Völlig OT: Andere Meinungen

Ich las gerade Gerhards feminismuskritischen Post “Zeit, vom toten Pferd zu steigen” und traf dort in den Kommentaren auf eine der wenigen vernünftigen Frauen, die sich trotzdem als Feministin bezeichnen, missmindf0ck. Gleichwohl (ja, das ist jetzt subtiles Framing, aber das funktioniert auch, wenn ihr es wisst) schreibt sie:

Für mich ist es total logisch, dass ich das, was mir – zum Beispiel – ein Mann über sein Erleben und seine Probleme _als Mann_ sagt, so annehme und eben zuhöre, weil ich eben nicht selbst _weiß_, wie es ist, als Mann durchs Leben zu gehen/sich in dieser Gesellschaft zu bewegen. Ich kann es vielleicht nachempfinden – aber eben NUR, wenn ich zuhöre.

Ja… vielleicht. Vielleicht auch nicht. Ich versuch’s mal, darzulegen, was mich an Feminismus nervt, anhand der Argumente, warum sie Feministin ist. Also, los geht’s (Quelle):

Meinem Erleben nach ist es immer noch „normal“, dass Frauen, die ihre (andere 😉 ) Meinung sagen oder Grenzen aufzeigen (scheißegal, wie sachlich das auch sein mag!) einfach als hysterisch oder überempfindlich oder zickig bezeichnet werden, damit sich damit nicht auseinandergesetzt werden muss.

Können wir das aufteilen? Also, in Frauen, die (1) ihre Meinung sagen und (2) Grenzen aufzeigen? Und das (a) sachlich, (b) hysterisch und (c) überempfindlich?

Denn dass (1a) eine Frau sachlich ihre Meinung sagt und abgekanzelt wird, mag zwar passieren, aber das ist entweder Dein Chef oder ein Idiot, mit dem man nie wieder redet. Das geht Männern auch so.

Dass sich mit der (1b/c) hysterischen oder überempfindlichen Meinung niemand auseinandersetzten möchte, liegt daran, dass sich – vor allem Männer – nicht mit hysterischen oder überempfindlichen Frauen auseinandersetzen wollen. Da wird auch kein Feminismus der Welt was daran ändern.

Analog denke ich, dass nur Arschlöcher, mit denen man nie wieder reden muss, (2a) sachliche Hinweise auf Grenzen nicht beachten. Bei (2b/c) muss ich aber an Lena Kochman denken – die durchgeknallte Vorzeige-“Feministin”. Sorry, Feministinnen, das ist wie bei den Nazis: Der Maßstab ist Hitler.

Insofern: Ja, es gibt Arschlöcher, daran wird der Feminismus aber nichts ändern, und man muss kein Feminist sein, um das zu sehen. Es gibt aber auch Frauen, die schlicht und einfach hysterisch und/oder überempfindlich sind. Wenn man kein Feminist ist, sieht man die wie die Arschlöcher.

Wenn sich dann ECHT mal eine Frau (berechtigterweise) aufregt, wird das auch völlig anders gewertet als wenn ein Kerl irgendwann „auf den Tisch haut“.

Das sehe ich anders – mag eventuell an der Art liegen, wie sie das in welchem Umfeld macht? In Frauenkreisen wird ein Mann, der “auf den Tisch haut”, doch auch als “aggressiv” wahrgenommen., auch wenn er sich noch so berechtigt aufregt. Analog wird eine hysterisch heulende Zicke in Männerkreisen auch (vornehmlich) als solche wahrgenommen, egal, wie berechtigt ihre Aufregung ist. Geschlechterstereotypen oder Geschlechterunterschiede? Hm, eher Geschlechterunterschiede, sonst gäbe es das “Problem” nicht. Auch da hilft uns der Feminismus nicht weiter.

Es ist immer noch „normal“, weibliche Sexualität zu beschränken oder abzuwerten, Frauen, die einen „normalen“ Umgang mit ihrer Sexualität haben, gelten immer noch als Schlampen, die anderen aber als verklemmt.

