Die Helden der Nato

Jeden Tag immer mehr “gute” Nachrichten: die Flüchtlingszahlen gehen zurück.

Das liegt nicht etwa daran, dass die Leute keine Lust haben, im Dreck an der mazedonisch-griechischen Grenze zu sitzen, sondern – nein, auch nicht daran, dass man die Leute nach dem neuen EU-Türkei-Abkommen einfach wieder zurückschicken würde – an den heldenhaften Soldaten der Bundeswehr im NATO-Einsatz in der Ägäis.

Ok, sogar die Lügenpresse ist sich zu schade, einen solchen Blödsinn zu behaupten, aber netterweise gibt es Frau von der Leyen, gerade zu Besuch bei den jetzt Auslands-, Einsatz-, und Gefahrenzulagen erhaltenden Soldaten des furchteinflößenden, schwerbewaffenten Kriegsschiffs unbeeindruckenden Versorgungspotts “Bonn”. Das Schiff ist Teil der NATO-Truppe, die die griechisch-türkischen Gewässer überwachen soll. Bei der Bundeswehr gibt es da sogar ein Video dazu, auf dem die heldenhaften deutschen Soldaten dabei zu sehen sind, wie sie mit Ferngläsern die türkische Küste anstarren, und dann die türkische Küstenwache rufen.

Naja, Frau von der Leyen findet das so toll, dass man diesen super-erfolgreichen NATO-Einsatz jetzt nicht nur zwischen Lesbos und Chios, sondern auch auf die übrigen griechischen Inseln ausweiten will. Bislang sind da ja nur acht Boote, und das ist, wie man deutlich sieht, viel zu wenig – die Bonn zum Beispiel befindet sich zum Schreibzeitpunkt hier:

(oben auf der Karte ist Lesbos, die Insel unten links Chios)

Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie man da als Schleuser dran vorbeikommen könnte, es ist ja unmöglich auszumalen, dass die ungebildeten Kameltreiber auf marinetraffic.com zugreifen könnten – oder?

Die viel bessere Frage ist aber, wozu die für Lesbos und Chios acht Schiffe brauchen. Ich bin ja nun kein Militärstratege, aber wenn die einfach nur die Küste zwischen Chios und der Türkei rauf- und runterfahren – ich schlage mal eine Route vor:

und das bei halber Kraft, um nicht allen Seglern auf den Geist zu gehen, schaffen sie das einmal pro Stunde. Natürlich weiß ich, dass man auf so einem deutschen Kriegsschiff nach 41 Wochenstunden erstmal in aller Ruhe ein Fass Bier anstechen muss und daher die restlichen 127 Stunden der Woche wohl jemand anders übernehmen müsste, aber trotzdem… ich meine, da machen ja auch die Türken mit:

Die haben da irgendeinen unbeeindruckenden Äppelkahn die furchteinflößende, schwerbewaffente Fregatte “Barbaros” liegen, aktuell auf Patrouille vor Lesbos (und im Gegensatz zu den Deutschen nicht 20 Kilometer von der Küste weg). Die übrigen sechs Schiffe sind offensichtlich noch nicht da. Und im Juni ist dann Ramadan, da bin ich sicher, dass das türkische Militär nicht arbeitet. Da braucht man schon dringend mehr Schiffe, richtig?

Ne, wirklich – ich befürworte das total und hoffe, dass die das bis Sommer hinbekommen. Idealerweise mit einem US Navy-Schiff vor Rhodos, am besten der Donald Burke. Das Seerecht ist nämlich absolut eindeutig, wer Vorfahrt hat, wenn ich mit meinem Segelbötchen so einem 154-Meter-Zerstörer begegne 😉

Nachtrag: In diesem Moment ist aus Mytilini ein Rettungsboot ausgelaufen. Hätte Frau von der Leyen die heldenhafte Crew der Bonn nicht 50 Kilometer weg vom Arbeiten abgehalten, hätten die das offenbar untergegangene Flüchtlingsboot sicher vorher gesehen. Oder seht ihr ein Boot in der Richtung, in der die fahren?

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