Meinungen über anderer Leute Politiker

Elmars Kommentar unter meinem letzten Post machte mich ein wenig nachdenklich:

So unmöglich ich Erdogan finde, so beschissen finde ich das öffentliche Auskotzen von Böhmermann – der alle Register zieht, um Erdogans Männlichkeit zu beleidigen. Gegen dessen Verstand oder Moral hat er dagegen nichts zu sagen.

Mein erster Gedanke zur zweiten Hälfte der Aussage war und ist, dass das offensichtlich das ist, was unsere zwangsabgabenfinanzierten wie privaten “Qualitätsmedien” zustande bringen: Beleidigungen vom Schulhof der Hauptschule, große Pause 8. Klasse. Dafür auch gleich ein Grimme-Preis, ne Pulle Sekt und ein Prosit der Gedankenlosigkeit.

Der erste Punkt, also “So unmöglich ich Erdogan finde … Gegen dessen Verstand oder Moral hat er dagegen nichts zu sagen” machte mich viel nachdenklicher. Ich schreibe durchaus mit einem Hintergedanken, dass ich kein Fan von Erdogan bin, weil er den Alkohol so hoch besteuert: Weil das für mich eine ausreichende und inhaltliche, nicht emotionale Kritik ist, die zwar so unwichtig ist, dass es lächerlich und nebenbei wirken mag, aber für etwas tiefgehenderes habe ich schlicht zu wenig Ahnung, vor allem aber zu wenig Involvement. Was habe ich denn gegen Erdogans Verstand und Moral zu sagen?

Natürlich kann man kritisieren, dass Erdogan, wie die Medien kolportieren, die Kämpfe gegen IS gleich mal dazu benutzt, ein paar Kurden zu bombardieren. Also, wenn “man” ich oder Elmar ist. Wenn man aber unsere Bundesregierung ist, die – wie die gesamte EU – genau die gleichen Kurden als Terroristen einstuft, kann man das nämlich nicht – zumindest nicht, ohne ein bigotter Lügner zu sein.

Mit dem Thema aber z.B. verlassen wir schon die eigentliche Erdogan-Frage; das Kurden-Problem hat die Türkei ja nun schon länger. Mert, der mir erklärte, wie man einen Bootsmotor pflegt, zeigte mir mit einer Mischung aus Patriotismus und andere verachtendem Nationalismus (das wird in Deutschland ja gerne zusammengeworfen) seine Schusswunden aus dem Wehrdienst in den 1980ern. Dafür habe ich Verständnis – also, dass die Kurden die Türken ankotzen. Die wollen aber “nur” ihr eigenes Land und ihre Ruhe, wofür ich ebenso Verständnis habe. Theoretisch; praktisch sind das Anarcho-Kommunisten, für die ich kein Verständnis habe. Sezession geht – rein historisch – nur mit einem militärischen Sieg, was bei der PKK eher aussichtslos ist, oder durch eine politische Einigung, die Geld involviert, das die sezessierende Partei der abgebenden verspricht. Und kein vernünftiger Mensch glaubt an die Kreditwürdigkeit von Kommunisten.

Auf der Krim war das einfacher: Die wollten nur ihre Regierung loswerden; die wollten nicht irgendwen enteignen (natürlich will die PKK enteignen; sind ja Kommunisten. Steht in dem Wiki-Artikel oben, und linker als Wiki geht nicht). Ich habe immer noch nicht den Hauch einer Ahnung, warum sich da so drüber aufgeregt wird von den Demokratieverfechtern; und wenn denen die Wahlen nicht gefallen haben, hätten sie halt Wahlbeobachter hinschicken sollen; die wurden nicht nur nicht abgehalten, die waren ja sogar eingeladen. Aber man kann halt besser meckern, wenn keine da waren.