Der Feminismus kämpft dagegen, dass bestimmte Sachen “normal” sind/seien und dafür, dass andere Sachen “normal” sind/seien. Nun bin ich eher konservativ und denke, dass es für kulturelle Standards durchaus Gründe geben mag, aber ich habe die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen. Feministinnen, vor allem die, die dann nach dem Ausleben ihrer “normalen” Sexualität mit Mitte 30 im wahrsten Sinne des Wortes abgefuckt rumjammern, dass sie keiner mehr will, aber offenbar auch nicht. Das ist das grundsätzliche Problem, wofür ich keine deutsche Metapher kenne, aber “you cannot have the cake and eat it, too” trifft es schon gut. Männer haben nichts gegen einfachen Sex, wenn sie ihn bekommen können. Ich sehe nicht, wie uns der Feminismus da weiterhelfen könnte; Frauen können mirwegen vögeln, mit wem sie wollen, aber dann müssen sie halt damit leben, dass eine Menge untervögelter Mittdreißiger-Männer entsteht, die kein Interesse an abgefuckten Mittdreißiger-Frauen hat, da es ja plötzlich genug fickbare Anfangzwanziger-Frauen gibt, für die man ebenso plötzlich interessant geworden ist.  Ich sehe nicht, wie der Feminismus da weiterhelfen könnte – Männer lassen sich sicher nicht (in großer Zahl) einreden, dass die abgefuckten Mittdreißiger-Frauen irgendwie “besser” wären als die jüngeren Alternativen. Ich sehe da aber kein “Problem” von Männern, sondern nur eines für Frauen – an dem der Feminismus Schuld ist. Was natürlich auch Männer betrifft. Aber Männer interessieren niemanden.

Es gibt zig Variationen von irgendwelchen Fischgeruch- oder Menstruationswitzen (ich kenne keinen einzigen Witz, der das in Bezug auf Männer macht! Ein ungewaschener Schwanz riecht aber auch nicht besser als eine ungewaschene Muschi! Trotzdem wird nur weibliche Körperlichkeit in der Form abgewertet.),

Das mag daran liegen, dass (sogar) die durchschnittliche Nutte darauf besteht, dass der Mann vorher duscht. Eine Errungenschaft des modernen Feminismus ist dagegen, dass man als Mann dafür dankbar sein muss, wenn Frauen sich ein gottverdammtes Tampon reinstecken und nicht halb London vollbluten. Mögen die Witze evtl. daran liegen, dass der “ungewaschene Schwanz” schlicht inakzeptabel, die ungewaschene Muschi ist? Ich möchte keinen Feminismus unterstützen, der das noch ungewaschener machen möchte (und das tun fast alle Feministen).

Frauen auf dem Weg nach Hause von einem One Night Stand gehen immer noch den „Walk of Shame“,

Wir brauchen Feminismus, weil Frauen nicht selbst mit dem Auto nach X zum poppen fahren und zu doof sind, sich was zum Umziehen einzupacken?

eine Frau, die mit einem Kerl rummacht und dann merkt, dass es sich doch nicht stimmig anfühlt, ist immer noch „Tease“ bzw. „die dumme Schlampe, die ihn erst heiß macht und dann fallen lässt“,

Ja. Und? Ist das umgekehrt anders? Ach, Moment, das passiert verdammt selten.

Frauen wird so häufig zumindest eine Teilschuld an Vergewaltigungen und Übergriffen gegeben und Übergriffe werden heruntergespielt (vor allem natürlich in bestimmten Berufsgruppen, z.B bei Kellnerinnen).

Können wir wieder trennen zwischen (1) Vergewaltigungen und (2) Übergriffen?

Könnten wir dann Vergewaltigung (a) nach StGB definieren? Ok, dann bedeutet “häufig” hier “von ein paar Arschlöchern”.  Oder (b) feministisch? Dann lass Dich bitte lebenslang einsperren, Du hast mich gerade vergewaltigt. Dass wir uns nie gesehen haben, ist irrelevant, Du widerlicher Vergewaltiger.

Zu den (2) Übergriffen – (a) körperlich oder (b) verbal? Auch hier: (a) Arschlöcher, (b) wft feministischer Bullshit?

Kurz: Während männliche Sexualität als natürlich dargestellt wird, wird Frauen für so ziemlich alles, das mit ihrem Körper zusammenhängt, Scham eingetrichtert.

Außer natürlich, die Männer sind alt, jung, homosexuell. polyamourös oder verheiratet. Bullshit bzgl. männlicher Sexualität. Zu “Frauen wird Scham eingetrichtert” stelle ich mal die Hypothese in den Raum, dass der Feminismus den Frauen die Scham, die sie – kulturell oder vaginal bedingt – halt mal haben, ausreden will. Ich wüsste nicht, was das positives bringen sollte.

Street Harrassment. Ist kein Witz.

Ah.. Äh. So wie die Schauspielerin in diesem Video? “Hallo” sagen ist Harrassment? Dann ist das natürlich kein Witz, sondern eine schwere Psychose. I need feminism I need therapy. Ehrlich: Wtf?

Frauenrollen in Filmen. (Ich bin ja Fan des Bechdel-Tests :D).

