Warum verlinkt @erzaehlmirnix so einen Dreck?

Fairerweise muss dazu gesagt werden, dass Nadja den Artikel kritisch verlinkt hat, aber sie hat ihn verlinkt. Und ich kann einen solchen Dreck nicht unkommentiert stehen lassen, sonst stehe ich irgendwann, wenn mal wieder die Vernunft siegt, im Innenhof des Nürnberger Justizpalastes vor dem Galgen und irgendein selbstgerechtes Arschloch erklärt mir, ich “hätte ja auch was tun können”. Das mache ich hiermit.

Eine Hengameh Yahooolalablabs, ich nenne sie der Einfachheit halber mal Fettie, hat für Vice “Munchies”, das ist offenbar eine Untersparte von Vice für Leute, denen das normale Vice noch nicht blöde genug ist, ihre unreflektierte und schwachsinnige Meinung verewigt. Fettie hat in etwa so viel Übergewicht (in kg) wie ihr IQ-Punkte fehlen, um wissenschaftlich gesehen nicht als “verblödet” zu gelten. Es ist relativ lang und gehaltlos, also beschränke ich mich auf das Notwendigste:

Es ist Sommer und das ist körperpolitisch die anstrengendste Zeit des Jahres.

Nur als Einstieg ins Thema, ich bin sicher, dass wir da alle zustimmen können. Echte Politiker machen ja nun gerade mal drei Monate Urlaub, da redet man dann halt auf den Hinterbänken über Unsinn, das ist üblich.

Einiges wird mein Leben in den nächsten drei Monaten ätzend machen:

Uhhhh… Probleme beliebiger, rumjammernder Frauen waren schon immer eines meiner Lieblingsthemen. Und erst die gesamtgesellschaftliche Relevanz!

Vom Gegeneinanderreiben wunde, verschwitze Oberschenkel,

Wir merken uns das mal.

Kein Eis in Ruhe essen, ohne dass ein Wespenschwarm mich jagt. Alles riecht intensiver, auch der tropfende Siff der Müllbeutel und Hundescheiße.

Duschen wäre eine Idee? Müll rausbringen auch. Fettes faules Schweinchen.

Permanente Be- und Abwertung meines Körpers.

Ich habe ein Foto von Dir gesehen. Leider. Ich bezweifle sehr stark, dass es eine Jahreszeit gibt, in der dein Körper positiv bewertet wird (ein paar Perverse natürlich ausgenommen).

Deswegen auch ambivalente Gefühle Freibädern gegenüber

Weswegen? Es ergibt sich nicht automatisch ein Kausalzusammenhang, weil man einen folgenden Absatz mit “deswegen” beginnt, und Freibäder haben nichts damit zu tun, dass Dein Körper hässlich und fett ist. Das ist er auch außerhalb von Freibädern.

Mehr nackte Haut heißt automatisch mehr Angriffsfläche für Hater.

Hä? Ich meine, ich verstehe ganz, ganz ehrlich und 100%ig, dass du deinen Körper hasst, aber die meisten Menschen wollen ihn schlicht nicht sehen oder gar anfassen. Das ist kein Hass, das ist Ekel. Ein Burkini wäre eine für alle sinnvolle Lösung.

Und überhaupt: Sonnengerötet, mit eingeschränkten Garderobenoptionen, verschmiertem Make-Up und verschwitzt ist es viel schwieriger, sich vor dem Spiegel einzureden, dass man eigentlich doch ziemlich cute ist. Ich hasse den Sommer.

Ja, sich selbst belügen ist verdammt schwierig, wenn einem mal der Spiegel vorgehalten wird *hihi*. Ich betone aber nochmal, dass das nicht am Sommer liegt, sondern daran, dass du dich selbst zu fett und sicher nicht “cute” findest, wie 99,99999% aller anderen Menschen auch.

