Brexit

Vorab: Das wird ein unüblicher, ökonomischer Post. Mit einem sehr langen Vorwort. Die zentralen Gedanken kommen bei den ***  und sind immer noch lang.

Kommende Woche ist Brexit. Oder auch nicht. Die zentrale Frage ist: Was mache ich mit meinem Geld? Die Politiker im zu 55,3% Vereinigten Königreich sind sich sicher, dass die Welt untergeht, wenn sie die EU verlassen. Die ungewählten EU-Politiker beschwören den Zusammenhang der EU, und praktischerweise gibt es mittlerweile eine Breamain-Märtyrerin, um die Panikmache noch zu steigern. Aber der Tenor der Verbleiber ist nun tendenziell “wir werden alle sterben pleite gehen”, während den Aussteigern die immer dümmeren EU-Regularien schlicht zu doof sind. Letzteres halte ich für ein gutes Argument, während ersteres mehr als zweifelhaft ist – es will ja nun niemand aufhören, internationalen Handel zu treiben?!

Zudem hätten die Briten zwei Jahre Zeit, allen 193 anderen Länder der Erde mal freundlich eine eMail zu schicken mit “Hey, wir sind gerade aus der EU ausgetreten, wollen wir unsere Handelsbedingungen mal in Ruhe ausdiskutieren oder so lassen, wie sie sind?”. Das dauert dank CC-Funktion vielleicht eine Stunde (man muss ja erstmal die Adressen zusammensuchen). Teil des Schengen-Raums ist UK eh nicht, aber wenn sich da die EU nicht quer stellt (was sie wohl androhen), sollte auch das kein Problem sein.

Und wenn die Briten 20.000W-Staubsauger und 100W-Glühbirnen machen wollen, sollen sie doch. Es kommt ja seit dem Euro nichts mehr sinnvolles von der EU, und die Tortur an der Schweizer Grenze ist durchaus keine solche – etwa wie Österreich, als ich jung war. Mei, verliert man halt fünf Minuten an der Grenze, aber GB ist eine verdammte Insel, das kann man ja auf der Fähre regeln.

Aber wenn dann andere Länder auch austreten? Slowenien, Zypern, Italien, Kroatien, Tschechien?

Hmmmm…. vielleicht hätte man die Bevölkerungen mal vorher fragen sollen, ob sie ihre Demokratie an eine ungewählte Bürokraten-Kommission abgeben wollen? Ich meine, mich hat noch nichtmal jemand gefragt, ob ich jahrzentelang solidarisch mit ein paar Altkommunisten sein will?! Das rächt sich halt dann irgendwann, aber das ist nun ein Problem der dann (gerechtfertigt) arbeitslosen Politiker, nicht der Bürger.

Ich bin fest überzeugt, dass (außer vielleicht in Frankreich und Spanien [mit Ausnahme der Katalonen]) die meisten Menschen anständige, ehrliche und arbeitende Leute sind, die finden, dass man für seinen Lebensunterhalt selbst aufkommen sollte und nicht irgendwer, der halt zufällig nicht in Berlin lebt und/oder für die aktuelle Junta arbeitet.

Weil einem irgendwann das Geld ausgeht, wenn alle nur verwalten und keiner mehr was macht, das war schon bei den Römern so, und das ist im Kommunismus nicht anders gewesen. Das Problem ist, dass es immer am Geld hängt (Geld ist per se nur eine Metapher für Wert, und Werte existieren nie einfach, Werte müssen immer durch Arbeit geschaffen werden.

Das ist (außerhalb des Antifa-Spektrums) eigentlich allen klar, und in “primitiven” kleinen Clanstrukturen funktioniert das auch – man trägt x bei, man bekommt dafür y. Da kann man sich als uninformierter, ach so moderner Mensch darüber lustig machen, dass eine Braut 20 Muscheln kostet (oder Mitgift benötigt), es sind ganz sicher schwer zu findende Muscheln. Klar kann man sich über die primitiven Wilden amüsieren, die den amerikanischen Siedlern Manhattan für ein paar Glasperlen verkauft haben, aber die hatten halt keine Glasperlen. Und die gleichen Leute, die sich darüber amüsiert haben, haben ihr “Vermögen” dann für “Luxusprodukte” wie Salz ausgegeben, zu dessen Gewinnung man nichts weiter tun muss, als einen kleinen Damm am Strand zu bauen und zu warten, bis das verbleibende Meerwasser verdampft ist.

