Suggestives Schreiben für geistig Zurückgebliebene

[Der Post ist ziemlich gehaltlos]

Lieber Sebastian Christ,

wenn Du einen Artikel schreibst, der mit

Liebe Deutschland-Fans

anfängt, dann spricht das eine weitaus größere Gruppe von Menschen an als die paar, die sich für Fußball interessieren. Nun magst Du aus der “Deutschland verrecke”-Ecke kommen, was anzunehmen ist, da Du es nichtmal bei einem halbwegs linksversifften Blatt wie dem Stern ausgehalten hast, sondern bei der HuffPost gelandet bist, aber diesen Post hast Du dann halt davon.

Euer schwarz-rot-goldener Fähnchenterror ist nur noch peinlich

“Fähnchen” sind das, was bei Autohändlern hängt oder man früher – Du bist jetzt nicht so viel älter als ich – bei McDonalds bekommen hat, billige Plastikstöckchen mit Papierfähnchen dran. Das heißt “Fahne” oder “Flagge”, an einem Auto angebracht (in klein) “Standarte”. “Terror” ist eine systematische Verbreitung von Angst und Schrecken. Alleinig peinlich sind insofern die Deutschkenntnisse eines “preisgekrönten” Journalisten, oder dessen Vexillophobie.

Damit wäre eigentlich alles gesagt, ich gehe aber den Artikel trotzdem Satz für Satz durch, um die unglaubliche Überheblichkeit und Dummheit des Autors, der die androgyne Variante einer feministischen Tumbl-Prinzessin zu sein scheint, aufzuzeigen:

Lieber Deutschland-Fan mit dem Fähnchen am Fenster!

Ich habe kein Fähnchen am Fenster. Ich besitze genau zwei deutsche Flaggen: Eine, die an einem geneigten Flaggenstock am Heck meines Bootes befestigt ist, wie es § 1 (1) FlaggRG vorschreibt, und eine in Reserve. Aber ich bin ein großer Fan von Deutschland.

Heute Morgen habe ich Dich in Berlin gesehen.

Du schreibst ernsthaft einen Beitrag darüber, was Du in Berlin gesehen hast?

Dein Corsa (Klischee!) rauschte an meiner Haustüre vorbei

Ich fahre einen Jaguar. Und hier sind die meisten Autos mit Deutschlandfahnen BMW’s, aber gut, wir sind ja auch nicht in Berlin.

an Deinem Seitenfenster klemmte eine stramm flatternde schwarz-rot-goldene Plastikstandarte.

Ja, ne – das wäre dann ein Fähnchen. Standarten macht man in die dafür vorgesehenen Halterungen an den Kotflügeln; alle anständigen Autohersteller bieten das an. Wollen wir jetzt darüber reden, dass Fähnchen peinlich sind und man stattdessen ordentliche Standarten führen sollte?

Warst Du im Baumarkt oder Supermarkt einkaufen?

Meine Frau war heute mittag im Supermarkt. In den Baumarkt gehen wir heute Abend vor dem Schwimmen, weil wir noch eine Waschbetonplatte brauchen.

Fast egal, in ganz Berlin liegt der Nationalkitsch [bla] Stolz-Werkzeuge [bla].

“Fast” impliziert einen Sonderfall, der nicht erwähnt wird. Ist das das Ergebnis des Kurses “suggestives Schreiben für geistig Zurückgebliebene”?

Das alles ist so subtil wie die Faust aufs Auge. [bla] Presslufhammer [bla]

Wer sagt denn, dass es subtil sein soll?

So angenehm wie ein 24-Stunden-Fernsehmarathon mit Helene Fischer.

Ja was jetzt? Willst Du es kritisieren oder loben?

[bla] Das ganze Land ist voll von Mode-Fans.

Hey, eine Kritik! Eine berechtigte Kritik! Also, wenn man das irgendwie begründen würde, denn Beschwerden über die “Kommerzialisierung” des Fußballs machen keinen mehr oder weniger guten oder echten “Fan”. Aber darum geht es Dir ja nun auch nicht, weil Du eh nicht gelernt hast, zu argumentieren, Dir geht es um eine Frage:

Wozu eigentlich dieser Bekenntniskult?