Trotzdem bleibt mein Körper das, was er ist: dick. … Von Euphemismen wie „moppelig“, „vollschlank“ oder „pummelig“ halte ich nichts

Deinen Körper als “dick” zu bezeichnen ist ein Euphemismus. Gute Güte, dich mit Jabba the Hut zu vergleichen wäre ein Euphemismus. Aber gut, dass du davon nichts hältst, du Wal.

Von pseudo-wissenschaftlichen Wörtern wie „übergewichtig“ oder „adipös“ halte ich noch viel weniger. Das Konzept „Übergewicht“ lässt außer Acht, dass irgendwelche Leute irgendwann irgendeine eine beliebige Norm festgelegt haben. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) änderte 1998 die bereits bestehenden BMI-Werte, sodass über Nacht 35 Millionen Menschen zu sogenannten „Übergewichtigen“ wurden

Verlinkt ist da der Artikel einer dummen Feministin, die 35 und 25 nicht auseinanderhalten kann, nur in der völlig gehirnverbrannten Version, die keinerlei Tatsachen mehr beinhaltet. Kurz: Es haben auch nur “irgendwelche Leute” “irgendwann beschlossen”, dass Nikotinabusus ein medizinischer Fachbegriff ist, wodurch etwa zwei Milliarden Menschen pathologisiert wurden.

Nicht nur ich, sondern auch viele meine dicken Freund_innen erleben es häufig, wegen Knieschmerzen, Depressionen, Migräne, Muskelschmerzen, was auch immer zu Ärzt*innen zu gehen und als ersten Ratschlag Abnehmtipps zu hören.

Oder gegeneinander reibende Oberschenkel? Liegt sicher auch nicht am Fett, das ist nur die böse Pharmaindustrie, die dir Mittel wie Vevina verkaufen will statt es endlich als normal anzusehen, dass Frauen an den Oberschenkeln bluten und sich Pilzinfektionen einfangen.

Hängen Körperfettanteile und Gesundheit wirklich zwingend miteinander zusammen?

Nein, aber wahrscheinlich. Wie beim Rauchen und Lungenkrebs.

Für solche Leute habe ich keine Zeit. Erstens, weil es überhaupt nicht bewiesen ist, dass Dicksein eine „ungesunde Lifestyle-Wahl“ ist, und zweitens, weil Gesundheit auch nicht alles im Leben ist. Wer sagt, dass alle immer gesund sein müssen?

(1) Doch, und sogar besser als bei Rauchen und Lungenkrebs. Und (2) weil wir ein solidarisches Gesundheitssystem haben. Mirwegen kannst du aber natürlich gerne sterben.

Dicke Menschen machen nicht automatisch weniger Sport oder essen mehr, sondern die Fettschicht unter der Haut ist ein genetisch definiertes Baumerkmal.

Nein, ist sie nicht.

„Oft sind die Molligen und Dicken die Gesünderen“ und ihre Diskminierung „aufgrund eines Körperbaumerkmals erinnert mich an finstere Zeiten, von denen wir eigentlich glaubten, sie überwunden zu haben“, sagt Dr. Frank.

Dr. Frank ist der Typ aus den Groschenromanen, der nicht wirklich existiert und von dem du nachts träumst, oder? Weil – wenn nicht, sollte man dem Mann dringends die Approbation entziehen,

Dicke*fette Körper werden nicht nur als rufschädigend, faul und ungesund, sondern auch oft als so unglaublich lustig wahrgenommen.

Nein, werden sie nicht. Sie sind lächerlich. Wie Penis- oder Furzwitze. Davon kann man natürlich sogar leben, siehe Borat, aber es ist nicht wirklich lustig.

Alles, was eine dicke*fette Person macht, ist automatisch so waaaaahnsinnig witzig. Zum Beispiel Tanzen, Schwimmen, Rennen, ja Sport im Allgemeinen.

Ne, das ist peinlich. Und zwar so peinlich, dass es schon wieder lächerlich ist.

Oder Sex haben. Vor allem das. LOL, dicke*fette Personen und Begehren, wie soll das überhaupt funktionieren, haha.

