen.

Da hilft es auch nicht, dass der Schrank unter dem Waschbecken, der Spiegel und die klebrige Korbkommode von dir sind. Wenn ich mir eine Gurkenmaske auflege wie deine Models im Katalog, stoße ich mir den Kopf an deinem Regal.

Ich hoffe, dass ich jetzt keine Kritik mehr dafür bekomme, ihn Kerstin zu nennen. Aber ich sehe da keinen Kritikpunkt – ich meine, wenn man zu blöd ist, sein Bad einzurichten, ist das doch nicht die Schuld von IKEA, oder? Ich habe auch IKEA-Möbel, weil der anbaubare Schreibtisch erstens auf 9mm perfekt in mein Arbeitszimmer passt und zweitens geschenkt günstig ist, aber mein Wäschesammler ist vom XXXLutz (im Sonderangebot) und sicher nicht klebrig. Gott, in meiner Studentenbude war nichts klebrig. Das ist doch eklig.

Bei dir kochte schon der Vater, und die Mutter arbeitete, als in Deutschland Vergewaltigung in der Ehe noch nicht unter Strafe stand. 

Bei. Mir. Auch. Und Papa arbeitete natürlich auch. Papa konnte aber besser kochen. Aber schön, dass wir betonen, wie wichtig der “Vergewaltigung in der Ehe”-Paragraph ist. Gibt es denn da schon auch nur einen verurteilten Angeklagten? Nein? Echt jetzt? 

Nicht mehr die homogene Kleinfamilie, sondern der möglichst heterogene Freundeskreis wird in Szene gesetzt, multiethnisch, multikulturell. Warum nennst du BILLY nicht gleich YUSSUF?

Weil BILLY eine seit vor meiner Geburt etablierte Marke ist. Man könnte sich nun beschweren, dass moderne BILLY-Teile nicht zwingend mehr an 1970er BILLY-Regale passen, aber der orientalische Teetisch “YUSSUF” verkauft sich offenbar halt nicht. Und nein, das ist keine rhetorische Frage, das ist blöde Demagogik, das muss man halt klarstellen. Vor allem klingt “Yussuf” nicht sonderlich schwedisch, das hat was mit Markenidentität zu tun. Aber hey, Hauptsache, man mault dumm rum, während man sich mit einer Gurkenmaske die Eier abschneidet.

Am drei Meter langen Esstisch wird nicht nur gegessen, sondern rund um die Uhr gearbeitet. Ist das noch cool oder schon Prekariat?

Das ist fuck cool. Shit, mein Wohnzimmer hat fast 50m², und da bekomme ich keinen drei Meter langen Esstisch rein. Und das Prekariat in Deutschland arbeitet gar nicht, oder schreibt offenbar Artikel in der Zeit.

In meinem Flur will ich nicht entspannen, sondern meine Schuhe anziehen. Und Danke für diese Erkenntnis: “Persönlichkeit ist die halbe Miete”, schreibst du. Leider bist du nicht mein Coach, Ingvar.

Ok, gehen wir mal schnell weiter. Ich bin sehr, sehr verlockt, Euch die Inneneinrichtung meines Flurs zu beschreiben und wie toll IKEA-Küchentüren an (offene) Hülsta-Eckregale passen und warum Flure durchaus wichtig sind, ich nehme aber an, dass wisst Ihr selber. Ist die deutsche Presse, die keine zehn Jahre jünger ist als ich, wirklich so dumm geworden? Ich meine – ich habe den Artikel kaum ausgehalten.

Deine Kiefer hat die deutsche Eiche rustikal besiegt. Du hast es möglich gemacht, dass Menschen mit wenig Geld ihr Elternhaus verlassen und in Würde eine Wohngemeinschaft gründen konnten. Dein günstiges Design war nicht nur ästhetisch ein Fortschritt, es hat geholfen, Wohnen demokratischer und liberaler zu machen.

Demokratisch und liberal wohnen. Mit wenig Geld. Shit, mit wenig Geld habe ich mir meine erste Wohnung vom KARE-Restpostenlager eingerichtet, IKEA ist relativ teuer.  Was soll der Unsinn? Und “ästhetisch” und IKEA – ja, die Küchen sind schick, aber es gibt bessere. Sogar günstiger. Da geht man zum Segmüller, sucht sich was aus, und lässt es sich dann übers Internet für die Hälfte liefern. Fuck. Wie dumm ist denn die Generation Kerstin eigentlich?