Von daher wird auch der Brexit eine Geldfrage sein, und Geldfragen in größeren Communities sind immer schwierig, weil größere Communities nur “zusammenhalten”, wenn mehr oder weniger alle, nicht nur die ach so demokratischen 50%+1, happy sind. Was üblicherweise scheitert, weil das mit dem Geld nicht so klappt, wie die Mächtigen, die nach mehr Macht streben (also mehr Menschen unter sich haben wollen), sich das vorstellen, weil einem umso mehr andere Menschen umso egaler sind, je mehr es einen selbst belastet.

Nun bin ich weder noch lebe in GB, von daher könnte mir das ja prinzipiell egal sein. Leider geht es hier auch um mein Geld, was momentan Euros sind. Von daher dachte ich mir mal, ich schaue mir mal an, wie das mit dem Geld lief seit dem Euro:

*** Geldwert seit dem Euro ***

Der Euro wurde zum 1, Januar 1999 nominal an den Finanzmärkten eingeführt. Das haben die meisten Leute nicht bemerkt, weil ihnen die Finanzmärkte egal sind, aber das sind die Leute den Finanzmärkten auch. Da wurde der ECU-DM-Kurs auf 1:1,95583 gesetzt, und das ist das, was wir dann 2002 noch von unseren Guthaben (oder Schulden) an Euro auf dem Konto hatten. Da haben nun viele Länder nicht mitgemacht – dir Briten allen voran. Aber auch andere, von daher habe ich mal eine übersichtliche Ansicht erstellt, welches Geld man damals hätte behalten sollen und welches nicht:

bigmac

Dargestellt ist, wie viel in der unten angegeben Währung ein BigMac 2016 mehr kostet als 1999 (Daten vom Bigmac-Index aus halbwegs seriösen Quellen, Wechselkurse von finanzen.net und boerse.de – die Rohdaten sind hier.)

Nun sind ökonomische Betrachtungen nie so einfach, man will ja eigentlich Wirtschaftswachstum und damit ein wenig Inflation, aber wenn wir mal die USA anschauen (dunkelblau ganz links), kostet der BigMac in den USA jetzt mehr als das Doppelte wie 1999. Das wäre schon eine anständige Inflation, der 1999er-USD ist heute nur noch die Hälfte von dem wert, was er damals wert war.

Inflation ist nur dann schlecht, wenn das Wirtschaftswachtum nicht damit korreliert, aber das tut es – die US-Wirtschaft ist von 9,6 Bio. USD 1999 auf knapp das Doppelte angewachsen. Nun drucken die Amerikaner aber halt einfach Geld, weil sie das können, weil Öl – und alle brauchen Öl – in USD bezahlt wird, von daher stört das die Amerikaner nicht, dass jetzt einfach alles doppelt so viel kostet, weil sie ja doppelt so viel verdienen – wenn sie denn doppelt so viel verdienen. Für Rentner mit Ersparnissen ist das natürlich doof. Und für eine Investition auch, denn ein rumliegender 1999er 100US$-Schein ist heute nur noch die Hälfte wert.

Deswegen muss man das mit dem Ausland vergleichen – in China kostet der Bigmac 120% mehr USD. Der durchschnittliche Amerikaner hat also zwar jetzt zwei statt einem Dollar, aber in China muss er immer noch überproportional mehr zahlen – kann sich also weniger leisten.

