Hofer oder Lidl #bpw2016 [süße Katzenbilder]

Es ist ja schon in Deutschland schwierig, politisch korrekt einzukaufen. Bei Aldi hat man das Problem, dass alles möglichst billig ist, aber dafür bezahlen die die Kassiererinnen ordentlich. Im Biofachmarkt ist alles arschteuer, null besser, und die zahlen Mindestlohn. Und Lidl ist bekanntlich Scientology.

Ein vergleichbares Problem hatten heute rund sechs Millionen Österreicher – die mussten einen neuen Bundespräsidenten wählen, und anders als bei uns, wo das Pack und der Pöbel und Leute wie ich da nicht mitreden dürfen, wie sich das für eine ordentliche, deutsche Demokratie gehört, wird der in Österreich direkt gewählt.

Der amtierende Bundespräsident Österreichs heißt Fischer und scheint nicht sonderlich relevant zu sein, ich habe von dem Mann noch nie ein Wort gehört. Aber gut, Österreich ist ja per se nicht so wichtig. Aber den haben immerhin gute 80% der (wählenden) Österreicher gewählt, und ich halte 80% für eine sehr gute Grenze, wenn es um Politik geht – mit weniger Zustimmung ist es recht schwer, von “Rückhalt” oder “Legitimation” zu reden, aber trotzdem Entscheidungen für alle treffen zu wollen. Eine so hohe Zustimmung hat aber nur Putin, und Putin ist böse.

Das ist das Problem, wenn man Wahlsysteme so gestaltet, dass die Menschen am Ende zwischen einem Psychopathen und einem Volldeppen entscheiden müssen, das verteilt sich dann immer so in der Richtung 30% für den Psychopathen, 30% für den Volldeppen, und 40% gehen nicht wählen. Siehe zum Beispiel USA. Oder, eben, Österreich. Da stimmt was am System nicht.

Was aber viel interessanter ist: Der ORF-Livestream berichtet

50,0% zu 50,0%. Das Innenministerium hingegen:

ist da mal 1,9% eindeutiger, aber ohne Briefwahlstimmen, die kommen erst morgen. Weil man Briefe nicht an Sonntagen auszählen kann. Oder so.

Konkret haben 1.937.863 Österreicher für den einen gestimmt, 1.793.857 für den anderen. Das ist ein Unterschied von 144.106 Wählern.

Morgen erfahren wir, wie die 885.437 Briefwähler gestimmt haben. Die 50:50-Geschichte des ORF basiert darauf, dass bei den Briefwählern eine andere Verteilung erwartet wird als bei den – ja – “echten” Wählern.

Das schöne ist nun, dass, wenn die Briefwähler alle gültig gestimmt haben, wir morgen ein Ergebnis haben, da 4.617.157 ungerade ist. Herr Hofer bräuchte für den Sieg 370.717 Stimmen der Briefwähler, der linksgrüne, alte, weiße Cis-Hetero-Mann 514.723.

Wenn das im Fernsehen als 50:50 verkauft wird, gehen die also davon aus, dass die Briefwähler sich 42:58 entscheiden.

Das sind 10% weniger Hofer-Wähler (und 10% mehr für Lidl/Scientology).

Nun ist es so, dass man bei sozialwissenschaftlichen Umfragen üblicherweise kontrolliert, wie gut seine Ergebnisse sind, indem man Verzerrungen, so genannte Biasse, überprüft. In diesem Fall einen Sampling Bias – wenn live und per Post nicht das gleiche rauskommt, dann ist die Studie Mist, also nicht aussagekräftig. Weil man – als Forscher – irgendwas falsch gemacht hat.

Das ist ein zwingender Pflichttest in seriösen sozialwissenschaftlichen Studien, und ich behaupte mal, die Mittelwertsunterschiede müssten signifikant sein, von daher ist das Wahlergebnis so stark verzerrt (falls denn Scientology noch gewinnt), dass man sich da ernsthaft Gedanken drüber machen muss, was da bei der Befragung falsch gelaufen ist – wenn man denn Wissenschaftler wäre. Sind aber ja nur Politiker, und es geht nur um einen Bundespräsidenten, ist also offensichtlich egal.

Ich gratuliere also allen Österreichern zu ihrem neuen Bundespräsidenten, den die Hälfte des Landes nicht leiden kann. Nachdem beide das gleiche kosten, ist das ja eh nur eine Geschmacksfrage, und die Butter(s? n?) von Aldi, Hofer, Lidl und ebl schmecken alle nach Butter. Die bei ebl ist halt etwas teuer, aber die von Hofer auch (im Vergleich zu Aldi, aber den konnten die Österreicher ja nicht wählen). Der Unterschied ist halt leider, dass für 50% Österreichs jetzt andere die Entscheidung getroffen haben, welche Butter sie essen müssen. Das ist der Stand der Basisdemokratie in Österreich, aber Basisdemokratie kann doch nicht so gedacht sein?! Basisdemokratie ist so gedacht, dass alle zu ihrem Recht kommen:

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