Naja, ich kenne nun den restlichen Text schon, und es geht Dir eigentlich nichtmal um diese Frage, sondern darum, Deine Meinung dazu als einzig wahre und richtige hinzustellen, von daher tauchen wir tiefer in die Abgründe Deiner Psyche:

Während der WM 2006 hat sich mir der Fahnenschmuck kommuniziert.

Und warst Du daraufhin bei einem Psychologen oder Psychiater? Es ist nicht normal, dass Fahnenschmuck mit einem redet.

Auch ich bin Fußball-Fan, war selbst bei gut einem halben Dutzend Turnieren als Zuschauer im Stadion dabei.

Ich nicht.

Ich kenne diese wundersam schönen Erlebnisse, die man hat, wenn man während eines großen Turniers mit einem Trikot “seiner” Mannschaft durch eine fremde Stadt läuft und mit gleichsam fremden Menschen aus anderen Ländern ins Gespräch kommt.

Echt jetzt? Das muss total toll sein, von Fans der gegnerischen Mannschaft mit Flaschen beworfen zu werden. Bist Du sicher, dass Du nicht mal langsam mit jemandem reden solltest?

Ich erinnere mich an die Gruppe Japaner in Paris, mit denen ich 1998 auf die erste WM-Teilnahme ihrer Mannschaft anstieß. [bla]

Da warst Du 16, du verwöhnte Rotzgöre. Und Asiaten stoßen mit jedem an, Du kulturell insensitiver *ist.

Genau solche Erlebnisse machten die WM 2006 zu einem Fest im eigenen Land.

Welche Erlebnisse? Ich meine, Du hast in München studiert, da kann man ununterbrochen mit Japanern anstoßen, auch ganz ohne WM, und im Gegensatz zu 1998 sprechen mittlerweile sogar ein paar halbwegs passabel Englisch?!

Die Deutschland-Fahne war in diesen Momenten ein Willkommensgruß. Eine Einladung zum Gespräch.

Äh…. äh? – Äh? Echt jetzt? Kommt man sich eigentlich selbst dumm vor, wenn man sowas schreibt? “Die Truppenfahne der Wehrmacht war beim Einmarsch in Polen ein Willkommensgruß, eine Einladung zum Anschluss ans Deutsche Reich” fänden jedenfalls alle vernünftigen Menschen ziemlich doof.

Zwei Jahre später haben alle ja nochmal auf eine Wiederbelebung dieser Stimmung gehofft.

Welcher Stimmung? Fußballfieber? Und wer ist “alle”?

Wir sprachen mit den Fahnen zu uns selbst.

Wer ist “wir”? Fahnen sind externe Kommunikation, ATL- wie aktives Marketing, wirtschaftlich betrachtet. “Wir” als “Volk”? Nazi!

Und was will nun jemand sagen, der im Jahr 2016 im dreifarbig ausgeschmückten Wohnzimmer seine Freunde zum Fußballschauen einlädt?

Hmmm…. schwierige Frage. “Ich bin Fan der deutschen Mannschaft und schaue gerne Fußballspiele mit meinen Freunden”?

Was willst Du mir sagen, lieber Deutschland-Fan, wenn Du mit Karacho dein Polyester-Fähnchen im Fahrtwind zappeln lässt?

In Berlin ist nicht nur Stau? Ich bin für eine sofortige Streichung des Länderfinanzausgleichs.

Knapp zwei Jahre nach Pegida? Ein Jahr nach der großen “Flüchtlingskrise”?

Was hat das denn damit zu tun?

Ich war als Reporter bei mehr als 20 Pegida-Demos. Viele davon hier in Berlin, einige auch in Leipzig und in Dresden.

Pegida ist eine Dresdner Veranstaltung. Du bist entweder kein guter Reporter, lügst, oder beides.