Und schon sind wir so weit weg von Erdogan, dass man langsam was über Palästinenser schreiben müsste, aber mal ehrlich: Mir persönlich ist es völlig schnuppe, ob Erdogan sich noch jahrelang von den Kurden Polizeiwachen in die Luft sprengen lässt, ihnen ihren Willen gibt oder die morgen alle exekutiert. Naja, nicht völlig; vielleicht ist es in der gottverlassenen Wüste Ostanatoliens ja ganz hübsch und ich will da vielleicht mal hin, also hätte ich eine echte Präferenz gegen #1.

Aber das eigentliche Erdogan-Thema ist ja der Umgang mit den Flüchtlingen. Ja, und da denke ich mir, was zum Teufel denken denn die Leute, die die “menschenunwürdige” Situation der “armen” Flüchtlinge kritisieren, wer sie sind? Die klassischen Linken sind die ersten, die “Kulturimperialismus” und “Nazi” brüllen, wenn man es nicht OK findet, dass irgendein Achmed die 12jährige Nina-Schakeline geschwängert hat.

Dass Achmed die sicher super dankbare Nina-Schakeline zuhause für den Rest seines Lebens an der Backe hätte und nur unsere “Kultur” Ahmed wegen Unzucht mit Minderjährigen wegsperrt, während er im überwiegenden Teil der Welt mit einem Scheißjob, der gerade zum Überleben reicht, belohnt werden würde, wird halt einfach mal ignoriert.

Die Leute, die den (angeblichen) “Diskurs” prägen, sind, wie das unzivilisierte und respektlose Einwanderer in Berlin-Banlieue formulieren würden, “Kartoffeldeutsche”. Ich habe mich auch an dem Begriff gestört, weil er respektlos und abfällig scheint, aber ganz ehrlich haben die meisten Deutschen ihn verdient. In keinem Land östlich von Deutschland gibt es derart fade, nichtssagende und primitive Kartoffelzubereitungen wie hier. Das ist nicht etwa ein Anzeichen fehlenden Respekts, das ist schlicht der Ausdruck des Fehlens von etwas Respektablem. Und zwar bei den “Rechten”, weil die seit (spätestens) Stalingrad nichts mehr produktives gezeigt haben, wie bei den Linken, die noch nie etwas produktives gezeigt haben. Der Unterschied ist, dass die Rechten denken, sie wären voll geil und besser als die anderen, während die Linken denken, Geld kommt von Giesecke & Devrient.

Was fehlt, sind Werte. Da hat Elmar schon Recht – man müsste Erdogans Moral (und damit die Werte) kritisieren, wenn man ihn denn kritisieren wollte, aber ganz ehrlich könnte ich spontan nicht sagen, welche konkreten Werte Erdogan außer “die Türkei ist geil” vertritt. “Die Türkei ist geil” zu kritisieren, wenn man – im Extrem – wahlweise ein arbeitsloser Neonazi oder ein hausbesetzender Antideutscher ist, ist schon sehr nah am Superlativ der Lächerlichkeit.

Früher gab es mal sowas wie eine Trennung zwischen Innen- und Außenpolitik. Innenpolitik beschäftigte sich mit der Frage, wie wir damit umgehen, dass deutlich zu viele Assos innerhalb der Staatsgrenzen leben, und Außenpolitik mit der Frage, wie wir mit den übrigen Vollidioten klarkommen (das ist keine Wertung; solange es Nationen gibt, muss man das als Patriot so sehen).

Herr Erdogan hat das verstanden; der ist Staatspräsident der Türkei, nicht Retter der Welt. Der muss sich um die Türken kümmern. Und die sind, wenn ich die Gespräche mit Türken rekapituliere, die sich immer erst nach 2, 3 Flaschen Weil ergaben (Türken vertragen echt nichts), auch nicht sonderlich begeistert von ihm, aber er sei – so alle mit Job und/oder Geld – besser als die Sozialisten. Sonst, so Ismail, der mein Bimini reparierte und auf die Lasagne blieb, “verkommt die Türkei am Ende noch so wie Griechenland, und das will ja nun wirklich keiner”.