Ah. Frauen in Filmen machen das gleiche wie Frauen in der Realität? Ah, ne, Frauen in Filmen machen viel mehr, als dass Frauen in der Realität machen. Bullshit. Bechdel-Test? Ok, machen wir den Lolli-Test als Gegenbeispiel: In welchem Film reden Männer über ihre Gefühle, ohne, dass das lächerlich gemacht wird? Ach? Interessiert niemanden? Wirklich? Eben.

In Diskussionen ist es auch heute noch „normal“ für viele Männer, Frauen als inkompetent darzustellen, ihnen herablassend zu begegnen

Nein. Ganz klares Nein, ich kenne ein Pärchen, was das anders handhabt. ER nimmt SIE ernst und erklärt IHR [Thema] so, wie er [Thema] einem Mann erklären würde. Ich konnte mir da nicht verkneifen, SIE zu fragen, ob sie das denn verstanden hätte. “Was? Nö. Was?“.

und ihnen den Mund zu verbieten (natürlich ein bisschen subtiler als mit „Halt mal die Fresse, Weib“, aber es ist gang und gäbe!)– ungeachtet der Tatsache, ob sie kompetent sind oder nicht

Ja, Männer lernen das leider relativ spät, dass “Das ist keine Aussage zum Thema” bei Dummtrullas auch nur als “Halt die Fresse, Weib” ankommt. Das liegt aber nicht am Geschlecht, das geht bei männlichen Idioten genauso. Ich wüsste nicht, wie der Feminismus mit seiner “alle Idioten sind gleich bescheuert” – Ideologie hier weiterhelfen kann, wenn man kein Idiot ist.

und es ist auch heute noch total normal, dass bei Heteropärchen nur der Kerl angesprochen wird.

Der von mir persönlich am wenigsten verstandene Punkt. Ich habe den Eindruck, dass Frauen sich untereinander nur hassen, aber das sei mal nun ein Frauenproblem. Wenn aber nun ein anderer Mann mit meiner Frau (statt mir oder uns beiden) redet, über etwas, was auch mich betrifft, dann ist das respektlos mir gegenüber. Ich wüsste nicht, wie mir der Feminismus hier weiterhelfen sollte – ignorieren werde ich das nicht.

Es ist „normal“, Prostituierte abzuwerten und zu diskriminieren.

Ah. Weil? Wer? Wo? Inwiefern? I call Bullshit. Sorry. Das machen Feministen. Ununterbrochen. Nicht: Männer.

Mir wird regelmäßig von Kerlen, ohne, dass ich sie nach ihrer Meinung frage, erklärt, wie ich irgendetwas „sehen sollte“ oder wie ich mich verhalten sollte und das erlebe ich auch ständig als „Beobachterin“ bei anderen Frauen.

Ich entschuldige mich als Mann, gerne auch überheblich als Vertreter aller Männer, ganz sicher nicht dafür, dass Du ein Problem damit hast, dass Dir Männer positive und gut gemeinte Ratschläge geben., die weder Dir noch ihnen schaden.  Hier sieht man den krassen Unterschied zum Feminismus, der Männern nichts zu bieten hat, was diese aber einfach hinnehmen sollen.

Weißt du, wie oft mir in Bezug auf meine Gesangsvideos von Kerlen gesagt wird, ich solle doch „mal die Hüften mehr bewegen“, weil das „heißer wäre“ oder ich solle doch beim nächsten Mal was mit tieferem Ausschnitt anziehen oder was auch immer?

Marketing 101. Sex sells. Wo, genau, ist Dein Problem? Ist so. Wird so bleiben. Fuck, die fette, häßliche Meghan Trainor wackelt ihren fetten, häßlichen Arsch und verkauft damit. AN FRAUEN.

Von Kerlen, mit denen ich weder flirte, mit denen ich oft gar keinen weiteren Kontakt habe, in einer Situation, in der es nicht um irgendwas Sexuelles geht, die einfach GENERELL der festen Überzeugung sind, es müsse für mich das höchste Ziel zu sein, SIE aufzugeilen.

Oder aber erfolgreich zu sein. Ah, haben wir was übersehen?

Hast du mal von ’ner Frau so was gehört wie „Wenn du strippen würdest, würd ich deinen Blog auch lesen“ oder so?

Nein. Kaum jemand liest mein Blog.  Ist wohl den meisten zu langweilig. Würde auch nicht helfen, wenn ich strippe. Wenn das bei Frauen anders ist, weiß ich nicht, warum der Feminismus, der ja ach-so für Gleichberechtigung ist, dagegen nicht ankämpft. Tut er aber nicht. Verlogene Scheiße.