Es gibt Leute, die finden es total super, sich in die Fresse kacken zu lassen und dann zu poppen, während ihr Sexpartner sie mit einem heißen Lötkolben “streichelt”. Du scheinst Ugol’s Law nicht zu kennen.

Ich war im März auf der Feminist Film Week in Berlin. … Dieser Körper wurde ausgelacht und seine politische Dimension ins Lächerliche gezogen.

Ich weiß nicht, welche politische Dimension ein Körper hat, aber wir hatten doch langsam geklärt, dass es eine gewisse inhärente Lächerlichkeit innehat, seine widerlich-fetten Körper auch noch zu feiern, oder? Ist ja nun wie ein Lung-Cancer-Positiviy-Smoke-In.

Am liebsten wäre ich aufgestanden und hätte jeder lachenden Person eine Realitätsschelle gegeben.

Ah, Gewalt, das Mittel der Wahl, wenn man keine Argumente hat. Ich weise mal drauf hin, dass das keine gute Idee ist, wenn man eine fette, unsportliche Feministin ist, denn alleine nur das Abfangen des schlagenden Armes könnte zu schlecht verheilenden Blutergüssen führen.

Alles ist komisch, was dicke*fette Leute machen. Auch ihre Kleidung, wenn sie nicht total angepasst ist. Adiletten? Jogginghosen? Latzkleider? LUSTIG!

Nein, immer noch peinlich. Klar, nicht alles, aber dieser Artikel und Adiletten sicher. Geht’s noch schlimmer?

Was schlanke Hipster ironisch als Look feiern können, gilt an dicken*fetten Körpern in der Regel als selbstironische Comedy-Nummer.

Äh – ne, da ist das auch peinlich.

Als ich mal mit einem hellblauen, hautengen American-Apparel-Onesie und Jelly-Shoes durch Wien lief, sammelte ich statt Credits für einen guten Geschmack nur abwertendes Starren ein.

Ok, das musste ich beides googlen. Ein “onesie” ist ein Trainingsanzugs-Overall und Jelly-Shoes sind 1980er Badeschuhe für Assos. Es würde mich wirklich entsetzen, wenn es eine Stadt gibt, in der man dafür “Credits für einen guten Geschmack” bekäme. Und ich bin nicht Karl Lagerfeld, aber ich muss ja nun oft genug Kretschmar sehen und bin recht sicher, dass seine spontane Kotze auf dem Outfit es deutlich besser machen würde.

Auch ich frage mich manchmal, ob Leute, während ich spreche, in lautes Gelächter verfallen, weil ich dick und für sie lächerlich bin

Treffer. Also, mit lächerlich.

Und wo wir gerade beim Lächeln sind: Manchmal denken Leute auch, alle dicken*fetten Personen seien lieb. Ich dachte das zumindest mal und habe als Kind diese Urban Legend verstreut.

Nein, tun sie nicht.

Indem andere mir glaubten, dachte ich, dass ich mehr Akzeptanz für meinen Körper gewinnen kann. Denn ich mochte vielleicht ein fettes Kind sein, aber dafür mit einem Herzen aus Gold.

Dein Herz besteht hauptsächlich aus (ungesundem) Fett.

Sie täuscht vor, dass dicke*fette Menschen so verzweifelt und einsam sind, dass sie nur nett zu anderen sein können.

Ne, wir kennen ja nun dich und wissen, dass fette Menschen auch widerlich sein können. Wussten wir vorher auch. Güte, ich war auch mal dick, und da war ich nicht weniger widerlich als ich das jetzt bin.

Sie können sich Arroganz, Gehässigkeit oder hohe Ansprüche in der Wahl ihrer Partner*innen oder Freund*innen nicht leisten.

Äh – mag dich igendwer?

Deshalb fand ich in der ersten und zweiten Staffel der Musical-Serie „Glee“ die Figur von Lauren so exzellent.

Ja, und das ist dann der Punkt: Das ist eine Fernsehserie.

alle sollten grumpy sein dürfen

Darfst du doch. Ich darf dich ja auch widerwärtig, abstoßend und scheiße finden. Fein, gell?

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