Wie alle meine Freunde habe ich deshalb in den vergangenen Jahren versucht, dich abzustreifen, dich zu ersetzen, mit Möbeln vom Flohmarkt, aus Weinkisten und Europaletten, mit einem Esstisch vom Tischler.

Tja, der Esstisch vom Tischler hat halt mal 5.000€ gekostet. Da sitzt man dann auch auf Bierkisten, Sofas sind überflüssiger Luxus, gell? Mal ehrlich: Kerstin hat genau Null Ahnung von Möbeln und Möbelpreisen. Kerstin jammert ausschließlich sinnbefreit rum.

Aber du bist doch bei mir geblieben: Die Schüsseln im Regal sind von dir. Das Regal ist von dir.

Meine Schüsseln sind von Rosenthal. Das Regal ist von – egal, sind eh pleite, für den Preis mussten die Pleite gehen.

Der Küchentisch, an dem ich gerade sitze, ist von dir. Er heißt INGO. Warum weiß ich das, verdammt?

Mein Küchentisch ist vom Schreiner. Und ich werde ihn nicht INGO nennen.

Aber die Progessivität und das Gutmenschentum muss man ja weiter ausstrahlen, und zeigen, warum IKEA nicht progressiv ist mit seinem zu progressivem Marketing:

Du bist Opfer deines eigenen Erfolgs. Heute hat außerhalb des Nachmittagsprogramms von RTL 2 niemand mehr einen Fliesentisch. Alle haben helle Holzmöbel.

Ich schon, von Hülsta. Aber meine Mama hat hübsch vom Schreiner Kirsche. Bullshit.

Du hast das gleiche Problem, das auch Autohersteller haben: Die Jugend will deine Produkte nicht mehr. Weil wir glauben möchten, dass wir individuell sind. Weil wir nicht mehr Unmengen konsumieren wollen – und wenn, dann klimaverträglich und nachhaltig.

Wenn man sich über Massenware als individuell zu identifizieren vermögen glaubt, hat man etwas sehr, sehr wichtiges nicht verstanden in Bezug auf das Wort “individuell”. Und meine (gebrauchten) Travertin-Marmortische sind so klimaverträglich und nachhaltig, wie es geht. Was bei der Kaufentscheidung genau keine Rolle gespielt hat, die sehen nach einer Runde Schwingschleifer Top aus. Aber das ist sicher kein Gutmenschentum, da muss man in verschimmelten orangen Fliesen in Berlin hausen. Und sowas sagen:

In deinem Katalog gibt es eine Reportage aus dem Irak, du hast ein paar Unterkünfte für Flüchtlinge gespendet. Schön für dich. Mir würde es schon reichen, wenn du ausreichend Steuern zahltest.

Tut er doch. Ingvar Kamprad und die IKEA zahlen brav und ordentlich ihre Steuern – in Holland und der Schweiz. Und das ist völlig ausreichend. Die Kritik ist nur widerlich, weil Kerstin Kommunist ist und das schwedische Steuersystem toll findet – zahle mehr Steuern, als Du Einnahmen hast, klingt doch 1a, oder? Astrid Lindgren (ich hatte versprochen, wir kommen dazu) hat das sehr schön aufgeschrieben: Pomperipossa in Monismania.

Da das der Punkt war, der mir wichtig war, sparen wir uns das restliche Drittel des Artikels. Kerstin erwähnt, dass er auf 50m² mit seiner Freundin wohnt, die wahrscheinlich blaue Haare und mehr Piercings als eine Holsteinische Kuh hat (und mehr wiegt), und den Artikel in seiner (wahrscheinlich ungewaschenen) Unterhose an einem schmutzigen INGO-Tisch geschrieben hat und in einem BILLY-Regal ein Buch einer israelischen (hey, es ist wichtig, ausdrücklich kein Antisemit zu sein) Soziologin zu haben, was er aber wohl nicht gelesen oder zumindest nicht verstanden hat. Zum Ende schlägt er dann noch einen Altpapierbehälter für IKEA-Kataloge mit dem Namen KERSTEN vor, wohl aufgrund seiner mangelnden Intelligenz und der dem heutigen Pseudo-Journalismus innewohnenden Abneigung zu Recherchen – IKEA hat das nämlich bereits im Angebot, es heißt DIMPA und kostet 1,99. Für 2,99 bekommt man DIMPA auch in 70l Größe, da passt dann auch KERSTEN rein, wenn man ihn vorher püriert. Ist aber natürlich nicht intelligent, man könnte auch einfach die klassische FRAKTA-Tasche kaufen, die kostet nur 50 cent und fasst über 100l. Ist ja nur für Müll.

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