Wenn wir uns hingegen China ansehen, dessen Wirtschaftswachstum zwischen 1999 und 2016 bei 1000% (ja, verzehnfacht) liegt, dann muss der durchschnittliche Chinese für einen Bigmac in China zwar 80% mehr zahlen (hellblauer Balken bei CNY), hat aber zehnmal mehr Geld. Für den Bigmac in den USA zahlt er sogar nur 60% mehr (wieder dunkelblau) – während der Dollar also nur noch halb so viel Wert ist, hat der Yuan nur knapp ein Drittel seines Wertes verloren, was die zehnmal mehr verdienenden Chinesen sicher weniger stört als die doppelt so viel verdienenden Amerikaner.

Ihr sehr, das das alles recht komplex ist, also kürzen wir an dieser Stelle ab – die zentrale Frage ist ja: wenn man einen 17 Jahre alten Geldschein findet, ist der dann noch was wert? Ich meine, ist ja schön, dass wie eine garantierte Rente von n Euro über Riester bei der Allianz bekommen, aber es sagt ja nun niemand, dass man für n Euro, für die man heute volltanken kann, auch in nur 17 Jahren noch einen Bigmac bekommt. Und aus der Perspektive ist der Dollar Mist – es ist alles teurer geworden, überall. Und die Balken beim Britischen Pfund sind sogar noch deutlich schlechter als die der USA, und das bei nur ~60% GDP-Wachstum. Die Briten können sich also deutlichst weniger leisten als 1998, während die Chinesen sich enormst viel mehr leisten können.

Nun kann man am Euro sehr viel herumkritisieren, aber er ist deutlich besser als das Pfund oder der Dollar – der BigMac in Deutschland kostet nur knapp 10% mehr als damals, und wir verdienen deutlich mehr Geld (~80%), aber das alte Geld ist trotzdem wertlos.

Bei werterhaltendem Geld wäre es nämlich genauso teuer wie damals – oder günstiger. Wie zum Beispiel in der Schweiz.

Klar, mit dem chinesischen Wirtschaftswachstum können die Schweizer nicht mithalten und zahlen dort auch 40% mehr für den Bigmac als damals, aber immerhin nicht 70% wie wir oder 120% wie die Amerikaner oder gar 150% wie die Briten mit dem ach so tollen Pfund. Und auch in den USA zahlen sie 30% mehr als noch 1999, aber die Schweizer hatten mehr Wirtschaftswachstum als die USA, also haben sie mehr Geld. Und in einigen Ländern – sieht man an den negativen Balken – zahlen sie weniger. Das macht eine gute Währung aus – sie ist besser als andere.

Der Schweizer Franken ist eine hervorragende Währung.

Der Euro ist eine passable Währung.

Der USD ist keine so tolle Währung, aber wie erwähnt, die halten sich mit dem Öl, solange noch jemand Dollars mag, können die drucken.

Das britische Pfund hingegen ist Papiermüll. Nur 70% Wirtschaftswachstum, aber über die Bank alles viel teurer als in den USA mit 100% Wirtschaftswachstum, von der EU oder gar der Schweiz muss man da mal gar nicht sprechen. Das kann nicht gut gehen.

Ich habe dann rein interessehalber noch Tschechien aufgenommen – und siehe da, kaum hat man als europäischer Staat 250% Wirtschaftswachstum und eine eigene Währung, keine staatliche, schummelnde Notenbank wie die Chinesen, und schon wird es nahezu überall billiger.

Aus ökonomischer Perspektive muss ich daher schließen, dass es für die Briten mega-blöde ist, aus der EU auszutreten, dann rettet sie nämlich Merkel nicht, wenn sie Pleite gehen- was sie werden, wie die USA auch. Bei den Tschechen würde ich einen Exit hingegen verstehen, die haben es ja geschafft, sich selbst ordentliches Geld zu machen. Was irgendwie skurril ist, oder? Osteuropäisches Geld, was etwas wert ist. Vor allem, weil da ein Schnitzel mit Pommes für 4 Euro zu haben ist. Shit, wenn wir die DM behalten hätten, könnte man für den 1999er Preis eines BigMacs wahrscheinlich heute eine amerikanische McDonalds-Filiale kaufen.

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