Ich könnte jetzt noch ’ne Weile so weiter machen.

Glaube ich Dir.

Wir bekommen ja alle diese Rollenklischees eingetrichtert und NATÜRLICH verhalten sich viele auch nur deswegen auf eine bestimmte Art.

Ja, das ist die feministische Theorie. Die es nie geschafft hat, zu widerlegen, dass es halt so ist.

Vielleicht meint der Kerl ja, er MÜSSE so ’nen Kommentar bringen, um seine Männlichkeit zu unterstreichen.

Das ist natürlich aus feministischer Sicht immer ein hervorragendes Argument: Die Männlichkeit des Kontrahenten anzugreifen. Weil Männlichkeit ja nur ein soziales Konstrukt ist. Ganz hervorragend und kohärent.

Aber was ist das denn dann, wenn nicht eine Folge von patriarchalen Strukturen und veralteten Rollenvorbildern?

Natur. Ist so. Ja, ist nicht unveränderlich, aber laaaaaaangsam. Nicht in Deinem Leben. Nicht in meinem Leben. Und, btw, ich bin nun zwar Mitte 30, aber ich halte Deine “veralteten Rollenbilder” nicht für veraltet, und Deine “patriarchalen Strukturen” sind eine feministische Fiktion.

Und wer befasst sich denn außerhalb des Feminismus damit und mit den damit verwobenen Themen?

So ziemlich jeder Wissenschaftler, den das tangiert?

Sicherlich würde ich auch andere Dinge ändern, aber ich nenne nun mal die Dinge, von denen ich direkt und häufig betroffen bin (und so was wie die gläserne Decke betrifft mich aufgrund meiner Erkrankungen eben nicht direkt, da Karriere machen für mich keine Option ist. 😉 ).

Ja nun, wir leben in Deutschland / A / CH nun in einer sozialen Marktwirtschaft. So sehr das “sozial” Überhand nimmt, ist es immer noch eine Marktwirtschaft, und wenn Du dazu nichts beizutragen hast, dann könntest Du wenigstens – auch in Deinem Interesse  – die Leute, die dazu was beitragen – nicht ärgern.

Weder ich noch Du können was dafür, dass Du in einer Marktwirtschaft Deiner eigenen Aussage nach keine Chance hast, auch wenn ich das von Deiner Seite aus bezweifle, da man – dank des “sozialen” Teils als berufsempörte Geisteskranke durchaus kann  – aber ich kann Dir zum Abschluss nur sagen:

Schade, dass Du so krank bist, dass Du Dir eine gläserne Decke herbeiphantasierst. Die ist nicht da. Mach was. Es lohnt sich. Noch haben wir eine Marktwirtschaft.  Und Du hast da den Vorteil, eine Frau zu sein; das alleine reicht, um z.B. Anschaffen zu gehen. Dass sollte für den Stundenlohn eines Arztes/Anwalts oder sonstiger überbezahlter Berufe ausreichen.

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9 Replies to “Völlig OT: Andere Meinungen”

    1. Natürlich hab ich’s gelesen. Ich bin ja ein netter Mensch, der sich ansieht, was er so triggert.
      Btw waren das nicht meine Gründe dafür, Feminist_in zu sein, sondern meine Antwort auf Christians Frage, welche Alltagssexismen gegenüber Frauen ich als am störendsten empfinde. 😉

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      1. Boah liest Du schnell. Wenn ich ein Emoticon für [Herzchen] kennen würde, bekämst Du das für die Referenz mit “Triggern”.
        Ich werde aber Deine Antwort auf die Frage von Christian, was denn nun “Dein Feminismus” ändern sollte, und Deiner Antwort “Alltagssexismus”, die Du dann eben so, wie ich es kritisiere, konkretisierst, dennoch als “Deinen Feminismus” ansehen. Wie Du ja schon weißt ist es nicht schwer, einen konkreten Artikel über “Mein Feminismus” zu schreiben 😉

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          1. Ah… Das Weltbild, mit dem ich Dich zitiere, ist, nicht Deines, weil [Feminismus] sondern eigentlich ein völlig anderes, weil [Feminismus]. Es gibt auch keinen Grund, das gegenüber kritischen Arschlöchern wie mir klarzustellen, weil [Feminismus]. Wer das nicht versteht, hat halt [falsches, weil: Feminismus] Weltbild.

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  1. Auch das kannst du da gerne rauslesen….also das mit dem Arschloch jetzt nicht zwingend. Wegen mir jedenfalls. Wenn du die (Selbst-)Erniedrigung aber brauchst und es dir damit besser geht, dann natürlich auch das.

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