Wie du dich aufrichtig mit Minderheiten solidarisierst

Ich bin mir sicher, wir haben uns alle schonmal die Frage gestellt, wie wir uns denn aufrichtig mit Minderheiten solidarisieren können, während wir in der Volxküche containertes, veganes Essen mit antikapitalistisch geklautem Dosenbier runtergewürgt haben, oder?

tl;dr: Bild unten.

Für Menschen außerhalb dieser Kreise wirkt nämlich schon die Frage komisch – Solidarität setzt nämlich gemeinsame Interessen und Ziele voraus, und wenn die fehlen, kann es nur verlogenes linkes Gutmenschentum sein. Sieht man gerade schön in der “solidarischen” Rigaer Straße, die Refugees so sehr welcomen, dass sie sie nicht bei sich im Haus haben wollen.

Das hat aber irgendeine Schwuchtel nicht davon abgehalten, sich an “Journalismus” zu versuchen, und die ehemalige Zeitung “Zeit” nicht davon abgehalten, es zu veröffentlichen. Und so viel Stuss auf einmal muss man sich erstmal trauen, aneinanderzureihen:

Wer solidarisch ist, fühlt sich mit den Ideen, Haltungen und Zielen anderer verbunden.

Nein, das ist nicht die Definition von Solidarität, das ist die Definition eines Anhängers einer Ideologie. Solidarisch ist man, wenn man gemeinsame Interessen hat und sie deswegen gemeinsam vertritt.

Sich als Hetero gegen Homophobie, als Mann für den Feminismus, als Weiße*r gegen Rassismus einzusetzen, ist nobel.

Nein, das ist Gutmenschentum. Und sich als Mann heutzutage für Feminismus einzusetzen ist einfach nur strunzblöde.

Mithelfen im Kampf für Gleichberechtigung, gegen Sexismus, Rassismus, Homophobie.

 

Ich schreibe hier aktiv gegen sexistische Feministen, unterstütze Väterrechte, finde, dass auch Neger Menschen sind und habe sicher keine Angst vor irgendwelchen Schwuchteln. Gut?

Ein paar Dinge gibt es jedoch zu beachten.

Oh, Mist.

1. WERD DIR DEINER PRIVILEGIEN BEWUSST

Wer heterosexuell ist, wird zum Beispiel nie aufgrund seiner Sexualität in der S-Bahn bedroht und attackiert.

Echt jetzt? OK, Challenge: Such Dir irgendeinen türkischen Prolo mit so einer billigen Schlampe mit Monster-Loops in den Ohren dazu. Dann flirte mit ihr. Dann wiederhole diese Aussage, wenn Du noch sprechen kannst.

Männer bekommen keine Gewaltdrohungen, weil sie ein Fußball-Spiel kommentieren,

Wirklich nicht? Ich meine, ich nehme an, da geht es um die Frau von ARDZDF bei der EM, aber echt jetzt? In Zeiten von Twitter? Hey, da bekommt man schon Gewaltdohungen, wenn man nur eine vollkommen legale Demo veranstaltet – die AfD zum Beispiel.

Weiße werden nie aufgrund ihrer Herkunft pauschal für kriminell gehalten.

Außer natürlich, es ist gerade Bürgerkrieg in Südafrika und man schlachtet sie ab, natürlich.

2. KLAPPE HALTEN UND ZUHÖREN

Das war schon immer produktiv.

Das bedeutet nun wieder nicht, dass von jetzt an jedes Argument eines schwulen Kumpels richtig ist.

Warum sollte ich dann weiter zuhören, wenn klar wird, dass mein Gegenüber Unsinn redet?

3. DRÄNG DICH NICHT IN DEN VORDERGRUND

Warum sollte ich?

Nach dem Attentat von Orlando hat Nick Jonas eine Mahnwache in New York besucht und seine Anteilnahme ausgedrückt. Das ist solidarisch.

Wer ist Nick Jonas? Der Typ, der Miss Universe gevögelt hat? Ein Mensch, der davon lebt, Publicity zu haben? Und das wundert Dich, dass der Publicity will? Das ist nicht solidarisch, das ist eigennützig.

