Meine Dummheit ist politisch! #yesallwampen

Twitter fand, ich könnte mich für diesen Tweet interessieren:

Ich habe keine Ahnung, warum Twitter das denkt. Aber ich habe mir den verlinkten Text angetan.

Geschrieben hat ihn eine Magda Albrecht, nach eigenen Angaben “politische Bildnerin” und “fett”. Ich weiß nicht genau, was eine “politische Bildnerin” ist, ich gehe aber davon aus, es ist der neueste, aus poststrukturalistischen, postmodernen Diskursen entstandene Begriff für “Hartz-IV-Empfänger”. Fett hingegen ist eindeutig, und es gibt Bilder, die das bestätigen.

Der Titel des Schwachsinns ist “Mein epischer Körper”. An der Stelle hätte ich aufhören sollen, zu lesen, denn das ist kein ordentliches Deutsch. Episch ist ein Adjektiv, das mit einem abstrakten Substantiv zu verwenden ist. Episch ist daher kein passendes Adjektiv für etwas physisch greifbares, und Magdas Körper ist physisch. “Meine epische Dummheit” wäre zum Beispiel ein semasiologisch korrekter und (meines Erachtens) viel passenderer Titel.

Zum Inhalt: Magda findet, ihr Körpergewicht wäre ein politisches Thema. Begründung? Doch, obwohl Magda Feministin ist, kommt eine: Weil die WHO eine Definition von Übergewicht eingeführt hat, mit Cut-Off bei einem BMI von 25. Dadurch, so Magda, wurden bislang 35 Millionen nicht übergewichtiger Amerikaner plötzlich Übergewichtig – einfach so, per Definition. Es waren nur 25 Millionen, aber das ist nicht ihr Punkt. Ihr Punkt ist, dass die WHO böse ist. Da das ihr einziges “Argument” ist, möchte ich es Euch nicht vorenthalten:

1997 trafen sich wichtige AnzugträgerInnen in Genf zu einer Konferenz der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Das ist jene Organisation, die queeres Begehren bis 1992 als „Krankheit“ klassifizierte und bis heute Trans* und nicht-binäre Menschen pathologisiert. Nicht gerade sympathisch also.

Ich nenne das progressiven Reaktionismus: Wenn sich etwas verändert, kritisiert oder lobt man die Vergangenheit, je nachdem, wie es einem passt. Das mag ja noch gedanklich zu ertragen sein, wenn man das für sich behält oder sich nur unter Vollidioten bewegt, aber wenn man zu der “das Private ist politisch“-Fraktion gehört und es in die Welt rausbrüllt, macht man sich ziemlich zum Affen.

Für Magda wäre es daher leicht, sich als nicht übergewichtig anzusehen, da sie ja offenbar 35 und 25 nicht auseinanderhalten kann. Mich begeistern viele Richtlinien der WHO auch nicht gerade. Aber ich passe mich da halt an – zum Beispiel galten früher zwei Gläschen Wein als völlig unbedenklich, jetzt ist es nur noch eines. Aber da kann man sich ja auch einfach stillschweigend anpassen, statt sich öffentlich dafür zu loben, sich nicht anzupassen, weil allen klar ist, dass es dumm und ungesund ist.

wein

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