Ich werde also Herrn Erdogan sicher nicht dafür kritisieren, dass er 2,x Millionen syrische Flüchtlinge in dreckigen Zelten in Ostanatolien mit Wasser und Lebensmitteln versorgt – das haben die geflüchteten Syrer mit den Palestinänsern, die sie im Land hatten, nicht so toll geschafft. Die haben aber mittlerweile einen – sorry, kein Link, aber nach 50 Jahren ist das auch so glaubhaft – funktionierenden “Schwarz”-Markt geschaffen. Weil Märkte funktionieren. Immer. Überall. Seit Anbeginn der Geschichtsschreibung.

Und damit enden wir da, wo man als Deutscher kritisieren sollte: bei der deutschen Regierung. Die macht nämlich die Märkte kaputt. Die macht Immobilienblasen durch ausländische Investoren (kauft mal ein Haus in Thailand – Haha!), die “retten” Banken, die kontrollieren die Grenzen nicht. Und die geben Erdogan drei Milliarden Euro und tun so, als wäre das ein nennenswerter Betrag, damit wir uns darüber aufregen, oder über die 10, 20 Milliarden für die angeblichen Flüchtlinge, oder – kommt sicher bald – ein paar Hundert für noch mehr totalitären Nanny-State.

Mit einer solchen Perspektive wäre Erdogan natürlich ein entsetzliches, Orwell’sches Monster, vor allem, wenn er die Mittel und Möglichkeiten eines der EU-Nettozahlerstaats hätte. Aber solange er die nicht hat, sollten wir lieber diejenigen kritisieren, die sie haben, und eventuell die, die sie ihm geben wollen.

Wie man seine eigene Regierung kritisiert, wenn man sie nicht kritisieren darf, habe ich übrigens in China gelernt. Vor zehn Jahren gab es da die ersten Rauchverbote, und da stellte man extra Wachleute auf, die das überwachten, an jedem Aschenbecher einen. Der rauchte aber halt.

Mittlerweile hat die Regierung das Problem erkannt und Aschenbecher verboten. Zumindest in Restaurants. Es gibt daher jetzt Essschälchen zum Essen und Essschälchen zum Abaschen. Farblich getrennt; es will schließlich niemand aus einem Aschenbecher essen.

Das fehlt uns in Deutschland irgendwie – auf der unteren Ebene. Auf der oberen haben wir halt – siehe Panama Papers – durchaus vernünftige Leute, die das System am Rande oder jenseits der Legalität nicht OK finden. Und durch nichts beitragen boykottieren. Was ich legitim finde. Nicht legitim ist hingegen das zunhemend in allen Wohlstandsländern verbreitete “rausnehmen” als angebliches “Zeichen des Protests”, wie es Linke zunehmend medial aufbereiteter machen. Es sollte niemand gewzungen sein, einen Staat zu unterstützen, den er nicht unterstützen will, auch und vor allem nicht durch eine ochlokratische Mehrheit.

Ich habe auch kein perfektes politisches System, nicht einmal konzeptionell. Aber ich werde einen feuchten Kehricht tun, anderer Leute politische Systeme zu kritisieren, solange sie für die Leute dort in Ordnung sind, inklusive des Scharia-Staats Malediven (wo das wirklich funktioniert – im Gegensatz zu Saudi-Arabien). Und wenn unsere Politiker denken, dass sie mit ungebildeten Analphabeten einen besseren Staat schaffen können als er ist, mögen sie das halt bitte alleine tun.

Das sollte die Entscheidung jedes Menschen sein können. Wenn man aber eine “Gesellschaft” entwickelt, die etwas aufgebaut hat, kann daran nicht jeder schmarotzen. Egal, wo er herkommt. Und ich als Deutscher lebe in einer der schmarotzfähigsten Gesellschaften des Planeten.  Die Chinesen wollen mich trotzdem nicht “einfach pauschal”. Das sollte einem zu Denken geben.

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