Einziges Problem: Dadurch, dass er (weiß, hetero) sprach, nahm er den Platz zweier schwuler Latinos, die sonst geredet hätten. Schwule Latinos sind eine gesellschaftliche Gruppe, die oft ignoriert wird. Dieses Mal eben durch die Solidarität von Nick Jonas.

Vielleicht sind schwule Latinos eine weitestgehend ignorierte Gruppe, weil sie vollkommen irrelevant sind? Wie lesbische transgender-Flurrys? Ich bin mir sicher, dass es deutlich mehr pädophile Priester gibt, die gerne Frauenunterwäsche tragen, und denen hört auch keiner zu.

Es sind Menschen, deren Stimmen sonst an den Rand der Gesellschaft gedrückt oder ignoriert werden.

Vielleicht ist das eine gute Idee? Ich meine, bei Nazis ist es eine sehr gute Idee, sie zu ignorieren; bei radikal Linken ebenso. Ich meine, vielleicht sollte man aktiv dagegen ankämpfen, aber jeden randseitigen Minderheiten-Unsinn zu unterstützen ist doch never, ever automatisch eine gute Idee?

4. SOLIDARITÄT KENNT KEINE PAUSE

Außer natürlich, es ist 10:30 und man isst gerade ein Knoppers.

Niemandem hilft es, wenn du vor deinen schwulen Freunden eine Allianz bildest, aber nachts nach drei getrunkenen Bieren homophobe Witze reißt.

Merke: Halte es wie normale Menschen und schließe keine “Allianzen” mit deinen schwulen Freunden, sondern erzähle ihnen lieber “homophobe” Witze. Profi-Tipp: Die kennen meistens noch bessere!

Als Solidarisierer solltest du deinen direkten Freundeskreis unterrichten und Sexismus, Homophobie und Rassismus anprangern, wo er dir begegnet.

Da steht schon wieder “Solidarisierer” statt “Gutmensch”.

Beispielsweise in den Kommentarspalten deines Newsfeeds oder wenn jemand beim Feiern einen frauenfeindlichen Witz macht.

Die sozialadäquate Reaktion auf einer Party, bei der jemand einen Witz macht, ist entweder zu lachen oder zumindest übertrieben gelangweilt zu lächeln. Ich zumindest bin ungern auf Partys mit totalen Spaßbremsen.

Die Menschen, mit denen du solidarisch bist, sind oft einfach müde und genervt von den Anfeindungen um sie herum

Die kommen aber ja nun nicht von mir, ich habe ja die gleichen Interessen – wohl weil ich den gleichen Anfeindungen ausgesetzt bin. Aber Du meinst immer noch nicht solidarisch, richtig?

Sie wollen nicht mehr ständig argumentieren müssen, dass nicht jeder Schwarze ein Drogendealer ist

Ich glaube nicht, dass Barack Obama ein Drogendealer ist. Ein Waffenhändler, Schwerverbrecher und Mörder, ja, aber es wer behauptet denn so einen Unsinn, dass alle Schwarzen Drogendealer sind?

oder das eine Frau auch Respekt verdient, wenn sie gerne Sex hat

Wofür? Was ist respektabel daran, gerne Sex zu haben?

An dieser Stelle brauchen wir deinen Heldenmut! Erklär es deiner Umgebung.

Wie? Wer ist “wir”? Warum ist es “heldenhaft” oder “mutig”, völligen Unsinn zu reden? Ist das passende Wort nicht vielmehr “geisteskrank”?

Du kannst nicht alles richtig machen, nicht alles wissen. Niemand kann das. Du wirst Fehler machen und dafür kritisiert werden. Passiert das, sei dankbar dafür. Bitte um Entschuldigung, nimm die Kritik auf – und weiter gehts.

Wofür soll ich mich entschuldigen? Dass ich nicht alles richtig mache, was nicht möglich ist, was allen von vornherein klar ist? Nenene, das ist eine strunzblöde Strategie. Bei einem solchen Spiel gibt es nur eine vernünftige Strategie:

 

 

 

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