Griechische Sultaninen

Da stolpert man über die Schlagzeile Griechenland empört über Österreichs Flüchtlingspolitik und denkt sich: Aber echt, wie kommen die denn dazu, ihre Grenzen zu kontrollieren? Wir leben ja schließlich im 21. Jahrhundert, da kann man einfach überall hingehen, wie einem lustig ist. Ist ja nicht so, als kostet das Visum für China mittlerweile 92 Euro.

Aber in dem Artikel steht dann “die Forderung, Athen solle mithilfe der griechischen Armee Flüchtlinge auf dem Meer stoppen”, und die ist natürlich hochgradig lächerlich. Das kann die griechische Armee nicht, die hat zwar die größte Panzerkampftruppe Europas, aber die ist zur Verteidigung eines Inselstaates natürlich völlig ungeeignet. Die Panzer waren nebenbei Konjunkturprogramm für Krauss Maffei Wegmann und Rheinmetall im Gegenzug zu ein paar Milliarden an Krediten, die Deutschland nie wiedersehen wird – aber wir können ja schließlich schlecht selbst Panzer kaufen, wozu brauchen wir die denn? Wir sind ja friedlich.

Naja, ich wollte eigentlich was polemisches zur Nützlichkeit von Panzern auf Inselstaaten schreiben und hätte mich daher sehr gefreut, wenn die Malediven wenigstens einen Panzer besäßen; die haben aber leider keinen. Dafür gab es lt. Wikipedia auf den Malediven eine “Vielzahl von Sultaninnen”, und auch wenn man sich daran gewöhnt hat, dass auf der deutschen Wikipedia jeder Scheiß gegendert wird, hatte ich Zweifel bei Sultaninnen. Für die “bekannteste von ihnen”, “die Sultanin Khadeeja Rehendi Kabaidhi Kilege, die das Land im 14. Jahrhundert 35 Jahre lang regierte”, findet sich auch keine belastbare Quelle. Glaubt mir oder googelt selbst. Aber, so erklärt uns die englische Wikipedia, es gab durchaus weibliche Sultane, zum Beispiel Raziya al-Din, Sultan von Indien 1236-1240.

Sultan al-Din, so berichten Forscher, fand “Sultanin” sei eine unwürdige Bezeichnung für einen Herrscher, sondern sei die Bezeichnung für die Frau des Sultans, und ließ sich daher Sultan nennen. Das finde ich respektabel und eine sinnvolle Einstellung zum Gendern. Sollten wir heute auch wieder machen. Und für die, die jetzt sagen wollen “ja, wie reaktionär bist Du denn, sollen wir wieder zurück ins Mittelalter und Leute hinrichten, weil sie Gendern” – nein, natürlich nicht. Unter Sultan al-Din gab es zum Beispiel gar keine Todesstrafe, das war in Indien bis zur Ankunft der Briten als unzivilisiert verpönt. Man hätte den Leuten die Zunge rausgeschnitten.

sultan

(Bild: Sultan Fuad I. von Ägypten und seine Frau, die nie Sultan war, sowie Sultaninen, die weder Sultane noch Sultaninnen sein können)

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