Dort waren im Pulk Deutschland-Fahnen mit DFB-Aufdruck zu sehen. Die gleichen Fahnen also, die alle zwei Jahre auf den Fanmeilen auftauchen, werden zum wahrlich „rechten“ Zeitpunkt von einigen Leuten aus den Schränken geholt, um damit für die Ausgrenzung von Andersgläubigen und notleidenden Menschen zu protestieren.

Ach so – Anti-Pegida-Diffamierungen, weil sie DFB-Fahnen verwenden. Meine Güte, die widerlichen Nazis mit ihren DFB-Fahnen. Das ist natürlich total einsichtig.

Das will mir nicht mehr aus dem Kopf, ehrlich gesagt.

Wie die Fahnen, die mit Dir kommunizieren und Deinem Masochismus?

Ich kann in einem Land, in dem beinahe täglich Asylbewerber angegriffen werden, nicht mehr so unbeschwert mit einem Fähnchen in der Hand herum wedeln wie noch im Jahr 2006.

Ich bin mir relativ sicher, dass auch 2006 schon täglich Asylbewerber angegriffen wurden, dazu braucht es nur einen pro Tag und wir hatten damals auch schon 30.100. Bei 13 Straftaten pro 100 Einwohner ist das einfach nur eine blöde Aussage. Das wären nämlich damals 10 am Tag gewesen.

Was einst als großer Spaß begann, ist zehn Jahre später zu einer ziemlich ernsten Angelegenheit geworden.

Fähnchen? Kinder lieben Fähnchen nicht mehr sonderlich, seit es Tablets und Spiele gibt, aber warum sind jetzt Fähnchen ein ernstes Thema?

Wo die Fahne nur noch Mittel zum Selbstgespräch geworden ist, taugt sie nicht mehr als Willkommenssymbol.

Hä? Ich meine, die ganze “Willkommenssymbol”-Geschichte hast Du Dir ja mal vollkommen aus dem Arsch gezogen, nie begründet und nie erklärt.

Mehr noch: Sie droht, Mittel der Ausgrenzung zu werden.

Ausgrenzung vom wem? Wird nicht beantwortet. Und bei der letzten WM hatten viele Deutschtürken “Fähnchen” an ihren Autos. Gute Güte, ich war da gerade in Kaş, und die Türken fühlten sich beflissen, mir zum Sieg zu gratulieren. Als hätte ich irgendwas dafür getan. Gemeinsame Interessen – wie Fußball – sind grundsätzlich Mittel der Völkerverständigung, und das selbst dann, wenn man sie nicht teilt.

Lieber Deutschland-Fan

Ach, jetzt Singular? Und wir betonen immer noch nicht, dass es um Fußball geht. Geht es nämlich auch nicht. Es geht schlicht um die antideutsche Haltung des Autors, der zwar nach eigenen Angaben viel unterwegs war, aber offensichtlich nichts gelernt hat.

Ich nehme es niemanden krumm, wenn er meint, seine Sympathie mit der deutschen Nationalmannschaft zum Ausdruck bringen zu müssen. [bla]

Abgesehen davon, dass das schwerst psychotisch wäre, ist das ja nun klar geworden. Du hast nur was gegen Deutschland im Allgemeinen. Hey, geh doch einfach nach Südafrika oder dahin, wo Du die  Bundeswehr-Weste für Dein  Pressefoto bekommen hast. Da isses sicher viel besser.

Doch genau ein Jahrzehnt nach der WM im eigenen Lande täte es uns gut, wenn wir das ewige schwarz-rot-goldene Ritual mal hinterfragen würden.

Ja, DRINGEND. In jedem einzelnen gottverdammten Land auf diesem Planeten kann man die (aktuelle) Nationalflagge in seinen Vorgarten stellen, ohne dass einem irgendwer vorwirft, ein reaktionärer, sexistischer, rassistischer, menschenverachtender Nazi zu sein. Nicht, dass ich mir eine Deutschland-Flagge in den Garten stellen würde; ich bin ja schließlich kein Kommunist.

Aber für den Fall der Fälle habe ich einen 6,50m hohen Fahnenmast im Keller – und eine russische Flagge. Man weiß ja nie, was kommt.

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